Nominell sieht die nigerianische Nationalmannschaft nicht schlecht aus. Aber die zusammengewürfelte Truppe von Teamchef Stephen Keshi agiert nicht gerade homogen und weist deutliche taktische... Fehlende Homogenität: Die Probleme von Nigerias „Super Eagles“

nigeriaNominell sieht die nigerianische Nationalmannschaft nicht schlecht aus. Aber die zusammengewürfelte Truppe von Teamchef Stephen Keshi agiert nicht gerade homogen und weist deutliche taktische Defizite auf. Schon heute gegen den Iran muss ein Sieg her, aber die Leistungen in der Qualifikation und in den Vorbereitungsspielen auf die WM verheißen nichts Gutes.

Das Pressing der Nigerianer läuft nicht mannschaftlich geschlossen ab und es laufen sich eher einzelne Spieler die Seele aus dem Leib und demnach oft hinten nach, anstatt sich auf eine vorsichtigere Pressingvariante zu spezialisieren. Die Passwege, die Nigeria im Umschaltspiel nach vorne benötigt, sind zu weit und so ist vieles von Einzelaktionen abhängig. Auch im Aufbauspiel hat Nigeria Probleme: Einerseits aus der Abwehr heraus, andererseits in der Offensive, in der es an Kreativität fehlt. Zu selten werden Torchancen durch gezielte, mannschaftlich strukturierte Spielzüge kreiert.

Pressing-3

Auch bei Kontern sind die Nigerianer anfällig, weil sich immer wieder Lücken im Zwischenlinienraum zwischen defensiven Mittelfeldspielern und der Viererkette auftun. Die Außenverteidiger sind wahrlich keine Koryphäen bzw. mit Ambrose auch ein Spieler, der aufgrund des Mangels an Klasseleuten auf dieser Position aus seinem natürlichen Naturell gerissen wurde. Die Innenverteidigung ist ebenso wie der nominelle Sechser auf Weltklasselevel kaum erprobt und speziell gegen die klar über Nigeria anzusiedelnden Argentinier, aber auch gegen Bosnien heiße Kandidaten für Überforderung. Einzig der Schlussmann der Nigerianer ist ein echtes defensives Asset dieser Mannschaft.

Stabilität-4

Flexibel ist die Truppe von Stephen Keshi zumindest auf individueller Ebene. Gerade die offensive Dreierreihe hinter Solospitze Emenike ist positionstechnisch flexibel und kann während des Spiels rochieren. Gleichzeitig „muss“ man aber in der Abwehr Flexibilität herstellen, weil die Kaderdichte gar nichts anders zulässt. Im Gegensatz zu der Offensive ist dies defensiv allerdings ein Nachteil. Systemtechnisch ist die Mannschaft unflexibel, spielt fast immer in einem 4-2-3-1 und ist durch die Gegner recht einfach zuzustellen. Zudem fehlen im Offensivspiel der Nigerianer die Überraschungsmomente, wodurch man zusammenfassend einen taktischen und auch spielerischen Mangel im Spiel der Super Eagles erkennt.

Flexibilität-4

Die Mannschaft Nigerias ist zusammengewürfelt, spielt in vielen verschiedenen Ligen und Ländern. Schon die Qualifikation zur WM bestritt man wenig überzeugend und in den letzten Testspielen vor der WM tat man sich gegen nominell schwächere oder gleichstarke Teams sehr schwer. Homogenität herrscht in der Mannschaft Nigerias – im Gegensatz zu den Endrunden 1994 und 1998 – keineswegs und aufgrund einer schaffbaren Gruppe ist der Druck auf die Grün-Weißen noch größer. Gegen den Iran wird ein Sieg gefordert, gegen Bosnien ein heißer Tanz. Nigeria wird mit diesem Druck kaum umzugehen wissen, auch weil das Momentum und die spielerische Verfassung gegen das Team sprechen.

Stimmung-3

Wenn im ersten Gruppenspiel gegen den Iran kein Sieg gelingt, kann man die WM praktisch schon abhaken. Die qualitative Diskrepanz zwischen Nigeria und Argentinien ist viel zu hoch, als dass die Super Eagles die Albiceleste ärgern könnten. Auch Bosnien wird ambitionierter zu Werke gehen als Nigeria. Trotz einiger guter Einzelspieler ist Nigeria als keine natürlich gewachsene Mannschaft zu bezeichnen und das Turnier 2014 wird für den Sieger des Afrika-Cups 2013 mehr als nur schwer.

Gesamtwertung_Nigeria

Mögliche Aufstellung

Die Mannschaft der Nigerianer stellt sich in einem 4-2-3-1 recht einfach auf, allerdings gibt es mögliche Positionsrochaden in der Offensive. Die Schlüsselfiguren sind aber neben dem taktgebenden Achter John Obi Mikel vor allem Torhüter Vincent Enyeama und Kapitän und Solospitze Emmanuel Emenike:

Nigeria-4-2-3-1

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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