Superstar Diego wurde von Felix Magath aus dem Kader entfernt, befindet sich auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber und musste ein Rekordbußgeld in... Diego von Magath suspendiert – wieviel darf sich ein Fußballer erlauben?

Superstar Diego wurde von Felix Magath aus dem Kader entfernt, befindet sich auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber und musste ein Rekordbußgeld in der Höhe von 500.000 Euro an seinen Verein, den VfL Wolfsburg, überweisen. Bei allen Entschuldigungen ist es nicht das erste Mal, dass ein Spieler seinen Verein durch Fehlverhalten massiv unter Druck setzt.

Fußballstars sind Spitzenarbeitskräfte der modernen Unterhaltungsindustrie. Dutzende Trainer, Betreuer und Manager kümmern sich um ihr Wohl, hunderte Vereinsmitarbeiter stellen eine perfekte Infrastruktur zur Verfügung, tausende Arbeitnehmer verdienen ihr Geld im Dunstkreis der Fußballmaschinerie, zehntausende Zuseher blicken ihnen Spieltag für Spieltag auf die Beine, Millionen verfolgen die Spiele zuhause vor dem Fernseher. In Anbetracht der Größe, der sozialen Relevanz und der finanziellen Rahmenbedingungen, die Fußball heutzutage hat, stellt sich nun – einmal mehr – die Frage, wie sich die Bewegungsakkrobaten und Ballzauberer ihren Arbeitgebern gegenüber verhalten sollen. Denn genauso perfekt, wie DFB und DFL beispielsweise den Durchmarsch vom Euroloser und Einzeldarsteller FC Bayern München zu einer der zukünftig besten Liga der Welt – keine andere der großen Ligen steht wirtschaftlich auf so soliden Beinen – geplant haben, so sehr müssen auch die Kicker spuren, haben zu funktionieren. Wirklich schwierige Diven, wie eben Diego oder auch Marko Arnautovic, haben in der perfekten Welt des HD-Fernsehens und des allgegenwärtigen Bildreporters immer weniger Platz. Zwar liebt der Boulevard die Skandale und Skandälchen rund um die Spieler, die Arbeitgeber haben aber wenig Freude damit.

HALBGÖTTER IN LAUFHOSEN…

Skurrile Geschichten über Fußballprofis, die ihren Dienst verweigern, gibt es zur Genüge, nicht nur über Diego, der keine Lust auf einen Abstiegskampf hatte. Paul Scharner etwa, der einst im Dress des FK Austria Wien von Jogi Löw nicht eingewechselt werden wollte, weil ihm die Position nicht zusagte. Oder Nikica Jelavic, der sich aus seinem Vertrag mit Rapid Wien regelrecht rausstreikte. Oder Lukas Podolski, der für die Bayern spielte, aber kaum eine Gelegenheit ausließ, seinen Wunsch, für den 1.FC Köln zu spielen, zu formulieren. Beliebt ist auch folgendes Szenario: Die Kicker kommen einfach nicht aus ihren Urlauben, meist dann, wenn sie nicht mehr für ihren Verein spielen wollen. Ein Zerwürfnis soll inszeniert werden und der Wechsel zu einem anderen Verein erzwungen. Der Vertrag scheint das Papier nicht wert zu sein, auf dem die Unterschrift steht.

…MACHEN, WAS SIE WOLLEN…

Es gibt kaum eine Handhabe dagegen. Die Spieler unterzeichnen mehr oder weniger Fantasiekontrakte, die bei einer normalen Leistung so gut wie nie erfüllt werden. Die Vereine trifft eine große Mitschuld, sie helfen hier kräftig mit. Die Faustregel heißt, dass man einen Angestellten ein Jahr vor Vertragsende teuer verkaufen kann, ein halbes Jahr davor gibt es meist ein bisschen weniger Geld. Der Depp ist der, der seine Stars nach Ablauf des Vertrags um null Euro ziehen lässt, Bosman sei es gedankt. Nicht, dass es in der Privatwirtschaft anders wäre: Manager, Anwälte und Ärzte werden auch gezielt von Headhuntern gesucht, abgeworben und mitunter durch hohe Ablösesummen von A nach B gelotst. Dieses Szenario ist also nichts, was der Fußball erfunden hat, aber die Auswüchse sind vor allem durch die mediale Aufbereitung des Sports bedenklich. „Wer zahlt, schafft an“ ist die Maxime und verhindert in vielen Fällen, dass die Kicker mehr als nur Söldner sind. Dabei gilt es zu bedenken, dass bereits in den unteren Spielklassen Gehälter gezahlt werden, für die normale Menschen Magisterstudien benötigen.

…UND MÜSSEN KEINE KONSEQUENZEN FÜRCHTEN.

Es gibt leider keine Beispiele, wie mit Spielern, die sich freipressen, umzugehen ist. Bisher hat sich noch für jeden Star ein Club gefunden, der bereit ist, ihn weiter zu engagieren. Und jedesmal, wenn so etwas passiert, wird gebetsmühlenartig der Wunsch geäußert, die Vereine sollten diese Spieler, die so vorgehen, ein Jahr schmoren lassen. Aber gerade die größten Artisten am runden Leder haben wenig zu befürchten. Udo Lattek meinte über Diego Maradona, den er bei Barcelona trainierte, dass dieser es ohnehin leicht gehabt hätte, sich kleinere Vergehen wie Zuspätkommen zu leisten, da er für das Team viel zu wichtig war, um deswegen nicht zu spielen. Letzten Endes wurde Lattek wegen des Nichtakzeptierens von Maradonas Verhalten entlassen. Die Stars sitzen auf dem längeren Ast, die ganz großen Kicker werden den Bogen immer wieder überspannen, gefährlich wird es dann, wenn auch Spieler bei kleineren Vereinen das Verhalten an den Tag legen, wie etwa Nikica Jelavic beim SK Rapid.

In der Glamourwelt des Fußballboulevards ist es aber zugegebenermaßen gerade für junge Spieler schwierig, die Erdung nicht zu verlieren und den Umstand, für sein Hobby fürstlich entlohnt zu werden, richtig einzuordnen. Änderung ist leider keine in Sicht, die Verlockungen des Geldes überwiegen Moral und Ethik, für die Vorbildwirkung ist dies bedenklich.

Georg Sander, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen