Es könnte auch als eine Fortsetzung der Reihe „ein architektonisches Meisterwerk und Naturschönheiten“ bezeichnet werden, aber da der Begriff der Schönheit doch sehr subjektiv... Groundhopper’s Diary | Kontraste – Zwei Waldstadien in Osteuropa

ungarnEs könnte auch als eine Fortsetzung der Reihe „ein architektonisches Meisterwerk und Naturschönheiten“ bezeichnet werden, aber da der Begriff der Schönheit doch sehr subjektiv ist, wählte ich diesmal einen anderen Titel für den Bericht. Dieser beinhaltet einerseits Ausführungen über einen weiteren Neubau in Ungarn und andererseits Eindrücke von Plätzen in der Ostslowakei, bei denen man – zur Freude aller Fußballromantiker – sagen kann, dass die Zeit stehengeblieben scheint.

Somit habe ich dieses Mal ein Kontrastprogramm zusammengestellt, bei dem für alle Fußballinteressierten etwas dabei ist.

Debreceni VSC – Budapest Honvéd FC 4:0 (2:0)

Am Samstag ging es in das Nagyerdei Stadion, in welchem der Debreceni VSC in der ungarischen ersten Liga (OTP Bank-Liga) sein Heimspiel gegen Budapest Honvéd FC austrug.

Auch wenn es sich bei diesem 20.340 Zuschauer fassenden Stadion um einen Neubau handelt, beginnt die Geschichte dieses Austragungsortes bereits 1934. In diesem Jahr wurde das alte Nagyerdei Stadion eröffnet und diente dem Debreceni VSC bis zum Jahre 1993 als Heimstätte. Doch bereits mit dem Umzug ins Oláh Gábor úti Stadion gab es Pläne – insbesondere im Zuge der erfolglosen Bewerbungen Ungarns für die Austragung einer Europameisterschaft –, das Nagyerdei Stadion wieder zu revitalisieren.

Im Jahr 2010 gab es endlich grünes Licht für den Neubau, der in der Zeit von Jänner 2013 bis April 2014 für umgerechnet rund 36 Millionen Euro errichtet wurde. Das Stadion ist – nach dem Nationalstadion und dem Neubau des Stadions von Ferencváros – das drittgrößte des Landes und erfüllt die Anforderungen der UEFA-Kategorie 4. Der Stadionname bedeutet übersetzt Großwaldstadion und der „Namensgeber“ ist eine große Parkanlage in der Stadt, die das Stadion umschließt.

Zum Anpfiff des Spiels fanden sich lediglich 2.662 Besucher im Stadion ein. Ein Grund für diese Misere ist sicherlich der schlechte Saisonstart der Mannschaft, die sich nach neun Runden noch immer in der unteren Tabellenhälfte befindet. Ein weiterer Grund ist auch die Einführung der Fancard. Nach dem Vorbild von Ferencváros gibt es im Nagyerdei Stadion nur mehr Tickets gegen den Vorweis dieser Karte. So boykottierten die Fans auch dieses Spiel und der Fansektor bleib wieder einmal leer. Ebenso ist die Karte ein zusätzlicher Aufwand, der noch Stadionbesucher, die nicht so häufig auf ein Spiel gehen, von einem Kommen abhält.

Diese Entwicklung scheint aber in Ungarn nicht mehr aufzuhalten zu sein, denn mit Saisonbeginn wurden landesweit personalisierte Tickets für alle Erstligaspiele eingeführt. Diese stellen eine Vorstufe zu einer landesweiten Fancard dar, die in absehbarer Zeit kommen sollte und wohl allgemein zu einem weiteren Zuschauerrückgang führen wird.

Der Anstoß wurde in diesem Spiel von Ibrahima Sidibe durchgeführt, der von 2000 bis 2005 bei zahlreichen österreichischen Vereinen unter Vertrag stand. Danach zog es den Senegalesen für zwei Jahre nach Debrecen. Auf dieses Engagement folgten fünf Jahren in Belgien, ehe der Stürmer 2012 erneut nach Debrecen zurückkehrte, wo er seither zum Stamm der Mannschaft zählt. An diesem Nachmittag trat er auch als Torschütze in Erscheinung. Sidibe markierte in der 38. Minute den zweiten Treffer seines Teams, nachdem Tisza in der 15. Minute eine sehenswerte Kombination abschloss. Spätestens als der zur Pause eingewechselte Vadnai in der 47. Minute zum 3:0 traf, war diese Partie entschieden. Ein katastrophales Abwehrverhalten ermöglichte Debrecen noch einen vierten Treffer durch Varga in Minute 61. Honvéds Trainer, der italienische Ex-Internationale Pietro Vierchowod, traute seinen Augen nicht, zumal er zu seiner aktiven Zeit als einer der weltbesten Defensivspezialisten galt.

Debrecen bot an diesem Spieltag die mit Abstand beste Saisonleistung und machte wohl einen großen Schritt aus der Krise.

FK Geča 73 – TJ Cementár Turňa nad Bodvou 6:1 (3:0)

Am nächsten Vormittag gabe im Dorf Geča südlich der Stadt Košice Fußball. In einem Spiel der V. Liga Košicko-gemerská traf der FK Geča 73 auf TJ Cementár Turňa nad Bodvou. Zwar suchte man auf diesem Sportplatz, dem Ihrisko FK Geča 73, vergeblich nach einem Wald, aber da so ein Unterhauskick ist meistens voller Kuriositäten ist, sollte er nicht unerwähnt bleiben.

Rund 150 Besucher fanden sich zu diesem Spiel ein. Die meisten von ihnen nutzen die Sitzbänke bzw. die Stehbereiche rund um die Kantine, während sich einige wenige auch auf die aus drei U-Betonelementen bestehenden Tribüne auf der Gegenseite wagten. Die Vereinsoffiziellen waren übrigens vom meinem Besuch sehr erfreut und baten mich, ob ich ihnen nicht die Fotos zukommen lassen könnte.

Sportlich verlief diese Partie – wie erwartet – einseitig, denn der Tabellenführer aus Geča traf auf den Tabellenvorletzten. Die Gäste, die sich auf dem Platz ausschließlich in der ungarischen Sprache verständigten, waren klar unterlegen. In einem Spiel auf ein Tor traf Geča in jeder Halbzeit drei Mal, jedoch fehlte in der Schlussminute schon etwas die Konzentration und so gelang Turňa nad Bodvou noch der Ehrentreffer.

FK Slavoj Trebišov – MFK Rimavská Sobota 1:1 (0:0)

Nach dem Spiel in Geča ging es in die Kreisstadt Trebišov weiter. Dort befindet sich mit dem Mestský štadión Trebišov einer der drei östlichsten Austragungsorte der slowakischen zweiten Liga. So wie das Nagyerdei Stadion in Debrecen liegt auch dieses Stadion in Mitten einer Parkanlage. Wer jedoch hier nach Modernität sucht, ist eindeutig fehl am Platz. Im Zuge des Zweitligaaufstieges wurden zwar neue Sanitäranlagen errichtet und die Mindestanzahl der Sitzschalen angebracht, aber ansonsten lässt man in Trebišov die Natur gewähren.

Daher sind die Betonstufen in der Kurve und auf der Gegenseite, wenn man es schön formuliert, nicht mehr im allerbesten Zustand. Am interessantesten sind aber die Bäume, die entweder im Zuschauerbereich oder zwischen Spielfeld und Tribüne in die Höhe wachsen. Im Zeitalter von modernen Arenen mit immer höheren Sicherheitsauflagen ist so ein Stadion, das sozusagen mit dem Wald direkt verschmolzen ist, in einer zweiten Liga sicher eine – absolut willkommene – Ausnahme.

Die Partie der zweitklassigen DOXXbet-Liga – Východ (= Ost) wurde bereits am frühen Nachmittag angepfiffen. Da sich sowohl der FK Slavoj Trebišov als auch der MFK Rimavská Sobota in der unteren Tabellenhälfte wiederfinden, hatten beide Teams das Bedürfnis auf Punktezuwachs, um den Abstand zu den Abstiegsplätzen ausbauen zu können. Das Stadion war mit 420 Besuchern ganz gut besucht und   auf dem Rasen wurde eine sehr abwechslungsreiche Partie geboten. So gab es auf beiden Seiten zahlreiche Chancen, wobei allerdings keine dieser Möglichkeiten zu einem Treffer verwertet wurde. Nachdem die Gäste aus Rimavská Sobota in der 57. Minute nach einer großartigen Einzelleistung von Köböl in Führung gingen, warf Trebišov alles nach vorne, um der drohenden Heimniederlage gegen einen direkten Konkurrenten gegen den Abstieg entgehen zu können.

Fünf Minuten vor dem Ende gab es nach einem im Strafraum stümperhaft geführten Zweikampf an der Torauslinie einen berechtigten Elfmeter für die Gastgeber. Kouessabio Makela traf vom Punkt zum leistungsgerechten 1:1 und sorgte somit für Erleichterung unter den Zuschauern, die zufrieden das Stadion verließen.

 

Heffridge, abseits.at

Heffridge

Philipp Karesch alias Heffridge wurde 1979 in Wien geboren und hatte von Kindesbeinen an die Lust am Reisen und Fußball zu spielen. Durch diese Kombination bedingt, zieht es ihn nach wie vor auf die Fußballplätze dieser Welt. Die dort gesammelten Eindrücke sind ein fixer Bestandteil der abseits.at-Kolumne Groundhopper's Diary.

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