In einer unterklassigen englischen Liga ist es im Allgemeinen nicht leicht, eine vernünftige Kaderplanung auf die Beine zu stellen. Da die playoff-bedingte Fluktuation in... 14 Kaderspieler, kein Torhüter, Saisonstart in 6 Tagen: Der vorprogrammierte Untergang des Blackpool FC

England - FlaggeIn einer unterklassigen englischen Liga ist es im Allgemeinen nicht leicht, eine vernünftige Kaderplanung auf die Beine zu stellen. Da die playoff-bedingte Fluktuation in diesen Ligen naturgemäß hoch ist, kann ein Verein recht schnell von einem plötzlichen Abstieg überrascht werden. Für eine höhere Liga zu planen ist sogar noch viel schwieriger. Auf die harte Tour erleben dies derzeit die Fans des Blackpool FC.

2010/11 spielte Blackpool in der englischen Premier League. Den Aufstieg fixierte man über das Playoff, nachdem man in der zweiten englischen Leistungsklasse, der „Championship“, Sechster wurde. In der Topliga blieben die Seasiders aber nur eine Saison – dann ging’s gleich wieder runter. Alleine die gewaltigen Fernsehgelder, die ein Premier-League-Starter lukriert, könnten einen derartigen Verein allerdings schon auf ein neues Level heben. Das Vorhaben sofort wieder aufzusteigen scheiterte ein Jahr später wieder im Playoff. Blackpool war Fünfter geworden. Ab der Saison 2012/13 ging es schließlich abwärts: Zunächst wurde Blackpool Fünfzehnter in der 24er-Liga und rettete sich in der vergangenen Saison nur knapp vor dem Abstieg.

Kurzfristige Planung

Zwei Runden vor Schluss stand Blackpool auf einem Abstiegsplatz. Drei Punkte aus den letzten zwei Spielen fixierten den 20.Endrang und damit den Klassenerhalt. Der einstige Premier-League-Schnupperklub erlebte nach dem Abstieg, wie schwierig es ist, in der Championship langfristig zu planen. Gerade bei einem Klub, der gerade noch von oben runter kam, erwarten sich die Spieler eine gewisse Perspektive. Die konnte Blackpool aber sehr schnell nicht mehr bieten. Um sich langsam aber sicher wieder nach oben zu tasten, verpflichtete der Verein zahlreiche Leihspieler, gab einigen Akteuren Einjahresverträge oder überhaupt „Rolling Contracts“. Die Rechnung bekommen die Orangenen jetzt präsentiert.

Noch immer kein Torhüter im Kader

Am kommenden Wochenende wartet auf Blackpool das erste Ligaspiel der neuen Saison. Auswärts bei Nottingham Forest ist man schon jetzt krasser Außenseiter. Vor gerade mal drei Wochen zählte der Kader Blackpools acht Spieler. Mittlerweile, sechs Tage vor dem ersten Meisterschaftsspiel, sind es 14 Spieler – einen Profitorhüter hat der Klub aber zum Beispiel weiterhin nicht. Insgesamt verließen 27 Kaderspieler den Klub, die acht Neuen kamen allesamt für lau und unterschrieben erneut kurzfristige Verträge.

Gelder abgezweigt?

Der Niedergang des Klubs begann bereits mit dem Aufstieg in die Premier League. Die Fans des Blackpool FC geben dem Vereinseigentümer Karl Oysten die Schuld und behaupten, dass der Vorstandsvorsitzende, dessen Familie den Klub seit den 1980er-Jahren besitzt, den Geldregen Premier League nutzte, um Vereinsgelder abzuzweigen. Im Kader, der aus 14 Feldspielern besteht und weiterhin keinen Torhüter beinhaltet, sucht man vergeblich nach Spielern, die den Karren aus dem Dreck ziehen könnten. Der Bekannteste ist der 23-jährige Nathan Delfouneso, der sich bei Aston Villa an Andreas Weimann die Zähne ausbiss und nun nach zahlreichen Leihgeschäften fix bei Blackpool unterschrieb. Obwohl der Verein spätestens seit 2010 eine solide finanzielle Basis haben müsste, nimmt bei Blackpool niemand Geld in die Hand und versucht sich mit ausrangierten Spielern und „Free Agents“. Die Fans meutern – aber gegen den Vorstand und nicht die „Mannschaft“, die am wenigsten für die aktuelle Situation kann.

Fans protestieren

Nun gehen die Fans auf die Barrikaden und protestieren gegen das unzureichende Handeln der Verantwortlichen. Die Anhänger fanden sich vor dem Stadion an der Bloomfield Road ein und kritisierten Karl Oysten auf friedliche Art und Weise. Viele Fans scherzen bereits, ob der Aussichtslosigkeit der Situation, ob sie nicht ein Probetraining bei ihrem Herzensklub absolvieren dürften. Die Testspielgegner der Tangerines wussten phasenweise nicht mal, ob Blackpool zur Partie antreten würde. Dies geschah zwar international schon öfter, etwa beim norwegischen Meister Strömsgodset Drammen, aber nie auf diese bizarre Art und Weise und derartig spät in der Saisonvorbereitung.

Aktueller Kader des Blackpool FC (Stand 3.8.2014)

Torhüter: Keiner

Abwehr: Gary MacKenzie (IV, 28, SCO), Peter Clarke (IV, 32, ENG, neu), Donervon Daniels (IV, 20, ENG, neu), Charles Dunne (LV, 21, IRL), Tony McMahon (RV, 28, ENG)

Mittelfeld: José Miguel Cubero (DM, 26, CRC, neu), David Perkins (DM, 32, ENG), Jacob Mellis (OM, 23, ENG, neu), Tomasz Cywka (LM, 26, POL, neu), Sergej Zenjov (RM, 25, EST, neu)

Angriff: Nathan Delfouneso (ST, 23, ENG, neu), Steve Davies (ST, 26, ENG), Bobby Grant (ST, 24, ENG), Tom Barkhuizen (ST, 21, ENG/RSA)

Untergang: In The Making

Der zuletzt genannte Tom Barkhuizen ist aktuell der längstdienende Spieler im Team. Der 21-Jährige steht seit 2010 bei Blackpool unter Vertrag. Alle anderen Spieler sind entweder neu im Team oder kamen in der Saison davor. Rechnet man alle Treffer zusammen, die diese 14 Spieler in der vergangenen Saison 2013/14 erzielten, kommt man auf 22. Ob der Vorstand nun doch noch einlenkt steht in den Sternen, aber der Niedergang des Blackpool FC scheint vorprogrammiert.

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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