Es kommt selten vor, dass sich Hobbyvereine in die Schlagzeilen großer Medien spielen. Madron FC, ein kleiner englischer Verein aus der Grafschaft Cornwall, wurde... Nie aufgeben, immer weitermachen – Das ist der Madron Football Club

Es kommt selten vor, dass sich Hobbyvereine in die Schlagzeilen großer Medien spielen. Madron FC, ein kleiner englischer Verein aus der Grafschaft Cornwall, wurde Ende 2010 im ganzen Land bekannt, als Tageszeitungen und Online-Portale sich fragten, ob es sich um die schlechteste Mannschaft in ganz England handelt. Wie kam der Klub zu dieser zweifelhaften Ehre und wie geht es ihm inzwischen? Wir begeben uns auf Spurensuche.

Als der Verein von den Medien portraitiert und verrissen wurde, spielte er noch in der Mining League. Diese Liga existiert mittlerweile nicht mehr, da sie inzwischen mit der Falmouth and Helston League fusioniert wurde, um die Trelawny League zu formen. Diese neue Liga besteht aus sechs Division und befindet sich etwa im Mittelfeld vom äußerst umfangreichen englischen Fußball-Ligasystem.

Eine katastrophale Saison

Blicken wir jedoch zunächst zurück in die Zeit, als es die Mining League noch gab und der Madron FC als schlechtester Verein Englands gehandelt wurde. In der Saison 2010/11 holte die Mannschaft nämlich keinen einzigen Punkt und wies am Ende der Meisterschaft ein Torverhältnis von minus 395 Treffern auf! Hier haben wir die Abschlusstabelle für euch, um den Schrecken visuell darzustellen:

Wie konnte es dazu kommen

Die Mining League bestand aus drei Divisionen und Madron FC nahm an der obersten Spielklasse teil. Der Verein verfügte über eine gute Kampfmannschaft und eine ambitionierte Reservemannschaft und spielte immer um die vorderen Plätze mit. Dann schlitterte der Klub in Geldprobleme und verlangte von seinen Spielern, dass sie Mitgliedsbeiträge bezahlen müssten. Die Kicker waren es aber gewohnt, dass sie gratis spielen konnten und meuterten, sodass Alan Davenport nicht mehr auf die zahlungsunwilligen Spieler zurückgreifen konnte. Davenport , der nicht nur der Trainer des Vereins, sondern auch der Präsident, Kassier und Geschäftsführer ist, verlor auf einen Schlag 14 seiner besten Spieler und suchte im kleinen Ort verzweifelt Ersatz, da er quasi die komplette Mannschaft neu besetzen musste. Die Spieler des Reserveteams baten ihn nämlich, dass sie die Reservemeisterschaft weiter bestreiten dürfen, da sie sich gute Chancen auf den Meistertitel ausrechneten.

Zahlreiche Debakel

Die meisten neuen Spieler waren jung und hatten überhaupt keine Erfahrung mit Vereinsfußball. An manchen Spieltagen fand Davenport nicht einmal genügend Kicker, sodass sein Team von Anfang an in Unterzahl agieren musste. Nach einer 16:0- und einer 27:0-Niederlage erreichte das Team seinen negativen Höhepunkt, als es 55:0 abgeschossen wurde. Dennoch stellten sich die jungen Kicker immer wieder ihren Gegnern und gaben ihr Bestes. Nach 28 Partien stand die Mannschaft mit null Punkten am Tabellenende. Madron FC schoss in der gesamten Saison 12 Tore und kassierte 407 Treffer, was einen Schnitt von 14,5 Gegentoren pro Partie ergibt.

Ein berührendes Portrait

Diese unglaubliche Bilanz bewegte Hobbyfilmer in der darauffolgenden Saison eine kurze Reportage über den Verein zu machen. Heraus kam ein berührendes Portrait abseits des modernen Fußballs. Junge Spieler, die jedes Wochenende vom Gegner vorgeführt werden, aber dennoch nie aufgeben und immer ihr Bestes geben. Das ist Fußball pur.

Hartnäckigkeit macht sich bezahlt

Mittlerweile sollte niemand mehr den Madron FC als den schlechtesten Verein Englands bezeichnen, denn die Hartnäckigkeit der Burschen machte sich bezahlt und vor etwa einem Jahr gelang dem Verein nach 30 Partien ohne Punktegewinn der erste Sieg. Storm FC konnte 4:3 besiegt werden, wobei  Coach Davenport am Ende um den Sieg zittern musste, weil seine Mannschaft schwer unter Druck geriet. Im Gegensatz zur deutschen Nationalmannschaft, die den 4:3-Vorsprung gegen Schweden nicht über die Zeit brachte, behielten seine Jungs die Nerven und feierten danach ausgelassen den Sieg. Auch in der aktuellen Saison konnte Madron FC schon einen Sieg für sich verbuchen und liegt nach vier Spielen in der 16er-Meisterschaft an 14. Stelle. Trainer Davenport weiß warum seine Mannschaft wieder gewinnen kann: Einerseits wurden seine Spieler durch die hartnäckige Arbeit besser, andererseits beschlossen einige neue Kicker den Verein zu verstärken, da sie den Zusammenhalt der Mannschaft bewunderten – außerdem gesteht Davenport ein, dass vielleicht auch ein wenig Mitleid im Spiel gewesen sein könnte.

Wir werden den Kickern aus Madron weiterhin auf die Beine schauen und wünschen ihnen noch den einen oder anderen Sieg in dieser Saison.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger