Während die Augen der meisten Fußballfans momentan auf die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine gerichtet sind, gewann  Arsenal Fútbol Club in Argentinien zum... Überraschung in Argentinien – Arsenal Fútbol Club holt sich zum ersten Mal die Meisterschaft

Während die Augen der meisten Fußballfans momentan auf die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine gerichtet sind, gewann  Arsenal Fútbol Club in Argentinien zum ersten Mal überraschend die heimische Meisterschaft.

In Argentinien wird die Hin- und Rückrunde, wie in den meisten Ländern Südamerikas, als eigenständige Meisterschaft ausgetragen. Die Hinrunde (Torneo Apertura), die von Anfang August 2011 bis Anfang Februar 2012 ausgetragen wurde,  entschieden die Boca Juniors mit einem deutlichen Vorsprung von 12 Punkten nach 19 Meisterschaftsspielen für sich.  Arsenal Fútbol Club erreichte in der Hinrunde nur den 13. Platz und hatte 19 Punkte Rückstand auf den großen Traditionsklub.

Rückrunde wie aus dem Bilderbuch

In der Rückrunde (Torneo Clausura), die gestern zu Ende ging, gelang der Mannschaft von Trainer Gustavo Alfaro, der auf ein flaches 4-4-2-System setzt, jedoch die große Sensation. Der große Außenseiter aus der kleinen Vorstadt Sarandí sicherte sich mit einem 1:0-Sieg gegen Belgrano Cordoba in der letzten Runde den ersten Meistertitel in der Vereinsgeschichte. Die große Entscheidung fiel jedoch eine Runde zuvor, als Arsenal auswärts ein spektakulärer 3:0-Sieg gegen die Boca Juniors gelang. Erst nach dieser Partie übernahm der frische Meister die Tabellenführung von dem Torneo-Apertura-Sieger und gab diese in der letzten Runde nicht mehr aus der Hand. In diesem Video sehr ihr die Höhepunkte des 3:0-Siegs gegen die Boca Juniors.

Ein kurzer geschichtlicher Rückblick

Der Verein wurde im Jahr 1957 von den Brüdern Héctor und Julio Grondona gegründet. Die beiden waren große Fans des englischen Klubs Arsenal FC und beschlossen, dass es auch in Argentinien einen Verein mit diesem Namen geben sollte. Dem Klub gelang es erst in den letzten Jahren sich dauerhaft in der obersten Spielklasse zu etablieren, davor stieg der Verein immer wieder auf und ab und war auch in den untersten Ligen zu finden. Arsenal Fútbol Club, auch Arsenal de Sarandí genannt, ist nun der erste Verein, dem es gelang argentinischer Meister zu werden, der zuvor in allen fünf Spielklassen zu finden war. Dieser Erfolg ist jedoch nicht der erste große Titel, denn der Klub gewann im Jahr 2007 das Finale des Copa Sudamericana gegen den mexikanischen Vertreter  Club de Fútbol América.

Jorge Burruchaga – der Mann der Deutschland weinen ließ

Der wahrscheinlich bekannteste Spieler des Vereins war Jorge Burruchaga, der seine Karriere im Jahr 1979 bei Arsenal Fútbol Club begann. Sechs Jahre später, Burruchaga spielte mittlerweile für den FC Nantes in Frankreich, schoss er in einem dramatischen Finalspiel gegen Deutschland in der 83. Minute nach einem genialen Maradona-Zuspiel den entscheidenden Treffer zum 3:2, nur kurz nachdem Rudi Völler in der 80. Minute zum 2:2-Zwischenstand ausglich. Eine Zusammenfassung dieses denkwürdigen Endspiels könnt ihr hier sehen:

Die aktuelle Meistermannschaft

Der 32-jährige Torhüter Cristian Campestrini erklärte, wie der Außenseiter den Titel holen konnte:

„Wir sind eine hart arbeitende Familie. Wir ziehen unser Trikot an, um für den Verein zu arbeiten.“

Tatsächlich spielte die Gustavo Alfaros Mannschaft äußerst diszipliniert und zeigte insbesondere in der Defensive starke Leistungen. In 19 Partien bekam der aktuelle Meister nur 15 Treffer, obwohl die Spieler auch die Offensive nicht vernachlässigten und mit 30 Treffern mehr Tore erzielten, als alle anderen Mannschaften. Besonders auffällig ist, dass Arsenal Fútbol Club über eine äußerst junge Mannschaft verfügt. Der Verein setzt auf junge Talente, was auch der FC Barcelona bemerkte. Die beiden Vereine schlossen einen Deal ab, der es dem FC Barcelona ermöglichte Nachwuchsspieler günstig zu erwerben. Im Gegenzug sollten die Katalanen bei dem Aufbau einer perfekten Infrastruktur behilflich sein. Diese Kooperation wurde inzwischen eingestellt, da der argentinische Klub die Kosten für die Infrastrukturverbesserungen nicht mehr auftreiben konnte. Der Fokus liegt aber weiterhin auf den jungen Spielern:  Beim 3:0-Auswärtssieg gegen die Boca Juniors waren gleich acht Akteure in der Startaufstellung, die zwischen 21 und 24 Jahre alt waren. Besonders die Vierer-Abwehrkette, die in der Rückrunde der Meisterschaft einen ausgezeichneten Job machte, bestand aus jungen Spielern, die eine erstaunliche Reife zeigte. Insbesondere der erst 22-jährige Abwehrorganisator in der Innenverteidigung,

Lisandro López:  Der erst 22-jährige kopfballstarke Innenverteidiger ist nicht verwandt mit dem namensgleichen Olympique-Lyon-Stürmer. López spielte eine bärenstarke Saison und erzielte zudem beim entscheidenden 1:0-Sieg gegen Belgrano Cordoba in der letzten Runde den einzigen Treffer. López könnte auch einem größeren europäischen Klub sofort helfen.

Guillermo Burdisso: Der Bruder von AS-Roma-Spieler Nicolás Burdisso setzte sich beim römischen Traditionsverein zwar im ersten Anlauf nicht durch, machte nun aber einen Sprung nach vorne und war neben Lisandro López einer der Garanten dafür, dass die Arsenal-Abwehr die gegnerischen Stürmer zur Verzweiflung brachte. Auch bei Standardsituationen ist Burdisso extrem gefährlich – der Abwehrspieler schoss innerhalb des letzten Jahres sechs Treffer in der Meisterschaft.

Hugo Nervo: Der erst 21-Jährige kann sowohl im Abwehrzentrum, als auch als rechter Verteidiger agieren. Der Verteidiger ist Dauergast in diversen Nachwuchs-Auswahlen seines Landes und hat bereits das Interesse einiger europäischer Vereine geweckt.

Ivan Marcone: 24-jähriger zentraler Mittelfeldspieler, der alle 19 Runden der Rückrunde über die volle Distanz absolvierte. Marcone wurde in der Vergangenheit bereits mit europäischen Vereinen in Verbindung gebracht, so hatten etwa Bayer Leverkusen und Lazio Rom Interesse am Mittelfeldspieler. Mit dem Gewinn der argentinischen Meisterschaft wird der Mittelfeldspieler wohl noch einmal interessanter geworden sein.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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