Nachdem im ersten Teil der Verein und die Stadt unter die Lupe genommen wurden, sehen wir uns nun den Trainer, das System und die... Ein exzellenter Trainer, der seinen Stamm erst finden muss – Sturm Graz darf sich Hoffnungen auf einen Punkt in Athen machen.

Nachdem im ersten Teil der Verein und die Stadt unter die Lupe genommen wurden, sehen wir uns nun den Trainer, das System und die einzelnen Spieler von AEK Athen an. Sturm Graz wird zwar als Außenseiter in die Partie gehen, ist aber sicher nicht chancenlos gegen die griechische Mannschaft, die einen Umbau vor sich hat und zwei wichtige Spieler aufgrund einer Sperre vorgeben muss.

DER TRAINER

Im Oktober 2010 übernahm der spanische Trainer Manolo Jiménez das Kommando bei AEK Athen. Der 47-jährige Coach ist eng mit dem FC Sevilla verbunden, da er dort zuerst als Kind im Nachwuchs spielte, 1981 in die Amateurmannschaft aufstieg und drei Jahre später in der Kampfmannschaft debütierte. Der linke Verteidiger absolvierte 354 Meisterschaftsspiele für den spanischen Verein und übernahm wenig später den Trainerposten der B-Mannschaft. Da er gute Arbeit leistete und die Mannschaft von der vierten in die zweite Liga führte, wurde ihm 2007 der Trainerposten der Kampfmannschaft angeboten. In den ersten beiden Jahren agierte er sehr erfolgreich und führte die Mannschaft auf Platz fünf, beziehungsweise Platz drei. Nach einer schwachen Serie Anfang des letzten Jahres wurde er jedoch entlassen und unterschrieb ein halbes Jahr danach bei AEK Athen.

Der ehemalige 15-fache Nationalspieler gilt als absoluter Fachmann und ist ein akribischer Arbeiter, der es versteht junge Spieler in die Mannschaft einzubauen. In der ersten Saison führte er die Mannschaft auf den dritten Platz und gewann den griechischen Pokal. Hoffentlich erlebt der Spanier keine unschöne Szenen wie sein Vorgänger Dušan Bajević, der nach einer 1:2-Niederlage gegen Kallithea von eigenen Fans attackiert und niedergeschlagen wurde.

DIE TRANSFERS IN DER SOMMERPAUSE

AEK Athen verlor im Sommer einige wichtige Spieler: In der vergangenen Transferperiode verließen Papa Bouba Diop (West Ham United), Ignacio Martin Scocco (Al-Ain), Ismael Blanco (San Luis) und Michel (Birmingham) den Verein. Damit verlor der Klub in erster Linie in der Offensive an Qualität, denn Scocco und Blanco schossen zusammen 18 Meisterschaftstore für die Griechen.

Neu hinzugekommen sind hingegen unter anderem der ehemalige Chelsea-Spieler Eiður Gudjohnsen, Torhüter Dimitrios Konstantopoulos, der defensive Mittelfeldspieler Fabian Vargas, der rechte Verteidiger Giannis Kondoes, der spanische Offensiv-Allrounder José und der 18-jährige Stürmer Steve Beleck.

Gegen Sturm Graz muss AEK Athen auf die gesperrten Grigoris Makos und Costas Manolas verzichten.

DIE MÖGLICHE AUFSTELLUNG:

Trainer Manolo Jiménez sucht in der heurigen Saison noch seine Stammelf und schickte in den ersten Meisterschafts- und Europa-League-Spielen verschiedene Formationen und Spieler auf das Feld. Es ist nicht einfach eine Aufstellung vorauszusagen, da noch dazu die beiden Stammspieler Manolas und Makos fehlen und der Kader der Athener groß genug ist, um den Trainer einige gleichwertige Varianten zu ermöglichen. abseits.at tippt auf ein variables 4-4-2-System.

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Dieses System kann bei Ballbesitz zu einem 4-3-3-System werden. Roger agiert dann als rechter Flügelstürmer, Gentsoglou, Vargas und Leonardo verschieben nach rechts.

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Eine 4-2-3-1-Aufstellung ist auch möglich, in dem Fall könnte Gudjohnsen ein wenig defensiver spielen, oder durch den Spanier José Carlos ersetzt werden. Weitere Alternativen findet ihr in den Einzelbewertungen unten.

DER TORHÜTER

Dimitrios Konstantopoulos (32) begann seine Karriere in Kalamata, wo er sich jedoch nie richtig durchsetzen konnte und schließlich zu Hartlepool United in die dritthöchste englische Spielklasse wechselte. In der ersten Saison absolvierte er keine einzige Partie, doch in der Rückrunde der zweiten Spielzeit avancierte er zum Stammtorhüter und gab diesen Platz nicht mehr her. In den Saisonen drei und vier absolvierte er jeweils 46 Einsätze und wechselte anschließend zu Coventry in die zweithöchste Spielklasse, wo er zwar am Anfang spielte, dann aber aus dem Tor verdrängt wurde. Es folgten weitere Transfers im englischen Unterhaus, bis er vergangene Saison zu AO Kekyra wechselte, wo er eine absolut fantastische Saison hinlegte. Er wurde zum besten Tormann der griechischen Liga gewählt und debütierte sogar im Nationalteam. Seine starken Leistungen waren auch der Grund für das Interesse von AEK Athen. Die Griechen suchten einen Nachfolger für Tormann Sebastian Saja, der mittlerweile in der argentinischen Liga sein Geld verdient. Der 1,93m große Konstantopoulos ist stark auf der Linie und verfügt über hervorragende Reflexe. Bei Flanken ist er aufgrund seiner Größe eine Bank. Konstantopoulos ist zwar ein Spätzünder, war vergangene Saison allerdings der beste Tormann in der griechischen Liga.

DIE ABWEHR

Auf der linken Abwehrseite spielt Nikolaos Karabelas (26). Der Außenverteidiger kam im Jahr 2009 von Aris Thessaloniki nach Athen und absolvierte seitdem 39 Meisterschaftspartien für den Verein. Karabelas ist bekannt dafür, dass er das Spiel mit weiten, diagonalen Flanken hervorragend auf die andere Seite verlagern kann. Der ehemalige U21-Nationalspieler ist selbst zwar nur selten torgefährlich, ist aber ein guter Vorbereiter und kann seine Vorderleute mit gefährliche Steilpässe in die Tiefe schicken.

Auf der rechten Seite streiten sich zwei Spieler um einen Stammplatz, die beide Berechtigung hätten, in der Startformation zu stehen. Den Vorzug wird wahrscheinlich Nikolaos Georgeas (34) bekommen, der bei den Fans einen hohen Status genießt, da er dem Klub seit zehn Jahren seine Treue hält und immer vollen Einsatz zeigt. Er ist nicht der allerbeste Fußballer, aber ein unangenehmer, lästiger Gegenspieler. Als sein Nachfolger wird Giannis Kondoes (25) aufgebaut, der am ersten August einen Dreijahresvertrag bei AEK unterschrieb. In der vergangenen Saison zählte der Außenverteidiger zu den auffälligsten Abwehrspielern der Liga und es ist nur eine Frage der Zeit, bis er an Georgeas vorbeikommt. Kondoes ist technisch stark und erzeugt großen Druck nach vorne. Trotz seines Offensivdrangs vergisst er nicht auf seine defensiven Aufgaben. Sicher ein Mann für die Zukunft – nicht nur für AEK, sondern auch für die griechische Nationalmannschaft.

In der Innenverteidigung fehlt mit Costas Manolas (20) das größte Talent in der AEK-Abwehr. Der U21-Nationalspieler wurde nach zwei gelben Karten gegen im Spiel gegen den RSC Anderlecht vom Platz geschickt und muss nun gegen die Grazer seine Sperre absitzen.Traianos Dellas (35) wird dagegen seine große Erfahrung im Spiel gegen die Grazer einbringen können. Der 53-fache Teamspieler gewann im Jahr 2004 mit Griechenland die Europameisterschaft und wurde ins Team des Turniers gewählt. Bis auf ein zweijähriges Gastspiel in Zypern bei Anorthosis Famagusta spielte er seit 2005 bei AEK Athen, wo er bis dato 103 Meisterschaftsspiele absolvierte. Im ersten Spiel der Gruppenphase gegen RSC Anderlecht machte er keine gute Figur, wirkte steif, langsam und unbeweglich. In der Luft ist der 1,93m große Verteidiger immer noch eine Macht, allerdings merkt man ihm sein Alter an, noch dazu da er immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte.

Aufgrund der Sperre von Manolas hat der Spanier Cala (21) gute Chancen auf einen Einsatz neben Dellas. Der junge Innenverteidiger, der eigentlich Juan Torres Ruiz heißt, kam aufgrund der guten Verbindungen von Trainers Jiménez leihweise vom FC Sevilla. Anfang 2010 sorgte der Innenverteidiger in Spanien für Aufsehen, als er seine ersten Chancen in der Kampfmannschaft bekam und in drei Spielen hintereinander treffen konnte, was vor ihm noch kein anderer Verteidiger des Vereins schaffte. Trotz dieses Klubrekords gelang es ihm nicht seinen Platz zu behaupten, sodass er leihweise zum FC Cartagena wechselte. Nach 25 Spielen und drei Toren folgte er Jiménez´ Ruf nach Athen.

Mit Mavroudis Bougaidis (18) verfügen die Griechen über ein weiteres Abwehrtalent in der Innenverteidigung, das sich jedoch noch eine Weile gedulden wird müssen, bevor es seine ersten regelmäßigen Einsätze bekommt. Elfar Freyr Helgason (22) ist seit dem 10. August isländischer Nationalspieler und darf in Zukunft ebenfalls Hoffnungen auf einen Platz in der Innenverteidigung machen. Jiménez wird jedoch höchstwahrscheinlich Cala den Vorzug geben.

DAS MITTELFELD

Der aktuelle U21-Nationalspieler Savvas Gentsoglou (21) stammt aus dem eigenem Nachwuchs und wird diese Saison zum ersten Mal einen Stammplatz in der Mannschaft haben. Früher wurde mit Gentsoglou, dessen Vater aus der Türkei stammt, für die Innenverteidigung geplant, allerdings wird der junge Grieche nun im defensiven/zentralen Mittelfeld eingesetzt. Da Grigoris Makos gesperrt ist, wird der junge Grieche sicher von Beginn an auflaufen.

Neben ihm hat der Kolumbianer Fabián Vargas (31) gute Chancen auf einen Einsatz. Der 41-fache Nationalspieler kam erst im Jahr 2009 nach Europa, nachdem er zuvor fünf Saisonen bei CD América, sechs Jahre bei den Boca Juniors und zwei Spielzeiten bei Internacional unter Vertrag stand. Sein Spitzname „el perro“ („der Hund“) steht für seine oftmals schmutzige Spielweise. Vargas setzt seinen Körper stark ein, geht dorthin wo es weh tut und kennt alle Mätzchen. UD Almería zahlte für den defensiven Mittelfeldspieler vier Millionen Euro, hatte aber das Pech, dass sich der Kolumbianer bei einem Länderspiel gegen Ecuador den Knöchel brach. „Der Hund“ will nun bei AEK Athen neu durchstarten und war ein Wunschspieler von Trainer Jiménez.

Leonardo (25) ist ein vielseitig einsetzbarer, technisch starker Mittelfeldspieler aus Brasilien, der seit der Saison 2009/10 bei AEK Athen spielt. Bisher schoss der offensive Mittelfeldspieler fünf Tore in 46 Partien. Die Nummer Neun der Griechen kann im zentralen offensiven Mittelfeld eingesetzt werden aber auch wie zuletzt über die Seiten kommen. In den vergangenen Spielen war er einer der auffälligsten Akteure und sorgte im linken Mittelfeld durch starke Einzelaktionen für Gefahr. Der Brasilianer erzielte im ersten Gruppenspiel den Ehrentreffer gegen den RSC Anderlecht.

Der polnische Nationalspieler Roger Guerreiro (29) wird den österreichischen Fans in keiner guten Erinnerung sein, da er bei der Europameisterschaft 2008 in der 30. Minute das 1:0 gegen Österreich erzielte. Die Partie endete 1:1-Unentschieden und Roger Guerreiro wurde zum „man of the match“ gewählt. Die polnische Staatsbürgerschaft besitzt der gebürtige Brasilianer erst seit dem 17. April 2008, nachdem die polnische Regierung ihn knapp vor der Europameisterschaft einbürgerte. Zwischen 2005 und 2009 spielte der offensive Mittelfeldspieler bei Legia Warschau und erzielte 19 Treffer in 109 Spielen.

Sollte Jiménez auf ein 4-2-3-1-System setzten, dann hat der Spanier José Carlos (24) Chancen auf einen Einsatz im zentralen offensiven Mittelfeld. Der 24-Jährige wechselte so wie Cala vom FC Sevilla zu AEK, wobei er im Unterschied zum Innenverteidiger nicht bloß ausgeliehen ist, sondern den Griechen gehört. José gelang es nicht sich in der Kampfmannschaft von Sevilla durchzusetzen und spielte die meiste Zeit über für die Amateure. Der Spanier ist trotzdem ein Spieler auf den man aufpassen muss und dem man nicht zu viel Platz lassen darf. Wenn er am Platz ist werden Standardsituationen äußerst gefährlich, da er die Bälle perfekt in den Strafraum zirkeln kann.

Der defensive Mittelfeldspieler Pantelis Kafes (33) absolvierte im Laufe seiner Karriere fast 400 Meisterschaftsspiele in Griechenland, kam in der heurigen Saison jedoch noch nicht zum Einsatz.

DER STURM

Der ehemalige Chelsea-Stürmer Eiður Gudjohnsen (33) ist der bekannteste Neuzugang von AEK Athen. 54 Tore für Chelsea FC und 19 Treffer für den FC Barcelona machen sich gut auf der Visitenkarte – besonders für einen Isländer. Der 66-fache Nationalspieler gewann in der Saison 2008/09 die Champions League, konnte seit diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr an seine zahlreichen Erfolge anschließen. Nachdem er bei den Katalanen aussortiert wurde, scheiterte er bei allen Nachfolgevereinen (AS Monaco, Tottenham Hotspurs, Stoke City und Fulham) und versucht nun einen Neuanfang bei den Griechen. Der Isländer soll in Athen als Mittelstürmer, oder als hängende Spitze eingesetzt werden.

Kapitän der Mannschaft ist der Stürmer Nikos Liberopoulos (36), der in Griechenland sowohl bei den Panathinaikos-, als auch bei den AEK-Athen-Fans zur Legende wurde. Bei beiden Vereinen ist er unter den besten zehn Torschützen aller Zeiten. Während er in den beiden bisherigen Meisterschaftsspielen nur auf der Ersatzbank saß, setzte ihn Jiménez in den bisherigen internationalen Bewerbsspielen immer von Beginn an ein, da er auf seine reichhaltige Erfahrung nicht verzichten möchte. Liberopoulos hat seine besten Tage zwar schon hinter sich, ist aber noch immer ein Spieler auf den Sturm Graz gut aufpassen muss, da er ein Instinktfußballer ist und immer dort steht, wo es was zu holen gibt. Liberopoulos verfügt zudem über eine ausgezeichnete Schusstechnik.

Die Griechen haben ein großes Talent aus Kamerun in ihren Reihen. Stürmer Steve Leo Beleck (18) ist eine Leihgabe von Udinese und bekam in den bisherigen Meisterschaftspartien den Vorzug vor Liberopoulos. In den internationalen Bewerbsspielen blieb dem Talent jedoch nur die Rolle des Jokers.

FAZIT

Die Griechen sind zwar zu favorisieren, sind allerdings keine Mannschaft vor der Sturm Graz in Ehrfurcht erstarren muss. Die beiden Ausfälle von Makos und Manolas tun den Griechen weh, noch dazu da die Defensive in den letzten Spielen ohnehin fehleranfällig war. Mit Leonardo und Roger verfügt AEK Athen über zwei gefährliche Mittelfeldspieler, die Eins-gegen-Eins-Situationen suchen und die Stürmer gut in Szene setzen können. Trainer Jiménez wird aus diesem Kader eine schlagkräftige Truppe formen, braucht allerdings noch ein wenig Zeit dafür. Der Trainerfuchs ist der größte Trumpf der Griechen, denn er bereitet sich perfekt auf seine Gegner vor und hat ein gutes Gespür dafür, durch Anweisungen während der Partie etwaige Fehler zu korrigieren. AEK Athen hat gegen die Grazer die Favoritenrollen, auch wenn die Athener zurzeit etwas schwächer sind als die beiden anderen Gruppengegner Lok Moskau und der RSC Anderlecht.

Stefan Karger, www.abseits.at

Stefan Karger

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