Zum Start der neuen Bundesliga-Saison musste die Wiener Austria ins Ländle zum SCR Altach reisen. Dabei wollte man gleich zu Beginn mit einem... Analyse: Austria kommt im Ländle unter die Räder

 _Hannes Aigner - SC Rheindorf Altach

Zum Start der neuen Bundesliga-Saison musste die Wiener Austria ins Ländle zum SCR Altach reisen. Dabei wollte man gleich zu Beginn mit einem Erfolgserlebnis in die neue Spielzeit starten und Selbstvertrauen für die kommenden schwierigen und intensiven Wochen sammeln. Jedoch lief von Beginn an nahezu alles schief für die Veilchen und nach wenigen gespielten Minuten lag man bereits mit 0:2 zurück. Von dieser schlechten Anfangsphase erholte man sich kaum mehr, während im Gegenzug die Gastgeber immer selbstbewusster und giftiger wurden. Für die Altacher war dieses Spiel ein weiteres Highlight nach dem Aufstieg in die nächste Europacup-Runde und sorgt wohl zu Recht für eine breite Brust, mit der man die kommenden Aufgaben angehen wird.

Altach mit einer überraschenden Systemumstellung

Bei den Gästen aus der Hauptstadt gab es keine Überraschungen bei der Aufstellung. Der Spielgestalter Holzhauser musste aufgrund einer Sperre ersetzt werden und für ihn kam der wiedergenesene Serbest in die Mannschaft, während im Sturmzentrum der agilere Monschein den Vorzug vor Friesenbichler bekam. Bei den Gastgebern gab es hingegen einige Überraschungen in der Formation. Einerseits bekamen einige Leistungsträger nach anstrengenden Wochen eine Pause, andererseits passte man das eigene System an jenes des Gegners an und spiegelte quasi die 4-1-4-1 Anordnung der Austria einfach nach. Dabei übernahm Piesinger die Rolle als alleiniger Sechser vor der Abwehr, während Dobras und Nutz die Achterpositionen davor bekleideten.

Die Gäste schienen davon zu Beginn auch etwas überrascht – speziell vom aggressiven Pressing der Altacher. Dieses hohe Attackieren der Gastgeber fruchtete auch bereits nach wenigen Sekunden und sorgte damit für die frühe Führung der Vorarlberger. Nach einem Abstoß der Austria rückte man  konsequent mit sechs Spielern nach vorne in Richtung gegnerischer Strafraum und überraschte damit Serbest, der durch Filipovic in Bedrängnis gebracht wurde und den Ball prompt verlor, woraufhin Aigner an den Ball kam und sich die Gelegenheit zum Führungstreffer nicht nehmen ließ. Einen bitteren Nachgeschmack hatte der Treffer zum 1:0 jedoch aufgrund der klaren Abseitsstellung des Angreifers, die das Schiedsrichterteam übersah. Somit startete das Spiel denkbar ungünstig für die Veilchen, die sich von diesem Schock zunächst gar nicht erholen konnten.

Altach legt nach, Austria tut sich schwer

Die Gastgeber schienen nach der Führung noch gefestigter und zogen ihren Matchplan konsequent durch. Dabei begegnete man dem Spielaufbau der Austria folgendermaßen, indem man sich meist im 4-1-4-1 zurückzog und erst im Umkreis der Mittellinie konsequenter attackierte. Dabei behielt man das Augenmerk auf die beiden zentralen Mittelfeldspieler Serbest und Grünwald, die man konsequent mittels Mannorientierung verfolgte und die Spieleröffnung den Innenverteidigern damit aufzwang. Die Austria tat sich zunächst schwer, die offenen Räume hinter dem Mittelfeld der Altacher zu bespielen, da auch die Verteidiger der Vorarlberger immer wieder geschickt aus der Abwehr herausrückten und viele Situationen gut antizipierten. So kam das Spiel der Gäste kaum in Fahrt.

Darüber hinaus wirkten die Gastgeber von Anfang an wesentlich spritziger und giftiger in den Zweikämpfen, wodurch die Altacher immer wieder aussichtsreiche Ballgewinne verbuchen konnten und einige gefährliche Situationen kreierten. Gleichzeitig präsentierte sich die Austria fahrig und nachlässig, so auch beim 2:0-Treffer der Gastgeber. Tajouri verlor seinen Gegenspieler auf der Außenbahn aus den Augen, Westermann klärte den Ball nicht entschlossen genug und Dobras baute per Traumtor die Führung der Altacher weiter aus.

Auch danach wurde das Spiel der Gäste zunächst nicht besser und es schlichen sich immer wieder Unkonzentriertheiten ein. Darüber hinaus offenbarten sich viele Löcher in der eigenen Formation, weil speziell die Flügelspieler zu nachlässig gegen den Ball arbeiteten und das Zentrum zu große Räume zu verteidigen hatte, was sich naturgemäß negativ auf die eigene Kompaktheit auswirkte. Auch in der Offensive konnte man sich zu selten in Szene setze, da man entweder nicht genau genug spielte oder falsche Entscheidungen traf.

Austria findet langsam ins Spiel und übernimmt die Kontrolle

Erst nach gut 20-25 Minuten wurde das Spiel der Veilchen etwas besser. Dabei sorgte man mit Anpassungen im Spielaufbau für eine stabilere Ballzirkulation, indem sich Grünwald nicht mehr so konsequent nach hinten fallen ließ, sondern gemeinsam mit Prokop etwas weiter nach vorne schob. Dadurch wurden die Altacher zurückgedrängt und die Austria sorgte so für mehr Platz, was sich sofort positiv auf das eigene Spiel auswirkte. Man nutzte dabei vor allem die rechte Seite für kleinräumige Kombinationen, wo speziell der junge Prokop sich immer wieder geschickt einbinden konnte und das Spiel damit belebte.

Jedoch wurde es nur selten richtig gefährlich, da man im letzten Drittel auch weiterhin meist zu fehlerhaft agierte. Es mangelte auch an der letzten Durchschlagskraft und das eigene Gegenpressing kam kaum in Gang, da man zu weit auseinander stand und nicht genügend Druck auf Ball und Gegner ausüben konnte. Dadurch konnte sich auch Altach immer wieder durch kleine, kurze Ballkontakte befreien und für Entlastung sorgen, während man gleichzeitig speziell durch die beiden Flügelspieler im Umschalten immer gefährlich blieb. So blieb auch weiterhin viel Stückwerk im Spiel der Austria und Cheftrainer Thorsten Fink ging sichtlich unzufrieden in die Halbzeitpause.

Auf kurzes Aufbäumen der Austria folgt endgültiges Entgleiten der Partie

Die Austria reagierte zur Halbzeitpause und brachte mit Friesenbichler einen zusätzlichen Stürmer in die Partie und veränderte die eigene Formation hin zu einem 4-4-2. Dabei schien die Halbzeitansprache des Trainers zunächst Früchte getragen zu haben, denn die Gäste präsentierten sich nun wesentlich zielstrebiger und kamen zu einigen gefährlichen Situationen. Jedoch dauerte die violette Drangphase nicht allzu lang, da Altach nach einer gelungenen Aktion und der Chance auf die Vorentscheidung durch Gebauer wieder in die Partie zurückfanden.

Die Gäste wurden noch dazu von Minute zur Minute löchriger und offenbarten durch die Systemumstellung bzw. das erhöhte Risiko riesige Freiräume für den Gegner. Die Altacher hatten keine Mühe diese zu bespielen und konnten so Konter um Konter fahren, da die Austria kaum Druck auf den Ball, geschweige denn eine kompakte Formation zustande brachte. Die Mannschaftsteile wirkten überhaupt nicht homogen und die Abstände blieben viel zu groß. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die endgültige Entscheidung fiel.

Das 3:0 offenbarte dann auch die Problematik in der Defensive, indem die Austria erneut keinen Druck auf den Ball bekam und die Altacher mühelos von einer Seite auf die andere verlagern konnten und weder bei der nachfolgenden Flanke, noch beim Kopfball behindert wurden, wobei auch dieses Tor wohl aus einer knappen Abseitsposition zustande kam. Damit war das Spiel endgültig entschieden, wobei es noch auf beiden Seiten Gelegenheiten zu weiteren Treffern gab.

Fazit

Die Austria startet durch die deutliche Niederlage bei den Altachern mit einem Negativerlebnis in die Saison. Dabei präsentierte man sich über weite Strecken zu fahrig und körperlich bei weitem nicht so spritzig wie der Gegner. Darüber hinaus erwischten wichtige Stützen einen ganz schlechten Tag und es blieb vieles im Spiel der Veilchen sowohl in der Offenisve, als auch in der Defensive nur Stückwerk. Als würden diese Probleme nicht genügen, hatte man auch bei den Entscheidungen des Schiedsrichtertrios Pech.

Die Altacher hingegen befinden sich nach dem verdienten Sieg auf einer Erfolgswelle und feiern eine gelungene Generalprobe für das Europacupspiel am Donnerstag. Dabei waren der Mannschaft keinerlei Strapazen von den vergangenen Wochen anzumerken und darüber hinaus wurde man durch das Trainerteam nahezu perfekt auf den Gegner eingestellt. Mit dieser Leistung setze man ein Ausrufezeichen und machte klar, dass man wieder zu alter Heimstärke zurückfinden möchte.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic

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