Die dritte Saison in der Premier League wird für Marko Arnautovic mit Stoke City am Sonntag angepfiffen. Ob Österreichs momentan längst dienender England-Legionär bis... Premier-League-Start: Arnautovic und die neuentdeckte Spielkultur in Stoke

Marko Arnautovic (ÖFB, SV Werder Bremen)Die dritte Saison in der Premier League wird für Marko Arnautovic mit Stoke City am Sonntag angepfiffen. Ob Österreichs momentan längst dienender England-Legionär bis dorthin fit sein wird, steht noch in den Sternen. Die Nummer 10 avancierte bei den Potters immer mehr zum Publikumsliebling, um seinen Stammplatz wird er aber ob der Dichte in der Offensive kämpfen müssen.

Ein Sommer zum Vergessen

Die Vorbereitungsphase begann – wie heutzutage üblich – mit einer Promotion-Tour. Die Potters spielten im Rahmen der Asia Trophy zwei Freundschaftsspiele in Fernost. Gegen Ligarivalen Everton gab es ein 0:0, wobei Arnautovic zur Halbzeit ausgewechselt wurde. Im zweiten Spiel spielte der Wiener gegen eine Auswahl aus Singapur durch und erzielte das Tor zum 2:0-Endstand. Für die Leistung setzte es danach ein Sonderlob von Trainer Mark Hughes.

Zurück in der Heimat folgte ein 6:0 Kantersieg über Wrexham, dann eine 0:2 Schlappe gegen Brentford (Konstantin Kerschbaumer spielte durch) und eine 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Köln. Der angeschlagene Offensivstratege fehlte bei diesen drei Spielen.

Die Generalprobe verlief dann doppelt bitter: Einerseits setzte es gegen den FC Porto eine 0:3-Schlappe. Andererseits musste Arnautovic bei seinem Comeback schon nach 38 Minuten verletzungsbedingt wieder runter. Erneut war es der Oberschenkel der zwickte. Der Schlusspunkt einer unerfreulichen Vorbereitung für den österreichischen Teamspieler.

Stoke City darf optimistisch in die Zukunft schauen

Nachdem Stoke unter Tony Pulis lange Zeit weit über die Premier-League-Grenzen hinaus nur für weite Einwürfe und noch weitere Befreiungsschläge – dem klassischen Kick and Rush – bekannt war, wurde unter Mark Hughes nach und nach ein neuer Spielstil im Britannia Stadium implementiert. In der Tabelle „spielte“ man sich so in den letzten beiden Saisonen jeweils auf Rang neun, während man sich zuvor meist nur einen Platz im hinteren Mittelfeld „erkämpfte“. Aus den absoluten Tor-Minimalisten wurden zwar auch noch keine Angriffsmaschinen, aber auch hier zeigt der Trend eindeutig nach oben. Mit 48 erzielten Treffern in der Vorsaison, blieb man angriffstechnisch nur knapp hinter dem FC Liverpool. So nebenbei erreichten die seit 2008 im Oberhaus kickenden Potters damit einen neuen internen Vereinstorrekord.

Der vorhin erwähnte FC Liverpool wird übrigens auch am Sonntag in der ersten Runde im Britannia Stadium zu Gast sein. Genauso wie schon in der letzten Runde vor der Sommerpause. Und in Stoke on Trent – einem Städtebund in den Midlands – freut man sich schon auf die Rodgers-Elf aus Beatles-Town, wurden doch die Reds im Abschiedsspiel von Vereinslegende Steven Gerrard mit Haut und Haaren verspeist. 5:0 stand es schon zur Pause, 6:1 blinkte als Endergebnis von der Anzeigetafel. Der groß aufspielende Marko Arnautovic bereite dabei zwei Treffer vor.

Aber nicht nur am Rasen entwickelte sich der zweitälteste Klub der Welt zuletzt stetig weiter. Auch im Management machte man letzthin einen guten Job. Für nur insgesamt zwölf Millionen Euro wurde im Sommer kräftig nachgerüstet. Für mehr Stabilität in der Hintermannschaft sollen Philipp Wollscheid (Leverkusen) und Glen Johnson (Liverpool) sorgen. Im Zentrum konnte der Leihvertrag mit Chelseas Marco van Ginkel verlängert werden. Dazu verstärkt den Flügel Ibrahim Afellay vom FC Barcelona. Joselu wurde aus Hannover geholt und soll den Top-Scorer Mame Diouf in der Spitze unterstützen. Mit Boran Krkic, Charlie Adam, Peter Odemwingie oder Peter Crouch ist die Offensive neben Marko Arnautovic bestens bestückt. Die von der englischen Presse gestreuten Gerüchte um eine Verpflichtung des Schweizer Xherdan Shaqiri von Inter Mailand, sind wohl eher nur Sommerloch-Schlagzeilen.

Eine wichtige Position haben wir jetzt noch bewusst nicht erwähnt, nämlich das Sorgenkind der Potters-Fans: Den Tormann. Mit Asmir Begovic wechselte die unumstrittene Nummer eins zum Meister aus Chelsea. Der junge Engländer Jack Butland darf sich nun zwischen den Pfosten seine Sporen verdienen, die neuverpflichtete 39-Jährige Torwartlegende Shay Given ist als Backup vorgesehen. Der 21-Jährige Wiener Schlussmann Daniel Bachmann – 2011 von der Austria Akademie auf die Insel gewechselt – wurde nach Schottland zu Ross County verliehen.

Neben Begovic, mussten die Potters zwei weitere Schlüsselspieler ziehen lassen: der Staubsauger vor der Abwehr Steven N’Zonzi geht nach Spanien zum FC Sevilla und Robert Huth wird Teamkollege von Christian Fuchs bei Leicester.

Was bringt die Saison für Marko Arnautovic?

Seine Vergangenheit als verschriener Skandalboy und Enfant Terrible dürfte er spätestens mit dem Wechsel auf die Insel und durch die Familiengründung endgültig abgelegt haben. Generell schlägt der geläuterte 26-Jährige zuletzt abseits des Platzes ruhigere Töne an. Wie auch in der Nationalmannschaft unter Marcel Koller, fand sein Klub-Coach Mark Hughes die richtige Wellenlänge zu seinem technisch visierten Dribblanski. Seinen Kritikern bot der Außenspieler zuletzt kaum mehr eine Angriffsfläche, stellte er doch permanent das eigene Ego hinten an, kämpfte bei Ballverlust nach hinten und brachte seine ausgeprägten Offensiv-Fähigkeiten zum Wohl der Mannschaft ein.

Doch mit Ibrahim Afellay wurde ein prominenter Name ins Britannia Stadium geholt. Auch der niederländische Teamspieler wird wie Arnautovic die Rolle am linken Flügel beanspruchen. Dazu ist gerade die Offensive heuer qualitativ und quantitativ top aufgestellt. Trotzdem sind sich die Experten vor Ort sicher, dass der Österreicher seinen Stammplatz im von Mark Hughes bevorzugten Fünfer-Mittelfeld finden wird. Durch die verpasste Vorbereitung ist es aber jetzt schwer zu sagen, wie und wo sich der Teamspieler in der Elf des walisischen Trainers schlussendlich platzieren wird.

Arnautovic wird aber noch an seiner Torgefährlichkeit arbeiten müssen. Nur ein Treffer gelang bei seinen 29 Einsätzen in der Vorsaison, aber immerhin leiste er sechs Assists. In seiner Premieren-Saison 2013/14 scorte er viermal und war an weiteren 10 Treffern als Vorlagengeber beteiligt. Trotzdem wird an einem vollfitten Marko Arnautovic in Stoke wohl nur schwer ein Weg vorbeiführen können.

Werner Sonnleitner, www.abseits.at

Werner Sonnleitner

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