Aufgrund von Krawallen im Vorfeld, findet das Finale der Copa Libertadores nun in Madrid statt. Das Estadio Santiago Bernabeu in Madrid wird am kommenden... Superclasico: Auf ein Neues in Spanien

Aufgrund von Krawallen im Vorfeld, findet das Finale der Copa Libertadores nun in Madrid statt.

Das Estadio Santiago Bernabeu in Madrid wird am kommenden Sonntag (20:30 Uhr) zum Schauplatz des sogenannten „Superclasicos“ zwischen den beiden größten argentinischen Fußballklubs, den Boca Juniors und River Plate.

Dieses brisante Duell zwischen den einander so verhassten Traditionsvereinen ist in diesem Jahr auch gleichzeitig das Finale der Copa Libertadores, der südamerikanischen Champions League. Man mag es kaum glauben: die beiden Erzrivalen stehen sich in diesem Rahmen zum aller ersten Mal gegenüber.

Warum findet das Endspiel der Copa nun aber 10000 Kilometer entfernt in der spanischen Hauptstadt statt? Bei dem Spiel zwischen Boca und River handelt es sich bereits um das Rückspiel des Finales – das Hinspiel in Bocas Stadion Bombonera (Pralinenschachtel) endete 2:2. Vor der Partie in Rivers Estadio Monumental kam es zu einer Attacke auf den Mannschaftsbus von Boca.

Eine Gruppe von River-Fans hatte den Bus mit Steinen beworfen – und das trotz eines großen Polizeiaufgebots, welches das Vehikel bewachen sollte. Beim folgenden Einsatz der Polizei soll Tränengas in den Bus gelangt sein. Einige Boca-Spieler, wie etwa Kapitän Pablo Perez, mussten mit Schnittwunden ins Spital gebracht werden. Das Spiel wurde am selben Wochenende noch jeweils zweimal abgesagt. Am Ende entschied sich der argentinische Verband dazu, das Spiel in Spanien auszutragen.

Eine Entscheidung, die Anhänger beider Vereine aus nachvollziehbaren Gründen eher weniger gut finden. Während des letzen Ligaspiels von River, kam es auch zu Protestkundgebungen seitens der Fans – gegen die eigenen Hooligans, aber auch gegen Verband und den argentinischen Staatschef Mauricio Macri.

Gewohnt deutlich brachte Diego Maradona die Situation auf den Punkt: „Um ein Boca –River zu sehen, muss ich mit meiner Familie nach Madrid reisen? Wisst ihr was das kostet?“ Seine Tirade schloss Maradona mit einem „Hurensöhne“. Aber auch River-Trainer Marcelo Gallardo ist sauer: „Sie haben uns das Heimrecht gestohlen!“, schimpfte der 42-Jährige.

Ein Grund, warum das Finale nun in Spanien stattfindet, ist die Tatsache, dass dort ca. 250.000 Argentinier leben. Hier ist die Freude natürlich groß, hatten doch viele wahrscheinlich nicht mehr damit gerechnet, jemals ein Spiel von Boca oder River live im Stadion sehen zu können, ohne die Reise nach Argentinien auf sich zu nehmen.

Die Verantwortlichen rechnen mit zwei von den Zahlen her gleichgroßen Fanlagern. In Argentinien ist der Zutritt für Gästefans beim Superclasico seit 2013 gesetzlich verboten. Immer wieder kam es zuvor zu schweren Ausschreitungen.

Viele Experten sehen in der Verlegung des Spiels in ein anderes Land auch so etwas wie eine endgültige Kapitulation vor den gewaltbereiten Anhängern beider Teams. In Madrid macht man sich jedenfalls auf den Ausnahmezustand gefasst. Die Polizei hat das Spiel bereits sinngemäß als das riskanteste Ereignis in der Stadtgeschichte von Madrid bezeichnet.