SOS – Der englische Meister ist in akuten Abstiegssorgen! Parallel zum Bonusabenteuer Champions League bläst der Ranieri-Truppe heuer in der Liga ein rauer Wind... Leicester City: Der Meister im freien Fall Richtung Abstieg

_Christian Fuchs - Leicester CitySOS – Der englische Meister ist in akuten Abstiegssorgen! Parallel zum Bonusabenteuer Champions League bläst der Ranieri-Truppe heuer in der Liga ein rauer Wind entgegen. Die Meisterfeier ist verstummt, der Kater wirkt nach, die Euphorie um die Helden der Vorsaison ist weg. Es kriselt an allen Ecken und Enden bei den „Foxes“. Wir schauen uns an, warum der Formpfeil in der Meisterschaft so stark nach unten zeigt, wo es gerade zwickt und wie es weitergehen könnte.

Es läuft einfach nicht mehr…

Auf den ersten Tabellenblick geht Meister Leicester City als 16. – noch über dem Strich – am Sonntag gegen Swansea in den 25. Spieltag der heurigen Premier-League-Saison. Ein zweiter, genauerer Blick offenbart die ganze Misere. In der Fremde ist man bislang noch sieglos, bei zwölf Auswärtsfahrten wurden mickrige drei Remis in die East Midlands mitgenommen. Dazu wurden insgesamt nur 24 Toren in ebenso vielen Spielen erzielt – einzig Middlesbrough traf noch seltener als Vardy und Co. Aber am Besorgniserregendsten ist die Formkurve: Nur mehr zwei Siege aus den letzten 15 Partien, dazu seit Weihnachten erst ein Tor in sieben Spielen erzielt und seit 520 Minuten ganz ohne Treffer! Seit dem 10. Spieltag geht die Tabellenkurve nach unten, der Polster auf die Abstiegszone schmilzt. Nur Crystal Palace war zuletzt noch etwas schlechter als die „Foxes“ unterwegs. Die Alarmglocken läuten bereits im King Power Stadium, gelingt nicht bald der Turnaround, steigt der Meister ab! Soweit die harten Fakten, jetzt ein Blick auf mögliche Gründe hinter der Misere.

Baustelle # I: die Defensive

Man soll eigentlich das Wohl und das Weh nie an einer einzelnen Person festnageln. In diesem konkreten Anlassfall lässt es sich aber nicht leugnen: N‘Golo Kanté fehlt an allen Ecken und Enden! „Mit ihm hat man einen Spieler mehr am Feld“, meinte sein Coach Ranieri in der Meistersaison – von diesem 12. Mann profitiert aktuell der FC Chelsea. Potentieller Ersatz wurde am Transfermarkt gesucht, doch der Franzosen ist kaum bis gar nicht ersetzbar. Vor der Viererkette räumt nun niemand mehr so bedingungslos und verlässlich ab, wie in der Meistersaison. Und diese Stamm-Abwehrreihe ist zwar routiniert, aber schon etwas in die Jahre gekommen: Innen Wes Morgan (33) und Robert Huth (32), außen Christian Fuchs (30) und Danny Simpson (30). Gerade mit schnellen Stürmern tut man sich schwer. Wenn wie heuer die Entlastung und der Staubsauger vor ihnen im Mittelfeld fehlt, sind die Verteidiger noch mehr ge- bzw. oft dann überfordert. Bei Laufduellen mit schnellen Stürmern ist man naturgemäß oft zu langsam, dazu auch ungewohnte Unkonzentriertheiten im Stellungsspiel sorgen immer wieder für „billige“ Gegentore. Und ist man erst einmal zurück gibt es wenig Grund zur Hoffnung, konnte man heuer noch kein Spiel drehen.

Baustelle # II: die Offensive

Der Shootingstar der Vorsaison war ganz klar Jamy Vardy. Dem englischen Angreifer fehlt heuer die Leichtigkeit des Seins und die Unterstützung aus dem Mittelfeld. Erst fünf Tore und drei Assists in 21 Spielen sind seine verhältnismäßig magere Ausbeute. Immerhin kann Neuzugang Islam Slimani die Torflaute etwas mindern, der die gleiche Bilanz wie der englische Teamstürmer in nur etwas mehr als die Hälfte der Spielzeit Vardys erzielte. Der zweite Aufsteiger der Vorsaison, der Algerier Riyad Mahrez kam heuer auch erst auf drei Tore und ebenso viele Vorlagen.

Aktuell wartet man seit fünf Spielen auf einen Torerfolg. Große Hoffnungen ruhen nun auf ein baldiges Comeback vom anderen Algerier Slimani, der beim West Ham Sieg zu Silvester das letzte Liga-Tor erzielte, aber vom Afrikacup mit einer Leistenverletzung retour kam.

Doch die Angreifer sind nur das letzte Glied der – nicht funktionierenden – Offensivkette. Das Aufbau- bzw. schnelle Umschaltspiel funktioniert heuer überhaupt nicht mehr. Kaum eine Mannschaft fabrizierte so viele Fehlpässe und gewann so wenig Zweikämpfe wie die Foxes, so kommt man nur selten gefährlich ins Angriffsdrittel.

Baustelle # III: Transfers, Doppelbelastung, Sattheit

Ungewohnt bzw. überfordernd für eine der ältesten Mannschaften der Liga: Vier Hochzeiten mit insgesamt bereits 34 Spielen seit Saisonbeginn nagen an der Physis der Leistungsträger. Dazu fehlt auch die Qualität der 2. Garnitur, um die Stammkräfte in einem Rotationsmodell adäquat zu vertreten. Auch die Neuzugänge hielten kaum die in sie gesetzten Erwartungen. Für die beiden Stürmer Islam Slimani und Ahmed Musa wurden fast 50 Millionen Euros bezahlt. Ron Robert Zieler wurde als Backup-Torwart verpflichtet. Auf der sechs sollte der aus Nizza geholte französischer Landsmann Nampalys Mendy  N’Kanté ersetzen. Im Winter wurde auf dieser Position nachgerüstet, als zweiter Versuch wurde der 20-Jährige Nigerianer Onyinye Ndidi für 17,6 Millionen aus Genk verpflichtet.

Dass man es noch immer drauf hat, beweisen die Auftritte in der Champions League oder als man Anfang Dezember Manchester City demolierte. Doch gerade bei am Papier leichteren Gegnern werden immer wieder unnötig Punkte verschenkt. Durchaus – ein verständliches – moralisches Problem, nach dem Höhenflug im Vorjahr auch jetzt wieder die letzten paar Prozente rauszukitzeln und noch die paar Schritte mehr zu gehen, ohne die man in der Liga nicht bestehen kann.

So geht es weiter

Am Sonntag wartet gegen wiedererstarkte Schwäne das nächste Schicksalsspiel. Ehe man sich gegen kriselnde Liverpooler (über die wir morgen berichten werden) und Hull daheim Punkte erhofft. Bislang stieg nur vor knapp achtzig Jahren, genauer gesagt 1938 mit Manchester City einmal ein amtierender Meister ab. Ob dies so bleibt wird sich ganz stark im April heraus kristallisieren, dort stehen sechs Premier-League-Partien am Terminkalender der Foxes.

Und genau in dieser stressigen und wichtigen Zeit könnten noch zwei weitere Partien dazukommen! Dann nämlich, wenn Christian Fuchs und Co in der Champions League den FC Sevilla ausschalten würden. Dann wären es ganze acht Spiele in 29 Tagen! Da die überlebensnotwendige Pflicht in der Liga, dort die Kür in der europäischen Königsklasse. Eine Gratwanderung, die ob der oben beschriebenen geringen Kaderdichte schlussendlich sich für den Titelverteidiger bitter rächen könnte. Doch noch bleiben Claudio Ranieri 14 Spiele um den Turnaround zu schaffen und die Klasse zu halten!

Werner Sonnleitner, abseits.at

Werner Sonnleitner

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