Die Three Lions haben in diesem Turnier eine wirkliche Horrorgruppe gezogen. Mit Uruguay und Italien sind zwei Mitfavoriten auf den Titel wohl die Hauptrivalen... Luke Shaw, Ross Barkley, Raheem Sterling – Young-Lions vor ihrer ersten WM (3)

Fußball in EnglandDie Three Lions haben in diesem Turnier eine wirkliche Horrorgruppe gezogen. Mit Uruguay und Italien sind zwei Mitfavoriten auf den Titel wohl die Hauptrivalen ums Weiterkommen. Und in der heimischen Presse wurde alsbald diese Hürde als nicht zu schaffen eingestuft. Das Team, welches aller negativen Publicity zum Trotz an die Copa Cabana reist, besteht aus einigen erfahrenen Recken und vielen unerfahrenen Talenten, auf die wir nun einen Blick werfen wollen.

Sie sind alle auf dem internationalen Markt schon groß gehandelt, echte Stars, gerade als ihr Stern erst beginnt aufzugehen. Die englische Fußballlandschaft ist immer ein bisschen vorschnell, wenn es um die eigenen Talente geht. Und doch sind diese Jungs einen zweiten, genauen Blick wert.

Luke Shaw

Auch der erst 18-jährige Linksverteidiger ist eine der Entdeckungen der Saison, spielt wie der von uns schon beleuchtete Adam Lallana bei den Saints aus Southampton. Im Überraschungsteam der Saison trumpfte er so sehr auf, dass er trotz sichtbar nicht vorhandener internationaler Erfahrung einige Konkurrenten ausstach. So musste beispielsweise der ehemals wohl beste Linksverteidiger der Welt, Ashley Cole, zuhause bleiben und auch Kieran Gibbs, weite Teile der Saison als fester Bestandteil Arsenals bester englischer Außenverteidiger, schaffte es nicht einmal ins 30er Aufgebot.

Das Spiel des Emporkömmlings

Denn, anders als seine Kontrahenten, bringt er einen interessanten, ausgeglichenen Mix aus guter Dynamik und Athletik sowie gleichzeitig gutem Ballgefühl und taktischer Anpassungsfähigkeit an verschiedenste Situationen. Im Ballbesitzspiel Southamptons und dem der Nationalmannschaft kann er immer wieder als extrem zuverlässige Anspielstation dienen. Er weiß im richtigen Moment seine Position gut anzupassen, kein Wunder also, dass er schon jetzt mit Manchester United in Verbindung gebracht wird. Noch ein wenig unausgereift ist sein Verhalten in hoher Position, wobei er einfach gesagt noch zu wenig geradlinig bzw. zielstrebig agiert. Sicherlich ist es somit nicht verwunderlich, dass Leighton Baines als erfahrene Kraft bisher immer den Vorzug erhielt. Genauso klar scheint auch, dass Luke Shaws Zeit noch kommen wird, er ist Englands Zukunft.

Ross Barkley

Die nächste Entdeckung der Saison in der Premier League ist Evertons Ross Barkley. Der junge zentrale Mittelfeldmann zeigte im alles andere als typisch englischen System unter Roberto Martínez immer wieder herausragende Qualität und machte auch bei seinem Einsatz gegen Ecuador eine mehr als gute Partie für die Three Lions.

Die Spielweise vom Hoffnungsträger

Der 20-Jährige ist extrem athletisch, robust, beidfüßig und sehr innovativ im Vertikalspiel. Besonders bei seinem Verein, wenn er frontal nach durch starkes Pressing früh eroberten Bällen auf die Abwehr zulaufen kann, kommen seine Qualitäten voll zum Tragen. Noch nicht ganz so weit ist er in weniger optimal abgestimmten Gefügen, er braucht schlicht das blinde Verständnis mit seinen Mitspielern und für persönliche Laufwege. Er bekommt Probleme, wenn er selbst gegen tiefstehende Gegner aus dem Spiel heraus Gefahr entwickeln muss.

Raheem Sterling

Das letzte von uns beleuchtete Talent ist der erst 19-jährige Raheem Sterling, seines Zeichens schon mit 17 Jahren unter Rodgers extrem junger Debütant für den FC Liverpool. Er ist besonders im letzten Drittel der vergangenen Spielzeit wirklicher Stammspieler geworden, hatte einen Anteil an dem hervorragenden Abschneiden der Mannschaft. Charakterlich wirkt er manchmal ein wenig wild und unbeherrscht, scheint sich aber gebessert zu haben.

Sterling – schon jetzt ein Star der Mannschaft?

Ähnliches wie zu seinem Charakter lässt sich auch generell zu seiner Spielweise sagen. Er agiert immer mit viel Risiko, teilweise gelingen ihm dabei spektakuläre Zuspiele und Abschlüsse. In der Defensive ist er schon immer öfter gut engagiert. Und dennoch kann das hohe Risiko dann doch in die falsche Richtung führen. Teilweise versucht er zu Ambitioniertes und achtet generell wenig auf gruppentaktische Abläufe, macht in der Offensive noch zu oft, was er will und nicht, was passend ist. Er wird während der Weltmeisterschaft wohl noch nicht die große Rolle spielen.

Die Rolle von Englands Talenten – ein Fazit

Von den dreien von uns zuletzt vorgestellten kann man durchgängig sagen, dass dies wohl noch nicht ihre WM werden wird. Sie sind entweder selbst noch nicht weit genug (Shaw im Vergleich zu Baines, Sterling allgemein), oder ihre Stärken könnten im noch nicht weit fortgeschrittenen bzw. eingespielten Kollektiv untergehen (Barkley). Auch sind sie teilweise als große Hoffnungen in entscheidenden Situationen von Verletzungen geplagt (Chamberlain und besonders Wilshere). Aber es gibt auch junge Fußballer, die ihren Weg in die Stammelf gefunden haben (Sturridge, Lallana sowie Henderson). Und doch ist die Zeit wohl noch nicht reif, dass sie als funktionierende Einheit wirklich ganz groß aufspielen könnten.

Lennart Kühl, www.abseits.at

Lennart Kühl

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