In der Begegnung zwischen RB Leipzig und dem 1. FC Köln treffen mit Ralph Hasenhüttl und Peter Stöger zwei der besten österreichischen Trainer der... Vorschau auf den 22. Spieltag in Deutschland: Das Duell der österreichischen Trainer-Gurus

_Peter Stöger - 1.FC KölnIn der Begegnung zwischen RB Leipzig und dem 1. FC Köln treffen mit Ralph Hasenhüttl und Peter Stöger zwei der besten österreichischen Trainer der letzten Jahre aufeinander.

Was für gute Arbeit Ralph Hasenhüttl bei RB Leipzig leistet, kann natürlich am aktuellen Tabellenstand abgelesen werden, der die Sachsen auf Platz zwei mit nur fünf Punkten Abstand auf Spitzenreiter Bayern München ausweist; aber auch daran, dass eben jene Bayern Hasenhüttl angeblich in der Verlosung haben, wenn es in Zukunft um die Nachfolge von Carlo Ancelotti geht.

In der Öffentlichkeit macht Hasenhüttl den Eindruck eines sehr ehrgeizigen Trainers, der einen klaren Plan verfolgt, aber auch sehr ehrlich im Umgang mit Fehlern ist. Zudem vermittelt Hasenhüttl eine fast jugendliche Energie, die ihn, neben seiner allgemeinen beruflichen Kompetenz, zu einem perfekten Aushängeschild für die Philosophie seines aktuellen Arbeitgebers macht. Auch die jüngste Mini-Negativserie von zwei Niederlagen in Folge brachte Hasenhüttl dabei nicht aus der Ruhe.

Sein Gegenüber und Landsmann Peter Stöger hat eine ähnliche Assimilation durchlaufen und gibt mit seiner authentischen sowie humorigen Art ein hervorragendes Testimonial für seinen Verein ab. Stögers Analysen treffen meistens genau den Punkt und lassen an manchen Stellen auch eine gewisse Selbstironie zu – in einer Stadt wie Köln wohl beinahe überlebenswichtig. Stöger scheint in letzten Jahren dort seine zweite Heimat gefunden zu haben und die Kölner haben den Wiener als einen der Ihrigen aufgenommen, ihn quasi zum Adoptiv-Kölner gemacht. Natürlich war der sportliche Erfolg der letzten Jahre dafür unbedingt hinderlich.

Erfrischend bei beiden Trainern ist obendrein, dass ihnen weitestgehend, sei es bei falschen Schiedsrichterentscheidungen oder der Beurteilung des eigenen Klubs in der Öffentlichkeit, die Larmoyanz abgeht, die manch anderen Trainerkollegen auszeichnet.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Auf den ersten Blick mag die Herangehensweise der beiden Trainer recht unterschiedliche wirken. Auf der einen Seite verbindet man mit Leipzig erfrischenden Offensivfußball, während Köln eher für einen defensiven Ansatz steht. Natürlich ist an dieser Ersteinschätzung etwas dran, doch auch Hasenhüttls Mannschaft zeichnet ein kluges Defensivsystem aus, da beispielweise das Gegenpressing, für das Leipzig in der Bundesliga so berüchtigt ist, zu einem Großteil ja auch darauf ausgerichtet ist, den gegnerischen Angriff zu unterbinden.

Die Kölner stellen dabei mit bislang nur 19 Gegentoren nach den Bayern die zweitbeste Abwehr der Bundesliga; Leipzig steht in diesem Ranking mit 21 Gegentoren auf dem vierten Platz. Die taktische Ausrichtung in der Defensive unterscheidet sich bei den beiden Teams jedoch: Während die Kölner sehr tief verteidigen, steht die Leipziger Abwehr generell sehr hoch. Bei Auswärtsspielen befindet sich die Kölner Abwehrreihe 33 Meter vor der Grundlinie, die Leipziger hingegen stehen in Heimspielen im Schnitt 39 Meter davor. Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Teams ist im Bezug auf die durchschnittliche Laufleistung zu finden, gehört der „Effzeh“ doch zu den laufschwächsten, Leipzig zu den läuferisch stärksten Teams der Liga. Eine weitere Gemeinsamkeit hingegen ist die jeweilige Konterstärke der beiden Mannschaften.

Interessanter Fakt am Rande: Stöger ist der Trainer in der Bundesliga, der während des Spiels mit Abstand am wenigsten von seinen Auswechselmöglichkeiten gebraucht macht: von 63 Möglichkeiten nutzte Stöger erst 53. Der HSV, Vorletzter in dieser Statistik, steht bei einem Wert von 59.

Insgesamt gab es bereits fünf Trainerduelle zwischen den beiden. Vier endeten dabei Unentschieden, 2013 siegte Hasenhüttl mit 1:0 in Köln. Das Hinspiel in dieser Saison endete 1:1.

Rund um das Spiel

Hasenhüttl freut sich auf die Partie gegen Peter Stöger, mit dem er in den 90ern gemeinsam bei der Austria spielte und dreimal Meister wurde, und ist voll des Lobes für den kommenden Gegner: „Köln spielt die beste Saison seit langer Zeit. Sie haben eine fantastische Entwicklung genommen, verfügen über viel Qualität. Ich freue mich auf ein Fußballfest“.

Hasenhüttl, der als Profi von 1998 bis 2000 für den FC spielte, sieht in den Karnevalsfeiern der Kölner keinen Vorteil für seine Mannschaft: „Sie haben sich trotzdem professionell vorbereitet und werden uns die Punkte nicht kampflos überlassen.“

Stöger selbst meinte in seiner gewohnt humorigen Art, dass er sich zum Kölner Karneval vielleicht als Ralph Hasenhüttl verkleiden wird. Ansonsten hat auch er nur Gutes über seinen Kollegen zu berichten, lobt dessen taktische Flexibilität sowie dessen Draht zu seiner Mannschaft. Die Spielphilosophie von Leipzig ist aber nicht unbedingt sein Fall.

Der harte Kern der Kölner Ultras wird als Protestaktion gegen das Prinzip RB dem Auswärtsspiel der Profis fern bleiben und stattdessen die zweite Mannschaft der „Geißböcke“ unterstützen.

Personal und mögliche Aufstellung

Bei RB wird Innenverteidiger Willi Orban nach seiner abgesessenen Gelbsperre wieder in die Starformation zurückkehren und Stefan Ilsanker dafür wieder ins defensive Mittelfeld rücken. Ob Marcel Sabitzer rechtzeitig für die Partei gegen Köln fit wird, entscheidet sich wohl erst am Samstag. Falls Sabitzer spielen kann, übernimmt er voraussichtlich wieder den Part des verletzen Stürmers Yussuf Poulsen.

Stöger muss neben Timo Horn, Marcel Rissse, Leonardo Bittencourt sowie Matthias Lehmann auf Verteidiger Frederik Sörensen (5. Gelbe) verzichten. Den Platz des Dänen wird wohl Dominic Maroh einnehmen.

RB Leipzig: Gulacsi – Schmitz, Orban, Compper, Hastenberg – Ilsanker, Demme – Keita, Forsberg – Sabitzer, Werner
1. FC Köln: Kessler – Subotic, Maroh, Heintz – Olkowski, Rausch – Höger, Hector, Jojic – Osako, Modeste

Weitere Highlights am 21. Spieltag

Bayern München vs. Hamburger SV: Der FCB feierte gegen den HSV die meisten Siege (62) und erzielte die meisten Tore (232); beides sind historische Bundesliga-Rekorde eines Teams gegen ein anderes. David Alaba wird nach seinem Innenverteidiger-Intermezzo im Spiel gegen Hertha BSC wohl wieder auf die angestammte linke Seite rücken. Michael Gregoritsch muss trotz seines Tores am letzten Spieltag aller Voraussicht nach zunächst auf der Bank platznehmen.

FC Schalke 04 vs. TSG Hoffenheim: In den letzten neun Duellen des FC Schalke 04 mit der TSG 1899 Hoffenheim fielen 34 Tore, also im Schnitt fast vier pro Partie. Bezogen auf die Einsatzzeit gab Guido Burgstaller mit die meisten Torschüsse aller Ligaspieler ab (alle 21 Minuten einen). Nach dem dieser unter der Woche in der Europa League gegen PAOK Saloniki geschont wurde, dürfte Burgstaller am Wochenende wieder in die Anfangsformation rücken. Laufwunder Alessandro Schöpf erzielte beim 1:1 gegen die Griechen das 1:0 für Schalke und derzeit aus der ersten Elf nicht wegzudenken.

Ral, abseits.at