Huddersfield Town feiert die Rückkehr in die Premier League – und das nach 45 Jahren. In der Zwischenzeit dümpelte der dreimalige Meister – alle... Die Wagner-Revolution: Huddersfield spielt Premier League!

Huddersfield Town feiert die Rückkehr in die Premier League – und das nach 45 Jahren.

In der Zwischenzeit dümpelte der dreimalige Meister – alle Titel wurden Mitte der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts errungen – durch die Niederungen des englischen Profifußballs. Auch vor dieser Saison galt das Team aus der Grafschaft West Yorkshire nicht gerade als Favorit auf den Aufstieg. Kein Wunder, verfügt der Verein nur über den fünftniedrigsten Etat der Championship, der englischen zweiten Liga.

Nichtsdestotrotz stand Huddersfield im Finale um den Aufstieg in die Premier League und siegte im Wembley-Stadion nach Elfmeterschießen mit 4:3 gegen Reading. Das Gesicht dieser Sensation ist aber nicht der Schütze des entscheidenden Elfmeters, der Deutsche Christopher Schindler, sondern Trainer David Wagner. Seine Verpflichtung im November 2015 wurde seitens der Presse mit einer gewissen Skepsis begleitet, war er doch zuvor bei Hoffenheim und Dortmund nur im Jugendbereich tätig. Präsident Dean Hoyle führte Wagner zudem wenig hilfreich als „unbekannten, verrückten Deutschen“ ein.

Hoyle wurde für das hohe Risiko, welches er mit der Verpflichtung Wagner einging, zunächst mit dem Klassenerhalt – die „Terriers“ schwebten bei Wagners Amtsantritt zunächst noch in akuter Abstiegsgefahr -, nun mit dem Aufstieg belohnt. Der 45-jährige Übungsleiter wies aber nach dem Spiel jeglichen Kult um seine Person zurück und wollte die Mannschaft im Mittelpunkt wissen: Seine Spieler seien allesamt „Legenden“ wurde Wagner nach dem Abpfiff des hochdramatischen Aufstiegsfights zitiert. Einen gewissen Hype konnte Wagner indessen natürlich nicht verhindern: einer der beliebtesten Merchandise – Artikel sind T-Shirts mit der Aufschrift „The Wagner-Revolution“.

Huddersfield reichte in der gesamten Championship–Playoffs genau ein Treffer aus dem Spiel heraus, um letztlich den Aufstieg zu realisieren. Der fiel beim 1:1 im Halbfinale gegen Atdhe Nuhius Sheffield Wednesday, wo sich die Terriers ebenfalls erst im Elfmeterschießen durchsetzen konnten.

Einen großen Anteil am sensationellen Erfolg von Huddersfield haben auch die Spieler, die Wagner aus der zweiten oder gar dritten deutschen Bundesliga nach England holte. Zu ihnen gehören neben dem Goldschützen Schindler, der generell eine starke Saison in der Innenverteidigung spielte, auch dessen Partner Michael Hefele, Außenverteidiger Chris Löwe, sowie Stürmer Elias Kachunga, der zwölf Treffer erzielte und somit zum besten Torschützen seines Teams avancierte. Weitere Stützen waren der Australier Aaron Mooy oder Kapitän Tommy Smith, der im Finale jedoch verletzt vom Platz musste. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielte Danny Ward. Der Torhüter ist aber nur vom FC Liverpool ausgeliehen.

Apropos Liverpool: der ehemalige US-amerikanische Teamspieler und Schalker „Eurofighter“ Wagner gehört zu den besten Freunde von Reds-Trainer Jürgen Klopp, für dessen Tochter Wagner sogar den Taufpaten gab. Klopp holte Wagner damals nach Dortmund; nach dem Ende der Ära Klopp beim BVB, verließ auch Wagner den Verein.

Nun könnten die beiden Trainer-Buddys sich in der nächsten Saison in der Premier League gegenüber stehen. Der Konjunktiv ist bewusst gewählt, hat Wagner doch nach dem Aufstieg seine Zukunft noch offen gelassen. Ein möglicher Abgang Wagners wäre für Huddersfield ein sehr schwerer Verlust. Im Fall der Fälle könnten sie sich in West Yorkshire jedoch damit trösten, sich nun aus den ganz dicken Fleischtöpfen bedienen zu können: Fixe Einnahmen von mindestens 170 Millionen Pfund sind jedem Premier-League-Neuling, dank des opulenten Fernseh-Vertrags, garantiert.

Ral, abseits.at

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