Eine hochspannende Ausgangsposition bot der dritte Spieltag der U17-Europameisterschaft. Drei von vier Plätzen für das Halbfinale waren vor dem letzten Durchgang der Gruppenphase noch...

Eine hochspannende Ausgangsposition bot der dritte Spieltag der U17-Europameisterschaft. Drei von vier Plätzen für das Halbfinale waren vor dem letzten Durchgang der Gruppenphase noch zu vergeben. Alle Teilnehmer hatten noch Chancen in die vorletzte Turnierphase vorzustoßen. Geschafft haben es letztendlich neben den Deutschen noch Georgien, Polen und die Niederlande. Wie die Spiele verlaufen sind lest ihr hier.

 

Gruppe A: Deutschland – Frankreich 3:0 | Island – Georgien 0:1

Deutschland war als einziges Team bereits nach dem zweiten Spieltag qualifiziert. Der Truppe von Stefan Böger war nach zwei 1:0-Siegen gegen Georgien und Island der erste Platz in Gruppe A nicht mehr zu nehmen. Dementsprechend vorsichtig konnte er seine Mannschaft ins letzte Gruppenspiel gegen Frankreich schicken. Kapitän Goretzka, Süle und Stendera ließ der deutsche Coach auf der Bank und ersetzte das Trio, das bei der nächsten gelben Karte gesperrt gewesen wäre, durch Akpoguma, Brandenburger und Dittgen. Außerdem musste Torjäger Benkarit erstmals während dieser Endrunde auf der Bank platznehmen. Werner ersetzte ihn als Solostürmer und netzte kurz nach Wiederanpfiff sogar einmal ein. Allerdings wurde der Angreifer vom VfB Stuttgart aufgrund einer Abseitsstellung. In einer abwechslungsreichen Partie starteten die Franzosen, die aus den ersten beiden Spielen nur magere zwei Punkte holten, energischer. Vor allem Stoßstürmer Anthony Martial, in den man in der Heimat den Nachfolger von Thierry Henry sieht, wurde immer wieder gesucht und mit steilen Vertikalpässen eingesetzt. Neben dem OL-Stürmer war aufseiten von Les Bleus Seko Fofana sehr auffällig. Im fluiden Mittelfeld, das je nach Situation eine 1-2 oder 2-1-Stellung zeigte, hob er sein Talent aufgrund seines großen Aktionsradius her. Mit Fortdauer des Spiels bekamen die DFB-Youngsters das Spiel aber immer mehr in den Griff. So stellte Dittgen (13.) und Meyer (21.) das Können von Keeper Maignan auf die Probe – ohne Erfolg allerdings. Doch just als alle mit dem 1:0 für Deutschland rechnete – siehe obenerwähntes Abseitstor von Werner – hatten die Franzosen die Riesenmöglichkeit auf die Führung. Bei einem Zusammenprall im Strafraum von Kempf und Martial, bei dem beide zu Boden gingen, entschied Referee Avram auf Strafstoß, doch DFB-Schlussmann Schnitzler zeigte einmal mehr, dass die Tormannausbildung in unserem Nachbarland zu den besten der Welt zählt. Neben dem parierten Elfmeter bewies der Torhüter, der bei Bayer Leverkusen unter Vertrag steht, auch ein gutes Stellungspiel. Ein Doppelschlag von Spielmacher Meyer entschied das Duell schließlich innerhalb von einer Minute. Zuerst netzte der Schalke nach sehenswertem Außenristpass von Abwehrchef Sarr ein (54.), dann verwertete er einen Rückpass von Brandt, der mit einem Dribbling in den Strafraum gezogen war. Das Durchbrechen des Wolfsburger war typisch für das Verhalten der beiden inversen Flügelspieler. Sein Gegenüber, Max Dittgen, sorgte schließlich für den Endstand.

Damit muss der Nachwuchs der Équipe Tricolore, der alle Qualifikationsspiele gewann, nach der Vorrunde ohne Sieg die Koffer packen, denn im Parallelspiel gewann Georgien gegen Island mit 1:0. Den entscheidenden Treffer des Überraschungsteams und Favoritenschrecks erzielte Dato Dartsimelia sieben Minute vor Abpfiff.

Gruppe B: Niederlande – Polen 0:0 | Belgien – Slowenien 3:1

Für die Niederlande und Polen war die Ausgangsposition vor dem Aufeinandertreffen relativ klar. Bei einem Remis würden beide Mannschaften ins Halbfinale aufsteigen. Dementsprechend unspektakulär präsentierten sich beide Teams. Dabei kann man die Zufriedenheit der Niederländer eher verstehen als jene der Polen, die bei einer Punkteteilung im Halbfinale auf Deutschland treffen würden. Zwar sieht die Taktik von Teamchef Marcin Dorna vor, dass der Gegner das Spiel macht, was aber wohl auch auf die Georgier, die – ohne deren Leistung zu schmälen – qualitativ unter dem DFB-Nachwuchs anzusiedeln sin, zutreffen würde. So wirkte es als hätten beide Teams einen Nichtangriffspakt geschlossen. Die „Oranjes“ bauten ihr Spiel in der eigenen Hälfte kurz vor der Mittellinie auf, Polen attackierte erst rund 45 Meter vor dem eigenen Tor. Die beiden

niederländischen Außenverteidiger standen sehr tief, so dass die Viererkette kaum einen Winkel reinbrachte. Zudem stellten sich die beiden Sechser erst hinter der ersten Pressingreihe Polens, die durch Stürmer Stepinski und der offensive Dreierkette gebildet wurde, auf. Spielte man, nach unzähligen Querpässen zwischen den Innenverteidigern, den Ball in diese Zone wurden Ake und Haye sowohl von der rückwärts pressenden Offensivreihe als auch von Linetty und Rudol unter Druck gesetzt. Schafften es die Niederländer diese Zone zu durchqueren oder das Pressing zu umspielen wurden sie in erster Linie über die Flanken gefährlich. Unpräzise Hereingaben und ungenau bzw. schwache Schüsse waren aber dafür verantwortlich, dass der Titelverteidiger zum zweiten in Folge ohne Tor blieb. Zwar hatten die Schützlinge von Albert Stuivenberg nach einer halben Stunde die Problematik im Zentrum erkannt, so dass sich einer der beiden Sechser im Spielaufbau immer wieder zurückfallen ließ, allerdings agierten sie bis zum Ende nicht mit entscheidenden Nachdruck. Die Angriffe verpufften im letzten Drittel, zu sehr war man von Einzelaktionen von Starspieler de Vilhena abhängig. Dieser wurde allerdings von Rudol gut aus dem Spiel genommen. Bei den Polen war einmal mehr Stepinski in der Vorwärtsbewegung Alleinunterhalter. Diese Aufgabe erfüllte er aber unter Berücksichtigung aller Umstände recht gut und war auch für die einzigen polnischen Torchancen in Halbzeit eins zuständig, als er Olij mit Fernschüssen zweimal forderte.

Aufgrund des Unentschiedens zwischen der Niederlande und Polen ist die torreichste Begegnung des letzten Gruppenspieltags nicht mehr als eine Randnotiz. Zwar gewann Belgien dank den Toren von Schrijvers, Gerkens und Dierckx 3:1 gegen Slowenien, für das Stojanovic erfolgreich war, das Team um Patrick Klinkenberg muss aber ebenso wie der Gastgeber bei den KO-Duellen zuschauen.

Halbfinale (13. Mai): Deutschland – Polen (17:30), Niederlande – Georgien (20:30)

axl, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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