Zu Beginn der Europa League Gruppenphase vor rund zwei Monaten befassten wir uns in einer Vorschau mit den kommenden Zielen und den realistisch erreichbaren... „Mission Top-50“: Rapid bleibt auf der internationalen Überholspur

Michael Krammer - SK Rapid Wien_abseits.atZu Beginn der Europa League Gruppenphase vor rund zwei Monaten befassten wir uns in einer Vorschau mit den kommenden Zielen und den realistisch erreichbaren Meilensteinen des Rekordmeisters. Nach dem vierten Spieltag steht Rapid sensationell als Fixaufsteiger fest und überwintert zum ersten Mal seit zwanzig Jahren im Europacup. Einige enorm wichtige Hürden wurden bereits übersprungen und mit ähnlichen Leistungen in den nächsten Jahren scheint das ausgegebene Ziel von Präsident Krammer erreichbar. Zudem kann Rapid weiterhin den zweiten Champions League Platz für die nächste Meisterschaftssaison zurückerobern. Dieser winkt als Belohnung, wenn aus den mindestens vier ausstehenden Spielen zwei Siege gefeiert werden.

Rapid verbessert seine Ausgangslage deutlich

Rapid beendete die Saison 2014/15 in der UEFA-Fünfjahreswertung auf dem 121. Platz und lief Gefahr, in Zukunft nicht mehr in allen Qualifikationsrunden gesetzt zu sein. Mittlerweile haben sich die Hütteldorfer unter die besten 90 Klubs Europas gespielt und konnten damit ein vielversprechendes Fundament für die nächsten Jahre aufbauen.

Zumindest in den nächsten drei Jahren wird keine Mannschaft aus den Topnationen, die in den letzten fünf Jahren nicht auf internationaler Bühne tätig war, vor Rapid gesetzt sein. Bisher hatte man gegenüber Spanien, Italien und England das Nachsehen, dies hatte unter anderem die Konsequenz, dass Rapid heuer eine schlechtere Setzung als Southampton, West Ham oder Augsburg gegönnt war.

Neben diesem großen Vorteil ist man nun auch mindestens drei Jahre im Europa League Playoff gesetzt und hätte – zumindest im nächsten Herbst und abhängig vom weiteren Verlauf der anderen europäischen Ligen – hervorragende Chancen, im Champions League Playoff des Meisterweges gesetzt zu sein.

Darüber hinaus hat man die eigene Setzung im dritten Topf der Europa League Gruppenphase fixiert und kann je nach weiterem Verlauf sogar auf den zweiten Topf schielen.

Welche Verbesserungen darf man sich heuer noch erwarten?

In der heurigen Saison scheint mit dem Erreichen des 81. Platzes der realistische Plafond erreicht. Dazu benötigt man noch zwei Siege, wobei man davon ausgehen darf und muss, dass einer davon am letzten Spieltag zu Hause gegen Dinamo Minsk erreicht wird. Je nach Auslosungsglück (am Montag, den 14. Dezember, erfährt Rapid seinen Gegner) für das Sechzehntelfinale könnte man auch noch die eine oder andere weitere Runde überstehen und fleißig Punkte sammeln. Auf Platz 70 würde dann zum Beispiel nur noch ein weiterer Sieg fehlen.

Platz 81 wäre eine tolle Ausgangsposition für die kommenden Jahre, verliert Rapid in den nächsten beiden Saisonen nur insgesamt 3,875 Punkte und damit deutlich weniger als alle anderen Vereine. Lediglich Ludogorets verliert in den nächsten beiden Jahren noch weniger Punkte, aber der aktuelle Top-50-Klub Metalist Kharkiv verliert mehr als dreißig Punkte.

Zwischen den Hütteldorfern und Platz 50 sind aktuell nur noch 15 Vereine im Bewerb, bis zu Platz 63 gibt es gar nur mehr sechs aktive Vereine.

50Metalist KharkivUkr19.550011.90001.56664.00000.920037.936
51LiverpoolEng3.050012.28563.357012.71426.425037.831
60BesiktasTur11.02002.04001.340012.20005.840032.440
70EvertonEng3.05003.28563.357016.71421.425027.831
80Ludogorets RazgradBul0.30001.150015.12507.85001.200025.625
88Rapid WienAut1.42502.45006.56002.32508.680021.440
90Swansea CityEng3.05003.285610.35702.71421.425020.831
97Austria WienAut7.42500.45009.56000.82500.680018.940
100FeyenoordNed2.72002.34282.683210.21660.650018.612

Die Hütteldorfer müssen in den nächsten beiden Jahren knapp vier Punkte verteidigen und haben realistische Chancen, auf den 60.Platz vorzustoßen. In der bereinigten Liste, also abzüglich der nächsten beiden Saisonen, befindet sich Rapid auf Platz 57.

Durchschnittlich benötigt man pro Saison sechs Punkte für die Top-50. Die größte Chance bieten die nächsten beiden Jahre, Voraussetzung dafür ist jeweils die Qualifikation für eine Gruppenphase.

In den folgenden beiden Jahren sollten die Hütteldorfer pro Saison also sieben bis acht Punkte erspielen. Ein schwieriges Unterfangen, doch mit der stetigen Verbesserung in der UEFA-Fünfjahreswertung warten – zumindest am Papier – immer leichtere Gegner und bereits die Qualifikation für die Europa League Gruppenphase bringt zwei Punkte. Schafft man den Sprung in die Champions League, startet man gar mit vier Bonuspunkten.

Die virtuelle UEFA-Fünfjahreswertung aus grün-weißer Sicht

Es ist nicht zu erwarten, dass Rapid weder heuer noch in fünf Jahren unter den Top-20 Europas spielt, aber die Momentaufnahme ist äußert erfreulich.

Erwartbar hingegen ist, dass Rapid in den nächsten vier Jahren nicht mehr unter 20 Punkte fällt und im Idealfall in diesem Zeitraum auch schon an der 30-Punkte-Marke kratzt.

In der folgenden Tabelle ist die Entwicklung von Rapid jener der UEFA-Fünfjahreswertung gegenübergestellt. Ausgehend von der aktuellen Punkteanzahl (21,440) verliert Rapid jedes Jahr Punkte, welche sich in der vierten Spalte niederschlagen.

Die Hütteldorfer verlieren im nächsten Jahr nur 1,425 Punkte, während der 50. Platz fast neun Punkte verliert.

Nachdem die Saison noch läuft, wird auch die notwendige Punktezahl für Platz 50 noch steigen, Platz 60 wird allerdings ziemlich stabil bleiben. Befindet man sich aktuell also 11 Punkte hinter den Top 60, startet man im nächsten Jahr nur mit einem Handicap von fünf bis sechs Verlustpunkten.

Aktuell fehlen auf die Top-50 16 Punkte, durch die gute Leistung in der heurigen Saison und dem Verlust von wenigen Punkten in den nächsten beiden Jahren ist man 2018 virtuell nur noch drei Punkte hinter den Top-50. Damit dies in der Realität auch so eintritt, sind in etwa 7,5 Punkte pro Saison notwendig.

    Top 50 Top 60 Top 70 
201688.21,440 37,936– 16,49632,440– 11,00027,831– 6,391
201776.20,015– 1,425028,786– 08,77124,920– 04,90521,420– 1,405
201857.17,565– 2,450020,933– 03,36817,014– 00,55115,370+ 2,195
201958.11,005– 6,560013,715 10,350 09,049 
202020.08,680– 2,325005.940 04,233 03,650 

Fazit: Für die Top-50 braucht es konstant sehr gute Leistungen und eine regelmäßige internationale Überwinterung oder zumindest ein sensationelles Jahr mit zwei bis drei überstandenen K.O.-Phasen. Aus heutiger Sicht ein doch eher unrealistisches Szenario, aber Position 60 bis 65 ist in jedem Fall ein realistisches Ziel. Schafft man es allerdings, die neue Heimstätte zu einer sportlichen Festung zu machen und die zu erwartenden höheren finanziellen Möglichkeiten geschickt einzusetzen, wird Präsident Krammer sein großes sportliches Ziel doch noch erreichen.

Daniel Walter, abseits.at

Daniel Walter

  • Jan Lokaj

    Isn’t it more like that Michael Krammer wanted to be in TOP 50 richest clubs?