Mit Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Neymar Jr. verabschiedeten sich bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft die Superstars der letzten Jahre bereits frühzeitig. Das könnte Auswirkungen... Vorab-Analyse: Wer wird Weltfußballer 2018?

Mit Lionel Messi, Cristiano Ronaldo und Neymar Jr. verabschiedeten sich bei der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft die Superstars der letzten Jahre bereits frühzeitig. Das könnte Auswirkungen auf die im Winter stattfindende Wahl des FIFA Weltfußballers bzw. auf die separate Vergabe des „Ballon d`Or“ haben. Nachdem die letzten zehn Jahre jeweils Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo als Sieger hervor gingen, gibt es heuer wohl einige neue Titelkandidaten. Wir analysieren für euch, wer das Zeug dazu hat, Cristiano Ronaldo vom Thron zu stoßen.

Cristiano Ronaldo (POR, Juventus Turin): Der Titelverteidiger ist auch heuer wieder der Favorit auf den Titel. Bei der WM hatte er trotz fulminantem Start mit vier Toren in den ersten beiden Spielen einen insgesamt eher matten Auftritt. Lediglich im ersten Gruppenspiel gegen Spanien ließ er mit drei Treffern seine Klasse aufblitzen. Portugal schied zudem früh im Achtelfinale aus. In der Champions League war Ronaldo allerdings einmal mehr überragend. Im Halbfinale und Finale blieb er zwar torlos, allerdings erzielte er insgesamt 15 Treffer und wurde damit einmal mehr Torschützenkönig der Königsklasse. Im Viertelfinale ballerte er Real Madrid alleine ins Halbfinale. Das Beeindruckende an Ronaldo ist nach wie vor sein Torschnitt, der sich auf 44 Tore in 44 Spielen beläuft. Zuletzt sorgte er mit seinem Transfer nach Turin für Aufsehen.

Lionel Messi (ARG, FC Barcelona). Der fünfmalige Weltfußballer hat heuer wohl keine Chance auf den Titel. Daran ist nicht nur die schlechte WM-Performance des argentinischen Nationalteams schuld. Beim Turnier in Russland, das für Argentinien schon im Achtelfinale vorbei war, gelangen Messi lediglich ein Tor und zwei Vorlagen. Aber auch sonst war es nicht Messis Saison: Mit dem FC Barcelona war in der Champions League bereits im Viertelfinale Schluss und mit sechs Toren konnte er in der Schützenliste nicht annähernd mit Ronaldo mithalten. Da helfen wohl auch seine 34 Tore in der Meisterschaft, die ihm die Torjägerkrone und den Meistertitel sicherten nichts.

Neymar Jr. (BRA, Paris St. Germain): Hat seinen Anspruch, Messi und Ronaldo zu überflügeln, auch dieses Jahr nicht einlösen können. Und daran war nicht nur seine Verletzung zum Saisonende schuld. Bei der WM ist Neymar vor allem durch theatralische Schauspieleinlagen aufgefallen. Brasilien schied hingegen bereits im Viertelfinale aus. Neymar kommt zwar am nächsten an den Torschnitt von Ronaldo heran (28 Tore in 30 Vereinseinsätzen), spielt aktuell aber in der schlechteren französischen Liga. Zudem schied er mit PSG bereits im Achtelfinale der Champions League gegen Real Madrid aus.

Antoine Griezmann (FRA, Atletico Madrid): Vor der WM galt Griezmann eher als Außenseiter auf den Titel und wäre die WM nicht gewesen, hätte man wohl nicht viel auf ihn gesetzt. Zwar gelang mit Atletico Madrid der Europa-League-Titel; ansonsten konnte Griezmann allerdings nicht an die Leistungen der beiden Vorsaisonen anschließen. In der Primera Division fiel er gegenüber Messi und Ronaldo in Punkto Tore (19) und Vorlagen (9) ab. Der große Auftritt Griezmanns folgte allerdings bei der Weltmeisterschaft: Mit vier Toren und zwei Vorlagen hatte er entscheidenden Anteil am französischen Sieg. Im Finale gelang ihm mit dem verwandelten Freistoß zum 1:0, der zum Eigentor von Mandzukic führte und einem eiskalt verwandelten Hand-Elfmeter fast alles.

Harry Kane (ENG, Tottenham Hotspur): Der WM-Torschützenkönig (6 Treffer) kommt am ehesten an Messi und Ronaldo heran, was den Torschnitt betrifft (41 Tore in 48 Spielen). Allerdings hat er mit seinem Klub Tottenham Hotspur einen Startnachteil. Ein Titel ging sich diese Saison jedenfalls nicht aus. In der Champions League war im Achtelfinale gegen Juventus Turin Schluss. Kane wird wohl auch deshalb keine Chance auf den Titel als Weltfußballer haben, weil fünf seiner sechs WM-Tore aus Standards resultierten.

Kylian Mbappé (FRA, Paris St. Germain): Wurde vor dem WM-Finale in den Medien  bereits als Spieler des Turniers gefeiert. Dieser Titel ging schließlich an Luka Modric, da Mbappé bis auf seinen Treffer zum 4:1 im Finale eher glanzlos blieb. Die Saison verlief für Mbappé bis auf die WM durchwachsen. Zwar konnte er mit PSG die Meisterschaft in Frankreich und den nationalen Cuptitel erringen, allerdings war für ihn bereits im Achtelfinale der Champions League gegen Real Madrid Schluss. In Bezug  auf den Torschnitt (21 Tore in 46 Vereinseinsätzen) kann er nicht mit Messi, Ronaldo, Neymar oder Kane mithalten.

Luka Modric (KRO, Real Madrid): Der Spieler des WM-Turniers führte Kroatien bis ins Finale. Modric gewann zudem mit Real Madrid die Champions League und gilt als einer der wichtigsten Spieler im Starensemble. Als defensiver Mittelfeldspieler hat Modric allerdings einen Startnachteil gegenüber den Torjägern. Das letzte Mal, dass ein Verteidiger bzw. Defensivspieler Weltfußballer wurde, liegt schon etwas zurück: 2006 konnte Italiens Kapitän Fabio Cannavaro den Ballon D´Or einheimsen. Als Weltmeister…

Romelu Lukaku (BEL, Manchester United):  Kommt bewerbsübergreifend mit 27 Toren in 51 Einsätzen zwar auf einen guten Schnitt, und war auch am dritten WM-Platz der Belgier mit vier Turnier-Toren maßgeblich beteiligt. Insgesamt gelang ihm aber mit Manchester United kein internationales Finale und auch kein nationaler Titel.

Kevin de Bruyne (BEL, Manchester City): Holte zwar mit Manchester City die englische Meisterschaft und führte die Belgier zu Platz drei bei der WM, allerdings fehlt ihm die für einen Offensivspieler seiner Klasse geforderte Torquote.

Mohammed Salah (EGY, FC Liverpool): Vor der WM galt er als der Top-Favorit auf den Titel als Weltfußballer. Mit 44 Toren in 52 Spielen beendete er die Vereinssaison damit auf Messi- und Ronaldo-Niveau. Der CL-Titel blieb ihm nach der Finalniederlage des FC Liverpool gegen Real Madrid jedoch verwehrt und Ägypten verabschiedete sich bereits in der Gruppenphase der Weltmeisterschaft, bei der Salah zwei Tore erzielen konnte. Spielerisch war Salah diese Saison mit Sicherheit „titelreif“.

Fazit: Dieses Jahr ist die Chance an Ronaldo vorbei zu ziehen so groß wie nie. Die besten Karten haben wohl Griezmann, Modric und Salah. Es wird wesentlich darauf ankommen, ob die Wahlberechtigten (bei der FIFA Trainer und Kapitäne der Nationalteams, bei France Football Sportjournalisten) der Weltmeisterschaft oder der Champions League die größere Bedeutung beimessen. Wird die WM stärker gewichtet, hat wohl Griezmann die Nase vorn. Zählt die Champions League aufgrund ihrer Dauer mehr, wird der neue Weltfußballer wohl auch heuer wieder Ronaldo heißen.

Corinna Gerard-Wenzel, abseits.at

Corinna Gerard-Wenzel