Im Rahmen der Aktion „Das ASB trifft“ konnten die Fans im Austrian Soccer Board SV-Ried-Torhüter Thomas Gebauer ihre Fragen stellen. Der bayrische Keeper der... Das ASB trifft Thomas Gebauer: „Die Verletzung hat mich weitergebracht“

Im Rahmen der Aktion „Das ASB trifft“ konnten die Fans im Austrian Soccer Board SV-Ried-Torhüter Thomas Gebauer ihre Fragen stellen. Der bayrische Keeper der Innviertler erwies sich dabei als äußerst spannender Gesprächspartner und so können wir euch hier eine Vielzahl interessanter Antworten auf die Fragen der Fans liefern!

themanwho:  Zu deiner Einbürgerung – was sagen da eigentlich deine Familie und deine alten Freunde dazu, ist ihnen das egal dass du (zumindest) auf dem Papier Österreicher bist, oder bist du auch schon hin und wieder deswegen belächelt oder auf den Arm genommen worden?

Thomas Gebauer: Die ganze Sache mit der Einbürgerung ist natürlich auch mit meiner Familie abgesprochen worden. Anfangs waren meine Eltern schon etwas skeptisch ob es das Richtige ist aber nachdem ich Ihnen die Sachlage erklärt habe stehen sie der ganzen Sache jetzt positiv gegenüber und sie stehen alle hinter mir und sind damit einverstanden.

themanwho: Hat dich die ganze Geschichte rund um Oliver Glasner mental vielleicht mehr mitgenommen als du das damals zugeben wolltest? Du hast ja gerade unmittelbar nach der Sache (also in Kopenhagen und dann daheim gegen Salzburg) Fehler begangen, die man bei dir nicht gewohnt war.

Thomas Gebauer: Auf jeden Fall! Erstens hab ich das als Zimmerkollege in Kopenhagen ja „live“ miterlebt was da den Nachmittag vor dem Spiel passiert ist und sowas geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei. Und nachdem die Gesundheit nun mal das Wichtigste für einen Menschen ist war des alles ein Riesenschock. Das hat sich dann leider auch auf die Wochen danach etwas ausgewirkt wo ich im Kopf sicher nicht so frei war wie sonst. Denn wie Du schon sagtest, solche Fehler war man von mir nicht gewohnt und hoffe solche Sachen wird man von mir auch nicht mehr sehen 🙂

themanwho: Als du die #2 hinter Hans-Peter Berger warst, hattest du da schon konkrete Abwanderungspläne bzw. Angebote von anderen Vereinen?

Thomas Gebauer: Ja, haben uns im Winter 2007 umgeschaut ob etwas anderes möglich gewesen wäre, weil man natürlich gerne spielen will und da wurden auch schon einige Gespräche geführt. Doch dann kam die Handverletzung vom Hansi in Salzburg und somit war klar dass ich weiterhin in Ried bleibe.

themanwho: Seit dem letzten Cupfinale im Mai sind z.B. sechs Spieler jetzt nicht mehr in Ried. Kommt es dir manchmal komisch vor, wie schnell sich deine Teamkollegen ändern? Oder ist das für dich einfach Teil des Geschäfts?

Thomas Gebauer: Das ist natürlich jedes Jahr schade. Schließlich lernt man sich als Mensch untereinander unterm Jahr immer besser kennen und findet Freunde. Und dann ändert sich des jährlich wieder. Aber wie Du auch schon sagtest ist es einfach Teil des Geschäfts und Ried kann einfach nur durch Spielerverkäufe überleben und als „kleiner“ Verein ist man einfach ein „Ausbildungsverein“ und jeder junge Spieler will sich hier für „höhere“ Aufgaben empfehlen. Und durch den Erfolg der letzten Jahre sind natürlich andere Mannschaften auf unsere Spieler aufmerksam geworden.

raumplaner: Würdest Du zu einem Verein einer großen Liga wechseln, auch wenn Du dort planmäßig nur die Nummer 2 im Tor wärest?

Thomas Gebauer: Kann man so nicht beantworten. Schließlich müsste dafür alles passen. Da spielen Faktoren wie die Lebenssituation, die sportliche Perspektive usw. natürlich eine große Rolle. Fühl mich hier in Ried aber sehr wohl, sodass ich nicht auf der Suche nach einem anderen Verein bin. Aber wenn Angebote kämen würde man sich die mal anhören und dann entscheiden.

Billie: Wer war für dich bisher der unangenehmste Gegenspieler aus Torhüter-Sicht?

Thomas Gebauer: Schwer zu sagen. Jeder Spieler hat seine Qualitäten. Denk da gibt es keinen Spieler den man besonders hervorheben kann…

Billie: Wer war/ist dein fußballerisches Vorbild?

Thomas Gebauer: Ich war als Jugendlicher immer von Fabian Barthez und Gabor Kiraly begeistert, weil beide eine gewisse Lockerheit in Ihrem Spiel hatten. Aber natürlich schaut man sich alle möglichen „großen“ Torhüter an um sich weiterzuentwickeln. Weil man kann immer wieder etwas Neues dazulernen.

Stradivari: Würdest du sagen, dass dich die Erfahrung der Verletzung gestärkt hat oder fühlst du dich noch nicht wieder bei 100% (bspw. im Vergleich zu der Saison als du zum besten Torhüter der Liga gewählt wurdest)?

Thomas Gebauer: Die Verletzung hat mich insofern sicher weitergebracht, dass ich die ganze Sache mal aus einem anderen Blickwinkel sehen konnte. Man lernt in so einer Phase seinen Körper viel besser kennen. Im „Jahr 1“ nach der Verletzung war ich jetzt sicher noch nicht da wo ich war und wo ich hin will. Gerade in Sachen Konstanz. Was jetzt aber auch nicht nur auf die Verletzung zurückzuführen ist sonder auch auf die äußeren Begleitumstände. (Verletzung Glasner, neuer TW-Trainer). Denke ich hab mich in der Rückrunde stabilisiert und darauf müssen wir jetzt weiterhin aufbauen, dass wir uns nochmal um einen Schritt steigern können um wieder dahin zu kommen wo wir hinwollen…

Stradivari: Du bist für uns Fans aufgrund deiner Vereinstreue eine echte Identifikationsfigur. Nicht nur deine tollen Leistungen, sondern auch deine Aussagen rund um die Vertragsverlängerung seinerzeit trugen ihren Teil dazu bei. Dürfen wir uns Hoffnungen machen, dass du der SVR bis zu deinem Karriereende (möge es noch lange auf sich warten lassen) treu bleibst?

Thomas Gebauer: Möglich ist alles. Habe ja auch schon öfters betont dass ich mich hier in Ried sehr wohl fühle und könnte mir auch den Weg eines Michi Angerschmid, Oliver Glasner und Herwig Drechsel vorstellen die ich ja glücklicherweise alle noch miterleben durfte. Aber sowas kann man natürlich auch nicht planen, denn erstens gehören zu solchen Dingen immer zwei Parteien und der Verein muss ja auch wollen und zweitens ist des Fußballgeschäft leider so schnelllebig dass man nicht zu weit vorausplanen sollte… Aber es ist von meiner Seite auf jeden Fall nicht ausgeschlossen…

Eläkeläiset: Gab es eine konkrete Anfrage von Rapid im Sommer?

Thomas Gebauer: Es gab mal ein Telefonat mit meinem Berater, aber mehr auch nicht. Es wurde nie mit mir persönlich gesprochen und auch nicht detailliert verhandelt.

Eläkeläiset: Wie sehr unterscheidet sich das Tormanntraining von Werner Pentz mit dem von Vlado Cvjektovic?

Thomas Gebauer: Werner Pentz ist ein sehr neumodischer Trainer der immer  neue Methoden einbringen will. Er hat aber auch ganz andere „Ansprüche“ ans Torwartspiel. Der Vlado war eher ein Trainer der „älteren Schule“. Beide machen ihre Sachen wirklich sehr gut aber sie kann man nicht miteinander vergleichen.

Eläkeläiset: Kanntest du die SV Ried bevor du ein Angebot von ihr bekommen hast? Ab wann wurde dir klar, dass du einmal Fußballprofi wirst? Warst du bei Bayreuth eigentlich schon Vollzeitfußballprofi? Welchen Beruf würdest du sonst heute ausüben?

Thomas Gebauer: Ried kannte ich ehrlich gesagt vorher nicht. Der Gedanke an Profifußball kam erst mit 22 als ich des Angebot von 1860 bekam. Vorher war ich Bürokaufmann in einer kleinen Fensterfirma bei mir zuhause. Und nebenbei spielte ich in der 4. Liga in Aindling. Fußball war natürlich schon immer mein Traum und als dann des Angebot von 1860 kam musste ich nicht lange überlegen um die Chance zu nutzten. Und seit diesem Jahr war ich dann auch schon Vollzeitfußballer. Das Jahr danach in Bayreuth auch.

Eläkeläiset: Kennst du das Austrian Soccer Board? Woher? Lest du öfters mit?

Thomas Gebauer: Ja, ich kenn das ASB schon. Aber bin hier nicht zu oft vertreten 🙂

Eläkeläiset: Seit der Ära Gludovatz haben wir kaum rote Karten bekommen. Und vor allem gar keine aufgrund von Ausrastern, Kritik oder ähnlichem
Ist das etwas das euch oft im Training vermittelt wird oder kann man diese Karten überhaupt verhindern durch spezielles Mentaltraining, oder abschreckend hohe vereinsinterne Strafen? Oder zeigt es einfach, dass in den letzten Jahren einfach sehr viel gestimmt hat in der Mannschaft?

Thomas Gebauer: Nein, diese Sache wird im Training nicht trainiert oder angesprochen. Denke eher dass es daran liegt dass wir jetzt einfach nicht mehr die Spieler haben die so leicht ausrasten. Gerade die „jungen“ Spieler trauen sich noch nicht so extrem in Sachen Schiedsrichter etwas zu sagen. Da sind wir teilweise sogar viel zu brav. Wenn man sieht wie andere Mannschaften den Schiedsrichter beeinflussen wollen. Des passiert bei uns sehr wenig…

Taffspeed: In diversen Sportarten ist die richtige Ernährung der Grundstein des Erfolges. Wie ist das im österreichischen Profifußball? – weil als Außenstehender sieht es so aus, als würde das nicht sooo ernst genommen?!

Thomas Gebauer: Das stimmt schon. Es ist natürlich jeder selbst verantwortlich dafür und auch verpflichtet alles dafür zu tun, dass er seine Leistung bringen kann und somit auch dem Verein helfen kann. Dazu gehört natürlich auch richtige Ernährung. Aber des beruht alles auf Eigendisziplin. Seit einiger Zeit arbeiten bei uns aber auch einige Spieler mit einem Ernährungsberater zusammen. Also auch in diese Richtung wird was getan 🙂

Auswärtsspiel: Es heißt immer, ein Torhüter muss einen Vogel haben: Welchen Vogel hast du?

Thomas Gebauer: Denke diese Zeit ist schon langsam vorbei. Des war die Generation „Kahn“ und früher, die wirklich teilweise verrückt waren am Platz. In der jetzigen Generation gibt es diese „krassen“ Ausraster immer seltener. Aber natürlich muss man für diese Position schon ein wenig abgehärtet sein, sonst kann man sich nicht Kopf voraus in die Füße des Gegners werfen. Das bezeichnen manche Leute als Verrücktheit 🙂

Auswärtsspiel: Gibt es Rituale, die du einhältst?

Thomas Gebauer: Es gibt schon gewisse Abläufe die immer ähnlich sind. Zum Beispiel ziehe ich mich vor dem Aufwärmen immer nochmal ein paar Minuten an einen stillen Ort zurück um einige Dinge im Kopf durchzugehen, die auf mich zukommen können.

Auswärtsspiel: Was sind deine Ziele bis zum Ende deiner aktiven Karriere, was möchtest du sportlich (als Aktiver) noch erreichen?

Thomas Gebauer: Habe jetzt gelernt dass des wichtigste einfach die Gesundheit ist. Alles andere kommt dann von allein. Des einzige ist, dass ich von mir selbst immer verlange, dass meine Leistungen passen und dass ich somit zum Erfolg der Mannschaft beitragen kann. In den Leistungen kann man sich natürlich immer verbessern und so ehrgeizig bin ich natürlich auch, dass ich immer dazulernen will. Habe aber jetzt keinen „Karriereplan“ dass ich nochmal unbedingt in einer „großen“ Liga spielen muss. Wie es kommt so kommt‘s 🙂

Auswärtsspiel: Arbeitest du im Mentalbereich an dir, wenn ja wie?

Thomas Gebauer: Ja, ich habe die letzten Jahre immer selbstständig im mentalen Bereich gewisse Übungen gemacht. Habe seit diesem Jahr langsam damit angefangen mit einem Mentaltrainer zu arbeiten und werde das in nächster Zeit auch „perfektionieren“

pennywise: Als Fan gefällt mir an der Mannschaft, dass sie sich schon seit Jahren nie wirklich aufgibt und in letzter Zeit auch oft dafür belohnt wird, indem Rückstände aufgeholt werden. Wie hast Du dich nach dem 0:4 in Kopenhagen gefühlt? Hast Du noch an den Aufstieg geglaubt?

Thomas Gebauer: Man hat bei uns ja gesehen dass wir das ganze Spiel alles versucht haben. Wir wussten immer, wenn wir ein Tor schießen ist der Aufstieg sehr wahrscheinlich. Und auf einmal liegt man 0:4 hinten und das eine Tor was wir uns vorgenommen haben reicht nicht mehr. Das war für alle beteiligten schon ein Riesenschock. Aber wir haben nicht aufgegeben und ab dem 1:4 waren alle am Platz überzeugt, dass wir auch noch aufsteigen. Wir wussten dass wir noch ein Tor schaffen können. Dass es dann so kurz vor Schluss gefallen ist war natürlich ein Wahnsinn. Das sind dann immer die emotionalsten Momente im Fußball..

pennywise: Mit welchem Spieler teilst Du dir bei Auswärtsfahrten am liebsten das Zimmer?

Thomas Gebauer: Wir haben schon sehr viele fixe Zimmereinteilungen in der Mannschaft. War ja jahrelang eben mit Oliver Glasner im Zimmer und seit seinem Karriereende bin ich mit Thomas Hinum im Zimmer.

Wir bedanken uns für die Beantwortung der Fragen!

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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