Derzeit erleben die Anhänger des italienischen Fußballs schöne Zeiten. Mit Juventus Turin in der Champions League und Fiorentina, sowie Napoli stehen gleich drei Clubs... Italienische Renaissance auf der europäischen Bühne?

Italien - FlaggeDerzeit erleben die Anhänger des italienischen Fußballs schöne Zeiten. Mit Juventus Turin in der Champions League und Fiorentina, sowie Napoli stehen gleich drei Clubs des Weltmeisterlandes von 2006 im Halbfinale der Königsklasse bzw. der Europa League. Von den sechs Serie-A-Clubs, die international spielberechtigt waren sind also noch drei übrig. Nur Spanien kann mit Real Madrid, FC Barcelona und dem FC Sevilla ebenfalls noch drei Vereine auf der europäischen Bühne vorweisen.

Italienische Königsklasse

Meister Juventus bekam es in der UEFA Champions League Gruppenphase mit Atletico Madrid, Olympiakos Piräus und Red Bull Salzburg Bezwinger Malmö FF zu tun. Schon nach der Auslosung wurde die „Alte Dame“ gemeinsam mit den Rojiblancos in der nächsten Runde erwartet, doch ganz so leicht sollte es nicht werden. Gegen Malmö feierte die Mannschaft von Massimilano Allegri zwar einen 2:0 Erfolg und somit einen Einstand nach Maß, doch das erfahrene Team tat sich sehr lange sehr schwer. Am zweiten Spieltag setzte es in Madrid eine 0:1-Niederlage, ehe man knapp drei Wochen danach sogar in Griechenland als Verlierer vom Platz ging. Auch im Heimspiel machten es die Italiener spannend, gewannen am Ende aber doch mit 3:2 gegen den griechischen Rekordmeister. Mit einem 2:0-Erfolg gegen Malmö und einer Punkteteilung mit der Elf von Diego Simeone überstand man die Gruppenphase als Tabellenzweiter.

Sehr viel schwerer hatte es der italienische Hauptstadtclub AS Roma in der Gruppenphase. In der Hammergruppe mit Bayern München, Manchester City und CSKA Moskau schied man mit einem Torverhältnis von 8:14 und nur fünf Punkten aus sechs Spielen aus. In Erinnerung geblieben ist die Demonstration von Bayern München in Rom vom 21.10.2014. An diesem Abend fegten die Schützlinge von Pep Guardiola die Römer mit 7:1 vom Feld.

Im Achtelfinale hieß der Gegner für die Turiner Borussia Dortmund. Viele Experten sahen die Borussen, trotz der schlechten Leistungen in der Bundesliga, als klaren Favoriten da man dachte, dass die Italiener mit dem hohen Tempo des Meisters von 2011 und 2012 nicht mithalten können. Dank einer taktischen Meisterleistung zerlegte die „Alte Dame“ die Elf von Jürgen Klopp mit einem Torverhältnis von 5:1 und im Nachhinein staunte ganz Europa.

Wesentlich schwerer verliefen die beiden Spiele im Viertelfinale der Königsklasse gegen Monaco. Durch einen fragwürdigen Elfmeter im Hinspiel, den Arturo Vidal verwandelte, und einem torlosen Rückspiel, haben es die Spieler um Gianluigi Buffon und Andrea Pirlo allerdings geschafft zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit ins Halbfinale der Champions League einzuziehen. Nun wartet mit Real Madrid der amtierende Champion.

Begeisterung in der Europa League

Mit dem FC Torino, Inter Mailand, SSC Napoli und der AC Fiorentina standen gleich vier Serie A Clubs in der Gruppenphase der Europa League. In Gruppe B bekam es Torino mit dem Club Brügge, HJK Helsinki und dem FC Kopenhagen zu tun. Mit elf Punkten nach sechs Spielen erreichte man die nächste Runde hinter den Belgiern. Im Sechzehntelfinale konnte man in zwei tollen Partien Athletic Bilbao aus der spanischen Primer Division ausschalten (2:2/3:2), ehe gegen Zenit St. Petersburg im Achtelfinale die Reise zu Ende war (0:2/1:0).

In Gruppe F ging Inter Mailand als großer Favorit gegen Dnipro Dnipropetrovsk, FK Qarabag und AS Saint-Etienne ins Rennen. Mit zwölf Punkten gewann die Mannschaft von Roberto Mancini die Gruppe. In der nächsten Runde wartete Celtic Glasgow. Nach einem 3:3 in Glasgow setzte sich der italienische Traditionsclub zu Hause mit 1:0 durch und stieg abermals auf. Doch wie auch für Torino, kam das Aus im Achtelfinale. Der VfL Wolfsburg war einfach zu stark und gewann mit 3:1 im Hinspiel und 2:1 im Rückspiel. Der Sargnagel für den Tabellenzweiten der Bundesliga war übrigens das Team von Rafael Benitez. Napoli setzte sich als Gruppensieger der Gruppe I gegen die Young Boys Bern, Sparta Prag und Slovan Bratislava durch, ehe man relativ mühelos Trabzonspor (4:0/1:0) und Dinamo Moskau (3:1/0:0) an die Wand spielte. Gegen die in dieser Saison sehr starken Wölfe wurden im Vorfeld nur kleine Chancen eingeräumt, doch nach einem 4:1-Sieg im Hinspiel in Niedersachsen und einem 2:2 im Rückspiel wartet nun Dnjepr Dnjepropetrovsk im Halbfinale.

Die Fiorentina um Mario Gomez hatte mit EA Guingamp, PAOK Saloniki und Dinamo Minsk drei unangenehme Gegner im Grunddurchgang. Allerdings strahlte auch dieser Serie A Club als Gruppensieger und bekam mit Tottenham Hotspur einen harten Gegner im Sechzehntelfinale. Nichtsdestotrotz besiegte man den Premier League Verein nach einem 1:1 im Hinspiel mit 2:0 im Rückspiel. Nun kommt auch wieder die Mannschaft von Rudi Garcia, die AS Roma, ins Spiel. Nach dem Ausscheiden in der Champions League waren sie nun Gegner der Fiorentina im Achtelfinale der Europa League. Mit 1:1 und 3:0 stieg der Toskana-Club verdient in die nächste Runde. Nachdem sie auch Dynamo Kiew (1:1/2:0) keine Chance ließen, wartet nun der Vorjahressieger der Europa League im Halbfinale: Der FC Sevilla.

Fazit und Ausblick

Zu diesem Zeitpunkt war in der Vorsaison kein italienischer Verein mehr in der Champions League vertreten. Für Juventus und Napoli gab es ein K.O. in der Gruppenphase und für den AC Mailand gab es eine klare Abfuhr von Atlético Madrid im Achtelfinale. Auch in der Europa League lief es nicht viel besser. Zwar konnte man mit Juventus Turin und SSC Napoli (beide aus der Champions League zugestiegen), sowie Florenz und Lazio Rom noch vier Clubs im Sechzehntelfinale vorweisen, doch nur zwei Runden später war nur noch die „Alte Dame“ übrig. Allerdings zog Juventus im Halbfinale gegen Benfica Lissabon mit 2:1 den Kürzeren. Man darf also beobachten, dass es für die Anhänger des italienischen Fußballs noch schöne Wochen auf der europäischen Bühne geben kann. Juventus muss zwar gegen Real Madrid antreten, doch es gibt drei Gründe warum sie auch diesen vermeintlichen Übergegner besiegen können. Erstens kann Juventus frei aufspielen, da sich niemand einen Sieg gegen die Königlichen erwartet, zweitens spielt die absolute Willensstärke und sehr gute Defensivarbeit für die Italiener und drittens hat die Champions-League-Finalphase eigene Gesetze. In der Europa League könnte es sogar zu einem rein italienischen Finale kommen, sollten Napoli und Florenz ihre beiden Duelle gewinnen. Man darf also gespannt sein, inwieweit die Clubs aus dem Weltmeisterland von 2006 ihre Chancen nützen und wieder im Konzert der Großen bestehen zu können.

Andreas Prentner, abseits.at

Andreas Prentner