Rapids morgiger Gegner Viktoria Pilsen präsentierte sich seit dem letzten Aufeinandertreffen mit den Hütteldorfern mit zwei Gesichtern. Da gab es einerseits die enttäuschende Auswärtsniederlage... Schwach in Brünn, stark gegen Sparta: Viktoria Pilsens zwei Gesichter seit dem letzten Duell mit Rapid

Tschechien Flagge_abseits.atRapids morgiger Gegner Viktoria Pilsen präsentierte sich seit dem letzten Aufeinandertreffen mit den Hütteldorfern mit zwei Gesichtern. Da gab es einerseits die enttäuschende Auswärtsniederlage in Brünn, dann aber einen fulminanten Heimsieg im Spitzenspiel gegen Sparta Prag. Wir sehen uns die letzten beiden Spiele der Tschechen genauer an.

Wie gewohnt verlief sich der Trainer von Viktoria Pilsen, der 46-jährige Karel Krejci, nicht in übermäßiger Rotation und Experimenten. Drei Tage nach der Niederlage in Wien veränderte der Coach sein Team für das Auswärtsspiel beim FC Zbrojovka Brünn nur punktuell. Der in Wien gesperrte Abwehrchef Vaclav Procházka kehrte erwartungsgemäß anstelle von Lukas Hejda zurück ins Team. Im Mittelfeld begannen Kolar und Petrzela anstelle von Kovarik und Horava. Dies waren Wechsel „Position für Position“, die Veränderungen kamen erst später im Spiel.

0:1 gegen Zbrojovka Brünn

Die Pilsener fanden kaum Mittel gegen die tief stehenden Brünner und mussten in der 53.Minute einen Elfmetertreffer hinnehmen. Mit Jan Holenda und Ajdin Mahmutovic brachte Krejci später noch „1 ½ Stürmer“, an der Niederlage änderte dies aber nichts. Und ebenso wenig an der schwachen Leistung der Gäste, die am Ende mit einem 4-4-2 spielten.

Obwohl Pilsen in der Liga souveräner agiert als Rapid und derartige Niederlagen eher selten sind, ist auch der Meister nicht vor Pleiten gefeit. Das Muster der Niederlage war wieder dasselbe: Pilsen hatte 57% Ballbesitz, kam zu einigen Flankenläufen und doppelt so vielen Eckbällen wie Brünn (6:3), hatte aber nur wenige konkrete Torchancen (wie immer einige erfolglose Weitschüsse oder spontane Abschlussversuche), weil das Heimteam nicht nur tief und eng stand, sondern auch für zahlreiche, oft frühe Fouls sorgte. 12 Fouls der Pilsener standen 25 der siegreichen Brünner gegenüber. Diese gesunde, aber gezielte Härte ist weiterhin das beste Mittel, um als technisch unterlegenes Team gegen Pilsen zu bestehen.

2:1 gegen Sparta Prag

Rapid ist dem tschechischen Meister technisch allerdings nicht unterlegen, könnte beim Auswärtsspiel in Westböhmen eher läuferische und konzentrationstechnische Probleme bekommen. Das musste Sparta Prag am vergangenen Wochenende am eigenen Leib erfahren. Pilsen schickte ein sehr offensives 4-1-4-1-System auf den Platz, das im Vergleich zum Rapid-Spiel an zwei Positionen verändert war: Der offensivere Daniel Kolar spielte statt dem Achter Ondrej Vanek und anstelle von Ján Baranek spielte Abwehrchef Vaclav Procházka.

Nach 41 Minuten wurde ebendieser Procházka, der als perfekter Aufbauspieler für die Innenverteidigung gilt, mit Rot vom Platz gestellt und Baranek kam daraufhin für Kolar ins Spiel. Nun hatte man wieder dieselbe Aufstellung wie gegen Rapid, nur, dass Ondrej Vanek im Mittelfeld fehlte und Pilsen in einem 4-4-1 agierte. Dennoch kämpfte der Meister den Vizemeister nieder: Durch zwei Jokertore von Baranek (72.) und Petrzela (83.) ging Pilsen in Unterzahl gegen insgesamt schwache Prager mit 2:0 in Führung. Das 2:1 durch Julis (90.) war nur noch Ergebniskosmetik.

Durch die 50-minütige Unterzahl hatte Sparta Prag diesmal mehr Ballbesitz, aber die Pilsener standen im eigenen Stadion gut, setzten einige wenige Nadelstiche und hatten am Schluss sogar mehr Torchancen als die enttäuschenden Hauptstädter. Viktoria Pilsen vermied Schnittzweikämpfe in der Zentrale und konzentrierte sich auf sauberes Stellungsspiel, was gegen die ideenlosen Weinroten auch gelang.

Wie spielt Pilsen morgen?

Die rote Karte für Abwehrchef Vaclav Procházka, seine zweite innerhalb von fünf Wochen, hat auf das Rapid-Spiel natürlich keine Auswirkungen. Der 31-Jährige wird wieder beginnen und mit hoher Wahrscheinlichkeit neben Jan Baranek spielen. Rajtoral und Limbersky sind in der Außenverteidigung gesetzt und aufgrund des Siegzwanges für Viktoria ist ein Mittelfeld wie zu Beginn gegen Sparta Prag, also mit nur einem Sechser und Kolar als Achter-Zehner-Hybrid rund um Horava, denkbar. Möglich ist auch, dass der Torschütze zum 2:0 gegen Sparta, der pfeilschnelle Milan Petrzela anstelle von Jan Kopic startet.

So oder so steht uns eine sehr interessante Partie bevor, da Rapid ebenso wie Pilsen auf Ballbesitz pocht und dem Gegner ungern das Spiel überlässt. Möglicherweise werden es aber genau diese Situationen sein, die das Spiel entscheiden können. Noch vor der Kampfkraft und den (auf ähnlichem Level befindlichen) technischen Fertigkeiten, wird in diesem Spiel die situative Flexibilität entscheiden, denn die Ausgangslage und die Spielanlage der beiden Teams verspricht sehr viele, unterschiedliche Spielsituationen, auf die es sich einzustellen gilt. Und dies ist eigentlich kein Steckenpferd der geradlinigen Rapid-Elf, die auf europäischer Ebene aber ohnehin kaum Prophezeiungen zulässt…

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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