Wie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive... Transfers erklärt: Darum wechselte Andre Schürrle zu Chelsea und Heung-min Son zu Leverkusen

Bayer LeverkusenWie schon in der vergangenen Winterpausen gehen wir in dieser Rubrik auf einzelne fixe Transfers zumeist größerer Vereine ein, wo die Hintergründe und Motive beleuchtet werden. Wieso holt eine Mannschaft diesen Spieler? Wer ist dieser Spieler überhaupt? Was erwartet sich sein neuer Verein von ihm? Kann er die Erwartungen in seinem neuen Verein erfüllen?

Diese Fragen sollen hauptsächlich beantwortet werden. Auch die taktische Perspektive soll nicht zu kurz kommen, immerhin ermöglicht ein neuer Spieler oftmals eine Vielzahl neuer Kombinationen und Synergien, die ebenfalls kurz erläutert werden sollen.

In dieser Ausgabe blicken wir auf zwei Wechsel, die sich lange hingezogen haben und im direkten Zusammenhang zueinander stehen.

Andre Schürrle – ein Flügelspieler zu viel?

Monate lang geisterten Gerüchte um einen Wechsel von Andre Schürrle von Bayer Leverkusen zum Chelsea FC durch die Medien. Er wurde als fix vermeldet, dann diese Meldung wieder revidiert und dann meldeten sich Verantwortliche von beiden Vereinen mit den Worten „nichts zu vermelden“ zu Wort. Am 13. Juni wurde der Transfer schließlich offiziell bestätigt. Kolportierte 22 Millionen Euro legte der amtierende Europa League-Sieger auf den Tisch, von denen vier Millionen in die Kassen von Schürrles vormaligen Verein Mainz 05 fließen.

Die angelaufene Saison war wohl die beste, die der 22-Jährige in seiner vierjährigen Bundesliga-Karriere abgeliefert hat. In 34 Spielen schoss er elf Tore und legte sieben weitere auf, womit er neben Stürmer Stefan Kießling der wichtigste Offensivbaustein des starken dritten Endplatzes war. Im 4-3-2-1 der Rheinhessen agierte er als Linksaußen. Der deutsche Teamspieler zieht stets stark Richtung Tor, sucht Tempodribblings, Pässe in Schnittstellen und Abschlüsse.

Der Transfer wurde nicht kritiklos von der Öffentlichkeit aufgenommen. Manche sind sogar der Meinung, dass er schlicht lächerlich ist. Der Grund: Chelsea hat bereits eine Vielzahl an offensiven Mittelfeld- bzw. Flügelspielern: Juan Mata, Eden Hazard, Oscar, Victor Moses, Ramires und Kevin de Bruyne. Gerade nachdem Neo-Coach Jose Mourinho bei der ersten Pressekonferenz seiner zweiten Chelsea-Ära verkündete, dass man mit Letzterem plant, schien ein Transfers Schürrles auf den ersten Blick überflüssig.

Dabei ist es genau das Engagement jenes Mourinhos, das den Wechsel in ein verständliches Licht rückt. Es ist anzunehmen, dass der Portugiese einen ähnlichen Spielstil wie bei Real Madrid implementieren wird. Die Königlichen überzeugten – vor allem in der Meistersaison 2011/2012 – mit einem bedingungslosen und extrem präzisen aus einer 4-2-3-1-Grundformation heraus. Auf der für Schürrle relevanten linken Flügelposition spielte dabei niemand geringer als Cristiano Ronaldo, der dem Deutschen in einigen Punkten äußerst ähnlich ist.

Beide agieren am falschen Flügel und ziehen ein Dribbling nach innen einem geradlinigen Vorstoß zu Grundlinie vor. Beide verfügen über eine hohe Grundschnelligkeit und sind einem Zocken in der Defensivbewegung nicht abgeneigt. Beide haben eine hohe Abschlussfrequenz – so schoss in der letzten Spielzeit kein Bundesligakicker öfter aufs Tor als Schürrle (122 Mal). Genauso wie der portugiesische Superstar zieht er auch gerne aus der Ferne ab. Zwar trifft er nur in 9% der Fälle ins Netz, rund 56% seiner Versuche sind aber Weitschüsse. Ein Musterbeispiel für Schürrles Verhalten war das gegen Schalke 04. Konter, Dribbling nach innen, Weitschuss, Tor.

 Heung-min Son – mehr als ein 1:1-Ersatz?

Noch bevor der Transfer von Schürrle an die Stamford Bridge offiziell wurde, gaben die Bayer-Verantwortlichen die Verpflichtung von Heung-min Son bekannt. Für viele war damit klar, dass der Südkoreaner den Abgang des DFB-Kickers auffangen soll. Zehn Millionen sollen die Leverkusener an den Hamburger SV überwiesen haben um den 16-fachen Internationalen loszueisen – viel Geld angesichts der Tatsache, dass Sons Vertrag im nächsten Sommer ausgelaufen wäre. Andererseits bringt der 20-Jährige viele Qualitäten und noch mehr Entwicklungspotenzial mit.

Trotz seiner Jugend verfügt Son schon über viel Erfahrung, absolvierte in den letzten drei Jahren 73 Bundesligaspiele, in denen er 20 Mal zum Torjubel abdrehen konnte. Bei den Norddeutschen erlebte er sowohl den Kampf gegen den Abstieg als auch jenen um die internationalen Startplätze hautnah mit. In beiden Fällen war Son ein wichtiger Leistungsträger und hob sich vom Rest des Teams ab, 2012/2013 sogar gemeinsam mit Artjoms Rudnevs bester Torschütze. Beim HSV agierte Son auf einer Vielzahl von Positionen – meist abervim rechten Mittelfeld oder als hängende Spitze.

Es ist damit zu rechnen, dass Son bei der Werkself die gleiche Position wie Schürrle bekleiden wird, was aus einigen Gründen viel Sinn macht. Auch Son zählt zu den schnelleren Spielern in der deutschen Liga, ist daher eine Konterwaffe, geht gerne ins Dribbling und schießt vermehrt aus größeren Distanzen. Aufgrund seiner Ballsicherheit und technischen Stärke bringt er aber auch eine neue Dimension mit. Seine spielgestalterischen Fähigkeiten sind etwas über jene von Schürrle zu stellen, was daher rührt, dass er mehr Erfahrungen im Zentrum hat.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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