Der SK Rapid verlor am 23.April 2017 auch sein zweites Heimderby im Weststadion gegen die Wiener Austria. Die Veilchen haben damit im neuen Zuhause... Analyse: Pomadiger SK Rapid lässt sich von der Austria auskontern

Rapid Austria Wiener Derby

Der SK Rapid verlor am 23.April 2017 auch sein zweites Heimderby im Weststadion gegen die Wiener Austria. Die Veilchen haben damit im neuen Zuhause der Hütteldorfer weiterhin eine weiße Weste, kassierten gegen die Hausherren noch keinen Treffer.

Die beiden besten Austrianer der letzten Wochen, Lucas Venuto und Felipe Pires, entschieden die Partie zugunsten der Violetten. Rapid präsentierte sich dabei pomadig, war darauf bedacht, keine Fehler zu machen. Während keines der Teams echte Feldüberlegenheit ausstrahlen konnte, bestrafte die Austria Fehlpässe und die Zweikämpfe, die Rapid nicht intensiv genug führte, eiskalt.

4-2-3-1 der Austria wesentlich dynamischer

Der Reihe nach: Beide Trainer schickten ein 4-2-3-1-System auf den Rasen. Rapid spielte dabei mit Flügelspielern, die ihre Stärken im Stand haben, während die Austria etatmäßig ihre dynamischen Flügelstürmer aufbot. Mit ihnen kam Rapid nie zurecht und auch der häufiger in die Tiefe gehende Kayode strahlte deutlich mehr Gefahr aus als Joelinton, der die meiste Zeit mit dem Rücken zum Tor verbrachte.

Game Changer: Holzhauser „eines weiter vorne“

Der wichtigste Schachzug in den Aufstellungen betraf aber das zentrale Mittelfeld der Austria. Raphael Holzhauser wurde von der Sechs auf die Acht gezogen, Tarkan Serbest gab den abkippenden Sechser. Dass Holzhauser praktisch auf einer Linie mit Grünwald spielte und damit in einer höheren Feldposition mehr Freiheiten genoss, überforderte die Hütteldorfer.

Die Austria lässt Rapids Zentrale nachlaufen

Serbest bewies, dass er auch als Metronom fungieren kann, Holzhauser war zugleich ein wichtiger Stabilisator, die Austria-Zentrale am Ball deutlich besser als Rapids Mittelfeld. Daraus resultierte, dass Schwab und Auer kaum in die Zweikämpfe kamen. Die Doppelacht Rapids bestritt in der gesamten Partie zusammen nur 14 Duelle. Ausgerechnet Schwab, am Ball einer der schwächsten Rapidler, gewann alle seine acht Zweikämpfe bzw. Kopfballduelle. Das brachte allerdings nichts.

Auer souverän, aber kein potentieller Matchwinner

Gleichzeitig war Stephan Auer überraschenderweise der Spieler mit der zweitbesten Passquote auf dem Feld. Der 26-Jährige war Rapids Bester und löste die meisten seiner Aufgaben – im Rahmen seiner technischen Möglichkeiten – gut. Er beschränkte sich auf einfache Pässe, erzielte dennoch häufig kleine Raumgewinne. Gleichzeitig war dies aber auch das große Problem der Rapid-Zentrale.

Erneut zu wenig Tiefe bei Rapid

Während die Austria es immer wieder schaffte, die Bälle aus dem Zentrum auf die starken Flügel zu verlagern, holte Rapids Zentrale kaum etwas Zählbares heraus. Man suchte zu selten die Tiefe, spielte kaum direkt. Speziell die Außenspieler Rapids, aber auch Joelinton und seine zentralen Hintermänner suchten nie den Weg hinter die Abwehrreihe der Austria. So konnte die Kette der Austria die Offensivspieler des Erzrivalen mit einer durchschnittlichen Leistung vom Tor weghalten. Erst als Schwab sehr spät begann, Wechselpässe auf die Flügel zu spielen, wurde Rapid vor dem Tor etwas präsenter.

Eher Hauruck-Chancen für Rapid

Die einzigen Chancen Rapids resultierten aus Standards oder Weitschüssen. Szántó und Murg scheiterten an Hadzikic und der Stange, zwei Versuche von Auer gingen drüber und auch einen späten Fehler von Rotpuller konnte Szántó wegen einer Pyrokapsel (!), auf der sich der Ball versprang, nicht ausnützen. Auch dies hatte seine Gründe, denn Rapid wählte für die Spielanlage bzw. das im 4-2-3-1 verwendete Spielermaterial schlichtweg die falsche Ratio der Angriffsdrittel.

Rapid in der „Zone der Wahrheit“ ein Lüftchen

Die Hütteldorfer suchten keine zentral gelegenen Schnittstellen, sondern wollten ihr Glück erneut über Flanken – teilweise auch aus dem Halbfeld – erzwingen. Allerdings brachte man viel zu wenige Spieler in den Strafraum. Teilweise sah sich Joelinton gleich mit vier Austrianern konfrontiert, die das Zentrum dicht machen und sich auf ihre Physis verlassen konnten. Steffen Hofmann, am Ende von Krämpfen geplagt, konnte von dieser Spielidee ebenso wenig profitieren, wie die körperlich eher schwachen Murg und Szántó. Zugleich kam Schwab aus dem Spiel heraus nur selten in die Gefahrenzone – eben weil man auch auf Sicherheit bedacht war und keine Fehler machen wollte.

(Zu) Späte spielerische Verbesserung

Etwas besser wurde Rapid, als Schwab kurz vor der Rapid-Viertelstunde Platz für Philipp Malicsek machte. Der talentierte 19-Jährige nahm eher die Rolle eines Spielgestalters ein und auch wenn Rapid im Abschluss oder beim letzten Pass die Präzision fehlte, kam man fortan etwas häufiger durch die Schnittstellen, vorzugsweise im rechten Angriffsdrittel. Die Austria hatte aber längst die Kontrolle über das Spiel gewonnen und es fiel dem neuen Tabellenzweiten nicht schwer, die Angriffe der Hütteldorfer zu verteidigen.

Veilchen bespielen Schwachstelle Pavelic

Gleichzeitig führten die Veilchen ihre Konter phasenweise perfekt aus und hätten unterm Strich sogar höher gewinnen können. Dabei bespielte man vor allem Rapids rechte Defensivseite und nützte die Leichtfüßigkeit von Mario Pavelic aus, der mit dem explosiven Felipe Pires größte Probleme hatte. Zwar war Pavelic‘ Aktionsradius sehr groß, allerdings hatte er fast immer das Nachsehen. Angriffe der Grün-Weißen über seine Seite verliefen sich zu häufig im Sand, Kontersituationen zugunsten der Violetten wurden nicht gut verteidigt.

In statistischer Schönheit gestorben

Am Ende gewann die Austria fast schon mit Ansage. Rapids Interimscoach Djuricin warnte vor der Konterstärke der Austria – und Rapid ließ sich relativ einfach auskontern. Dazu reichte neben den schnellen Flügelstürmern und dem unangenehmen Kayode schon eine kleine Änderung in der Staffelung des zentralen Mittelfelds. Rapid stellte sich über die gesamte Spielzeit nicht gut genug darauf an, kam deshalb nicht in die entscheidenden Zweikämpfe und machte gegen den Ball Anfängerfehler. Zugleich traute man sich bei 64,3% Ballbesitz kaum Überraschendes zu und so starb Rapid im zweiten Heimderby im Weststadion trotz guter Pass- und Zweikampfwerte in (relativer) Schönheit.

Daniel Mandl, abseits.at

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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