Katar, ein Emirat am Persischen Golf mit gerade einmal 1,7 Millionen Einwohnern, hat sich dazu aufgemacht, die Welt zu erobern – zumindest jene des... Katarische Seilschaften: Frankreichs Fußball im Griff der Scheichs

Fußball in FrankreichKatar, ein Emirat am Persischen Golf mit gerade einmal 1,7 Millionen Einwohnern, hat sich dazu aufgemacht, die Welt zu erobern – zumindest jene des Sports. Derzeit werden vor allem in Frankreich massive Investitionen getätigt, die dem Ansehen des Wüstenstaats zugutekommen sollen.

Frankreichs Fußball hat schon bessere Zeiten erlebt. Die Nationalmannschaft taumelt von einer Krise in die nächste und ist weit davon entfernt, an die Glanzzeiten rund um die Jahrtausendwende anzuschließen und das heimische Championat, die Ligue 1, spielt international ohnehin, seit nahezu jeher, im besten Fall die zweite Geige. Erst ein einziges Mal gewann ein Vertreter der Grande Nation die Champions League, da die Vereine finanziell nicht in der Lage sind, mit den anderen Top-Nationen mitzuhalten.

Während immer mehr ausländische Investoren Fußball-Europa für sich entdecken beziehungsweise Oligarchen in Russland und der Ukraine horrende Summen in die schönste Nebensache der Welt pumpen, hat sich die Lage des französischen Vereinsfußballs verschlechtert, ist man derzeit doch in der Regel nur eine Ausbildungsliga für England, Spanien und Co. Daher ist die Sehnsucht groß, endlich wieder im Konzert der Großen mitzuspielen, was nun durch den Hauptstadtclub Paris St. Germain geschehen soll.

PSG soll an die Spitze Europas

Obwohl in einer Weltstadt beheimatet, spielte PSG im französischen Fußball bisher nur eine untergeordnete Rolle. Die letzte Meisterschaft gewannen die Männer aus dem Prinzenpark im Jahre 1994, während auf internationaler Ebene immerhin der Erfolg im Cup der Cupsieger 1996 gegen Rapid auf dem Briefkopf steht. Die Ligue 1 wird mittlerweile jedoch seit fast zwei Jahrzehnten von Clubs aus der Provinz dominiert, deren Gipfel die sieben Meistertitel in Serie für Olympique Lyon darstellten, was in der Hauptstadt des zentralistischen Staats keineswegs für Euphorie sorgte.

Wüstenmillionäre stiegen ein

Qatar Sports Investments, eine Tochtergesellschaft der Qatar Investment Authority, dem katarischen Staatsfonds, hält mittlerweile sämtliche Anteile von PSG, die um geschätzte 100 Millionen Euro erworben wurden. Darüber hinaus erfolgten von Investitionen von weiteren rund 250 Millionen, um Spieler wie Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva an die Seine zu lotsen, damit der Traum vom Gewinn der Champions League realisiert werden kann.

PSG als Katar-Botschafter

Erst jüngst wurde ein millionenschwerer Sponsoring-Vertrag mit der Tourismusbehörde von Katar abgeschlossen, die jährlich 150 bis 200 Millionen Euro für Trikotwerbung bezahlen möchte. Da dies jedoch weit über dem marktüblichen Preis liegt und um Problemen mit dem Financial Fairplay der UEFA vorzubeugen, fungiert PSG nun als Botschafter des Emirats, was die enormen Summen rechtfertigen soll.

Nicht nur Fußball wird „Katar-dominiert“

Hätte Katar lediglich die Macht über einen von zwanzig Erstligisten, wäre es freilich übertrieben davon zu sprechen, dass über Wohl und Gedeih des französischen Fußballs am Persischen Golf entschieden wird. Doch der Einfluss der Kataris geht noch erheblich weiter und reicht bis in den Medienmarkt.

Dominanz am Medienmarkt

Während Al Jazeera seit vielen Jahren führend am Sektor der Sportübertragungen in der arabischen Welt ist, erfolgte 2012 nun auch die Erschließung Europas. Da Orange Sport sich dazu entschloss, nicht mehr um die TV-Rechte der Ligue 1 mitzubieten und der jahrzehntelange Partner Canal Plus damit der einzige Interessent gewesen wäre, was sich auf die Erlöse alles andere als förderlich ausgewirkt hätte, entschied Al Jazeera, das der Qatar Media Corporation gehört, in den französischen Markt einzusteigen, was angesichts der sonst in den Keller rasselnden Preise bei den Vereinsverantwortlichen auf jede Menge Gegenliebe stieß.

Canal Plus verdrängt

So kam es dazu, dass der Pay-TV-Kanal BeIN SPORT aus der Taufe gehoben wurde, der die Rechte an 80 Prozent der Ligue-1-Spiele um kolportierte 325 Millionen Euro jährlich erwarb und auch umfangreich über die zweithöchste Spielklasse berichtet. Canal Plus, kurioserweise einstiger Besitzer von PSG, verfügt hingegen nur mehr über zwei Spiele pro Runde.

PayTV regiert Frankreich

Darüber hinaus erwarb der Al-Jazeera-Ableger auch die Rechte an der Champions League, die damit aus dem französischen Free-TV verschwunden ist und auch aus der Europa League gibt es ohne Gebühr nur mehr eine Partie pro Runde zu sehen. Des Weiteren wird mehr als die Hälfte der Spiele der EURO 2016, die in Frankreich stattfindet, nur im Pay-TV zu verfolgen sein.

Von Al-Thani bis Al-Khelaïfi

Doch damit nicht genug, auch in den Vereinigten Staaten wurde ein Ableger von BeIN SPORT ins Leben gerufen, der in englischer und spanischer Sprache Spitzenfußball aus aller Welt überträgt und sich das gesteigerte Interesse der Amerikaner am Fußballsport zu Nutze machen möchte. Hinter all diesen Investitionen steht die Familie des Emirs von Katar, Hamad bin Chalifa Al Thani, und so kommt es auch wenig überraschend, dass Nasser Al-Khelaïfi sowohl Präsident von Paris St. Germain als auch Direktor von Al Jazeera Sport ist. Des Weiteren steht der ehemalige Tennisprofi (Nr. 1224 der Weltrangliste 2001) auch der Qatar Tennis Federation vor.

WM 2022 als bisher größter Mosaikstein im Katar-Puzzle

Die Liebe zum Sport ist jedoch nicht der Hauptgrund für die massiven Investitionen, die bereits getätigt wurden und noch auf der Agenda stehen. Vielmehr geht es um den Stellenwert und das Prestige Katars, um weltweit an Einfluss zu gewinnen. Ein weiterer Puzzlestein auf dem Weg dorthin war die heftig umstrittene Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 an den Wüstenstaat, der damit endgültig im Fokus der internationalen Öffentlichkeit stehen wird. Umfangreiche mediale Rechte hält an dem Turnier, wie könnte es anders sein, Al Jazeera.

Paris als idealer Standort

Während also die Motive hinter den Fußballaktivitäten der Kataris mehr oder weniger klar sind, stellt sich die Frage, warum ausgerechnet der französische Markt zum Objekt der Begierde avancierte. Die Antwort ist recht simpel: Zum einen genießen Bürger des Emirats in Frankreich ausgesprochene Steuervorteile, was sich auch in zahlreichen Immobilieninvestitionen niederschlug und andererseits ist Frankreichs Fußball noch kaum von ausländischen Geldgebern durchsetzt, was den Einstieg einfacher machte.

Frankreich „unterentwickelt“, aber mit großem Potential

„Katar ist ein cleveres, kleines Land“, sagte Lars Haue-Pedersen, der viele Jahre für das Olympische Komitee Katars arbeitete. „Hätte ich ihnen einen schnellen Ratschlag geben müssen, hätte ich gesagt: ‚Wo ist der Markt weniger entwickelt als in den großen Nationen? Frankreich.“ Die Ligue 1 sei zwar immer eine nette Meisterschaft gewesen, habe jedoch nie über den höchsten Level verfügt, so Haue-Pedersen, der in ihr aber dennoch enormes Potenzial sieht.

Eine der wenigen Weltstädte schlechthin

„Kauft man sich in den europäischen Fußball ein, kauft man auch eine Marketing-Plattform. Eine sehr attraktive Marketing-Plattform“, führt der Experte aus. Hinzu kam auch noch der Umstand, dass Paris eine der wenigen Weltstädte schlechthin sei, was auch PSG-Boss Al-Khelaïfi gegenüber der New York Times bestätigte. „Die Lage des Clubs in Paris, einer der führenden Städte der Welt, war sehr wichtig“, führte er aus, warum die Entscheidung ausgerechnet auf PSG fiel.

Katar und Frankreich in den nächsten Jahren untrennbar

Die Marschrichtung des französischen Fußballs ist für die nächsten Jahre also vorgegeben und wird nur mehr bedingt von heimischen Entscheidungsträgern beeinflusst. Mittelfristig dürfte die Zukunft damit recht rosig aussehen, da es sich Katar gewiss nicht leisten kann, vorzeitig aus dem Geschäft auszusteigen, der Gesichtsverlust wäre grenzenlos. Spannend wird jedoch zu beobachten sein, wie die Dinge nach 2022 ihren Lauf nehmen und was geschieht, sollte PSG nicht den gewünschten Erfolg erreichen. Es wäre nicht das erste Mal, sollten massive Investitionen nicht ausreichen, um die Konkurrenz auszustechen – Manchester City ist ein warnendes Beispiel.

OoK_PS, abseits.at