In der Winterpause blickt abseits.at in mehreren Teilen zurück auf die ersten 20 Runden in der Bundesligasaison 2015/2016. Dabei wollen wir vor allem interessante... Statistikanalyse: Das Aufbauspiel der „Top 4“ – Torhüter und Außenverteidiger

Taktikboard schwarz_abseits.atIn der Winterpause blickt abseits.at in mehreren Teilen zurück auf die ersten 20 Runden in der Bundesligasaison 2015/2016. Dabei wollen wir vor allem interessante Statistiken und besondere taktische Aspekte unter die Lupe nehmen. In den ersten drei Artikeln beschäftigen wir uns mit dem Aufbauspiel.

Wie in vielen anderen Ländern hat sich auch in der österreichischen Liga der Fokus vieler Mannschaften in Richtung Umschaltspiel und Pressing geändert. Teams vom Tabellenende agierten gegen die „Großen“ schon in den Jahren davor sehr defensiv. Mittlerweile überlassen auch Mannschaften aus dem Tabellenmittelfeld den nominellen Favoriten öfter den Ball, sodass dessen Aufbau- und Kombinationsspiel ein wichtiger Erfolgsfaktor ist.

Stichprobenumfang und Methodik

In dieser Analyse wollen wir uns nun die Daten der wichtigsten Spieler von den „Top 4“-Teams der österreichischen Liga ansehen. Diese Mannschaften sind: Red Bull Salzburg, Austria Wien, Rapid Wien und Sturm Graz. Im ersten Teil sehen wir uns zunächst die Daten der Torhüter dieser vier Teams und dann jene der Außenverteidiger an. Während es bei Salzburg und der Austria klare Stammbesetzungen gab, setzte Sturm auf mehrere unterschiedliche Außenverteidiger.

Die meisten Diagramme beinhalten drei verschiedene Daten, die sich in der Position (x- bzw. y-Achse) und der Größe des Datenpunkts widerspiegeln. Bei den Torhütern wurden folgende Daten ausgewertet: Anteil an Pässen des gesamten Teams (normiert auf 90 Minuten), Anteil der langen Pässe an allen eigenen Pässen und die Genauigkeit der Pässe in die gegnerische Hälfte. Damit lässt sich im Groben der Stellenwert des jeweiligen Tormanns im Aufbauspiel bewerten und die Charakteristiken im Passspiel herauslesen.

Bei den Außenverteidigern wurden die Einbindung ins Passspiel, die Grundposition und die Passrichtung ins Auge gefasst. Ersteres erfolgt wie bei den Torhütern anhand des Anteils an Pässen des eigenen Teams. Die Grundposition wird anhand der Verteilung der Pässe auf eigene und gegnerische Hälfte approximiert. In Hinblick auf die Passrichtung wurden nur jene in vertikaler Richtung – also nach vorne und zurück – berücksichtigt. Damit lässt sich eine Aussage darüber treffen, ob ein Außenverteidiger als Unterstützer für das Aufbauspiel eingesetzt wird oder ob er mit seinen Aktionen aktiv die Ordnung des Gegners stören soll.

Almer erfolgsstabilster Torhüter

Einen herausragenden Torhüter gab es in der österreichischen Liga schon längere Zeit nicht mehr. Das betrifft sowohl das klassische Spiel „auf der Linie“ als auch die Fähigkeiten im Stellungs- und Passspiel. Die meisten von ihnen greifen schon unter leichter Bedrängnis zu langen Bällen. Ligaweiter Spitzenreiter ist Christian Dobnik vom WAC, der über 94% seiner Pässe über eine Distanz von mindestens 25 Yards spielt. Die Tormänner der „Top 4“ sind erwartungsgemäß weiter hinten zu finden.

Rapids Jan Novota spielt von den vier untersuchten Torhütern die meisten seiner Pässe (73,3%) über längere Distanzen. Er wird, wie man in der obigen Grafik jedoch am wenigsten in das Aufbauspiel eingebunden. Eine logische Konsequenz des Bilds, das man vom Slowaken hat und bei dem vor allem dessen schwaches Spiel mit dem Fuß dominiert. Seine beiden Teamkollegen, Richard Strebinger und Tobias Knoflach, wurden in ihren Auftritten übrigens ebenfalls häufiger eingebunden und spielten weniger lange Pässe.

Am anderen Ende der Skala stehen die Austria-Schlussmänner. Robert Almer ist pro 90 Minuten an 8% der Pässe seines Teams beteiligt und nur rund 60% seiner Pässe sind lange Bälle. Auch bei der Genauigkeit der Pässe ist der ÖFB-Keeper ganz vorne dabei: 44,8% seiner langen Pässe und 36% seiner Pässe in die gegnerische Hälfte kommen zum Mitspieler – beides Topwerte. Dementsprechend ist Almers Datenpunkt der größte. Er hat in seinem Spiel zwar keine besonderen Charakteristiken, die gezeigte Konstanz macht ihn aber sowohl für die Austria als auch für das ÖFB-Team zu einem wichtigen Spieler.

Positionierung ≠ Einbindung

Die Position des Außenverteidigers wird landläufig als die am schwierigsten zu spielende Position betrachtet. Mit Blick auf die individuellen Fertigkeiten, die der moderne Fußball an einen Außenverteidiger stellt, mag das durchaus nachvollziehbar sein. Wohl auf keiner anderen Position muss ein Spieler, vor allem athletisch, ein dermaßen breites Fähigkeitenprofil aufweisen können. Andererseits sind die taktischen Abläufe, die man von den Außenverteidigern sieht, größtenteils gleich. Umso entscheidender kann ein gruppentaktisch intelligentes Einsetzen der Außenverteidiger sein.

Bei vielen Mannschaften sieht man mittlerweile im Aufbauspiel einen ähnlichen Ablauf: ein Sechser lässt sich zurückfallen und die Innenverteidiger fächern breit auf, sodass die Außenverteidiger weit aufrücken können um gegebenenfalls über die Seiten durchzubrechen. Die Folgewirkung des Aufrückens der Außenverteidiger kann dabei aber in vielen Fällen variieren, wie man anhand der nachstehenden Grafik ableiten kann. Die Größe des Datenpunkts repräsentiert dabei den effektiven Anteil an Vorwärtspässen: von der absoluten Anzahl an Pässen nach vorne wurde die Anzahl an Pässen zurück abgezogen.

Betrachtet man die Blasengröße, dann erkennt man zunächst, dass mit Ausnahme von Martin Ehrenreich alle Sturm-Außenverteidiger über dem Durchschnitt der effektiven Vorwärtspässe liegen. Zudem decken die Grazer das gesamte Spektrum der x-Achse ab, was bedeutet, dass die vier Spieler unterschiedlich stark ins Passspiel eingebunden werden. Die beiden Austria-Spieler hingegen sind sich ziemlich ähnlich: sie fallen mit ihren Passzahlen nicht nennenswert auf und werden eher unterstützend eingesetzt. Das heißt sie zeigen vergleichsweise wenige Zuspiele nach vorne und verbuchen ihre Pässe nicht überdurchschnittlich oft in der gegnerischen Hälfte.

Außenverteidiger, deren Passdaten diese Charakteristik aufweisen, müssen jedoch nicht zwingend auch positionell zurückhaltend agieren. Dies erkennt man einerseits daran, dass Christoph Martschinko von den hier angeführten Spielern durchschnittlich die meisten Flanken schlägt. Ein anderes Beispiel sind die Rapid-Außenverteidiger. Diese stehen im Aufbauspiel sehr hoch, was auf der einen Seite den Effekt hat, dass die gegnerischen Flügel zurückgedrängt werden, auf der anderen Seite aber dazu führt, dass sie nach vorne hin wenig sichere Anspielmöglichkeiten vorfinden.

Bei Red Bull Salzburg spielen die Außenverteidiger ebenfalls sehr hoch, sie werden jedoch komplett anders eingebunden, wie man anhand des Diagramms sieht. Innerhalb der Stichprobe haben Andreas Ulmer und Christian Schwegler nach Sturms Charalampos Lykogiannis den höchsten Anteil an effektiven Vorwärtspässen. Sie spielen diese aber wesentlich häufiger in der gegnerischen Hälfte als der Grieche. Ein erstes Indiz dafür, dass die Salzburger auch über zwei Jahre nach Roger Schmidt stets um Vertikalität bemüht sind. Ein Aspekt, den wir in den nachfolgenden Teilen weiter untersuchen werden.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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