Die Saison 2015/16 ist zu Ende – und hatte einige positive und negative Überraschungen parat; unter anderem auch neue und unerwartete Landesmeister in ganz... Von England bis Israel: Die Sensationsmeister 2015/16

_Leicester City - Wappen, LogoDie Saison 2015/16 ist zu Ende – und hatte einige positive und negative Überraschungen parat; unter anderem auch neue und unerwartete Landesmeister in ganz Europa. Viele der Champions durften den ersten Titel der Vereinsgeschichte oder das Ende einer langen Durststrecke bejubeln und hoffen nun auch, dass sie im kommenden Herbst den internationalen Fußball aufmischen können.
Die Sensationsmeister 2015/16 quer durch ganz Europa:

England: Leicester City – 1. Meistertitel – Vorsprung: 10 Punkte

Die mittlerweile weltbekannte Geschichte von Leicester City darf natürlich in dieser Aufzeichnung nicht fehlen. Der italienische Trainer Claudio Ranieri machte das moderne Fußballmärchen mit einem starken Kollektiv wahr: Zu Saisonbeginn setzte er auf talentierte No-Names wie Jamie Vardy und Riyad Mahrez, die mittlerweile vom halben Kontinent gejagt werden,  zudem schenkte er ausgemusterten und routinierte Führungsspieler wie ÖFB-Teamkapitän Christian Fuchs und Innenverteidiger Robert Huth sein Vertrauen.

Der Rest ist längst Geschichte: Nachdem 2014/15 der Klassenerhalt erst im letzten Spiel fixiert wurde, setzte man sich gleich zu Saisonbeginn 2015/16 oben fest  und holte mit beeindruckender Konstanz bei nur drei Niederlagen in 38 Spielen sensationell den Meistertitel in die Multikulti-Stadt der englischen Midlands. Der von vielen Experten prophezeite Einbruch während der Saison blieb vollends aus und machte Ranieris Schützlinge schließlich zu Helden.
Die erste internationale Reifeprüfung für die neuen Stars der Insel folgt im September: Gruppenphase der Champions League als Meister der Premier League.

Rumänien: Astra Giurgiu – 1. Meistertitel – Vorsprung: 5 Punkte

Eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so große Überraschung setzte es in Rumänien: Astra Giurgiu konnte den Abonnement-Meister Steaua Bukarest in die Schranken weisen und folglich den ersten Titel der eigentlich noch jungen Vereinsgeschichte holen.

Ursprünglich stammt der Klub aus Ploieşti, siedelte 2012 jedoch nach Giurgiu um und nahm daraufhin den Namen der südrumänischen Stadt an. Doch bereits seit 1996 ist die Mannschaft in Besitz des rumänischen Milliardärs Ioan Niculae, der nach nun 20 Jahren den ersten Meisterschaftsgewinn seines Projekts feiern durfte. Nicht zuletzt dank seiner Hilfe konnte man eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen, die neben einigen rumänischen Nationalteamspielern auch auf Legionäre aus Brasilien und Portugal setzt.

Nach dem erstmaligen Meistertitel hofft man im Süden Rumäniens auf mehr, besonders international: In der Europa-League-Qualifikation 2015/16 schaltete man zunächst West Ham United aus und scheiterte schließlich nur denkbar knapp an AZ Alkmaar. Diese Saison träumt man sogar von der Königsklasse – die Gruppenphase der Champions League soll möglich gemacht werden.
Jedoch stehen die Meistermacher im Zwist mit der Justiz: Besitzer Ioan Niculae wurde im April 2015 zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt, Trainer Marius Sumudica muss zwei Monate pausieren, nachdem er unter anderem auf rumänische Ligaspiele gewettet hatte. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für größere Ziele.

Finnland: SJK Seinäjoki – 1.Meistertitel – Vorsprung: 1 Punkt

Eine kurze, aber erfolgreiche Vereinsgeschichte weißt nun ebenfalls der Meister der finnischen Veikkausliiga 2015 vor. Nach der Fusion zweier Klubs aus Seinäjoki im Westen Finnlands stieg man seit 2011 innerhalb von fünf Jahren von der dritten Liga in die erste Liga auf und konnte gleich in der zweiten Saison im höchsten Haus den Titel holen. Nach sechs Meistertiteln in Folge zog der Hauptstadtverein HJK Helsinki nun den Kürzeren gegen die eigentlichen Underdogs aus der 60.000-Einwohner-Stadt. Dabei war das Kollektiv der Schlüssel zum Erfolg: SJK schaffte es, sowohl die meisten Tore zu erzielen, als auch die wenigsten Gegentore der ganzen Liga zu erhalten. Im Schnitt spielte man dadurch jedes dritte Spiel erfolgreich zu Null.

In der aktuellen Spielzeit, die seit Anfang April läuft, kam der neue Meister jedoch bislang überhaupt nicht in Fahrt: Aktuell liegt man nach zehn Spieltagen gar nur auf Platz 8 – eine Überraschung im Europacup wäre damit wohl ein ähnlich sensationeller Triumph wie jener in der Meisterschaft.

Schweden: IFK Norrköping – 14. Meistertitel (erster seit 1989) – Vorsprung: 3 Punkte

Auch in Schweden gab es währenddessen nicht nur eine Wachablöse von Malmö FF; der IFK Norrköping beendete mit dem Meistertitel eine lange Durststrecke von 26 Jahren Abstinenz auf Schwedens Fußballthron und wandelt damit auf den Spuren der glorreichen Zeiten der 50er- und 60er-Jahre.  Vier Spieltage vor Saisonschluss konnte man den Langzeitführenden IFK Göteborg abfangen und nicht zuletzt dank einer starken Offensive um Torschützenkönig und EM-Teilnehmer Emir Kujovic den Titel holen.

Auch in der aktuellen Saison steht man bislang recht erfolgreich da: Platz 2 nach elf Spielen. Ob die Mannschaft weiterhin auf Titel hoffen darf, wird von der kommenden Transferzeit abhängen: Bekanntermaßen sicherte sich Rapid Wien bereits die Dienste des isländischen Teamspielers Arnór Ingvi Traustason, weitere schmerzliche Abgänge könnten folgen. Nichtsdestotrotz ist Norrköping auf dem Weg zu einer konstanten Größe im schwedischen Fußball und dadurch auch ein gefürchtetes Los für die ersten Runden der Champions-League-Qualifikation.

Israel: Hapoel Be’er Scheva – 3. Meistertitel (erster seit 1976) – Vorsprung: 2 Punkte

Zu guter Letzt bekam auch Israel einen unerwarteten Sieger im Kampf um die Meisterkrone. Der südisraelische Arbeiterverein Hapoel Be’er Scheva holte den ersten Meistertitel seit den 70er-Jahren und ließ dabei bekanntere und finanzstärkere Verein wie Champions-League-Teilnehmer Maccabi Tel Aviv oder den ehemaligen Salzburg-Schreck Maccabi Haifa hinter sich.

Trumpf war hierbei die starke Defensive, die eine weitere Steigerung nach Platz 3 in der Vorsaison möglich machte. Zusätzlich konnten Routiniers wie Mittelstürmer Elyaniv Barda und der rumänische EM-Teilnehmer Ovidiu Hoban gemeinsam mit israelischen Teamspielern für eine beindruckende Konstanz sorgen, so dass seit Ende September nur ein Ligaspiel verloren ging.
International ist man zwar eher ein unbeschriebenes Blatt, der Verein möchte jedoch nicht wieder wie im Vorjahr in einer 2.Qualifikationsrunde die Segel streichen müssen.

Martin Wallentich, abseits.at

Martin Wallentich

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