Dass Deutschland schon wieder ein Duell mit Frankreich für sich entscheiden würde, dachte ich mir bereits vorab. Mit diesem „Matswinner“ (sic!) hätte ich aber... Die WM und ich – Viertelfinale: Deutschland gegen Frankreich

Fußball in DeutschlandDass Deutschland schon wieder ein Duell mit Frankreich für sich entscheiden würde, dachte ich mir bereits vorab. Mit diesem „Matswinner“ (sic!) hätte ich aber nicht gerechnet: Hummels köpfelte schon in der dreizehnten Minute das ausschlaggebende Tor zum Halbfinaleinzug der DFB-Elf. Gott sei Dank konnte ich da gerade eine Pause vom Küchenabbau machen und via TV in den schwarz-rot-goldenen Jubel eintauchen. Gestern habe ich meinen Arbeitsplatz just ins Haus meiner Großmutter verlegt, wo ich „nebenbei“ beim Entfernen der alten Kochstätte helfen musste: Gnä‘ Frau bekommt im 92. Lebensjahr noch eine neue Küche.

Die Mutter meiner Mutter gesellte sich auch alsbald zu mir an den Fernseher, schließlich ist sie ob ihrer Gebrechlichkeit nicht zum „Entweiden“ der „Kastl‘n“ befähigt. „Den kenn ich irgendwo her, aber ich weiß nicht mehr woher…“, murmelte sie beim Anblick des ARD-Experten Mehmet Scholl. Erstmals verfolgte ich ein WM-Spiel auf einem deutschen Sender und begutachtete das bei 34 Prozent der Deutschen beliebte Moderatoren-Duo Scholl und Opdenhövel. Oma schien es zu gefallen und es war ihr – als bekennendem Rapid„fan“ („Mein Vater war Slovan, mein Mann Austria – was hätt‘ ich da machen sollen?“) – nur Recht, als ich ihr mitteilte, dass die Pausenlänge nur 15 Minuten betragen würde. In den langen, kurzen 15 Minuten schalteten wir zum ORF um und wussten, warum wir das Spiel im deutschen Fernsehen verfolgt hatten: Was müssen die Franzosen jetzt machen?“„Zu 100% – ein Tor schießen.“ Vollkommen richtig.

Die Franzosen bekamen aber gerade das nicht hin, obwohl Benzema Neuer selbst in Minute 94 noch prüfte. „Les bleus“ müssen also mit dem Verlierer-Blues in die „Grande Nation“ zurückfahren. Immerhin versöhnten der beherzte Einsatz der Kicker und das Erreichen des Viertelfinales die Fans wieder und einten ein Land, das den Nationalstolz quasi erfunden hat. Nur EINE musste ätzen: Anara Atanes, Freundin des daheimgebliebenen Samir Nasri, fand schon bei der Nichtberücksichtigung ihres Herzbubens böse Worte für Teamchef Deschamps und den französischen Verband. Auch diesmal musste sie nachtreten: „Ups! Deshalb braucht ihr eure Weltklassespieler!“, teilte die Sängerin der Welt mittels twitter mit.

Ja, ja, an der Seite eines Fußballer zu leben, kann schon hart sein. Auch wenn Mehmet Scholl nur einen Traumberuf hat: „Spielerfrau bei Bayern München.“, möchte ich persönlich nicht mit diesen Damen tauschen. Jedoch ist eindeutig festzustellen, dass sich viele dieser Frauen auch aufgrund des eigenen Unvermögens in das Stereotyp à la „Sylvie Meis/ Ex-Van der Vaart“ hineinkatapultieren lassen.

Mit Köpfchen

…. musste der Mats Hummels sein Tor schießen. Seiner Freundin hätte die Benutzung des „Muskels“ zwischen den Ohren bereits vor der WM geholfen: Cathy Fischer hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine WM-Kolumne zu schreiben, um mit dem „Spielerfrau-Klischee“, wo sich alles nur um „Schön sein“ sowie „Fetzen und Schuach“ drehen würde, aufzuräumen. Gute Idee! Leider sah die Umsetzung bei Cathy wie folgt aus: Die Kolumne, die das grammatisch-unorthodoxen Wortspiel „Cathy Fischer geht Style“ oder „Style Pass“ als Titel trägt, handelt vorwiegend von CR7s Umgang mit seinem Körperhaar („Ronaldo hat rasiertere Beine als ich“) oder von ihren eigenen Fähigkeiten („Cathy knackt die Kokosnuss“– Kopfnüsse zu knacken hätte ihr vielleicht besser getan). Schon zu Beginn stellte Frau Fischer einige DFB-Spielerfrauen vor und bekannte selbstbewusst „Ich bin Spielerfrau und stolz darauf.“ Wer Wind sät, wird Sturm ernten – und so wehte Cathy nach diesen „Entgleisungen“ bald von allen Seiten Kritik entgegen. Der Bayerin wurde ein Shitstorm, der sich gewaschen hat, vor den Latz geknallt. Sogar aus der eigenen „Zunft“ bekam sie ihr Fett weg: Simone Ex-Ballack verspottete die BWL-Absolventin mit einem Parodie-Video. Auch der Bezahl-Sender SKY ließ den Vertrag mit seiner „Lifestyle“-Reporterin auslaufen, betonte aber, dass diese Vorgehensweise nichts mit der aktuellen Situation zu tun habe.

Frau Ballack entschuldigte sich später: Das sei alles nicht so ernst gemeint gewesen. Mit dieser Bitte um Vergebung stolperte auch die Mutter von drei Söhnen in die „Spielerfrau-Falle“: „Wir haben rumgeblödelt. – Ein Freund hat mich plötzlich gefilmt. –Poste das doch mal! –Ich hab ja nur Bekannte auf facebook. – Keine Absicht – Wir haben darüber gelacht und es ist alles gut zwischen uns.“ Das waren in etwa die Eckpfeiler der Ballack‘schen Erklärung.

Welch ein Zufall, dass bald darauf ein zweites (professionelleres) Video der geschiedenen Gattin des Ex-Chelsea-Spielers im Netz auftauchte. Frau Fischer ging darauf an und gelobte überdies Besserung: Ihr Ziel sei es, den deutschen Fans das Land Brasilien und die herrschende WM-Stimmung näher zu bringen. Das wolle sie in ihren nächsten Artikeln realisieren.

Der Mann einer bekannten Spielerfrau

Den Damen sei gesagt: Die meisten Menschen (geschlechtslos!), die sich für Fußball interessieren, interessieren sich für Fußball. Nebenprodukte (wie Seitenblickengeschichten) sind vielleicht für weibliche Fans reizvoller, aber diese gehen mit erfüllten Klischees à la Cathy Fischer noch härter ins Gericht als es die meisten Männer tun. Schließlich wissen sie, wie es ist, in einem männerdominierten Sport gegen Vorurteile ankämpfen zu müssen.

Frau Fischer hat sich mit der größten deutschen Boulevard-Zeitung auch nicht gerade einen Partner ausgesucht, bei dem sie politische und gesellschaftliche Missstände am Zuckerhut anprangern oder sozio-kulturelle Vergleiche ziehen kann. Vielleicht war ihr Projekt von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen.

Auch mir fällt es in dieser Kolumne schwer, kurz und knackig ein Thema rund um das letzte Weltmeisterschaftsspiel zu beleuchten. Cathy Fischers Versuch war (bisher) leider nix. Frei nach Karl Kraus: „Fischers Kolumne ist die Krankheit für deren Therapie sie sich hält.“

PS: Oma glaubt übrigens, dass Deutschland Weltmeister wird.

Marie Samstag, abseits.at

Marie Samstag

  • yaku

    7.Juli.2014 #1 Author

    auch wenn ich mich damit jetzt vielleicht unbeliebt mache (vielleicht sollte ich versichern, dass ich kein sexist bin): ich wusste gar nicht dass es diese kolumne von dieser fischer (zwar bestimmt schonmal gehört, aber ich interessier mich eben für fußball daher wieder vergessen) überhaupt gibt. und ich frage mich, warum das überhaupt auf abseits.at erwähnt wird?
    die bisherigen Marie Samstag – Artikel fand ich aber großteils ganz witzig zum lesen!
    auch wenn mir die wortspiele in ihrer häufigkeit beinahe auf die nerven gehn 😉

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  • Kris

    7.Juli.2014 #2 Author

    „aufgrund des eigenen Unvermögens in das Stereotyp à la „Sylvie Meis/ Ex-Van der Vaart“ hineinkatapultieren lassen“.
    Mmh, ich bin auch nicht so richtig im Thema Spielerfrauen, aber was ist den der Stereotyp Sylvie Meis? War doch schon vorher beruehmt (MTV), bevor Sie van der Vaart beheiratet hat. Glaube eher, dass hier die Ex-Partnerin von Olli Kahn besser passen wuerde.

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