Gernot Zirngast ist der Vorstand der „Vereinigung der Fußballer“ (VdF) und spricht im Interview mit abseits.at über Forderungen, Verträge und die Admira, den Einstieg... VdF-Vorstand Zirngast im abseits.at-Interview: "Als Spieler musst du dich anpassen, sonst bist du draußen"

Gernot Zirngast ist der Vorstand der „Vereinigung der Fußballer“ (VdF) und spricht im Interview mit abseits.at über Forderungen, Verträge und die Admira, den Einstieg in den Profifußball und die vielen Probleme, die dieser – vor allem finanzieller und zeitlicher Natur – mit sich bringen kann. Hier der erste Teil des hochinteressanten Gesprächs mit dem ehemaligen Wiener-Sportclub-Kicker.

abseits.at: Herr Zirngast, danke erst mal, dass sie sich für uns Zeit genommen haben! Erzählen Sie uns bitte, was die Vereinigung der Fußballer (VdF) in nächster Zeit vorhat.

Gernot Zirngast: Der erste Punkt ist, dass wir vier, fünf Jahre nach der Causa Dennis Mimm, der meinte, dass sich im österreichischen Fußball nichts ändern wird, solange Schwarzgeld bezahlt wird, merken, dass wir gemeinsam mit der Liga eine ganz gute Idee umgesetzt haben. Die Spieler müssen mehr oder weniger einmal im Jahr bestätigen, dass sie nur einen Vertrag haben und auch, dass sie alles Geld des letzten Jahres bekommen haben. Jetzt müssen wir diese Idee jedoch weiter verbessern, um sie vor Missbrauch zu schützen. Die Kicker müssen besser informiert werden, was die Konsequenzen sind, wenn sie Brutto- und Nettoverträge gleichzeitig unterschreiben. Ich möchte aber festhalten, dass viele nur einen Nettovertrag unterschreiben und dann taucht ein Bruttovertrag mit seiner Unterschrift auf. Zweitens geht es um die vorgelebte Intransparenz der internationalen und nationalen Verbände, die Raum für Spekulationen offen lässt, denn der Beschuldigte in einem Verfahren wird nie sagen, wie es wirklich war. Des Weiteren soll man die Verfahrensordnung bei Verfehlungen der Vereine ändern und auch kurzfristig während der Saison Möglichkeiten haben, innerhalb kürzester Zeit Strafen auszusprechen, wenn irgendwelche Dinge auftauchen die speziell den Wettbewerb beeinflussen. Im Fußball ist es, glaube ich, ganz wichtig, dass man eben kurzfristig agiert, wenn in der laufenden Saison etwas passiert, was auf den Meisterschaftsbetrieb Einfluss nimmt.

abseits.at: Wie passiert denn so etwas wie bei der Admira?

Gernot Zirngast: Es ist ja dieser große Kritikpunkt betreffend der Sache bei der Admira, dass im Jänner schon bekannt war, dass die Liga diesen Vorwurf schon seit damals gekannt hat und dann eigentlich über vier, fünf Wochen, bis die Meisterschaft in der Heute-für-Morgen-Liga begonnen hat, nichts unternommen hat, um wirklich zu versuchen, für diesen Bewerb, wo im Falle der Admira anscheinend nicht alles gepasst hat, schon eine gewisse Gerechtigkeit herzustellen. Wir haben halt diese Nettoverträge und die Spieler wollen das auch, sagen die Vereine. Ich glaube aber nicht, dass die Angestellten in der Lage sein dürfen, die Art und Weise der Vertragsausfertigung zu bestimmen. Von uns gibt es da jegliche Unterstützung für die Vereine, denn die Spieler sollen wissen, was sie den Verein letztendlich an Geld kosten, wenn er dies und jenes netto verdient. Es sollte eine Bruttobestimmung sein! Der Liga waren aber nicht alle Vereinbarungen der Admira mit manchen Spielern bekannt. Das darf nicht passieren. Wir als VdF erhalten dann auch keine Rückmeldung von der Liga, wenn man einen Nettovertrag weiterreicht. Auch die Öffentlichkeit wird nicht informiert. Man beruft sich auf die Statuten und die Statuten sind ein Werk, das in den letzten zehn Jahren, oder beginnend mit der Ära Frank Stronach, immer mehr zu Gunsten der Vereine, dem Stillschweigen und der Intransparenz geändert worden sind. Das ist eigentlich der größte Kritikpunkt, weil die Ligaverantwortlichen selbst, sei es Reinhard Herowitz als Lizenzverantwortlicher oder Vorstand Georg Pangl, in diesem Netzwerk des Statuts gefangen sind und sich natürlich nicht, auch wenn sie wollten, anders bewegen können, als sie sich derzeit bewegen. Es muss ein unabhängiger Bundesligavorstand her, der mehr oder weniger alle gleich behandeln und letztendlich gegen solche Vergehen rigoros vorgehen kann und soll.

abseits.at: Nun gibt es aber seit 2008, wie bei anderen Berufsgruppen, einen Kollektivvertrag. Können sie unseren Lesern diesen zunächst einmal näher bringen?

Gernot Zirngast: Wir haben es so, dass jeder Spieler auf 1000 Euro Brutto Minimum 14 mal im Jahr kommen muss, da ist aber alles drinnen, Punkteprämien, Fixum, andere Zuwendungen, ob er ein Auto oder eine Wohnung kriegt, ist mit einzurechnen. Das wäre im Prinzip die Untergrenze für einen Spieler, der professionell bei einem Verein Fußball spielt, das heißt er muss vormittags und nachmittags trainieren. Und das wird eben unterwandert, weil wir im Kollektivvertrag noch- und das zu ändern ist grundsätzlich mit der Liga schon abgestimmt – einen Passus drin haben, dass ein Spieler die abstrakte Möglichkeit haben kann, zu arbeiten. Und um diesen Begriff „abstrakt“ geht es uns nun eigentlich. Dieser ist, im Nachhinein gesehen, kompletter Nonsens. Er muss entweder real die Möglichkeit haben, zu arbeiten, dann muss der Verein ihm aber auch die Möglichkeit geben, nur einmal am Tag trainieren zu müssen. Und dann gibt es eben noch im Kollektivvertrag eine Disziplinarordnung, es gibt Vorschriften die Persönlichkeitsrechte betreffend. Der Verein darf den Spieler vertraglich nicht schlechter stellen als es der Kollektivvertrag vorsieht. Und wenn er nach drei Jahren drauf kommt, dass das nicht der Fall war, dann kann man das auch nachfordern. Das betrifft in erster Linie die Geldstrafen, weil es da ganz klare Regelungen gibt, wie das abzulaufen hat. Es ist nach wie vor so, dass manche Vereine glauben, sie können da alles reinschreiben. Im ersten Moment unterschreibt der Spieler und nachher fragt er, was er unterschrieben hat. Der Junge ist ja froh, wenn er einen Vertrag kriegt, darum unterschreibt er teilweise auch alles und die Probleme kommen dann erst am Ende, wenn das Vertragsverhältnis zu Ende geht.

abseits.at: Sagt man dann: Das ist ein junger Spieler, der weiß das nicht, der hat fünf Jahre lang in der Akademie gekickt?

Gernot Zirngast: Ein Kollege von mir hat das ganz richtig gesagt: Das Problem ist, dass wir in Österreich rund 400 Profifußballer in den oberen beiden Ligen haben. Ein paar sind eben im Ausland. Die Arbeitsmöglichkeiten sind somit stark beschränkt. Auf die Forderungen eines Wunschspielers wird der Verein schon eingehen. Aber als Spieler musst du dich auch dem System anpassen, sonst bist du draußen und kriegst keinen Vertrag.

abseits.at: Also „Friss oder stirb“?

Gernot Zirngast: So ist es. Du bist draußen, wenn du da nicht mitmachst. Das ist ein System, das natürlich auch für die Spielervermittler nicht gut ist. Da gibt’s ein Beispiel eines österreichischen Bundesligisten, den Namen will ich gar nicht nennen, der hat einen Spielervermittler, weil der nicht kooperiert hat, auf die schwarze Liste setzt. Das gibt es und das ist bewiesen, das ist schwarz auf weiß, dass der Manager ihm gesagt hat: „Du, tut uns leid, aber du brauchst uns nicht mehr zu kontaktieren, weil von dir dürfen wir keinen Spieler mehr nehmen, hat der Präsident gesagt.“ Und das sagt schon viel aus. Der Kollektivvertrag regelt die rechtlichen Rahmenbedingungen. Das Wichtigste daran ist: Der Spieler darf nicht schlechter gestellt werden. Besser gestellt werden kann er immer. Das gibt es seit drei Jahren, wir haben damals über sehr, sehr viele Begleitmaßnahmen gesprochen Wir sind damals aber auch sehr viele Kompromisse eingegangen. Das ist kein Vorwurf an den Oliver Prudlo, er weiß genau, wie ich das meine. Wenn man etwas umsetzen will, kann man nicht gleich alles haben. Damals ist bei uns intern der Spruch entstanden: „In drei Jahren schauen wir weiter, was wir dann haben werden.“ Mit Ende Juni sind die drei Jahre vorbei und es ist genau nichts passiert. Pensionsversicherung, soziale Einrichtungen für die Spieler, Absicherung, Lizenzspielerstatut – nichts. Es ist nichts weiter gegangen, es hat da mehr oder weniger keine Zusammenarbeit gegeben.

abseits.at: Sagen wir, ich bin ein junger Spieler. Ich habe jetzt diesen Vertrag unterschrieben, der eben netto ist und ich komme nach drei Jahren beim Vereinswechsel drauf, dass der Vertrag ein kompletter Humbug war?

Gernot Zirngast: Grundsätzlich muss man schon sagen, dass Nettovereinbarungen nicht verboten sind. Es ist eben schwierig wegen der Versicherungszeiten. Wir wollen da eine Aufklärungsoffensive starten, aber das ist ja auch nicht so, dass der Verein dich dort gerne sieht. Bei einigen Vereinen ist es nicht an der Tagesordnung, dass der Spieler einen Lohnzettel kriegt. Die gibt es nicht. In der zweiten Liga kriegen die wenigsten Spieler einen Lohnzettel. Da sind wir vom Profitum sehr weit weg. In der Heute-für-Morgen-Liga gibt es viele Spieler, die weniger verdienen, als der Kollektivvertrag ausmacht. Man gaukelt ihnen vor, dass sie eine Ausbildung nebenbei machen können, oder arbeiten… und in Wahrheit ist das nicht möglich. Die Vereine leben und arbeiten wie Profivereine, weil die Liga das so vorgibt, weil ich Montag, Dienstag, Freitag Fußball spiele und in Wahrheit verdiene ich aber nur einen Bruchteil und jeder probiert ein, zwei Jahre, da hineinzukommen und versucht dort, mehr oder minder Fuß zu fassen. Die Wenigsten schaffen es eben.

abseits.at: 1000 Euro brutto ist eigentlich recht wenig.

Gernot Zirngast: Finde ich auch. Der Didi Berchtold hat gemeint: „Wenn ich Taxi fahre, verdiene ich mehr.“ Für einen angehenden Profifußballer, der wirklich rund um die Uhr für den Fußball da sein muss – und anders geht es meistens auch gar nicht, wenn ich Vormittag und Nachmittag trainieren muss – ist das nicht unbedingt die Welt. Auf der anderen Seite ist es für einen jungen Burschen ok, da obliegt es dem Verein, sich anzuschauen, welche Wertigkeit und Möglichkeiten der Spieler hat. Wenn ich den von Haus aus mit Geld zuschütte, ist die Gefahr schon groß, dass dieser das nicht verkraftet.

Das Interview führte Georg Sander für abseits.at. Der zweite Teil des Interviews folgt nächste Woche!

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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