Am vierten Spieltag der österreichischen Bundesliga empfing die Wiener Austria die Admira, die den kurzen Weg aus der Südstadt an den Verteilerkreis in... Analyse: Flexible Austria bezwingt junge Admiraner

 

Am vierten Spieltag der österreichischen Bundesliga empfing die Wiener Austria die Admira, die den kurzen Weg aus der Südstadt an den Verteilerkreis in das neue Austria-Stadion antreten musste. Dabei war die Ausgangslage für die Veilchen für das Spiel klar: Nach den beiden Niederlagen zuletzt war alles andere als ein Sieg inakzeptabel und es mussten drei Punkte her. Gelingen sollte dieses Unterfangen mit der geballten Power an vorderster Front und die Stürmer sollten ihre Torsperre endlich durchbrechen. Auf der anderen Seite wollten auch die Admiraner ihre Ladehemmung ebenfalls durchbrechen, nachdem die eigene Offensive bislang nur ein einziges Mal anschreiben konnte und man sich im Angriffsspiel meist als zu harmlos präsentierte. Das sollte sich gegen die Austria nun ändern und man ging durchaus mutig an diese Aufgabe ran.

Austria mit drei Stürmern, aber gleichem System

Nach der Niederlage in Salzburg gab es bei den Veilchen personell nur eine Umstellung, es rutschte nämlich Stürmer Christoph Monschein für den angeschlagenen Demaku in die Mannschaft, wobei er auch deshalb den Vorzug bekam, weil der gesetzte Prokop unter der Woche erkrankte und nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. So gab es bei der Austria eine Premiere, nämlich dass man mit drei Stürmern gleichzeitig ins Spiel ging, von denen man ja genügend im Kader hat. Das System veränderte sich dabei allerdings nicht und man blieb beim üblichen 4-3-1-2, denn statt Prokop rutschte der israelische Nationalspieler Turgeman auf die „Zehn“ und agierte daher etwas hängend, während Edomwonyi und eben Monschein die Sturmspitzen gaben.

Auf der anderen Seite musste die Admira mit Zwierschitz auf einen der verbliebenen Routiniers verzichten, da dieser vor kurzem Vater wurde und einige Tage frei bekam. Für ihn rutschte U19-Nationalspieler Aiwu in die Mannschaft und senkte den bereits jungen Altersdurchschnitt noch mal merklich. Systematisch änderte sich bei den Südstädtern dafür wenig, man agierte wie gewohnt aus einer 4-4-2-Formation heraus, die man in einigen Punkten auf den Gegner spezifischer anpasste. Man wählte zunächst eine etwas tiefere Verteidigungslinie und formierte sich um den Mittelkreis herum in einen kompakten Block, der versuchte das Zentrum zu verdichten und die Abstände eng zu gestalten, damit der Gegner nicht in diese Zone vordringen konnte. Eine Schlüsselaufgabe nahmen dabei die beiden Stürmer Jakolis und Bakis ein, denn die mussten dafür sorgen, dass die Austria nicht über das Zentrum aufbauen konnte und sie sollten eben diese Passwege zustellen, aber dabei auch den Sechser und Ex-Admiraner Ebner im Auge behalten, damit dieser sich nicht aus ihrem Blickfeld lösen und anspielbar gemacht wurde.

Dahinter rückte auch das Mittelfeld recht nah an die beiden Stürmer heran und versuchte enge Abstände zu gewährleisten, wobei man de facto aus einer 4-2-2-2-Formation heraus agierte, da die beiden Flügelspieler etwas versetzt standen und kurzfristig auch mal ein 4-3-3 herstellten. Die Defensivformation der Admira kann man beim ersten Bild auch recht klar erkennen:

Die Austria im Spielaufbau, die Admira formiert sich zu einem raumorientierten und kompakten 4-2-2-2 mit klarem Fokus auf das Verschließen der zentralen Räume, damit die Violetten auf den Flügel ausweichen müssen.

Zum 4-3-3 wurde die Formation der Admira dann, sobald der erste Teil des eigenen Matchplanes griff, nämlich die Austria auf den Flügel zu leiten bzw. zu zwingen. Sobald dann der violette Außenverteidiger angespielt wurde, rückte ein Flügelspieler heraus und stellte diesen, um ein Vorwärtskommen zu erschweren und zumindest einen Rückpass zu erzwingen. Das Mittelfeld verschob dabei mit nach und versuchte die vertikalen und diagonalen Passwege zu verschließen, während der eigene Außenverteidiger einen ausweichenden Stürmer in Manndeckung nahm. Gelegentlich versuchte man dabei auch den Rhythmus etwas zu verändern und nicht nur abwartend zu agieren, sondern die Violetten auch vorne anzupressen und zu Fehlern zu zwingen. Allerdings klappte dies nur unzureichend und die Austria konnte sich einige Male relativ einfach aus diesem Pressing befreien.

Der Plan der Admira klappte zu Beginn dennoch recht gut, denn die Austria wurde erfolgreich aus dem Zentrum ferngehalten und auf den Flügel gedrängt, wo man sich mühsam durchspielen musste. Daher mussten sich die Veilchen auch etwas einfallen lassen und man setzte auf viele schnelle Spielverlagerungen, um den Block der Südstädter in Bewegung zu bringen und aufzureißen. Dabei wichen sowohl Edmonwonyi, als auch Monschein sehr viel auf die Seite hinaus und agierten sehr oft de facto als Flügelstürmer, um im eigenen Positionsspiel für ausreichend Breite zu sorgen. Aber nicht nur das, sie attackierten auch permanent die Schnittstellen der Abwehr mit Läufen in die Tiefe und versuchten Verwirrung zu stiften. Man agierte dahingehend auch variabel, da die Außenverteidiger auch mal weiter nach vorne schoben und situativ Breite gaben, während sich die Mittelstürmer im Zentrum ballten. Darüber hinaus kippte auch Matic immer wieder auf die Seite hinaus und er ließ sich speziell im Aufbauspiel oft in den linken Halbraum fallen, um das Spiel von dort aus nach vorne zu tragen und in höhere Zonen zu verlagern.

Doch es dauerte etwas, bis der Motor der Veilchen ins Rollen kam. Dabei machte man zunächst von der eigenen Stärke im Umschaltspiel gebrauch, um in Führung zu gehen. Nach einem langen Ball von Grünwald kam der dynamische Monschein vor dem gegnerischen Verteidiger an den Ball und leitete ihn zu Edomwonyi weiter, der alleine vor dem Kasten die Ruhe behielt und überlegt zum 1:0 einschob. Ab da an lief das „Werkl“ in der Offensive etwas runder und angetrieben von Matic und Grünwald erlangte man die Überhand im Zentrum, spielte aber auch immer wieder im richtigen Moment auf den Flügel und variierte dahingehend, wobei speziell Stürmer Monschein einige gute Momente zeigte und sich immer wieder stark lösen und durchsetzen konnte. Wenig später legte man dann sogar noch einen weiteren Treffer nach. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld schaltete Kapitän Grünwald blitzschnell um und bediente mit einem tollen Schnittstellenpass Edomwonyi, der erneut die Ruhe behielt und seinen zweiten Treffer an diesem Tag markierte.

Mit dem komfortablen 2:0 nach einer halben Stunde sollte man meinen, dass bei der Austria alles wunderbar lief und man gegen die junge Admira problemlos auf der Siegesstraße lag. Doch dem war in Wirklichkeit nicht so, denn bereits vor bzw. nach der Führung machten sich auf Seiten der Violetten einige Schwierigkeiten in der Defensive bemerkbar. So gab es bei der Absicherung einige seltsame Staffelungen zu sehen und Innenverteidiger Igor wurde auch mal alleine auf weiter Flur in ein Eins gegen Eins Duelle geschickt.

Wesentlich größere Probleme hatte man allerdings zum wiederholten Male auf der rechten Seite, wo man Schwierigkeiten hatte, den Raum zu verschließen und den Gegner zuzustellen, speziell wenn man aktiver ins Pressing ging und versuchte Druck auf die Admira zu machen. Wie öfters angemerkt, müssen die Achter der Veilchen auf die gegnerischen Außenverteidiger herausrücken und  dadurch zum Teil weite Wege gehen. Die Admira versuchte dies gezielt auszunutzen und die eigene linke Seite mit ausweichenden Bewegungen von Stürmer Jakolis zu überladen und ein Dreieck zu bilden, um sich aus dieser Region nach vorne zu kombinieren. Die großen Freiräume auf der Seite kann man im nächsten Bild gut sehen:

Die Admira in Ballbesitz, die Austria in personam Grünwald versucht auf die Seite zu eilen und Druck zu machen, man steht allerdings alles andere als kompakt und die Admiraner finden eine Gleichzahlsituation und viel Raum auf dem Flügel bzw. im Halbraum vor, um sich nach vorne zu spielen.

Die mangelhafte Kompaktheit der Veilchen hing nicht nur an den zu weiten Wegen für die beiden Achter, sondern vor allem auch an der mangelhaften Defensivarbeit der drei Angreifer, was man auch am letzen Bild gut erahnen kann. Nach Ballverlust waren diese oft aus dem Spiel und arbeiteten nur unzureichend nach hinten, weshalb die drei zentralen Mittelfeldspieler große Räume  abzudecken hatten, aber auch gleichzeitig auf den Flügel herausrücken mussten, um die Außenverteidiger zu stellen. Ein Laufpensum, was man auch ohne 35 Grad im Schatten nur schwer packt. So war man weder im Zentrum, noch auf der Seite richtig präsent und stand oft zu weit auseinander. Durch diese Unzulänglichkeiten und die mangelhafte Kompaktheit kamen die Admiraner zu einigen guten Gelegenheiten auf den Anschlusstreffer und konnten sich immer wieder über die Flügelzonen nach vorne kombinieren und die Austria dadurch immer wieder aufreißen, wodurch die Gastgeber kaum Zugriff auf die junge Mannschaft der Niederösterreicher bekam.

Diese Problematik entging auch Austria-Trainer Letsch nicht, der an der Seitenlinie immer aufgebrachter wurde und versuchte, die Arbeit gegen den Ball in die richtige Bahn zu lenken. Als die Admira zum zweiten Mal Aluminium traf und das Spiel endgültig zu kippen drohte, rückte er erstmals in dieser Saison von seiner 4-3-1-2-Formation ab in der Hoffnung, die Defensive zu stabilisieren und die Probleme in den Griff zu bekommen. Daher stellte man nach gut 40 Minuten auf ein 4-3-3/4-2-3-1-System um und beorderte Monschein und Edomwonyi auf die Seiten, um die Schwierigkeiten auf den Flügelzonen in den Griff zu bekommen und sich da nicht mehr so einfach ausspielen zu lassen. Die Umstellung kann man auf dem nächsten Bild gut erkennen:

Da man die Flügelangriffe der Admiraner nicht in den Griff bekam, stellte man nun auf ein 4-3-3/4-2-3-1 um, damit man besseren Zugriff auf den Flügel bekommt und kürzere Wege zum Attackieren vorfindet.

Die Austria überstand dadurch die Phase bis zum Halbzeitpfiff zwar ohne Gegentor, die Umstellung sollte sich allerdings vor allem in der zweiten Halbzeit bezahlt machen.

Austria übernimmt völlig die Kontrolle und dominiert das Spielgeschehen

In der Halbzeitpause hatte man nochmal etwas Zeit, etwas genauer an der Raumaufteilung zu feilen und den Spielern neue Anweisungen mit auf den Weg zugeben. Austria-Trainer Letsch schickte seine Mannen nun endgültig mit einem klaren 4-3-3 auf das Feld, wobei man von nun an quasi mit einer Doppelsechs  (bestehend aus Ebner und Matic) agierte, wobei Matic auch viel mit nach vorne ging und Ebner den absichernden Part gab, während sich Kapitän Grünwald etwas höher und damit hinter den drei Spitzen aufhielt. Darüber hinaus arbeiteten die drei Angreifer nach einer Standpauke einerseits wesentlich aktiver gegen den Ball, bekamen im Offensivspiel dafür im Gegenzug viele Freiheiten und agierten sehr fluide, wodurch die Stürmer überall auftauchten und sich viel untereinander abwechselten. Dadurch war man für den Gegner noch unangenehmer und konnte so erfolgreich Verwirrung stiften.

Doch das Offensivspiel war schon in der ersten Halbzeit nicht das große Problem, sondern eher die eigene Defensive und die fehlende Kompaktheit. Auch diesen Aspekt bekam man durch die Adaptierungen in den Griff und hatte durch die angepasste Struktur nun auch besseren Zugriff im Gegenpressing nach Ballverlust, wobei vor allem die Doppelsechs in der Hinsicht sehr stark agierte und viele Bälle bereits frühzeitig wieder erobern konnte. Dadurch nahm die Frequenz der Admira-Konter deutlich ab und die Südstädter kamen kaum noch aus der eigenen Hälfte heraus. Die Austrianer entwickelten eine klare Dominanz, spielten sehr gefällig und flexibel, hatten aber auch eine sehr gute Balance in ihrem Spiel und konnten vor allem über die ausweichenden Monschein und Turgeman immer wieder schnelle Angriffsaktionen initiieren.

Man münzte diese Dominanz auch schnell zum dritten Treffer um und der bärenstarke Matic krönte seinen starken Auftritt mit seinem ersten Tor im violetten Trikot. Dadurch war das Spiel letztlich vorzeitig entschieden und der Wille der jungen Admiraner endgültig gebrochen. Die versuchten ihrerseits noch zuvor ebenfalls mit einer Umstellung noch besseren Zugriff zu erhalten, indem die beiden Stürmer direkt auf die Innenverteidiger beordert wurden, während ein Sechser zusätzlich nach vorne rückte, um auch im Pressing besseren Zugriff zu bekommen, allerdings umspielten dies die Veilchen recht clever und nutzen die Freiräume dahinter immer wieder klug aus. Vor allem im Zentrum konnte man durch das eigene 4-3-3 gegen das gegnerische 4-4-2 die Überzahl gut ausnutzen und so den Gegner immer wieder nach hinten drücken und ausspielen, wie man am nächsten Bild gut erahnen kann:

Austria im Ballbesitz, man bildet im Zentrum ein Dreieck und hat dadurch in dieser wichtigen Region Überzahl, weshalb man sich auch relativ einfach nach vorne kombinieren kann und die gegnerischen Sechser Probleme beim Zugriff bekommen.

Dadurch entwickelte sich auch die restliche zweite Halbzeit zur Einbahnstraße und die violetten Gastgeber erspielten sich eine Vielzahl an gefährlichen Situationen und man ruhte sich nicht auf dem Ergebnis aus. Diese Attitüde wurde dann auch noch mit einem weiteren Treffer belohnt, nachdem Matic mit einem schönen Antritt durchbrach und sein Schuss vor die Füße von Kapitän Grünwald fiel, der nur noch Danke sagen musste und zum 4:0-Endstand traf.

Fazit

Die Austria feierte letztlich einen klaren 4:0-Heimsieg und findet nach zuletzt zwei sieglosen Spielen endlich wieder auf die Siegerstraße zurück. Dabei war das Spiel allerdings vor allem im ersten Durchgang bei weitem nicht so klar, wie es das Ergebnis vermuten ließ. Die Probleme auf dem Flügel und mit der mangelnden Kompaktheit wurden von den Admiranern gut offengelegt und bespielt, wodurch man speziell nach dem 2:0 mehr als nur wackelte und Glück hatte, nicht den Anschlusstreffer zu kassieren und das Spiel womöglich zum Kippen zu bringen.

Allerdings erkannte Austria-Trainer Letsch die Probleme recht klar und handelte nach der dritten Großchance umgehend, um das Ergebnis nicht in Gefahr zu bringen. Mit dem Abrücken vom 4-3-1-2 und der Umstellung zu einem 4-3-3 fand der Deutsche die richtige Antwort  auf die Probleme seiner Mannschaft und konnte das eigene Spiel wieder stabilisieren. Durch dieses gute In-Game-Coaching erlangte man die Kontrolle der Partie endgültig zurück und münzte diese Dominanz auch in einen deutlichen Heimsieg um, der zweifellos Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben gibt.

Die Admiraner hingegen müssen sich erneut geschlagen geben und zum wiederholten Male Lehrgeld bezahlen. Zwar machte man vor allem in der ersten Halbzeit keine schlechte Partie und legte sich einen guten Matchplan zurecht, allerdings agierte man in den entscheidenden Momenten zu nachlässig und ließ vor allem einige Hochkaräter liegen, was wohl der Knackpunkt in dieser Partie war. In der zweiten Halbzeit fand man dann auf die Umstellungen der Austria keine Antwort mehr und hatte der deutlichen Überlegenheit der Gastgeber nichts mehr entgegenzusetzen, weshalb das Ergebnis letztlich auch so deutlich ausfiel. Allerdings präsentierten sich die Südstädter dennoch besser als noch zu Saisonbeginn und die Hoffnung bleibt, dass man sich mit der Zeit noch besser einspielt und wieder positive Ergebnisse in der Liga einfährt.

Dalibor Babic, abseits.at

Dalibor Babic