Im zweiten Teil der abseits.at-Reihe über Zonenfußball erläutern wir wie ein Team korrekt verteidigt und wieso die „Zentralachse“ immer zugestellt werden muss. Außerdem wird... Zonenfußball (2) | Wie man kompakt von innen nach außen verteidigt

Im zweiten Teil der abseits.at-Reihe über Zonenfußball erläutern wir wie ein Team korrekt verteidigt und wieso die „Zentralachse“ immer zugestellt werden muss. Außerdem wird beschrieben, wie ein Team effektives und zugleich kraftsparendes Forechecking betreiben kann, ohne seine taktische Ordnung zu verlieren.

Taktische Ordnung bei gegnerischem Ballbesitz ist das Um und Auf beim Spielen mit Raum und Zeit. Ein Fußballplatz muss auf nationaler Ebene mindestens 90 x 45 Meter groß sein, international ist eine Spielfeldgröße von 100 x 64 Metern das Minimum, wobei das Feld für gewöhnlich vor allem in der Länge größer ist. Wenn der Gegner nun das Spiel aufbauen möchte, ist es eine wichtige Grundvoraussetzung des effektiven, kraftsparenden Verteidigens nicht über die gesamte Fläche des Platzes zu verteidigen, sondern den Raum (in dem alle 10 Feldspieler verteidigen müssen!) auf eine Größe von etwa 40×40 Meter zu komprimieren. Man spricht dann von „kompaktem Verteidigen“.

So sollte eine Mannschaft nicht verteidigen (Klick für größere Ansicht):

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Stattdessen muss das Team als Block verteidigen und als Ganzes defensiv oder offensiv verschieben. Eine derart kompakte Verteidigung kann sehr tief stehend fabriziert werden, indem das Team als verteidigender Block vom eigenen Sechzehnmeterraum aus verteidigt. In einer Variante, in der ein Team „höher“ verteidigt, muss auch der Torhüter aktiv am Verteidigungsspiel mitarbeiten: Er muss stets bereit sein einige Schritte aus seinem Tor zu machen, um etwaige Bälle in die Tiefe abzufangen, die seine Verteidiger nicht mehr erreichen können. Verschoben wird grundsätzlich als Mannschaft. Klar, dass diese Art der kompakten Verteidigung als Mannschaft ein hohes Maß an Konzentration bei jedem Spieler erfordert.

So sollte eine Mannschaft als Block verteidigen (Klick für größere Ansicht):

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Ein großer Vorteil einer derart organisierten Abwehr ist, dass das Team als Ganzes bei Ballgewinn schneller umschalten kann und sogar die Abwehrspieler (auch die Innenverteidiger müssen im Aufbau- oder Konterspiel einer Mannschaft tragende Rollen bekleiden!) ohne großen läuferischen Aufwand am Offensivspiel der eigenen Mannschaft teilnehmen können.

VON INNEN NACH AUSSEN VERTEIDIGEN

Die unmittelbare Gefahr ein Gegentor zu kassieren besteht im Speziellen über die Zentralachse des Spielfelds. Der direkte Torerfolg durch einen Schuss aus einer aussichtsreichen Position in der Zentrale ist logischerweise wesentlich höher als der direkte Torerfolg von einer Flügelposition. Daher ist es die oberste Maxime die Zentralachse zuzustellen, wenn man als Block verteidigt. Dies bedeutet, dass gerade die Außenverteidiger und Flügelspieler von innen nach außen und nicht umgekehrt verteidigen müssen.

Ein Gegenspieler, der auf der Seitenlinie klebt, muss nicht zwangsläufig überall hin verfolgt werden, weil von ihm keine unmittelbare Gefahr ausgeht. Verteidigt wird nicht gegen einzelne Spieler, die den Ball ohnehin nicht am Fuß haben, sondern nur gegen den Ball selbst. Wird einer der Flügelspieler vom Spieleröffner angespielt, so schieben seine direkten Gegenspieler, also Mittelfeldspieler (Flügel) und Außenverteidiger, wenige Meter nach außen, um ihn unter Druck zu setzen. Solange der gegnerische Flügelspieler den Ball nicht bekommt, ist es wichtiger die unmittelbare gefährlichere Zentralachse zuzustellen.

So sollte man nicht verteidigen (Klick für größere Ansicht):

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Die Verteidigung gegen den Ball und von innen nach außen ist effektiver, nicht kräfteraubend, sicherer und ermöglicht bei Ballgewinn schnellere Konterangriffe (Klick für größere Ansicht):

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Diese Art zu verteidigen steht in direktem Zusammenhang mit korrekt ausgeführten Pressing. Dieses sollte nie durch einzelne Spieler erfolgen, sondern als Mannschaft fabriziert werden. Ein einzelner Spieler setzt zwar den Ballführenden oder zum Beispiel den Flügelspieler, der den Ball erhält unter Druck, aber alle Teamkollegen unterstützen ihn beim aktiven Forechecking, indem sie ihre Staffelung auf die Seite des Ballführenden verlagern. Wenn dieser nach vorne keine Anspielstationen findet und den Ball wieder zurück passt (etwa zu einem Innenverteidiger oder einem defensiven Mittelfeldspieler) ist die „kompakte Verteidigung“ durch sofortiges Staffeln in Richtung Mitte mit nur wenigen Schritten aller Mannschaftsteile wiederherstellbar. Der Gegner wird also grundsätzlich auf Basis taktischer Cleverness attackiert und nicht von einem einzelnen Spieler, der Forechecking im herkömmlichen Sinn niemals über 90 Minuten durchhalten würde, „zu Tode gelaufen“. Wenn nur ein einzelner Spieler Pressing praktiziert, ist sogar eher das Gegenteil der Fall und er wird selbst schnell müde und ausgelaugt sein…

Im dritten Teil unserer Serie über Zonenfußball erfahrt ihr unter welchen Voraussetzungen der kompakt verteidigende Block auseinandergerissen werden muss und was dabei zu beachten ist. Außerdem: Was hat es mit der berühmten „Dreiecksbildung“ auf sich?

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen