In einer mehrteiligen Serie bringen wir euch einige (noch) unbekannte Namen aus der europäischen Fußballwelt näher, welche in Zukunft für viel Furore sorgen werden.... Die größten Nachwuchstalente der Welt (11) – Samper, Sergi Roberto, Montoya

In einer mehrteiligen Serie bringen wir euch einige (noch) unbekannte Namen aus der europäischen Fußballwelt näher, welche in Zukunft für viel Furore sorgen werden. Dieses Mal blicken wir exklusiv zur legendären Jugendakademie des FC Barcelona, La Masia und potenziellen Nachfolgern wichtiger Stützen im der ersten Mannschaft.

Sergi Samper

Die Nachfolge Xavis wird bereits seit dem ersten Champions-League-Titel unter Pep Guardiola diskutiert. Wer kann das Metronom und den Taktgeber des katalanischen Passspiels wohl ersetzen? Im Jahr 2010 wurden gleich zwei Personalien diskutiert, welche mit der Nachfolge zu tun haben. Beide hatten mit dem FC Barcelona und dem englischen Topverein Arsenal zu tun.

Die eine hieß Cesc Fabregas und wechselte nach langem Hick-Hack in der folgenden Sommerpause zu den Katalanen. Die andere heißt Sergi Samper, wurde von Arsene Wenger heiß umworben und wechselte nicht – der junge Spielgestalter blieb in der legendären Jugendakademie der Katalanen. Seine Teamkollegen Hector Bellerin und Jon Toral wechselten zwar, doch Samper gilt ohnehin als das größere Talent.

Gemeinsam mit Nando Quesada ist er der Taktgeber der Juvenil A – zwar agiert Samper aktuell als tiefster Akteur hinter Quesada und dem offensiven David Babunski (der als mazedonischer Iniesta gepriesen wird), doch langfristig soll er in die Rolle Xavis hineinwachsen. Samper ist hervorragend in seiner Bewegung, er stellt Räume intelligent zu und ist auch ausreichend quirlig, um sich vor gegnerischen Zweikämpfen zu schützen und aus Engen herauszuwinden.

Javier Gascon von der Mundo Deportivo verglich ihn bereits mit Andrea Pirlo, andere wählten lieber Xavi oder sogar Pep Guardiola. Letzterer ließ Samper schon das eine oder andere Mal bei der ersten Mannschaft mittrainieren; ein Zeugnis seines großen Talents. Sollte Samper diese Vorschusslorbeeren bestätigen und sich körperlich weiterentwickeln, dann könnte er exakt dann ins Team kommen, wenn der 32-jährige Xavi sich langsam als Ergänzungsspieler Richtung Bank bewegt.

Sergi Roberto

Neben Xavi war auch Iniesta als kongenialer Partner im offensiven Mittelfeld für die zwei Triumphe in der Champions League sowie die drei internationalen Titel der spanischen Nationalmannschaft mitverantwortlich. Aktuell ist Iniesta zwar erst 28, doch wegen vieler kleinerer Verletzungen und Formschwankungen könnte der blasse Ballzauberer aus Fuentealbilla früher als beispielsweise Xavi die Weltklasse verlassen. Mit Cesc Fabregas steht zwar ein idealer Ersatz bereit, doch in der zweiten Mannschaft wächst noch ein weiterer potenzieller Nachfolger heran.

Sergi Roberto wechselte im Alter von 14 Jahren zu Barcelona und durchlief die Jugendmannschaften, bis er 2009/10 erste Einsätze in der zweiten Mannschaft in der Segunda Division erhielt. 2011 debütierte er sogar in der ersten Mannschaft und kam bislang zu neun Einsätzen (zwei Tore, eine Vorlage). Aktuell hat der erst 20-Jährige kaum eine Chance auf einen Stammplatz, gilt aber als Hoffnung für die Zukunft. Sein Mannschaftskollege, der argentinische Nationalspieler Javier Mascherano sagte beispielsweise, Sergio Roberto würde sicherlich zu einem „großartigen Spieler“ heranreifen und seine Spielweise würde ihm gefallen.

Doch auch außerhalb Barcelonas gibt es Interesse. Angeblich wurden von Chelsea zehn Millionen geboten, um sich die Dienste des zentralen Mittelfeldspielers zu sichern. Man wollte ihm die gleiche Perspektive wie dem 2011 verpflichteten Oriol Romeu aufzeigen – aber die eher schlechten Erfahrungen und geringen Einsatzzeiten des als Busquets-Nachfolger geltenden Romeu dürften Sergi Roberto abgeschreckt haben.

Es wird sicherlich interessant zu sehen sein, ob und wann Sergi Roberto mehr Einsätze von Beginn an erhalten wird. Seine Vielfältigkeit könnte ihm helfen: Roberto kann als kreativer Achter, als Zehner oder sogar als hängende Spitze auflaufen. Er überzeugt durch seine starke Ballkontrolle und Technik, schlägt präzise Pässe und ist auch körperlich sehr weit. In ferner Zukunft könnte er eine etwas weniger kreative und geniale, aber dafür körperlich stärkere und balancegebende Alternative zu Iniesta und Fabregas als offensiver Mittelfeldspieler im 4-3-3 agieren.

Martin Montoya

Offensiv wie defensiv starke Außenverteidiger sind oftmals sehr schwer zu finden. Ob auf links oder rechts: einen kompletten defensiven Flügel gibt es selten, obwohl sie in vielen Formationen und Systemen eine komplexe Schlüsselrolle innerhalb der Taktik einnehmen. Darum gab es beim FC Barcelona auch berechtigte Sorgen, wie man Dani Alves ersetzen sollte – es gab zahlreiche Wechselgerüchte um seine Person, dieses Jahr laboriert er an vielen kleineren Verletzungen und wer weiß, wie lange er noch schnell und ausdauernd  genug ist, um seine extreme Spielweise konstant durchziehen zu können.

Barcelona hat gleich zwei Ersatzleute für Alves: Den erfahrenen Adriano und – für die Zukunft – das große Talent Martin Montoya aus der eigenen Jugend. Schon mit acht Jahren wurde er in die Akademie der Katalanen eingegliedert. Er durchlief sämtliche Jugendmannschaften und gehört seit 2009 zur B-Mannschaft, die in der zweiten spanischen Liga spielt. In der Rückrunde der 2010/11-Saison debütierte er letztlich in der ersten Mannschaft und kam bislang auf 17 Einsätze.

Der U21-Nationalspieler wurde von Vicente Del Bosque sogar in die spanische Nationalmannschaft einberufen, erhielt aber keinen Einsatz in den Länderspielen gegen Chile und Liechtenstein. Dennoch weiß man in Spanien, dass ihm die Zukunft gehört. Sergio Ramos ist bereits in die Innenverteidigung gerückt. Bis dieser die Nachfolge Puyols antritt, sollte Montoya reif sein, um den Platz als Rechtsverteidiger sein Eigen nennen zu dürfen. Dafür braucht er allerdings Spielpraxis, welche ihm Valencia bieten wollte – sie wollten im März 2011 die Ausstiegsklausel von drei Millionen ziehen, was Montoya aber ablehnte.

Der FC Barcelona baut auf ihn: Montoya besitzt zwar nicht die herausragende Kombinationsstärke und Physis von Dani Alves, ist aber dennoch ein offensiv gefährlicher Außenverteidiger. Seine Schnelligkeit ist enorm, seine Bewegungen intelligent und defensiv ist er zwar nicht top, aber für das System der Katalanen wohl ausreichend stabil. Wann er Alves beziehungsweise Adriano verdrängt, wird die Zeit zeigen.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric