Es folgt der zweite Teil unseres Groundhopping-Berichts! Hier könnt ihr Teil 1 nachlesen! FK Napredak Kruševac – FK Čukarički 1:2 (1:2) Nach dem Spiel... Die Region Morava – Groundhopping in Serbiens Südwesten (2)

Es folgt der zweite Teil unseres Groundhopping-Berichts! Hier könnt ihr Teil 1 nachlesen!

FK Napredak Kruševac – FK Čukarički 1:2 (1:2)

Nach dem Spiel in Kraljevo hatte man ungefähr zwei Stunden Zeit um die rund 60 Kilometer nach Kruševac zurückzulegen. An sich hört sich diese Entfernung keineswegs als weit an, aber auf serbischen Landstraßen ist das Vorankommen prinzipiell mühsam und wenn dann noch der eine oder andere Versorgungsstopp sowie einige Umleitungen hinzukommen, dann verrinnen die Minuten doch schneller als erwartet.

Da bei unserer Ankunft in der 57.000 Einwohner zählenden Stadt schon die Dunkelheit hereingebrochen ist, ist es auch nicht schlimm, dass wir direkt das Mladost Stadion ansteuern und auf die Stadtbesichtigung verzichten. Dieses Stadion ist vor allem dem Nationalteam der ÖFB-Frauen ein Begriff, denn vor zwei Monaten besiegten sie Serbien in diesem mit 4:0. Das Stadion Mladost zählt sicher auch zu den schöneren des Landes, zumal es an allen vier Seiten geschlossen ist und es eine große und zweirangige Haupttribüne hat.

Zum heutigen Spiel gegen den FK Čukarički aus Belgrad finden sich immerhin 1.000 Besucher ein. Die Vorzeichen in dieser Begegnung sind klarer als man auf den ersten Blick sehen kann. Zwar liegen die Gäste aus der Hauptstadt in der Tabelle nur zwei Plätze vor dem FK Napredak an sechster Stelle, sind aber mit ihrer Punkteausbeute mittendrin im Kampf um einen internationalen Startplatz, während sich Kruševac im Pulk mit den Vereinen des Mittelfeldes befindet, die auf eine Teilnahme am oberen Play-Off hofft.

Das Spiel beginnt unterhaltsam, denn beide Mannschaften bieten guten Offensivfussball, sodass Tore nur eine Frage der Zeit sind. In der 20.Minute sind es die Gäste auch Belgrad, die mit 1:0 in Führung gehen, jedoch lässt die Antwort des FK Napredak nicht lange auf sich warten, denn nur zwei Minuten später fällt der Ausgleich.

Čukarički trifft aber in der 37.Minute noch ein weiteres Mal, sodass beim Stande von 2:1 die Seiten gewechselt werden.

Zwar hat es in der südserbischen Ebene aufgehört zu regnen, aber der Rasen war dennoch so feucht, dass die Linien nach 45 Minuten beinahe verschwunden waren. So machten sich zwei Arbeiter mir einem Kehrbesen und einem Eimer weißer Farbe in der Pause auf den Weg in beide Strafräume, um zumindest die Linien der Strafraumgrenzen wieder nachzuziehen.

Dass ihre Anstrengungen wohl völlig umsonst waren, wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, denn nach dem Wiederbeginn verflachte diese Partie zusehends.  Čukarički musste Dank der Führung im Rücken auch nicht mehr wirklich aktiv werden und die Gastgeber wachten erst in der Schlussphase wieder aus ihrer Lethargie auf. Die sich bietenden Möglichkeiten führten aber nicht zu einem Torerfolg und so blieb der Favorit aus Belgrad an diesem Abend siegreich.

Für uns ging es danach noch fast zwei mühsame Stunden zurück nach Čačak, die aber dank der guten Eindrücke dieses Tages und des Ausblicks auf den Grill halbwegs erträglich waren.

FK Javor Ivanijca – FK Partizan 0:2 (0:2)

Am Sonntagmorgen wurden die Sachen aus dem Quartier gepackt, aber Čačak noch nicht verlassen, denn laut den im Internet gefundenen Ansetzungen sollte um 11.00 Uhr im Vorort Ljubić das Drittligaspiel zwischen Polet Ljubić und dem aus dem Sandzak stammenden Aufsteiger aus Tutin angepfiffen werden. Doch als wir auf dem kleinen, aber durchwegs überzeugenden Sportplatz ankommen, herrscht gähnende Leere und die dort aufgeklebten Spielankündigungsplakate zeigen uns, dass die Partie erst um 13.00 Uhr angepfiffen werden wird.

Das nennt man Pech, aber da kann man nichts machen, außer unverrichteter Dinge weiterziehen.

Somit ging es schon früher als geplant südwärts nach Ivanjica. Die rund 12.000 Einwohner zählende Stadt liegt eingebettet von den Javor-Gebirgszügen auf halben Weg zwischen Čačak und Novi Pazar. Dass hier ein serbischer Erstligist beheimatet ist, ist erst auf dem zweiten Blick ersichtlich, aber der FK Javor Ivanjica ist quasi ein Dauerbrenner in der obersten Spielklasse und nach einem Abstieg in der Saison Jahr 2013/14 sofort wieder in dorthin zurückgekommen.

Wir nützen die Zeit um ein wenig durch die Altstadt zu schlendern, aber das enorme Polizeiaufgebot hinterlässt hier ein ungutes Gefühl. Je näher man dem Stadion kraj Moravice kommt, desto größer wird das Aufgebot der Exekutive. Der Grund hierfür liegt am heutigen Gegner oder besser an den Fans des heutigen Gegners, dem serbischen Spitzenklub, FK Partizan.

Wir betreten das sehr kleine Stadion und nehmen auf der Haupttribüne Platz. Selbst für ein Erstligastadion auf dem Balkan ist es unterdurchschnittlich. Eine Hintertorseite ist – abgesehen vom Kabinentrakt – völlig unbebaut und deren Gegenseite hat eine kleine Tribüne, die als Auswärtssektor dient. Die Längsseiten sind auf beiden Seiten ausgebaut. Eine Seite hat bloß drei Sitzreihen und auf der Gegenseite gibt es eigenwiliges Stückwerk zu bewundern. Ich habe keine Ahnung, wie man hier 4.000 Besucher unterbringen kann, aber dies scheint sowieso nie nötig zu sein, denn selbst am heutigen Tag war man weit weg von einem ausverkauften Haus. 1.000 Zuschauer finden sich zu Spielbeginn ein, wobei dies so nicht ganz stimmt, denn der Sektor der Gäste füllt sich erst in den ersten 15 Minuten. Einen Support gibt es erst nachdem alle Auswärtsfans auch das Stadion betreten haben und so fällt der Jubel beim ersten Treffer der Gäste aus Belgrad, durch einen abgefälschten Schuss von Janković in der neunten Minute, noch etwas verhalten aus.

Im Lauf der ersten Spielhälfte sind die Partizan-Fans dann vollzählig in ihrem Sektor und somit kommen auch all ihre zahlreichen Fanutensilien wie Schals, Transparente und Fahnen zum Einsatz. Als Janković in der 39.Minute abermals durch einen abgefälschten Schuss denn Ball in den Maschen versenken kann, ist der Jubel auf der Südtribüne schon deutlich lauter, als beim ersten Treffer.

Nach dem Seitenwechsel spielt Ivanjica gut mit und kämpft aufopfernd, während Partizan nicht mehr so richtig bei der Sache ist und zahlreiche Bälle durch Abspielfehler leichtfertig vergibt. Für die Zuschauer ist das Ganze weniger ansehnlich, was auf dem Rasen geboten wird. Wir verbringen die Zeit damit, in dem wir noch die Atmosphäre auf diesem einzigartigen Platz mit seinen kleinen Tribünen, den überdimensionierten Flutlichtmasten und dem Hintergrundpanorama aufzusaugen. Es bleibt nach 90 Minuten auch beim 2:0 für Partizan, wodurch man in der Tabelle weiterhin der erste Verfolger vom Dauerrivalen Roter Stern Belgrad ist. Ivanjica bleibt weiterhin akuter Abstiegsgefahr, aber die wirklich entscheidenden Spiele um den Klassenerhalt finden in den letzten sieben Runden der Meisterschaft (in den sogenannten Play-Out-Spielen) im Frühjahr statt.

Für uns geht es mit dem Schlusspfiff im Stadion kraj Moravice auf die Heimreise, wobei wir alle hoffen, dass wir Martins Balkan-Pop-CD bald wieder in ihrem Herkunftsland zu hören, eventuell bei einer Fahrt in den Süden des Landes.

Heffridge, abseits.at

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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