Im zweiten Teil zur Wahl des mächtigsten Funktionärs unser alle Lieblingssport, werden wir uns heute den höchst umstritten Favoriten aus Bahrain genauer ansehen. Sepp... Der Fifa-Favorit aus Bahrain: reich, skrupellos und bestens vernetzt

_Fußball Geld Business DollarIm zweiten Teil zur Wahl des mächtigsten Funktionärs unser alle Lieblingssport, werden wir uns heute den höchst umstritten Favoriten aus Bahrain genauer ansehen. Sepp Blatter sagte kürzlich, dass es ohnehin keinen Kandidaten gibt, der sein Erbe antreten kann. Doch wir sind der Meinung: wenn jemand in die fragwürdigen Fußstapfen des Schweizer treten kann, dann wäre dies wohl der Bahrainer.

Ein Königsspross greift nach Großem

Sheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa – so nennt sich das Mitglied des bahrainischen Königshauses mit vollem Namen. Der 50-Jährige ist zudem Präsident der asiatischen Fußballkonföderation (AFC) und so nebenbei auch reich. Sehr reich sogar. Mit circa 25 Milliarden wird sein Vermögen geschätzt, ganz genau weiß es aber niemand. Doch Geld allein macht dann bekanntlich auch nicht glücklich, so muss auch noch mehr Macht her. Die totale Macht über die populärste Sportart der Welt! Weshalb der umstrittenste aller Kandidaten alle Hebel in Bewegung setzte, um am Freitag zum Nachfolger von Sepp Blatter gekürt zu werden!

Eine zwielichtige Vergangenheit, Aufarbeitungen werden gekonnt abgewürgt

Nach den andauernden Vorwürfen gegen den Schweizer, könnte mit Salman bald tatsächlich ein „würdiger“ Nachfolger die Geschicke des Fußballweltverbandes leiten. Sucht man im Lebenslauf nach Ungereimtheiten und Skandalen, wird man schnell fündig. Schaut man auf die daraus resultierenden Konsequenzen, findet man hingegen ein öffentlich reines Bild vom Präsidenten des asiatischen Fußballverbands.

Negative Schlagzeilen machte der Spross aus der Herrscherfamilie aus Bahrain – ein Folterregime mit massiven Menschenrechtsverletzungen – immer wieder. Im arabischen Frühling 2011 hatte das sunnitische Königshaus – dessen Mitglied der Scheich ist – die Demokratiebewegung der schiitischen Bevölkerungsmehrheit brutal niedergeschlagen. Unter den zahlreichen Verhafteten waren auch circa 150 Sportler, darunter viele Fußballprofis und sogar Nationalspieler. Sie alle wurden eingesperrt und teils grausam gefoltert. Scheich Salman war zu jener Zeit Präsident des bahrainischen Fußballverbandes. Doch er behauptet bis heute, von der Gewalt gegen Sportler nie etwas mitbekommen zu haben. Und überhaupt sei er dafür gar nicht dafür verantwortlich gewesen. Und außerdem seien alle Behauptungen und Mutmaßungen nur „boshafte Lügen“. Eine daraus resultierende Untersuchungskommission hätte die Vorwürfe prüfen sollen. Dieser Kommission stand Salman als Fußballpräsident höchstpersönlich vor. Wenig überraschend wurde er nie tätig und würgte jegliche Aufklärungsversuche geschickt ab. Zudem habe seiner Meinung nach Fußball mit politischen Ereignissen ja ohnehin rein gar nichts zu tun. Dafür ist er aber politisch bestens mit dem Elitär vernetzt, ein Schelm wir hier Böses vermutet.

Kritische Fragen werden prinzipiell nicht beantwortet, da werden dann gerne Pressesprecher oder Anwälte vorgeschickt. Wenn er redet, gibt es meist nur wenig Konkretes und nur genehme Verlautbarungen statt Statements zu heiklen Angelegenheiten. Fakt ist, vom 50-Jährigen werden Menschenrechtsverletzungen, Misshandlungen und die im Wüstenemirat herrschende staatliche Willkür zumindest toleriert. Für mehr fehlen die Beweise.

Doch nicht nur im Bezug auf sein Heimatland ist Scheich Salman mehr als nur umstritten. Auch als Präsident des asiatischen Fußball-Verbandes funktioniert die Krisenbewältigung dabei nach seiner, ganz eigenen Herangehensweise. Bei seiner Amtsübernahme 2013 der von Korruption und Schmiergeldern verseuchten AFC, gab es schon einen Vorgeschmack, was sich unter ihm bei der Fifa punkto Aufklärung erwarten lässt. Da wuchs dann über sämtliche Anschuldigungen einfach Gras darüber, Untersuchungen wurden abgewürgt und so versickerten die Vorwürfe wieder einmal im Wüstenstand. Es gab – wie immer – keine Aussagen, keine Maßnahmen und vor allem keine Konsequenzen. Haken drunter und weitermachen als ob nichts gewesen wäre. Den Blick nach vorne gerichtet, über Fragen zur Vergangenheit wird ausgewichen oder Verleumdung vermutet und gleich in die Gegenoffensive übergegangen. Eine Vorgehensweise ganz nach dem Vorbild Sepp Blatter.

Während einige Stimmen noch eine Aufklärung des schmiergeldverseuchten Vergabefahrens der Doppel-WM fordern, steht für den Araber bereits fest: „Wenn ich Präsident werde, dann werde ich alles dafür tun, dass die WM 2018 in Russland und die WM 2022 in Katar stattfindet.“

Die Chancen stehen sehr gut für den Topfavoriten

 Der amtierende, interimistische FIFA-Präsident Issa Hayatou aus Kamerun – der übrigens 2011 wegen Korruption vom IOC verwarnt wurde – hat bereits die Weichen für eine Nachfolge seines Freundes gelegt. Mit Afrikas Verband wurden schon fragwürdige Vereinbarungen getroffen, damit dem Bahrainer die Stimmen des mächtigsten – weil größten Verbandes sicher sind. Dazu verfügt er mit Scheich Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuwait über den bestens vernetzten Mentor im Hintergrund. Der 52-Jährige trat schon als diskutablerer Königsmacher des IOC-Präsidenten Thomas Bach in Erscheinung. Sein Wort hat Gewicht in den Funktionärsriegen des Weltverbandes. In Asien und Afrika gilt Salman als deren Hoffnungsträger, gegen die arrogante Bevormundung der mächtigen Verbände aus Europa. Somit dürften ihm schon der Großteil der Stimmen auf den beiden größten Kontinenten sicher sein: Dies könnten dann im „Idealfall“ bis zu 103 der 209 Stimmen sein.

Damit ist er am Papier der ganz große Favorit. Nach Blatter wäre er derjenige, der das alte System „FIFA“ perfekt weiterträgt und dabei auch skrupellos die Unterstützung der bestehenden Seilschaften hat. Von internen Aufklärungsarbeiten kann sich der Weltverband mit dem Bahrainer auf jeden Fall sofort verabschieden. Der Einfluss der größten Fußballnationen in Europa und Südamerika wird unter dem Araber weiter beschnitten werden, hin zu mehr Macht seitens der zahlenmäßig größeren Verbände aus Asien, Afrika und dem Pazifikraum.

Doch am düsteren Fifa-Himmel leuchtet doch noch ein kleiner Hoffnungsschimmer: wer weiß schon, was diese Woche noch alles passieren wird. Bis zu 209 Verbandspräsidenten werden in Zürich erwartet. Erst 2019 bietet sich für die Schweizer und US-Behörden die nächste Gelegenheit, den kompletten Funktionärs-Tross auf demokratischen Boden gesammelt vereint zu haben. Auch wenn es natürlich nur reine Spekulation ist, aber nach den Großrazzien im Vorjahr, sollte auch für diese Woche nichts ausgeschlossen werden. Zumindest möglich, dass den einen oder anderen schmiergeldkassierenden Funktionär doch das schlechte Gewissen plagt und er von einer Reise in die Schweiz – zur eigenen Sicherheit – absieht. Was natürlich die Karten bei der Abstimmung wieder etwas neu mischen würde, wohl dann eher zu Gunsten Infantinos.

Werner Sonnleitner, abseits.at

Werner Sonnleitner

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