Der SK Sturm Graz konnte sich in der 27. Bundesligarunde gegen den SCR Altach mit 1:0 durchsetzen und mit dem dritten Sieg in Folge... Analyse: Sturm gelingt Arbeitssieg gegen den SCR Altach

Der SK Sturm Graz konnte sich in der 27. Bundesligarunde gegen den SCR Altach mit 1:0 durchsetzen und mit dem dritten Sieg in Folge den angepeilten Champions-League Qualifikationsplatz absichern.

Nachdem Heiko Vogel in der Winterpause das Grazer Erfolgsgebilde der Herbstrunde mit wesentlichen und einschneidenden Veränderungen (vor allem bei eigenem Aufbau- und Ballbesitzspiel) durchrüttelte, ging Vogel in den letzten Spielen gleich mehrere Schritte zurück und konnte so das Spiel seiner Mannschaft stabilisieren und seine interessanten Ideen und Vorstellungen auf einer besseren Grundlage den Spielern nach und nach vermitteln.
Diese Entwicklung war auch gegen Altach zu sehen. Vor allem in der ersten Halbzeit wussten die Grazer mit guten Strukturen und Staffelungen bei eigenem Ballbesitz zu überzeugen und konnten so Ball und Gegner kontrollieren. Eine Systemumstellung von Klaus Schmidt in der Halbzeit sollte die Blackies noch einmal vor unerwartete Probleme stellen, was die Vorarlberger aber nicht entscheidend zu nutzen wussten.
Wir arbeiten die Chronologie dieser Bundesligapartie aus einem taktischen Betrachtungswinkel noch einmal auf.

Grundordnungen und Personal

Eine Grundordnung bei Heiko Vogel nummerisch auszudrücken ist gar nicht so einfach. Deshalb tut man gut daran, in diesem Zusammenhang von einer Initial-Ordnung zu sprechen, aus dieser heraus alle möglichen Umformungen in den einzelnen Spielphasen gestartet werden. Gegen Altach konnte man als Basis ein 4-4-2 erkennen, was bei eigenem Aufbauspiel durch die asymmetrischen Positionen von gewissen Spielern zu einem 3-1-4-2 umgeformt wurde.

Wie wir später noch sehen werden, waren die beiden Außenverteidiger Koch und Potzmann wesentlich von dieser Asymmetrie betroffen. Sie bildeten gemeinsam mit den beiden Innenverteidigern Maresic und Spendlhofer die Viererkette vor Torhüter Siebenhandl.
Das zentrale Mittelfeld besetzten zunächst James Jeggo und Peter Zulj, wobei Jeggo der Anker im Sechserraum war und Zulj dadurch eine Art Freirolle in den Übergangszonen einnehmen konnte.

Hierländer und Röcher besetzten nominell die Außenpositionen innerhalb dieser Grundordnung, die Sturmpositionen nahmen Alar und Edomwonyi ein.

Gäste-Coach Klaus Schmidt sortierte seine Mannschaft zu Spielbeginn in einer 4-2-3-1 / 4-1-4-1 Ordnung auf dem Rasen der UPC-Arena. Vor allem in den ersten Spielminuten sah man häufig im Spiel gegen den Ball ein 4-1-4-1 mit Nutz und Salamon auf den Achterpositionen. Im Laufe der ersten Halbzeit und auch bedingt durch die Aufbaustruktur von Sturm Graz entwickelte sich immer mehr ein recht klares 4-2-3-1 mit Nutz auf der Zehn und Salamon auf der Doppelsechs neben Gouet. In etlichen Spielsituationen sah man aber immer wieder die klassischen Rollenverteilungen zwischen Sechser (Gouet), Achter (Salamon) und Zehner (Nutz). Wirklichen Zugriff auf das Spiel bekamen in der ersten Halbzeit aber alle drei Akteure nicht, wodurch sich Schmidt wohl auch zu der angesprochenen Systemumstellung gezwungen sah.

Hinter diesen drei Zentrumsspielern bildeten Netzer und Zech das Innenverteidiger-Duo. Unterstützt wurden die zwei von den beiden Außenverteidigern Lienhart auf rechts und Honsak auf der linken Seite.

Die Flügelpositionen im Mittelfeld nahmen Gebauer und Otubanjo ein, die Position im Sturmzentrum besetzte Ngwat-Mahop.

Überzahlsituationen und Durchschlagskraft dank sauberer Strukturen und guter Tiefenstaffelung

Spielerisch waren die ersten 45 Minuten von Sturm Graz mit Sicherheit sehr gute seit der Übernahme von Heiko Vogel. Die Spieler strahlten wieder wesentlich mehr Sicherheit und Selbstverständlichkeit aus als in den ersten Partien unter Vogel, in denen sie durch die vielen Positionsrochaden (einrückender Außenverteidiger, abkippender Sechser usw.) teilweise überfordert wirkten und dadurch leichte technische Fehler begangen. Die Passqualität war gegen Altach wieder wesentlich besser, wodurch die vorhandenen Strukturen (die unter Vogel im Ansatz immer gut sind) besser und durchschlagskräftiger bespielt werden konnten.

Bei eigenem Aufbauspiel wurde wie bereits erwähnt aus dem 4-4-2 eine 3-1-4-2 Struktur gebildet. Schlüsselrollen nahmen dabei wieder mal die Außenverteidiger ein. Gegen Altach waren es nicht die einrückenden Bewegungen in die defensiven Halbräume, sondern die hergestellte Asymmetrie zwischen Koch und Potzmann.

Fabian Koch blieb dabei tief in der rechten Halbspur und bildete zusammen mit den beiden Innenverteidigern Spendlhofer und Maresic eine Dreierkette in der hintersten Linie der Blackies. Spendlhofer gab dabei den zentralen Punkt, Dario Maresic schob in den linken Halbraum heraus. Dass Fabian Koch diese Rolle als Halbverteidiger in der Dreierkette sehr gut ausfüllen kann, hat er bereits mehrfach im Herbst unter Franco Foda und dessen 5-4-1 gezeigt.

Potzmann konnte sich durch die breite Position von Maresic bereits früh im Aufbau nach vorne schieben und sich hoch im Rücken des Altacher Flügelspielers positionieren und dem Spiel der Grazer im zweiten Spielfelddrittel die notwendige Breite geben.
Die Asymmetrien im Spiel von Sturm waren damit aber nicht zu Ende, auch im Zentrum gab es zwischen Jeggo und Zulj verschiedene Positionsinterpretationen. An dieser Stelle muss man daher auch erwähnen, dass Vogel die verschiedenen Qualitäten und Profile seiner Spieler nicht nur kennt, sondern diese im Matchplan auch berücksichtigt und die dementsprechenden Strukturen schafft. Jeggo war deshalb logischerweise der tiefere Akteur von beiden und besetzte bei eigenem Ballbesitz konsequent den Sechserraum vor der Dreierkette. Dadurch war er ein fixer Anspielpunkt im Zentrum und ermöglichte seinen Vordermännern Hierländer und Zulj flexible Rochaden und das Herstellen von lokalen Überzahlsituationen. In Bezug auf das Positionsspiel von Peter Zulj war noch auffallend, dass er sich vor allem in der ersten Halbzeit häufig sehr weit auf den rechten Flügel bewegte und den dortigen Raum zusammen mit Röcher überlud. In diesen Zonen war er häufig hinter Gebauer und neben den gegnerischen Sechsern anspielbar (Röcher band durch seine breite Position Honsak, wodurch dieser nicht auf Zulj herausrücken konnte) und konnte so den Angriff mit seinem starken linken Fuß diagonal fortsetzen und gute Anschlussaktionen einleiten.

Stefan Hierländer wurde in diesem Konstrukt durch die breite und hohe Position von Potzmann ebenfalls von seiner nominellen Position auf dem linken Flügel entbunden und konnte sich fluide ins Zentrum oder in die Halbräume bewegen und dort zusammen mit Zulj und den beiden Stürmern Überzahlsituationen herstellen. Das Goldtor von Deni Alar entstand aus einer solchen Konstellation heraus.

Grafisch aufbereitet sah die Struktur von Sturm Graz im Aufbauspiel wie folgt aus:

Aus dieser passenden Struktur samt einer guten Tiefenstaffelung (vor allem durch die beiden Spitzen Alar und Edomwonyi) konnten die Blackies immer wieder Linien der Altacher überspielen und gefälligen Kombinationsfußball zeigen, der den individuellen Qualitäten der Grazer gerecht werden konnte. Dass individuelle Qualität aber immer in eine passende Struktur eingebettet werden muss, weiß man aber nicht erst seit den Europa-League Spielen zwischen Salzburg und Dortmund. Heiko Vogel hat es gegen Altach verstanden, die Struktur den jeweiligen Qualitäten seiner Spieler anzupassen und den Faktor der individuellen Klasse zu potenzieren.

Zu wenig Entschlossenheit und Mut im Altacher Pressing

Diese Unentschlossenheit im Pressingverhalten wirkte sich destabilisierend auf das gesamte mannschaftliche Verhalten aus und führte dazu, dass Altach häufig nur auf die Bewegungen der Sturm Spieler reagieren konnte und dadurch meist einen Schritt zu spät kam.

Wie in der Einleitung beschrieben, machte es in den ersten Spielminuten noch den Eindruck, dass Altach in einer 4-1-4-1 Grundordnung attackieren würde. Gouet besetzte dabei die Sechserposition vor der Abwehr, das flache Mittelfeldband bestand aus den beiden Achtern Nutz und Salamon sowie den Flügelspielern Gebauer und Otubanjo. Nach und nach löste sich diese Struktur aber auf und es entstand das angesprochene 4-2-3-1 mit Nutz auf der Zehn. Nutz sollte sich dadurch an der Position von Jeggo orientieren und simple vertikale Pässe in diese Zonen zustellen.

Das Spiel gegen den Ball von Altach strukturierte sich daher wie folgt:

Probleme hatten dabei die Altacher immer wieder über die Flügelzonen. Auf links versuchte Christian Gebauer immer wieder nach vorne auf Koch herauszurücken und diesen unter Druck zu setzen, die ausweichenden Bewegungen von Zulj machte ihm dabei immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Peter Zulj bot sich auf links im Rücken von Gebauer an, durch die Position von Röcher wurde der linke Außenverteidiger Honsak tief gebunden und konnte nicht nach vorne auf Zulj vorrücken. Dadurch konnte Gebauer nicht kompromisslos nach vorne attackieren und musste sich immer wieder nach hinten orientieren, um Zulj nicht aus den Augen zu verlieren.

Auch auf der rechten Seite hatten Lienhart und Otubanjo erhebliche Zuordnungs- und Übergabeprobleme mit Hierländer und Potzmann, was sich natürlich ebenfalls nicht förderlich auf den Zugriff auswirkte.

Diese vielen Entscheidungskonflikte führten dazu, dass Altach selten wirklich Druck ausübte und den dafür notwendigen Zugriff herstellen hätte können. Stattdessen entstanden über das gesamte Feld und in praktisch allen Mannschaftsteilen Unterzahlsituationen, die dann aber Klaus Schmidt in der Halbzeit mit der Umstellung auf eine Fünferkette besser in den Griff bekam und das Spiel in eine neue Richtung lenkte.

Pragmatischer Ansatz von Vogel im Spiel gegen den Ball

Die Spielanlage gegen den Ball war wesentlich konservativer als jene bei eigenem Ballbesitz. Peter Zulj sortierte sich dafür auf der halbrechten Sechserposition neben James Jeggo ein und bildete zusammen mit den beiden Außenspielern Hierländer und Röcher ein Vierer-Mittelfeldband. Auch die Asymmetrie auf den Außenverteidigerpositionen neutralisierte Vogel bei gegnerischem Ballbesitz, indem Marvin Potzmann sich in die letzte Linie neben Maresic fallen ließ und Fabian Koch von seiner Halbposition auf den rechten Flügel schob. Die beiden Stürmer Edomwonyi und Alar in der ersten Pressinglinie komplettierten das recht klare 4-4-2.

Die gewählte Pressingzone war dabei meist ein etwas abwartendes Mittelfeldpressing, indem sich die beiden Stürmer zurückzogen und die tiefe Ballzirkulation der Altacher in deren ersten Aufbaulinie zugelassen wurde. Auch etwaige abkippende Bewegungen von Mittelfeldspielern (meist war es Gouet) wurden nicht verfolgt und zugelassen.

Vereinzelt scherten aber auch die Stürmer bzw. Außenspieler aus diesem Block aus und attackierten den ballführenden Altacher in einer aussichtsreichen Pressingkonstellation. Häufig reichte eine solche individuelle Entscheidung und Aktion aus, um den Spielaufbau der Vorarlberger erfolgreich zu stören und einen Ballbesitzwechsel zu provozieren. Allgemein muss man an dieser Stelle noch anmerken, dass das Pressingverhalten der Grazer aufgrund der schwachen Offensivleistung der Altacher nie wirklich getestet wurde. Vor allem in der ersten Halbzeit war die Mannschaft von Klaus Schmidt beim Aufbauspiel aus der eigenen Organisation heraus völlig ideenlos, auch die wenigen Umschaltmomente wurden nie konsequent zu Ende gespielt.

Schmidts 5-4-1 stabilisiert die Defensive und verbessert die eigenen Offensivbemühungen

Die fehlende Kompaktheit und Zugriffslosigkeit erkannte natürlich auch Altach-Coach Klaus Schmidt und versuchte diese Probleme in der Halbzeitpause mit der Systemumstellung auf ein 5-4-1 in den Griff zu bekommen. Dies gelang auch, indem die letzte Linie mit der Fünferkette nominell gestärkt werden konnte und die gesamte mannschaftliche Positionierung etwas tiefer und wesentlich kompakter gehalten wurde. Sturm konnte dadurch nicht mehr so einfach über die Flügel durchbrechen oder Überzahlsituationen im Zentrum herstellen. Die nachlassenden Offensivaktionen lagen zum einen natürlich an der Korrektur von Altach, zum anderen waren die Mannen von Heiko Vogel auch selbst daran schuld. Es fehlten in den zweiten 45 Minuten die angesprochene Schärfe im Passspiel und der Zug zum Tor, wodurch einige Ballstaffeten in ungefährlichen Zonen erstickten.

Nicht nur defensiv stabilisierten sich die Altacher, auch offensiv kamen sie nun durch die gestaffeltere 3-4-2-1 Ordnung (Außenspieler Gebauer und Grbic rückten in die Halbräume ein, die Flügelverteidiger gaben die Breite) zu einer stabileren Ballzirkulation und zu besser vorbereiteten Angriffen. Aber gerade in einer Phase, in der das Spiel noch einmal eine Wende hätte erleben können, schwächte Mahop seine Mannschaft mit einer überflüssigen Aktion selbst und provozierte regelrecht eine gelb-rote Karte. Danach musste Schmidt wieder auf ein 4-4-1 umstellen, die Einwechslung von Edelroutinier Hannes Aigner brachte zwar noch einmal etwas mehr Power und Torgefahr, der Ausgleichstreffer sollte aber nicht mehr gelingen.

Fazit

Unterm Strich war der Sieg für Sturm Graz natürlich verdient. Vor allem in den ersten 45 Minuten zeigte die Mannschaft von Heiko Vogel, welch gut strukturierten und gepflegten Kombinationsfußball diese Mannschaft spielen kann. Es war nach dem schwachen Frühjahrsauftakt der richtige Schritt und Reiz von Vogel, gleich mehrere Schritte zurück zu machen und so die Mannschaft nach den konfusen ersten Spielen zu stabilisieren. Die nun gesetzten Entwicklungsschritte lassen sich auf einer stabileren Basis aufbauen und passen auch besser zu den vorhandenen Qualitäten der jeweiligen Spieler. Die Spielanlage gegen Altach lässt darauf schließen, dass noch viele weitere interessante Ideen von Vogel und seinem Trainerteam zu erwarten sind. Vielleicht kann sich Sturm Graz dadurch zumindest für kurze Phasen in der näheren Zukunft wieder auf das Niveau von Salzburger hieven. Man hat ja im Herbst gesehen, dass dies trotz der Dominanz der Bullen immer wieder möglich ist.

Sebastian Ungerank

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