Die mexikanische Nationalmannschaft verfügt über einen guten Mix aus jungen, talentierten Spielern, die in zahlreichen Jugendturnieren überzeugten und routinierteren Kickern. Sorgen bereitet den Fans... Mexiko und die Probleme in der Defensive: Kosten die langsamen Haudegen den Mexikanern Punkte?

Javier Hernandez Chicharito - MexikoDie mexikanische Nationalmannschaft verfügt über einen guten Mix aus jungen, talentierten Spielern, die in zahlreichen Jugendturnieren überzeugten und routinierteren Kickern. Sorgen bereitet den Fans am ehesten die Abwehr, denn die Spieler, die die Dreierkette bilden, sind allesamt nicht die schnellsten und haben insbesondere gegen wendige und technisch starke Gegenspieler Probleme. Das Mittelfeld und die Flügelspieler können sich aber durchaus sehen lassen.

Der Kampf um das Einserleiberl ist noch nicht ganz entschieden, ursprünglich sah es danach aus, dass José de Jesús Corona die besseren Karten in der Hand hält. Der Cruz-Azul-Keeper verfügt über ein gutes Stellungsspiel, starke Reflexe und kommt in Eins-gegen-Eins-Situationen explosiv aus dem Tor heraus. Sein größter Nachteil ist seine geringe Körpergröße, die gegnerische Mannschaften insbesondere bei Flanken ausnützen können. Er setzt somit nach Jorge Campos (1,75m) die Tradition der kleinen Torhüter in der mexikanischen Nationalmannschaft fort, auch wenn er um einige Zentimeter größer ist, als der 130-fache Nationalspieler. Beim 3:0-Testspiel gegen Israel verletzte er sich aber und musste nach einem Schlag auf den Kopf ins Krankenhaus eingeliefert werden. Sein Konkurrent ist Guillermo Ochoa, der seit 2011 beim AC Ajaccio in Frankreich spielt. Nach einem tollen Start im Verein ließ er zuletzt stark nach, was Trainer Miguel Herrera zum Cruz-Azul-Torhüter tendieren ließ. Durch die Verletzung, die Corona im Testspiel erlitt, steigen jedoch Ochoas Chancen auf einen Platz in der Startaufstellung.

Torhüter-5

Da Trainer Herrera in seiner Mannschaft nicht die richtige Mischung für ein 4-4-2-System vorfand, stellte er auf eine 5-3-2-Formation um, die prompt bessere Ergebnisse brachte. In der Abwehr-Dreierkette findet sich der ehemalige Barcelona-Innenverteidiger Rafael Márquez, der nach einem Gastspiel bei den New York Red Bulls wieder in seiner Heimat bei Club León spielt. Der 118-fache Nationalspieler verfügt über die meiste Routine in der Abwehr, allerdings sieht man ihm sein Alter an und seine Spritzigkeit ist längst verlorengegangen.

Neben ihm hat der 21-jährige Diego Reyes gute Chancen auf einen Stammplatz. Der junge Innenverteidiger wurde vor seinem Wechsel zum FC Porto zum besten Newcomer der mexikanischen Liga gewählt und ist besonders bei hohen Bällen stark. Ebenfalls Chancen auf einen Platz in der Startaufstellung hat der 26 Jahre alte Héctor Moreno, der Espanyol unter Vertrag steht. Francisco Javier „Maza“ Rodriguez ist der vierte Mann im Bunde, der auf Einsatzminuten hoffen darf. Der 33-Jährige hat 91 Länderspiele auf der Visitenkarte stehen und spielt momentan Club América. Trotz der großgewachsenen Abwehrspieler hat die Mannschaft immer wieder Probleme bei Standardsituationen, insbesondere bei Eckbällen die hoch in den Strafraum gespielt werden. Der 34-jährige Routinier Carlos Salcido vom Club Deportivo Guadalajara wird sich hingegen nicht viele Einsatzminuten ausrechnen dürfen.

Innenverteidigung-3

Die Außenverteidiger sind in Miguel Herreras 5-3-2-System zugleich die Flügelspieler und bekommen einen guten Mix aus Abwehrarbeit und Offensivaktionen hin. Miguel Layún kann auf beiden Flügeln spielen, bearbeitet aber in der mexikanischen Nationalmannschaft die linke Seite. Der 25-jährige Club-América-Spieler ist bei der Weltmeisterschaft durchaus für eine positive Überraschung gut, denn er befindet sich momentan in einer starken Form und zeigte im Nationalteam stets ansprechende Leistungen. Ihn zeichnet so wie sein Gegenüber auf der rechten Seite eine Pferdelunge aus – Layún kann auch bei hohen Temperaturen 90 Minuten Vollgas geben und verfügt über einen exzellenten Schuss.

Pferdelunge Nummer 2 auf der Außenbahn ist sein Mannschaftskollege bei Club América Paul Aguilar, der äußerst schnell ist und ebenfalls über einen guten Schuss verfügt. Die beiden sind zudem taktisch gut geschult und bewegen sich asymmetrisch zueinander. Wenn einer der beiden zu einem Sturmlauf über den Flügel ansetzt, dann sichert der andere situativ ab und verschiebt schräg nach hinten, sodass im Falle eines gegnerischen Konters nicht viel Platz bleibt. Dennoch liegen die Stärken der beiden Spieler eher in der Offensive.

Außenverteidigung-6

Im zentralen Mittelfeld sollte man Carlos Peña besonderes Augenmerk schenken. Die optische Kopie von Ruud Gullit ist hierzulande eher unbekannt, hat sich in seiner Heimat beim Club Leon aber schon längst einen Namen gemacht und wäre auch ein Wechselkandidat zu einem europäischen Spitzenklub. Er ist für die Organisation des mexikanischen Mittelfelds verantwortlich und gilt als typischer Box-to-Box-Spieler, der sowohl in der Defensive, als auch in der Offensive wertvolle Arbeit verrichtet.

Sein Mitspieler José Juan Vázquez könnte ebenfalls im Mittelfeld starten und wäre dann in erster Linie für die defensiven Aufgaben zuständig. Der 26-Jährige hat zwar erst zwei Einsätze im Nationalteam zu Buche stehen, zeigte aber auf Klubebene zuletzt starke Leistungen und wird von vielen Fans in die Startaufstellung gefordert. Eine weitere Alternative ist der 24-Jährige Hector Herrera, der sich in der vergangenen Saison vom Amateurteam in die Kampfmannschaft des FC Porto spielte und dort in 17 Partien drei Treffer erzielte.

Luis Montes (Leon), Juan Carlos Medina (Club América) und Marco Fabián (Cruz Azul) sind weitere Alternativen, die Chancen auf einen der drei Plätze im zentralen Mittelfeld haben. Zuletzt bietet sich auch der 23-Jährige Isaác Brizuela an, dessen Spielweise sein Spitzname “kleiner Hase“ weitgehend erklärt. Er ist ein quirliger, vielseitig einsetzbarer Mittelfeldspieler, dessen Stärken in der Offensive liegen. Mexiko ist in diesem Bereich stark und breit aufgestellt und Trainer Miguel Herrera darf sich auf einen beflügelnden Konkurrenzkampf freuen.

ZentralesMittelfeld-6

Die Flügel bestehen im 3-5-2-System aus den Außenverteidigern Miguel Layún und Paul Aguilar, die wir bereits oben behandelten. Noch einmal erwähnt seien hier aber die starken Antritte der beiden und die ausgezeichnete Kondition, die bei den hohen Temperaturen schlussendlich den Unterschied ausmachen können. Links wäre zudem Andres Guardado eine Option, der leihweise vom FC Valencia zu Bayer Leverkusen wechselte und vier Spiele für die Werksmannschaft bestritt. Guardado kann überall am linken Flügel eingesetzt werden, kämpfte aber in den letzten Monaten mit einer Muskelverletzung. Rechtzeitig zur Weltmeisterschaft wurde der 27-Jährige jedoch wieder fit. In offensiver Hinsicht kann man sich einiges von den Layún und Aguilar erwarten, zudem sie auch im taktischen Bereich gut aufeinander abgestimmt sind. Die Gegner werden sich vor allem von Layúns Distanzschüssen in Acht nehmen müssen.

Flügel-6

CoachMiguel Herrera hat im Angriff die Qual der Wahl und kann gleich auf mehrere interessante Stürmer zurückgreifen. Der ehemalige Barcelona-Legionär Giovani dos Santos spielt momentan beim FC Villareal und traf immerhin 11 Mal in 31 Partien. Chicharito kam bei Manchester United in dieser Saison nur zu sechs Einsätzen von Beginn an, sodass sein Platz in der Startaufstellung nicht gesichert erscheint. Eine Option wäre der 30-Jährige Oribe Peralta der für Santos Laguna in den letzten fünfeinhalb Saisonen 66 Treffer in 187 Spielen erzielte und insbesondere in den letzten Jahren aufblühte. Im mexikanischen Team hält er bei starken 16 Toren in 26 Einsätzen. Eine weitere Option stellt der 23-Jährige Club-América-Stürmer Raúl Jiménez dar, der in dieser Saison in 27 Einsätzen 12 Mal für seinen Verein traf. Schlussendlich ist auch der 23-jährige Alan Pulido ein Thema. Der junge Stürmer von den Tigres hat zwar erst vier Länderspiele bestritten, erzielte dabei aber ebenso viele Treffer.

Angriff-6

Stefan Karger

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