Der Kader der USA ist 2014 von überschaubarer Qualität. Das wahrscheinlich größte Problem der Amerikaner ist, dass die Stützen des Teams entweder in die... Stärken in der Offensive: Die flexiblen US-Boys gehen als Außenseiter in ihre Gruppe

Jozy Altidore (USA)Der Kader der USA ist 2014 von überschaubarer Qualität. Das wahrscheinlich größte Problem der Amerikaner ist, dass die Stützen des Teams entweder in die Jahre gekommen sind, gar nicht von Jürgen Klinsmann mitgenommen wurden (z.B. Rekordtorschütze Landon Donovan) oder aber unvorteilhafte Wechsel von starken in schwache Ligen unternahmen (Bradley, Beasley, Jones).

Im Tor der US-Boys ist der 35-jährige Tim Howard vom FC Everton gesetzt. Der ist zwar weiterhin ein richtig guter Keeper auf der Linie und spielte in 2013/14 eine recht gute Saison, allerdings hatte er auch haarsträubende Partien dabei, wie etwa bei der 0:4-Niederlage gegen Liverpool im Jänner. Aston-Villa-Keeper Brad Guzan (29) wird an Howard nicht vorbeikommen und der 34-jährige Nick Rimando von Real Salt Lake hat ohnehin nur Außenseiterchancen auf einen Einsatz.

Torhüter-5

Zur Überraschung vieler setzt Jürgen Klinsmann in der Innenverteidigung regelmäßig auf Matt Besler. Der 27-Jährige debütierte erst 2013 im Nationalteam, gehört seitdem aber zum Stamm. Besler, der erst mit 22 Profi wurde, spielt seit über drei Jahren für Sporting Kansas City und ist als Senkrechtstarter zu bezeichnen, dem es aber an internationaler Erfahrung fehlt. Beslers größter Vorteil ist seine herausragende Schnelligkeit. Ein bisschen mehr Erfahrung hat sein Nebenmann Omar González, der bei Los Angeles Galaxy unter Vertrag steht. Der 25-Jährige war immerhin kurz an den 1.FC Nürnberg ausgeliehen, machte dort aber keine Partie. González ist mit 196cm und 95kg ein richtiger Hüne und entsprechend unangenehm im Zweikampf. Teamneuling John Anthony Brooks (21 Jahre, 3 Länderspiele) von Hertha BSC ist das Backup für die Innenverteidigung.

Innenverteidigung-3

In der linken Verteidigung ist mit DaMarcus Beasley der routinierteste US-Teamspieler gesetzt. Der Linksfuß spielte früher für PSV Eindhoven, Manchester City, die Rangers und Hannover 96, steht nun aber seit fast drei Jahren in Mexiko bei Puebla unter Vertrag. Beasley ist nicht mehr so schnell zu Fuß wie früher, verbesserte dafür sein Defensivspiel in den letzten Jahren. Sein Ersatzmann ist der in München geborene Fabian Johnson, der nach der WM von Hoffenheim zu Mönchengladbach wechseln wird. Für die Spritzigkeit und den Offensivdrang des US-Teams wäre es wohl sogar besser, wenn Johnson statt Beasley spielen würde. Allerdings hat der 26-jährige Johnson auch die Möglichkeit als rechter Verteidiger oder im Mittelfeld eingesetzt zu werden. Beasley ist die defensiv sicherere Option.

In der rechten Verteidigung kann man mit Stoke-City-Legionär Geoff Cameron rechnen, der im Nationalteam aber auch immer wieder als Innenverteidiger zum Einsatz kommt und dort ein möglicher Starter anstelle von Omar González wäre. Eine Variante mit Cameron innen würde die USA stabiler machen, zumal Johnson auf rechts beginnen könnte und so mit González ein technischer Unsicherheitsfaktor wegfällt. Auch Timothy Chandler vom 1.FC Nürnberg ist ein potentieller Starter für die rechte Abwehrseite. Der gebürtige Deutsche spielte beim Absteiger aber eine durchwachsene Saison und hat nur Außenseiterchancen auf die Startelf. Der 20-jährige DeAndre Yedlin von den Seattle Sounders ist das Backup für den Worst Case.

Außenverteidigung-4

Das US-Team spielt mit Vorliebe ein 4-4-2 mit Mittelfeldraute und im zentralen Mittelfeld wird stets das Gerüst des Teams aufgeboten. Die defensive Mittelfeldposition nimmt mit Jermaine Jones eine echte Kampfmaschine ein. Der 32-jährige gebürtige Frankfurter spielt aktuell für Besiktas Istanbul und ist sicher nicht mehr der Gleiche, wie noch vor einigen Jahren. Dies ändert aber nichts daran, dass Jones durch seine Kampfkraft einer der wichtigsten Akteure der USA ist und bestimmt keine Minute aufhören wird zu kämpfen.

Die offensive Position, die mehr mit der eines Achters als eines Zehners zu vergleichen ist, nimmt Michael Bradley ein. Von 2005 bis 2014 spielte der 26-Jährige in Europa und durchlief Stationen wie Heerenveen, Mönchengladbach oder Roma. Im vergangenen Winter wechselte er aber überraschend zum Toronto FC und spielt seitdem in der Major League Soccer. Bradley ist ein harter Arbeiter mit großartiger Einstellung, der das Box-to-Box-Spiel beherrscht.

Backups im zentralen Mittelfeld sind der 23-jährige Mikkel Diskerud von Rosenborg BK, ebenfalls ein Box-to-Box-Spieler, allerdings mit etwas mehr Defensivfokus als Bradley und der 32-jährige Kyle Beckerman von Real Salt Lake. Aber auch der etwas offensiver ausgerichtete Brad Davis (32) kann eine Box-to-Box-Rolle übernehmen, ist aber eher ein Kandidat bzw. Backup fürs linke Mittelfeld.

ZentralesMittelfeld-5

Die Flügel sind im aktuellen US-System kaum als solche zu bezeichnen. Es handelt sich eher um klassische Mittelfeldspieler für die Seite, die sogar zentral eingesetzt werden können. Gesetzt ist Alejandro Bedoya. Der 27-jährige verbrachte den Großteil seiner Karriere in Schweden (Örebro, Helsingborg) und wechselte vor einem Jahr in die Ligue 1 zu Nantes. Bedoya ist recht schnell, gilt als guter Dribbler und kann auf beiden Seiten, sowie in der Mitte eingesetzt werden. Normalerweise spielte er im rechten Mittelfeld, aber im Zuge der Vorbereitung auf die WM wird er immer mehr auf der linken Seite forciert.

Somit dürfte Graham Zusi auf seiner angestammten Position als rechter Mittelfeldspieler auflaufen, auch wenn Zusi, wie Bedoya, mehrere Positionen bekleiden kann. Der 27-Jährige spielt bei Sporting Kansas City, ist ein guter Schütze und zugleich ein passabler Passspieler. Der auf längere Sicht interessanteste Spieler für die Außenpositionen ist aber der 18-jährige Julian Green, der in der abgelaufenen Saison in 23 Spielen für die Bayern München Amateure 15 Tore erzielte. Green bestritt erst ein Länderspiel und ist daher für die aktive Teilnahme an der WM 2014 Außenseiter, allerdings gilt der Rechtsaußen aus Tampa als größtes US-Talent seit langer Zeit.

Flügel-3

Die beiden Positionen im Sturm sind klar und deutlich vergeben: Der 31-jährige Teamkapitän Clint Dempsey nimmt die Rolle des antizipativen Stürmers ein. Seit etwa einem Jahr spielt Dempsey für die Seattle Sounders und in der laufenden Saison erzielte er acht Tore in neun Spielen. Der explosive und vor allem sehr flexible Dempsey kann praktisch auf allen Offensivpositionen eingesetzt werden und ist neben Jones und Bradley einer der Chefs im Team.

Vor einer interessanten WM steht auch Dempseys Sturmkollege Jozy Altidore. Der 24-Jährige wurde lange Zeit von der Werbeindustrie gehyped ohne wirklich etwas erreicht zu haben. 2012/13 erzielte der durchsetzungsstarke Angreifer aber 23 Saisontore für AZ Alkmaar und wurde daraufhin von Sunderland verpflichtet. In der Saison 2013/14 netzte Altidore aber nur einziges Mal für die Black Cats, während er für das US-Nationalteam in zwölf Spielen acht Tore machte.

Der erste Backup für Altidore ist sein Nachfolger bei AZ Alkmaar (17 Tore in der Saison 2013/14). Aron Jóhannsson ist 23 Jahre alt, hat isländische Wurzeln und gilt als filigranerer, aber ebenfalls durchschlagskräftiger Angreifer. Das zweite Backup ist mit dem 30-jährigen Chris Wondolowski ein echter Knipser, der erwartungsgemäß das Rennen gegen Rapid-Brecherstürmer Terrence Boyd gewann. Wondolowski spielt seit fünf Jahren für die San Jose Earthquakes und erzielte 80 Tore in 142 Spielen. Am Spiel selbst nimmt der 20-fache Teamspieler eher wenig teil, aber sein Torschnitt von 0,45 im Nationalteam kann sich ebenfalls sehen lassen.

Somit gibt es zwar für Clint Dempsey kein echtes Backup, aber die Dichte und Qualität im Angriff passt. Die Speerspitzen sind der größte Trumpf der USA. Und für den Fall, dass Dempsey sich verletzt, kann man immer noch das System umstellen, zumal auch sämtliche Mittelfeldspieler flexible Charaktere sind.

Angriff-6

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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