Neben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln... Update aus der 2. deutschen Bundesliga | Gregoritsch mit Traumtor, Kaiserslautern und Fürth feiern Siege

Michael Gregoritsch - FC St.PauliNeben der heimischen tipico-Bundesliga und der deutschen Eliteliga ist wohl keine Spielklasse für Marcel Koller derart interessant wie die 2. deutsche Bundesliga. Schließlich tummeln sich dort in zahlreichen Klubs (potentielle) Nationalteamakteure, denen es genau auf die Beine zu schauen gilt. Auch in der 41. Saison reißt der Boom rund um die Liga nicht ab, die extrem ausgeprägte Ausgeglichenheit verleiht der 2. deutschen Bundesliga ihren Reiz.

Michael Gregoritsch passt zum VfL Bochum wie der Deckel zum Topf

Der Sohn von U21-Teamchef Werner Gregoritsch blüht momentan so richtig auf. Der Offensivakteur, der bis Juni 2016 vertraglich an die TSG 1899 Hoffenheim gebunden ist, soll bei der Elf von Kulttrainer Peter Neururer in der 2. Bundesliga Spielpraxis und Erfahrung sammeln. Bei seiner ersten Station in der zweithöchsten deutschen Spielklasse klappte das nur bedingt. Auf St. Pauli glückte es ihm nicht sich in die Stammformation zu kämpfen, sowohl Michael Frontzeck als auch später Roland Vrabec schenkten ihm nicht wirklich das Vertrauen. Gregoritsch kam über die Rolle eines klassischen Ergänzungsspielers nicht hinaus. Dieses Bild zeichnen auch die maue Statistik von lediglich 425 Spielminuten verteilt auf zehn Einsätze und die magere Trefferausbeute: nur einmal traf der großgewachsene U21-Internationale für die Hamburger ins Schwarze.

Nun scheint dem VfL ein echter Glücksgriff geglückt zu sein – für beide Seiten ergab sich eine Win-Win-Situation. Neururer wagte ein Experiment und beorderte den gelernten Mittelstürmer auf die linke Außenbahn, ein Plan der rasch aufgehen sollte. Der Youngster scheint sich auf seiner neuen Position hinter den Spitzen pudelwohl zu fühlen, dankt seinem Förder das Vertrauen mit reihenweise ansprechenden Leistungen. Die Leistungsexplosion lässt sich auch anhand der nackten Zahlen recht deutlich belegen: nach neun Runden hat Gregoritsch bereits 603 Minuten auf dem Feld abgespult und dabei drei Treffer und zwei Vorlagen zum ebenso überraschenden wie sensationellen Bochumer Erfolgslauf beigesteuert.

Es macht ganz den Anschein, als ob der Ex-Kapfenberger seine Gefährlichkeit in seiner neuen Rolle besser ausspielen kann. Auf dem linken Flügel zieht er naturgemäß die Aufmerksamkeit gegnerischer Verteidiger weniger stark auf sich, als wenn er im Sturmzentrum operiert. Diese Vorteil an Zeit und Raum weiß er bisweilen zugunsten des Teams zu nutzen, er ist im Bochumer Kombinationsspiel voll und ganz eingebunden, harmoniert hervorragend mit den beiden Angreifern Terodde und Sestak. Bedingt durch seinen hohen Offensivdrang wird aus dem 4-4-2 situativ immer wieder ein 4-3-3. Gregoritsch sucht und findet, neben seinen schlauen und genauen Zuspielen, selbst gerne den Abschluss.

Dies beweist auch sein Traumtor gegen die Nürnberger als er eine Nachlässigkeit der sich im Tiefschlaf befindlichen Hintermannschaft per Volleyabnahme eiskalt bestraft. Ein Treffer Marke Tor des Monats! Diesen Ball muss man erst einmal so perfekt treffen, auch wenn der neue Einser-Keeper Ratkovsky beim Versuch ins kurze Eck keine allzu glückliche Figur abgibt und von der Freistoßvariante Tasakas ebenso wie seine Vorderleute übertölpelt wirkt.

Beim „Club“ bot Alessandro Schöpf, Man of the match und Doppeltorschütze in der Vorwoche im zentralen Mittelfeld der Franken, erneut eine abgeklärte, sehr sehenswerte Vorstellung. Er assistierte zum 1:1-Endstand, scheute sich nicht Verantwortung zu übernehmen, lenkte das Spiel in der Offensive und zählte zweifellos zu den Besten seines Teams.

Heimmacht FCK gegen KSC ohne Mühe, Fürth siegt verdient

Die Fürther hatten in den letzten drei Matches die erste Halbzeit immer komplett verschlafen. Gegen den FCK wirkten die „Kleeblätter“ in den ersten 45 Minuten komplett abgemeldet, fanden überhaupt nicht in die Partie und bejubelten am Ende einen schmeichelhaften Erfolg, den sie nach dem Seitenwechsel errangen. Im Heimspiel gegen Aalen bot sich den Zuschauern dasselbe eigenartige Bild, erst im zweiten Spielabschnitt entdeckte die Kramer-Truppe ihre Offensivqualitäten, begann gefällig zu kombinieren und erarbeitete sich tolle Gelegenheiten. Zu mehr als einem enttäuschenden Punkt reichte es aufgrund mangelnder Chancenauswertung und tiefstehenden Gästen trotzdem nicht. Gegen 1860 nahm das Unheil ebenfalls bereits früh seinen Lauf, als der in sich in Überform befindliche Okotie nicht entscheidend gestört werden konnte und sein sechstes Saisontor erzielte. In den Zweikämpfen agierten die Franken zu passiv, sie überließen den „Löwen“ das Feld. In der Vorwärtsbewegung verschenkten sie die Bälle überwiegend leichtfertig, sodass bei den Gästen nie ein wirklicher Spielfluss zustande kam. Die verbesserte Leistung nach der Pause war zu wenig durchschlagskräftig und führte nicht mehr zu einem Punktgewinn.

Gegen unter Neo-Trainer Stipic klar verbesserte Auer konnte dieser Trend gestoppt werden. Von Beginn an gingen die Fürther entschlossen, engagiert und zielgerichtet zu Werke. Ball und Gegner wurden dominiert, die Überlegenheit resultierte in guten Chancen, Tom Weilandt sogte mit seinem Doppelpack nach 17 Minuten früh für klare Verhältnisse. Mit 14 Punkten am Konto bleiben die „Kleeblätter“ in Schlagdistanz zur Spitze.

„Rote Teufel“ schwächeln auswärts, lassen zuhause aber nichts anbrennen

Der 1. FC Kaiserslautern zeigt aktuell zwei Gesichter: Daheim hui, auswärts pfui! Am „Betze“ haben Gästeteams nichts zu bestellen, die Punkte bleiben in Kaiserslautern, 9:3-Tore sprechen eine deutliche Sprache. Offensive ist vor heimischer Kulisse definitiv Trumpf. Die Heimstärke der „Lauterer“ musste auch der seit drei Spielen sieglose KSC anerkennen: Vor allem eine sehr agile linke Seite mit Chris Löwe und dem unbekümmert aufspielenden Kevin Stöger stellte die Badener vor Schwierigkeiten und überzeugte. Die Heimischen waren zu jeder Zeit Herr der Lage und hätten bei entsprechender Chancenverwertung auch einen höheren Sieg davontragen können. Der KSC blieb offensiv weitgehend blass, ließ seine Qualitäten im Umschaltspiel vermissen und beging defensiv zu viele Fehler. So auch beim 0:2 als sich kein KSC-Verteidiger für einen sich sehr lange in der Luft befindlichen Ball zuständig fühlte, Gaus so als Nutznießer des kapitalen Missverständnisses zum Entsetzen von Markus Kauczinski unbehelligt die Entscheidung herbeiführen konnte.

Gänzlich konträr sieht die Bilanz auf fremdem Platz aus: In vier Spielen konnten Lakic und Co. nur zwei Punkte erobern. Auswärts gelingt es nicht die Gegner über 90 Minuten zu dominieren, sich für die teils guten Auftritte auch entsprechend zu belohnen. Dem kriselnden FCN hatte man sich in einem packenden, unterhaltsamen Match mit 2:3 zu beugen, in Fürth unterlagen die „Roten Teufel“ unglücklich mit 1:2. Gegen die Abstiegskandidaten Sandhausen und Aalen musste sich die Runjaic-Elf jeweils mit Punkteteilungen zufrieden geben. Torjäger Lakic steht ein wenig sinnbildlich für die Auswärtsschwäche der Pfälzer: Vier seiner bislang fünf Saisontore bejubelte er am „Betze“.

Die derzeitige Heimstärke sichert nichtsdestotrotz einen Rang im Spitzenfeld, zumindest vorübergehend hat der 1. FCK den Platz an der Sonne inne. Gelingt es zukünftig das Gefälle zwischen Heim- und Auswärtsresultaten zu überwinden und des Öfteren als Gast dreifach zu punkten, ist die Runjaic-Truppe im Aufstiegsrennen mehr als nur gut gewappnet.

David Kühhas

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