Im dritten und letzten Teil der Relocation-Serie sehen wir uns Vereine an, die alles daran setzen, dass ihre hohen Investitionen, die sie für neue... Relocation: Fühl´dich wie zu Hause (Teil 3)

Im dritten und letzten Teil der Relocation-Serie sehen wir uns Vereine an, die alles daran setzen, dass ihre hohen Investitionen, die sie für neue Spieler aufwenden müssen, auch Früchte tragen. Der AC Mailand und Olympique Lyon machen in dieser Hinsicht alles richtig.

Der ehemalige niederländische Nationalspieler Boudewijn Zenden stand über zehn Jahre lang im Ausland unter Vertrag und weiß ganz genau, was ein Verein unternehmen muss, damit sich neue Fußballer schnell akklimatisieren und von Beginn an ihre besten Leistungen abrufen können. Als erstes sollte jeder Spieler unmittelbar nach seiner Ankunft ein Handy und eine Wohnung bekommen. Insbesondere Spieler, die mit ihrer Familie anreisen, sollten nicht lange in einem Hotel untergebracht werden, da die Familienmitglieder sonst schnell unruhig und unglücklich werden können. Weiters sollte der Verein in Erfahrung bringen, ob der Führerschein des Spielers in diesem Land gültig ist und ob er Hilfe bei Behördengängen benötigt.

MILAN MACHT SEINE NEUEN SPIELER GLÜCKLICH

Wie auch in anderen Branchen sprechen die Fußballer untereinander über ihre Arbeitgeber und so weiß auch Zenden von seinen Kollegen, welche Vereine den Spielern alle Wünsche von den Lippen ablesen. Der AC Mailand ist der umsatzstärkste Verein Italiens und laut dem ehemaligen niederländischen Nationalspieler nahezu perfekt organisiert. Neue Spieler beziehen eine komplett eingerichtete Wohnung und müssen in den meisten Fällen keine einzige Nacht in einem Hotel schlafen. Dem Spieler werden fünf verschiedene Autos gezeigt, von denen er sich eines aussuchen darf. Der Verein stellt einen Sprachlehrer zur Verfügung, der sich nicht nur um den Spieler, sondern auch um die Familienangehörigen kümmert.

KEINE ANGST VOR BRASILIANERN

Jean-Michel Aulas wurde im Jahr 1987 Präsident von Olympique Lyon, einer Mannschaft die vor seiner Amtszeit in sportlicher Hinsicht nur selten für Furore sorgte. Zwischen 2001 und 2007 gewann der Verein jedes Jahr die französische Meisterschaft, was auch an der hervorragenden Transferpolitik lag. Der ehemalige brasilianische Lyon-Spieler Marcelo schlägt Transfer-Koordinator Bernard Lacombe jedes Jahr einige junge brasilianische Talente vor, die seiner Meinung nach gut zu dem Verein passen. Für Spieler wie Juninho, Cris, Fred und Edmilson war Olympique Lyon die erste Auslandsstation und dass sie sich so gut akklimatisieren konnten war ein großer Verdienst des Vereins. Olympique Lyon hat eigens einen Vollzeit-Dolmetscher fix angestellt, der sich nicht nur darum kümmert, dass die brasilianischen Spieler schnell die neue Sprache lernen, sondern auch sonst die Neuankömmlinge bei auftretenden Anfangsschwierigkeiten unterstützt. Der Übersetzer kümmert sich einerseits um sämtlicher Behördenwege, andererseits bringt er den Spielern auch die Mentalität der Einwohner näher. Starallüren sind in Lyon absolut fehl am Platz, im Gegenzug respektieren die Einwohner die Privatsphäre der Fußballprofis, sodass sie sich in der Stadt komplett frei bewegen können. Wenn sich ein Spieler einsam oder unglücklich fühlt, dann geht der Dolmetscher mit ihm essen und bespricht die Probleme mit dem Sportler. Er ist somit Übersetzer, Psychologe und Umzugshelfer in einer Person. Andere Vereine dürfen sich in dieser Hinsicht so einiges von den Franzosen abschauen.

Stefan Karger, abseits.at

Stefan Karger

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