Schon während der WM wurde viel darüber gemunkelt, jetzt ist der Transfer fix: Für geschätzte 30 Millionen Euro wechselt Toni Kroos vom FC Bayern... Transfers erklärt: Darum wechselt Toni Kroos zu Real Madrid

Real Madrid Vereinswappen LogoSchon während der WM wurde viel darüber gemunkelt, jetzt ist der Transfer fix: Für geschätzte 30 Millionen Euro wechselt Toni Kroos vom FC Bayern München zu Real Madrid; für den 24-jährigen Greifswalder der nächste logische Karriereschritt.

Mit Toni Kroos verlässt einer der frisch gebackenen Weltmeister aus Brasilien nicht unerwartet den Verein, mit dem er 2013 die Champions League und weitere nationale Titel gewinnen konnte. Trotz starker Leistungen bei der Weltmeisterschaft überrascht es wenig, dass die Bayern ihre Leistungsträger ziehen lassen. Schon letzte Saison hatte sich leise angekündigt, dass der Ex-Leverkusener wohl nicht ganz dem Spielertypus entspricht, den sich Trainer Pep Guardiola im Mittelfeld wirklich wünscht.

Der Spieler Toni Kroos

Eines der prägenden Merkmale, die Toni Kroos auszeichnen, ist sein herausragendes Passspiel. Im Vergleich zu anderen Spielern beim deutschen Rekordmeister oder in der Nationalmannschaft ist dieses vor allem durch seine Weiträumigkeit und viele diagonale Bälle gekennzeichnet. Kroos liegt es dabei weniger, sich an kurzen und schnellen Kombinationen zu beteiligen. Stattdessen benötigt er Situationen, in denen er aus einer sichereren Position agieren kann und das Spiel vor sich hat.

Dass er deshalb bei Löw und Guardiola auch oft so eingebunden wird, liegt zum einen daran, dass auf diese Art und Weise natürlich seine Stärken im Passspiel gut zur Geltung kommen, andererseits auch daran, dass Kroos sich generell eher weniger wohl in engen Situationen fühlt.

Kroos und seine Rolle beim FC Bayern

Entsprechend wurde Kroos unter Guardiola vor allem als linker Achter eingebaut, der sich von seiner Grundposition in Ballbesitzphasen des Rekordmeisters immer wieder diagonal nach hinten in den defensiven Halbraum absetzte, um von dort die Ballzirkulation zu unterstützen.

Dieser Raum ist eben einer jener, in denen Kroos keinen allzu großen Gegnerdruck verspürt und in dem er seine Stärken im Passspiel gut entfalten kann. So gelang es den Bayern in den Spielen, in denen Kroos spielte, zwar meistens einen extrem dominanten Spielstil zu zeigen, woran es allerdings mangelte, war Durchschlagskraft im letzten Drittel.

Im Unterschied zu Spielen mit Thiago auf der halblinken Achterposition kamen die Bayern über die vorherrschend diagonalen Passmuster kaum konstant und konstruktiv in den Zwischenlinienraum und mussten ihr Spiel gewissermaßen um die Formation des Gegners herum aufbauen. Vor allem in den beiden Spielen gegen Real Madrid im letztjährigen Champions-League-Halbfinale wurden diese Probleme besonders deutlich, nachdem sich Thiago einige Wochen zuvor verletzt hatte. Trotz hoher Ballbesitzzahlen und ständigen Seitenwechseln konnten die Bayern über die kompletten 180 Minuten keine wirkliche Durchschlagskraft erzeugen. Ein Grund dafür war auch, dass es den Bayern durch ihre Passanlagen und fehlende Präsenz im Zwischenlinienraum, wie sie vermutlich mit Thiago auf der Acht vorhanden gewesen wäre, kaum effektive Wechsel spielen konnten, weil sie Madrid nie zum weiten ballseitigen Einrücken zwangen.

Die Aufbaumechanismen und die mögliche Spielweise von Kroos bei Real Madrid

Dass Toni Kroos‘ Passmuster und seine Spielweise in letzter Zeit einfach weniger zum Spiel der Münchner passten, liegt vor allem daran, dass der Club unter Guardiola noch dominanter auftritt und es in fast allen Spielen mit sehr defensiven Gegnern zu tun hat.

Zwar ist Real Madrid vor allem in der Liga auch ein auf Ballbesitz ausgelegtes Team, agiert aber nicht so dominant und eindimensional wie die Münchner. Vermutlich wird Kroos, wenn nicht kurz-, dann zumindest mittel- und langfristig Xabi Alonso im defensiven Mittelfeld ersetzen und neben Luka Modric zum Einsatz kommen. In seiner grundlegenden Passstruktur entspricht Kroos nämlich etwas dem Spanier und auch, dass die Madrilenen von der Mittelfeldaufteilung mit einer Doppelsechs agieren, kommt Kroos entgegen, der vermutlich in Aufbauphasen viel hinter Marcelo agieren wird. Von dort kann er seine Passstärke gut einbringen, als tiefer und zentraler Sechser zudem sein strategisches Geschick. Dass mit dem Kroaten Modric ein enorm pressingresistenter Spieler neben ihm agiert kommt ihm nur entgegen.

Mit Kroos als zweitem Mann könnte das Aufbauspiel der Madrilenen dann auch wieder deutlich balancierter werden als zuletzt. Vor allem in der Rückrunde war nämlich vermehrt zu beobachten, dass die Hauptarbeit im Aufbau von Luka Modric geleistet wurde, der dafür aus dem rechten defensiven Halbraum agierte und Alonso in der Mitte so etwas von diesen Aufgaben befreite. Mit Kroos und Modric auf der Doppelsechs gäbe es damit eine Win-Win-Situation für die Mannschaft und die beiden Akteure, die beide auf ihrer bevorzugten Seite agieren können.

Aber auch in späteren Phasen der Angriffe kann Kroos seine Stärken bei Verlagerungen aus dem linken Halbraum auf die rechte Seite einbringen. Diese sorgen dann im Anschluss dank der individuellen Qualität von Bale und der offensiven Aktivität von Außenverteidiger Carvajal auch generell für deutlich mehr Durchschlagskraft, als es beim FC Bayern der Fall ist. Die Tatsache, dass Real Madrid generell mehr über seine physische Präsenz und die schiere Qualität ihrer Einzelspieler kommt, dürfte auch zur Spielweise von Kroos passen.

Fazit

Letztlich ist es durchaus verständlich, dass Toni Kroos den Schritt vom FC Bayern zu Real Madrid wagt. Zur Tatsache, dass der 24-Jährige mit den Münchnern bereits alle wichtigen Vereinstitel gewonnen hat, kommt, dass Pep Guardiolas Spielstil dem von Toni Kroos weniger zu entsprechen scheint. Dass der Deutsche fast ideal ins Mannschaftsgefüge von Real Madrid passt, ist ein weiterer wichtiger Punkt. Jetzt bleibt dann nur noch zu hoffen, dass Kroos seinen Platz im Team findet.

Tobias Robl, abseits.at

Tobias Robl

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