Paris Saint-Germain hat sich unter Unai Emery weiterentwickelt und spielt nun deutlich fluider. Worin genau sich diese Entwicklung äußert haben wir für euch anhand... Dank Robert Beric: Saint-Etienne nimmt Punkt aus Paris mit

_Paris St.Germain WappenParis Saint-Germain hat sich unter Unai Emery weiterentwickelt und spielt nun deutlich fluider. Worin genau sich diese Entwicklung äußert haben wir für euch anhand des Spiels gegen St. Etienne analysiert.

Prinzipielle Ausrichtungen

Im Aufbau ließ sich Motta zwischen die beiden Innenverteidiger fallen, wenn St. Etiennes Doppelspitze diese am Herausspielen hinderte. Wenn möglich blieb der Italiener jedoch im Mittelfeld. Ebenfalls im Spielaufbau unterstützend agierten Verratti und Matuidi, die sich oft in den Halbräumen anboten und teilweise ebenfalls herauskippten, wenn die Außenverteidiger durch das hohe Aufrücken Räume geöffnet hatten.

Die Dreierreihe im Sturm bei den Parisern war sehr flexibel. Jesé, Lucas und Ben Arfa tauschten immer wieder ihre Positionen und ließen sich teilweise auch ins Mittelfeld fallen, um den Aufbau zu unterstützen.

Im Pressing formierten sich die Pariser in einem 4-1-4-1, wobei die Achter oftmals aggressiv aus der Formation rückten, um den ballführenden Halbverteidiger zu pressen, was dann die Pressingformation öfter in ein 4-3-2-1 umformte. Prinzipiell presste man erst ab dem Mittelfeld, situativ rückte man jedoch kollektiv auf, wenn die Chance auf Ballgewinn da war. Das Herausrücken der Achter funktionierte gut, mit Bogenläufen deckten sie die Halbräume effektiv mit ihren Deckungsschatten ab und zwangen die Gäste immer wieder zu weiten Bällen. Zudem agierte man im Gegenpressing kollektiv sehr intensiv und konnte die meisten Bälle die man verlor auch sofort wieder zurückgewinnen.

PSGs Zirkulation mit Vertikalität als Ziel und darauffolgendem Gegenpressing, sowie Verschieben von St. Etienne im 3-1-4-2.

Die Gäste aus Saint-Etienne traten in einer 3-1-4-2-Formation im Pressing an, man begann ungefähr ab dem Halbkreis den Pariser Aufbau zu attackieren. Wenn die Gastgeber mit dem Ball bis ins Mittelfeld gelangt waren rückte der ballferne Flügelverteidiger neben die Halbverteidiger zurück, um eine pendelnde Viererkette zu bilden. Im Mittelfeld war man zwar darauf bedacht, das Zentrum zu versperren, aufgrund der mannorientierten Verfolgung der Flügelverteidiger von den Pariser Außenverteidigern musste der ballnahe Achter immer wieder auf den Flügel rausattackieren, was im Zentrum natürlich wieder Unterzahl bedeutete und PSG konnte sich so recht einfach immer im Mittelfeld festspielen.

Im Aufbau agierte man ebenfalls im 3-1-4-2 und versuchte in der ersten Phase der Ballzirkulation die Halbräume zu fokussieren, was aufgrund des guten Pressing PSGs jedoch nur schwer möglich war. Deswegen konnte man auf den Flügeln einige Male einfach eingekesselt werden. Um dem Pressing zu entgehen überlud man dann entweder durch einen ausweichenden Stürmer und für Ablagen bereiten Achter die Flügel beziehungsweise den ballnahen Halbraum. Oder man versuchte es mit hohen Spielverlagerungen auf die sehr breit stehenden Flügelverteidiger. Diese Seitenwechsel spielten meist die Halbverteidiger, einer von diesen ist der ältere Bruder von Paul Pogba.

Leicht dominante, jedoch durchbruchsarme Pariser

Nach ungefähr 15 Minuten fand St. Etienne besser ins Spiel, vor allem, weil sie sich oft nach Ballgewinnen besser nach vorne befreien konnten und zumindest so längere Ballbesitzphasen in der gegnerischen Hälfte hatte. PSG arbeitete jedoch natürlich weiterhin fleißig daran die Hintermannschaft der Gäste zu knacken, obwohl dies in der Anfangsphase nicht zu gelingen schien. Zum einen versuchte man dies mit Positionswechsel zwischen Jesé und Matuidi, die jedoch sehr dynamisch erfolgen sollten, um Matuidis nachstoßende Fähigkeiten gut einzubinden. Durch seine Läufe in den Halbraum hinter die Verteidigung konnte man auch zwei, drei Durchbrüche erzielen. Für die folgenden Hereingaben war der Strafraum jedoch nicht immer passend besetzt.

In dieser Szene sieht man eine zentrumsfokussierte Zirkulation von PSG sowie den vorher erwähnten Lauf Matuidis in die Tiefe. Anschließend wird der Flügelfokus St. Etiennes deutlich, als man nach einem Durchbruch auf links in den Halbraum spielt und von dort gleich wieder verlagert.

Als weiteres Mittel für den Ballvortrag wandte man immer wieder Zentrumsüberladungen an, vor allem Jesé und Ben Arfa fielen ins Mittelfeld zurück und erleichterten so die Zirkulation. Zudem sind beide, aber noch eher Ben Arfa, sehr dribbelstark und können auch auf diese Weise Angriffe aus dem Mittelfeld einleiten. Bei diesem taktischen Mittel half auch, dass Jesé sowie auch Ben Arfa beide invers spielten, also mit dem stärkeren Fuß nach innen gerichtet. Lucas Moura hatte eher die balancierende Rolle der drei Stürmern inne und füllte positionelle Lücken, fand sich mit zunehmender Spielzeit jedoch in der Mitte wieder. Oftmals blieb diese jedoch verwaist, da manchmal alle drei Stürmer die Ballzirkulation im Mittelfeld unterstützten.

Saint-Etienne verwehrt PSG weiterhin Durchbrüche

Verletzungsbedingt musste Kurzawa zur Halbzeit raus, für ihn kam Krychowiak, der ins zentrale Mittelfeld ging. Dafür rückte Motta in die Innenverteidigung und Kimpembe auf die Linksverteidigerposition. Verratti orientierte sich nun öfter in die Mitte und bekam mehr Bälle, die er teils mit Dribblings, teils mit klugen Diagonalpässen eine Linie weiter nach vorne brachte. Die Gäste hatten auch umgestellt und bauten nun mit einer Viererkette auf, in der Pogba und Perrin die Innenverteidiger gaben. Im Pressing blieb man jedoch beim 3-1-4-2.

In Minute 58 wurde dann ein sichtlich unzufriedener Jesé ausgewechselt, für ihn kam Angel Di María und orientierte sich nach links.

Das Pariser Pressing mit Fokus auf Versperren der Halbräume

Di María gab nun konstant Breite, was mehr Möglichkeiten für Verlagerungen für seine Mannschaft hervorbrachte, während man zuvor fast ausschließlich kleinräumige Kombinationen ausführen konnte. Dies machte man zwar gut, jedoch fehlten hierbei die Rhythmuswechsel und die Variabilität, die es so dringend brauchte um die diszipliniert verteidigenden Gäste aus Saint-Etienne aus der Ordnung zu bringen. Saint-Etienne wiederum fokussierte nun öfter das Andribbeln von den eigenen Verteidigern, vor allem Perrin konnte ein, zwei Mal dadurch Durchbrüche in der Mitte erzielen und den Ball ins Mittelfeld bringen. Di María brachte durch Läufe in die Tiefe und dynamischeren Rochaden etwas mehr Möglichkeiten ins Spiel der Pariser, so hatte er nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung eine Chance nach einem weiten Pass von Verratti über die Abwehr. Er überlupfte den herauskommenden Ruffier, wurde jedoch wegen Abseits zurecht zurückgepfiffen. Nur zwei Minuten danach konnte PSG dennoch in Führung gehen, und zwar durch einen Foulelfmeter, verwandelt von Lucas in der 66. Minute.

Leichte Veränderungen nach Wechseln

Mit der Hereinahme von Cavani war das Zeichen deutlich: Mehr Hereingaben müssen in PSGs Spiel her, Angriffe schneller ausgetragen werden. Der Uruguayer hielt, im Gegensatz zu seinen Stürmer-Vorgängern, konsequent die Mitte, bat sich selten kurz an und unterstützte die Ballzirkulation nur marginal mit simplen Ablagen. Viel eher lauerte er konstant auf eine Flanke oder einen Pass in die Tiefe, ließ Innenverteidiger Perrin keine Ruhe. Nicht mit viel Bewegung, ganz im Gegenteil. Durch sein teilweise passives Verhalten vergisst man schnell auf den Top-Stürmer, und genau in diesen Momenten sprintet er dem Ball entgegen oder sucht die Tiefe. Deshalb musste die Saint-Etienne-Verteidigung besonders Acht geben und stets wachsam sein.

Die Ballvorträge der Gäste gestalteten sich meist sehr sauber, das Pressing der Pariser war nun deutlich weniger intensiv und die Halbverteidiger konnten deutlich öfter und einfacher auf die Flügelverteidiger passen. Diese suchten schnelle Doppelpässe, der Flügelfokus der von Christophe Galtier gecoachten Mannschaft war deutlich. Die Hereinnahme von Ex-Rapidler Robert Beric sollte etwas mehr Flexibilität bringen, da beide Stürmer sich recht passiv im Angriffsaufbau verhalten hatten, Beric ist doch kombinativer als sein Vorgänger Roux. Dennoch blieb man in Halbzeit zwei weitestgehend ungefährlich, die vielen Flanken fanden keine Abnehmer und in Hälfte zwei konnte man keinen von der Statistik gezählten Schuss generieren. Bis zur 93. Minute, als Robert Beric nach einer Flanke den Ball mit der Brust kontrollierte und per Dropkick verwandelte.

Fazit

Ein verdientes Remis. Zwar war PSG über das ganze Spiel die balldominante Mannschaft, ihnen fehlte jedoch vor allem im letzten Drittel jegliche Durchschlagskraft. Aus Bequemlichkeit tendiert man vielleicht dazu, das Fehlen eines „klassischen“ Mittelstürmers wie Cavani oder Ibrahimovic als Zielspieler als Grund zu nennen, diese Begründung ist nach der Meinung des Autors jedoch zu einfach. Die Mechanismen in der fluiden Sturmreihe brauchen einfach noch Arbeit.

Saint-Etienne verteidigte lange Zeit gut, ließ nur wenig auf das eigene Tor zukommen, war offensiv jedoch erschreckend harmlos. Durch einen Stellungsfehler von Meunier, der unter die Flanke sprang, kam Beric zum Schuss und erzielte mit dem einzigen Schuss in Halbzeit zwei das 1:1.

David Goigitzer, abseits.at

David Goigitzer