Der abstiegsbedrohte Zweitligist FC Ingolstadt hat sich von Trainer Benno Möhlmann getrennt. Ein Nachfolger steht bei dem Tabellenletzten noch nicht fest. Möhlmann hatte am...

Der abstiegsbedrohte Zweitligist FC Ingolstadt hat sich von Trainer Benno Möhlmann getrennt. Ein Nachfolger steht bei dem Tabellenletzten noch nicht fest. Möhlmann hatte am 7. November 2010 die Nachfolge von Michael Wiesinger angetreten, aus den vergangenen sechs Spielen aber nur noch einen Punkt geholt.

Letztes Jahr Helden, heuer erfolglos

Mit dem Schritt werde auf die „negative sportliche Entwicklung der Vorwochen“ reagiert, hieß es in einer Pressemitteilung. Neben Möhlmann wurde auch dessen Co-Trainer Sven Kmetsch mit sofortiger Wirkung beurlaubt. „Wir bedanken uns für die Zusammenarbeit mit Benno Möhlmann und Sven Kmetsch, die uns in der Vorsaison zum Klassenerhalt geführt haben. Wir sahen uns aber aufgrund der aktuellen Situation zu dieser Entscheidung gezwungen“, sagte Ingolstadts Vorstandsvorsitzender Peter Jackwerth. Für Donnerstag hat der FC Ingolstadt 04 um 13 Uhr eine Pressekonferenz angesetzt, um das weitere Vorgehen vorzustellen

Grund: Erfolglosigkeit

Zu den Gründen für den Rauswurf des 57-Jährigen musste sich niemand lange rechtfertigen. Nach 14 Spielen stehen nur neun Punkte am Konto der Ingolstädter. Zwei Siegen stehen neun Niederlagen gegenüber, drei Mal endete ein FCI – Spiel unentschieden. Die Krise ist in Ingolstadt kein neues Gefühl mehr, die Saison 2011/2012 war für den Österreicher-Klub in der zweiten deutschen Liga von Anfang an von Problemen geprägt. Nach den ersten fünf Spieltagen stand Ingolstadt mit zwei Punkten lediglich auf Rang 17. Hansa Rostock und Dynamo Dresden kennen als einzige Zweitligisten das Gefühl, gegen den Audi-Klub zu verlieren. Und das, obwohl die Oberbayern mit einem Kader in die Saison gingen, der, gespickt mit ehemaligen Bundesligaspielern, vor der Saison große Ambitionen hegte. Neben den Tormännern Sascha Kirschstein (HSV) und Ramazan Özcan (Hoffenheim) stehen mit Andreas Görlitz (Bayern München), Marino Biliskov (Wolfsburg), David Pisot (Stuttgart), Malte Metzelder (Dortmund), Marvin Matip (Köln) und Fabian Gerber (St. Pauli) acht Profis, die bereits in der Bundesliga zum Einsatz kamen. Trotzdem reichte es in den ersten 14 Partien lediglich zu 19 Toren, die Torhüter mussten allerdings bereits 36 Mal (!) hinter sich greifen. Damit stellt die Mannschaft von Ex-Trainer Möhlmann die mit Abstand löchrigste Abwehr der Liga. Der Vorletzte, Alemannia Aachen, kassierte genau halb so viele Tore wie das Schlusslicht.

Österreicher nur in Nebenrollen

Die österreichischen Legionäre spielen in Ingolstadt bisher keine große Rolle. Ramazan Özcan kam bisher kaum an Stammtorhüter Sascha Kirschstein vorbei. Der Ex-Tormann von Salzburg und Hoffenheim durfte heuer erst zwei Mal das Tor der Ingolstädter hüten. Die Bilanz: acht Gegentore in zwei Spielen, kein einziges Mal zu null gespielt, nur knapp 58% abgewehrte Schüsse. Noch schlechter geht es Ronald Gercaliu in Bayern. Möhlmann baute von Anfang an nicht auf den Verteidiger. Zuletzt sprach ihm der ehemalige Trainer sogar die nötige Fitness für die zweite Mannschaft ab. Ein Schlag ins Gesicht eines Spielers, der vom Nationalspieler bei der EM 2008 zum Tribünengast beim Letzten der zweiten deutschen Liga verkam. Für den aufmerksamen Beobachter mutet es da nicht sonderlich überraschend an, dass Gercaliu, immerhin seit Sommer 2010 beim Verein, am offiziellen Mannschaftsfoto auf der FCI-Homepage fehlt. Zumindest Christoph Knasmüllner konnte schon das eine oder andere Erfolgserlebnis im rot-schwarzen Dress verbuchen. Vier Mal durfte der 19-Jährige spielen, jedoch kein einziges Mal von Beginn an. Bei allen vier Einsätzen kam der Nachwuchsnationalspieler als Joker zum Einsatz, insgesamt kommt Knasmüllner bisher auf mickrige 53 Einsatzminuten. Wenigstens über ein Tor konnte er sich bereits freuen. Im Spiel gegen Dynamo Dresden traf der Mittelfeldspieler zum 4:2-Endstand. Nicht nur in der Meisterschaft, auch im DFB-Pokal bekleckerte sich die Mannschaft nicht gerade mit Ruhm: gegen Bayern München, zugegeben ein Gegner, gegen den man schon einmal verlieren kann, ging man sang- und klanglos 0:6 unter, während Teams aus der dritten Liga für Furore sorgten.

Trotz Audi-Millionen kein Erfolg

Hinter dem kometenhaften Aufstieg des FC Ingolstadt der letzten Jahre steht der deutsche Automobilhersteller Audi. 2006 stieg der Big Player der Automobilbranche bei Ingolstadt ein und begann, den Klub zu sponsern und in höhere Gefilde zu führen. Das Vorhaben gelang, schnell stieg man in die dritte Liga auf, der Sprung in die zweite Bundesliga gelang ebenfalls (2008). Auch für das neue Stadion steht Audi als Namenspatron zur Verfügung. Die 15.000 Zuschauer fassende Arena in Ingolstadt wurde auf den Namen Audi-Sportpark getauft. Audi bekleidet durch das Sponsoring auch drei von sechs Positionen im Vorstand des FC Ingolstadt 04. Neben dem Zweitligaklub kaufte sich der Großkonzern auch beim FC Bayern ein – die Anteile am Champions-League-Starter sind aber bei Weitem nicht so groß wie jene am FC Ingolstadt. Sollte der bisher noch unbekannte Nachfolger von Benno Möhlmann den Klassenerhalt nicht schaffen, könnte sich Audi aber auch in Ingolstadt zurückziehen und das Engagement auf ein Minimum reduzieren.

Archimedes, abseits.at

Archimedes

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