Die im Jahr 2009/10 erstmals ausgetragene Europa League feiert heuer ihre siebente Auflage. Der österreichische Rekordmeister nimmt zum bereits fünften Mal teil und... Rapid, die Europa League und der Kampf um Punkte für Setzliste und Fünfjahreswertung

 

SK Rapid Wien Wappen Logo Europa League_abseits.atDie im Jahr 2009/10 erstmals ausgetragene Europa League feiert heuer ihre siebente Auflage. Der österreichische Rekordmeister nimmt zum bereits fünften Mal teil und möchte zum ersten Mal seit der Europacupfinalsaison im Jahr 1996 international überwintern. Dieser Erfolg wäre gleichbedeutend mit einem soliden Koeffizienten in der UEFA-Fünfjahreswertung, welcher in den kommenden Jahren eine Setzung in den wichtigsten Playoff-Runden garantieren würde. Bisher konnten die Hütteldorfer allerdings noch nicht all zu viele Siege bejubeln. Wir werfen einen Blick in die mäßig erfolgreiche Vergangenheit und zeigen, welche Optionen in der Zukunft möglich sind.

Rapid hat bisher an vier Gruppenphasen teilgenommen und konnte dabei lediglich vier Siege verbuchen. So phänomenal und ambitioniert die Hütteldorfer in den Qualifikationsrunden im Sommer stets zu Werke gehen (mit der Ausnahme 2014/15 gegen Helsinki), so ernüchternd ist die Ausbeute in der Europa League.

Lediglich fünf Mannschaften sind häufiger angetreten, dennoch reicht es in der „Allzeit-Tabelle“ nur für den enttäuschenden 73. von 178 Plätzen und 0,71 Punkten pro Spiel. Einzig Dinamo Zagreb hat eine ähnlich schlechte Statistik und in ebenfalls 24 Spielen mit 20 Zählern unwesentlich mehr Punkte, drei an der Zahl, geholt.

Benfica Lissabon hat es mit ebenfalls vier Teilnahmen, aber dank überstandener Gruppenphasen auf 38 Spiele und 83 Punkte gebracht.

Der größte Triumph im allerersten Spiel. Die Saison 2009/10

Nach dem sensationellen Aufstieg gegen den englischen Topclub Aston Villa, startete man auch in die erste Auflage der Gruppenphase furios.

Ein sensationeller Erfolg im allerersten Spiel gegen den damaligen Spitzenreiter der deutschen Bundesliga läutete vermeintlich eine neue Ära für Rapid ein. Allerdings sollte dieser Triumph das größte Erfolgserlebnis aus 24 Versuchen bleiben. Direkt im Anschluss folgte ein ebenfalls respektables Unentschieden bei Celtic Glasgow. Mit dem israelischen Vertreter Hapoel Tel-Aviv kam man gar nicht zurecht und kassierte zwei empfindliche Pleiten. Zum Abschluss konnte man sich noch einmal über einen Punktegewinn freuen, allerdings verabsäumte man es, die deutliche 3:0-Führung gegen die Schotten trocken nach Hause zu spielen und musste am Ende mit einem Punkt zufrieden sein.

Man beendete die internationale Saison zwar auf dem letzten Platz, konnte aber immerhin fünf Punkte erobern.

Übermächtige Gegner und eine unnötige Niederlage in der Saison 2010/11

Die Europacupsaison begann ähnlich verheißungsvoll wie im Jahr davor. Zum zweiten Mal in Folge konnte man sich gegen Aston Villa durchsetzen, dieses Mal sogar mit einem 3:2-Auswärtssieg auf der Insel.

In der Gruppenphase traf man dann allerdings auf zwei sehr undankbare Gegner und es war von Beginn an klar, dass man dieses Mal wohl nicht in die Nähe des Aufstiegs kommen wird. Gegen Besiktas verlor man beide Spiele, wobei man wenigstens im Heimspiel vor ausverkauftem Haus mithalten konnte. Gegen den späteren Europa-League-Gewinner FC Porto war man jedoch chancenlos. Im letzten Gruppenspiel half nicht einmal die Unterstützung durch den kräftigen Schneefall. Die Portugiesen hatten maximal kurzzeitig mit dem für sie ungewohnten Terrain Probleme.

Gegen ZSKA Sofia konnte man sich im Auswärtsspiel durchsetzen, ließ jedoch im Heimspiel die notwendige Konsequenz vermissen und schied als Gruppendritter mit drei Punkten aus.

Ein weiteres Mal hatte man die Möglichkeit auf wichtige Punkte fahrlässig ausgelassen.

Ein Geisterspiel, zwei Lehrstunden, drei Punkte in der Saison 2012/13

Nach einer Zwangspause, durfte Rapid in der Saison 2012/13 wieder um die Teilnahme an der Gruppenphase kämpfen. Den unnötigen Punkteverlusten der ersten beiden Gruppenphasen Tribut zollend, musste Rapid auch ein drittes Mal als ungesetzter Verein die Qualifikation in Angriff nehmen. Dieses Mal gelang zumindest in dieser Turnierphase historisches. Die Hütteldorfer sind bis heute der einzige Verein, der sich drei Mal als ungesetzter Klub für die Gruppenphase qualifizieren konnte.

Am Rande eine nette Auszeichnung, bei genauerer Betrachtung weist dies leider nur darauf hin, dass andere, regelmäßige Europacupteilnehmer einfach nur weniger Gruppenphasen brauchen, um den Sprung auf die gesetzte Seite zu schaffen.

Auch in dieser Gruppenphase war für Rapid von Anfang an die Hoffnung auf Zählbares gering. Gegen Rosenborg trug man am ersten Spieltag das Geisterspiel im Happel-Stadion aus und verlor überraschend mit 1:2. Auch beim Rückspiel lief es nicht viel besser und die Hütteldorfer mussten sich gegen den vermeintlich schwächsten Gegner wieder einmal mit wesentlich weniger Punkten als erwartet, in diesem Fall sogar mit null Punkten zufrieden geben.

Gegen den regelmäßigen Champions-League-Teilnehmer Leverkusen gab es in beiden Spielen keine Chance auf Punkte und so kam es, dass man am letzten Spieltag gegen die bereits aufgestiegenen Ukrainer aus Kharkiv noch einen Sieg feiern durfte und dem Nuller gerade so entkam. Wie schon die anderen Gruppenphasen verlief auch diese enttäuschend du alles in allem wurde es von Jahr zu Jahr schlechter als besser.

Zu Hause ungeschlagen und Entscheidungsspiel in Kiew – die Saison 2013/14

Vor mittlerweile zwei Jahren qualifizierte man sich zuletzt für eine Gruppenphase, zum ersten Mal als gesetzter Verein. Als weitere Belohnung sollte das erste Mal der dritte Lostopf für einen leichteren Gegner aus dem vierten Topf sorgen.

Diese Gruppe war, gemessen an den Aufstiegschancen im Vorfeld wohl die realistischste. Allerdings sorgte zur Abwechslung wieder das erste Spiel für einen ordentlichen Dämpfer. Beim Außenseiter und Topf-4-Klub FC Thun musste man sich mit 0:1 geschlagen geben und minimierte damit bereits am ersten Spieltag seine Aufstiegschancen entscheidend.

Dennoch folgte im Anschluss eine solide Gruppenphase, man blieb vier Spiele in Folge ungeschlagen, feierte einen Heimsieg gegen Thun und konnte das Spielfeld des Happel-Stadions drei Mal unbesiegt verlassen.

Somit gelang es zum ersten Mal ein Entscheidungsspiel am letzten Spieltag zu erzwingen. Dynamo Kiew war letztlich eine Nummer zu groß und somit schied man mit sechs Punkten und Platz drei aus. Dennoch war diese Gruppenphase für grün-weiße Verhältnisse durchaus in Ordnung und gipfelte auch im bis dato unerreichten Punkterekord.

Realistische Aufstiegschancen in der aktuellen Saison

Der fünfte Anlauf erlaubt mit dieser Auslosung durchaus den gerechtfertigten sehnsüchtigen Traum nach einer überstandenen Gruppenphase. Im Gegensatz zu früheren Gruppenphasen ist nur eine Mannschaft klar über die der Hütteldorfer zu stellen und man wird von keiner absoluten Sensation sprechen, sollten gegen Pilsen durchaus realistische vier Punkte gelingen.

Villarreal ist klar über die anderen drei Vereine zu stellen und wird die Gruppe aller Voraussicht nach gewinnen. Im Idealfall kann Rapid allerdings vielleicht gleich im Auftaktspiel Zählbares mitnehmen und sich einen entscheidenden Vorteil im Kampf um Platz zwei verschaffen. Gegen Pilsen wird man mindestens drei Punkte einfahren müssen, dies ist der aktuellen Rapid-Mannschaft auch durchaus zuzutrauen.

Möchte man in dieser Gruppe um den Aufstieg mitreden, sind mindestens vier Punkte gegen den krassen Außenseiter Dinamo Minsk Pflicht. Nachdem man in den letzten fünf Jahren regelmäßig unnötige Punkte verschenkt hat, wären zwei Siege gegen einen der schwächsten Gegner, mit denen Rapid in der Geschichte der Europa League konfrontiert war, durchaus wertvoll.

Der Durchbruch in die Top-50 von Europa wird in der heurigen Saison zwar nicht gelingen, aber mit zehn bis elf Punkten würde man zumindest schon einmal in die Top-50 der Europa-League-Mannschaften vorstoßen.

6,560 Punkte in der Rekordsaison und 15,120 Punkte insgesamt – Aber wie kommt man auf dieses Ergebnis?

Rapid findet sich aktuell auf Platz 109 und mit 15,120 Punkten wieder. Diese setzen sich folgendermaßen aus den letzten vier Saisonen plus der aktuellen Spielzeit der UEFA-Fünfjahreswertung zusammen:

2011/122012/132013/142014/152015/16Gesamt
1,4252,4506,5602,3252,36015,120

Die vorerst erfolgreichste Saison war also die Gruppenphase mit Dynamo Kiew, Genk und Thun, in welcher Rapid sechs Punkte durch einen Sieg und drei Unentschieden gelangen.

Die jährliche Punkteanzahl ergibt sich aus drei Faktoren, die wir hier nun etwas näher beleuchten werden.

Punktezusammensetzung in Rapids stärkster Saison 2013/14

QualifikationLänderwertungGruppenphaseGesamt
2 Punkte1,560 Punkte3 Punkte6,560 Punkte

Den ersten Teil dieser Punkteausbeute verdanken die Hütteldorfer der Qualifikation. Für jede überstandene Runde bekommt der jeweilige Verein 0,5 Punkte. Nachdem es vier Qualifikationsrunden gibt, beendet jeder Europa-League-Gruppenphasenteilnehmer diese Turnierphase mit zwei Punkten, dabei ist es völlig unerheblich, ob alle vier Runden gespielt wurden (oder man gar im Champions-League-Playoff verlor). Je höher man in der Länderwertung platziert ist, desto weniger Runden haben die jeweiligen Vereine zu absolvieren – Rapid startete gegen Helsinki erst im Playoff und hatte damit bereits vor dem Duell 1,5 Punkte sicher. Schlussendlich konnte man lediglich ein Unentschieden erringen, trotzdem hätte und hat man mehr Punkte geholt als jeder Verein, der in den ersten beiden Qualifikationsrunden vier Siege gefeiert hat und dann in Runde drei gescheitert ist.

Ein späterer Einstieg ist der besseren Setzung in der Nationenwertung geschuldet und so kommt der jeweilige Vertreter zu extrem billigen Punkten. Rapid ist damals erst in der dritten Runde gegen Tripolis eingestiegen und hatte bereits vor diesem Duell einen Punkt auf dem Konto. Mit diesem Aufstieg und dem anschließenden Erfolg gegen Dila Gori wuchs das Konto auf zwei Punkte an.

1,560 Punkte ergeben sich aus der Länderwertung. Jeder österreichische Vertreter profitiert von den Erfolgen der anderen Vereine und in diesem Jahr spielte Österreich eine gute internationale Saison.

Damit bleiben noch drei Punkte. Diese hat sich Rapid in der Gruppenphase erspielt. Zwar bringt der erste Sieg oder die ersten beiden Unentschieden in der Europa League keine Punkte, aber in der Folge bringt jeder Sieg zwei Punkte, jedes Unentschieden einen Punkt.

Im Falle der Hütteldorfer haben also die ersten beiden Unentschieden gegen Genk und Kiew keinen Einfluss auf das Punktekonto gehabt. Erst das zweite Unentschieden gegen Genk hat einen und danach der Sieg gegen Thun zwei weitere Punkte gebracht.

Die aktuelle Saison und die (neuen) Möglichkeiten in Europa

In der aktuellen Saison konnte Rapid bereits 2,360 Punkte erobern. Zwei in der Qualifikation und lediglich 0,360 Punkte aufgrund des unterdurchschnittlichen Abschneidens der österreichischen Vertreter. Sämtliche in dieser Saison nicht international vertretene heimische Vereine haben bisher also 0,360 Punkte gesammelt – egal ob dieser Austria Wien oder Lustenau heißt. Bereits ausgeschiedene Vereine haben zwischen 1,360 Punkte (WAC, Sturm, beide in Runde 3 ausgeschieden, also zwei gewonnene Runden) und 1,860 Punkte (FC Salzburg und Altach sind im Playoff gescheitert, haben also dreimal 0,5 Punkte gewonnen) erreicht.

Gelingt es Rapid heuer also zum ersten Mal seit sehr langer Zeit europäisch zu überwintern, würde das Punktekonto entscheidend anwachsen. Neun Punkte werden wohl die absolute Untergrenze für eine erfolgreiche Qualifikation sein, weswegen die Hütteldorfer im Falle des Aufstiegs mindestens vier zusätzliche Punkte (Wie oben erwähnt ist ein Sieg zwei Punkte wert, die ersten beiden Punkte fließen nicht auf das Punktekonto des jeweiligen Vereins) für die UEFA-Fünfjahreswertung sammeln würden und damit bei 19,120 Punkten halten würden.

Eine deutlich verbesserte Punkteanzahl ermöglicht mindestens bessere theoretische Chancen. Alleine die heurige Europa League Auslosung unterstreicht in letzter Konsequenz die Wichtigkeit der Setzung. Knapp aber doch konnte sich Rapid durch die Ergebnisse des Europa-League-Playoffs für Topf drei qualifizieren und trifft nun statt Monaco, Sparta Prag oder Fenerbahce auf Dinamo Minsk und hat damit die eigenen Aufstiegschancen massiv verbessert. Natürlich muss man auch gegen die Weißrussen erst die Punkte einfahren, aber gegen den aktuellen Gegner sind vier bis sechs Punkte deutlich einfacher möglich.

Die Setzungsgrenzen verlaufen äußerst variabel, kommt es doch auf die jeweiligen Europacupvertreter an. Im Meisterweg der Champions League wird dies besonders deutlich, gibt es pro Nation doch nur einen Vertreter und in den meisten Fällen nur einen einzigen Klub, welcher über mehr Punkte als Rapid verfügt. Wird dieser nicht Meister, verändert sich auch die Setzungsgrenze nach unten und zu Gunsten der Grün-Weißen.

Hier findet ihr die aktuellen Setzungsgrenzen zum gegenwärtigen Zeitpunkt, also auch nach dem Scheitern diverser Favoriten. Zu Beginn der Saison waren die Grenzen zum Teil erheblich höher. Für eine Setzung in der 4. Runde der Champions-League-Qualifikation waren im Juni noch 39 Punkte notwendig.

12,276 – Play-off Europa League

15,099 – Topf 3 Europa League

22,225 – 3. Qualifikationsrunde Champions League Meisterweg

24,700 – 4. Qualifikationsrunde Champions League Meisterweg

35,460 – Topf 2 Europa League

43,602 – Topf 3 Champions League

Rapids Beitrag zur UEFA-Fünfjahreswertung und die Chance auf Platz 15

Wann welcher nationale Verein in den Europacup einsteigt, entscheidet die UEFA-Fünfjahresländerwertung. Hier befindet sich Österreich aktuell auf dem 17. Platz, 2,283 Punkte hinter den auf Rang 15 platzierten Rumänen, welche keine Vertreter mehr in der heurigen Saison stellen.

Der 15. Platz garantiert dem Vizemeister eines Landes die Teilnahme an der Champions League Qualifikation, zudem muss auch der Meister erst in der dritten Runde antreten. Dies hat den Vorteil, dass selbst bei einem Ausscheiden die Teilnahme am Europa League Play-off gesichert ist. Sowohl Rapid als auch der FC Salzburg sind in jüngerer Vergangenheit je einmal in der zweiten Stufe gescheitert und mussten damit ihre Europacupambitionen bereits im Juni begraben.

In der heurigen Saison stellte Österreich zwei Champions-League-Vertreter. Der FC Salzburg schied zwar gegen Malmö aus, hatte aber noch die Chance auf die Europa League. Für Rapid hätte ein Ausscheiden gegen Ajax Amsterdam die gleiche Konsequenz gehabt.

Im nächsten Jahr startet nur mehr der Meister in der Champions-League-Qualifikation und das noch dazu eine Runde früher. Scheitert man hier, so wie es heuer Maribor oder Ludogorets (beide verfügen über einen weit höheren Koeffizienten als Rapid) passiert ist, kann man sich ab sofort wieder auf die nationale Meisterschaft konzentrieren. Sowohl die Hütteldorfer als auch Salzburg oder die Austria wären zwar gesetzt, jedoch scheitert so gut wie jedes Jahr mindestens eine gesetzte Mannschaft in Runde zwei.

Um den wichtigen 15. Platz zurückzuerobern, muss Rapid sechs Siege einfahren. Jeder Sieg ist zwei Punkte wert, geteilt durch die Anzahl der österreichischen Teilnehmer (2:5), bringt jeder Sieg 0,4 Punkte für die Nationenwertung. Sechs volle Erfolge mal 0,4 ergeben 2,400 Punkte.

Daniel Walter, abseits.at

 

Daniel Walter

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