Damit ein Fußballer sein gesamtes Potential ausschöpfen kann, muss er sich in seinem neuen Umfeld wohl fühlen. Leider glauben aber noch immer zahlreiche Vereine,... Relocation: Fühl´dich wie zu Hause (Teil 1)

Damit ein Fußballer sein gesamtes Potential ausschöpfen kann, muss er sich in seinem neuen Umfeld wohl fühlen. Leider glauben aber noch immer zahlreiche Vereine, dass ein Fußballer wie auf Knopfdruck zu funktionieren hat, nur weil er eine hohe Ablösesumme gekostet hat und ein überdurchschnittlich gutes Gehalt bekommt.

Der Autor Simon Kuper und der Ökonom Stefan Szymanski weisen in ihrem großartigen Buch „Soccernomics“ darauf hin, dass Vereine mit ihren lebenden Investitionen oftmals nicht richtig umgehen. Fußballer sind keine Maschinen und gerade junge Sportler haben oft Schwierigkeiten sich mit den neuen Gegebenheiten zurecht zu finden. Sie wohnen manchmal das erste Mal überhaupt getrennt von ihren Eltern und sprechen die neue Sprache nicht. Auch erfahrene Fußballspieler können im Ausland auf Schwierigkeiten stoßen, denn es kann zu einer großen Herausforderung werden in einem fremden Land eine gute Schule für die Kinder zu finden, oder auch einfach nur ein neues Bankkonto zu eröffnen.

MEHR ALS NUR “UMZUGSHELFER“?

Bei großen Unternehmen ist es gang und gäbe, dass Umzugskoordinatoren wichtige Fachkräfte in ihrer neuen Umgebung betreuen. Sie besichtigen gemeinsam mit ihrem Klienten verschiedene Wohnungen, Schulen und Kindergärten, eröffnen für die Familie Handyverträge und kümmern sich auch sonst um alle Behördenwege. Zahlreiche Studien beweisen, dass die unzureichende Unterstützung bei der Integration einer der Hauptgründe für das Scheitern der Arbeitskräfte im Ausland ist. Wenn das für Manager mit relativ großer Lebenserfahrung gilt, das muss erst recht für Fußballer gelten.

NEUE MÖGLICHKEITEN DURCH GUTES RELOCATING

Englische Vereine haben die Befürchtung, dass Spieler aus Südamerika große Anpassungsschwierigkeiten in England haben. Sie verpflichten oftmals lieber skandinavische Spieler, die sich fast immer ohne Schwierigkeiten bei ihrem neuen Verein akklimatisieren können. Kuper und Szymanski weisen darauf hin, dass es oft intelligenter wäre einen guten brasilianischen Spieler zu kaufen, dem man eine Person zur Seite stellt, die dafür sorgt, dass sich die Neuverpflichtung fast wie zu Hause fühlt. Selbst große Vereine wie der FC Chelsea oder Real Madrid machten in der Vergangenheit große Fehler in dieser Hinsicht und ließen ihre Stars nach der Verpflichtung im Regen stehen. Auch für österreichische Vereine gäbe es hier große Verbesserungsmöglichkeiten, denn auch hierzulande scheuen sich leider viele Klubs davor, „potentiell schwierige“ Spieler zu kaufen.

Im nächsten Teil dieser Serie erfährst du unter anderem, warum Didier Drogba nach den Trainingseinheiten beim FC Chelsea wochenlang auf eigene Faust eine Wohnung suchen musste und warum Nicolas Anelka von Anfang an keine Chance bei Real Madrid hatte.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger

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