Im Rahmen eines ausführlichen Fan-Interviews mit den Rapid-Fans im Austrian Soccer Board, Österreichs größter Fußballcommunity, beantwortete Rapids Vorstand Sport Andreas Müller zahlreiche Fragen. Hier... Andreas Müller im großen Faninterview: „Bei anderen Klubs gab’s immer Problemchen – die gibt’s hier nicht!“

Andreas Müller - SK Rapid WienIm Rahmen eines ausführlichen Fan-Interviews mit den Rapid-Fans im Austrian Soccer Board, Österreichs größter Fußballcommunity, beantwortete Rapids Vorstand Sport Andreas Müller zahlreiche Fragen. Hier sind die hochinteressanten Antworten des deutschen Sportmanagers! Das Interview führte abseits.at Chefredakteur Daniel Mandl.

Christo: „Wieso der Wechsel des Stürmer Typs? Der bullige Boyd hat letzte Saison viel in der Rapid-Offensive ausgemacht, nach so einem Spieler sehnen sich nun viele Rapid-Fans und verstehen die Verpflichtung von Beric als Boyd-Ersatz so ganz und gar nicht. In mehreren Spielen in dieser Saison hat dieser Stürmertyp auch augenscheinlich sehr gefehlt.“

Andreas Müller: Zuerst muss man sagen, nicht nur was Boyd betrifft, sondern auch die anderen Spieler: Es ist nicht so, dass wir diesen Wechsel forciert haben. Terrence wollte Rapid unbedingt verlassen, weil er ein sehr lukratives Angebot aus Leipzig hatte. Wir haben uns natürlich auch darauf vorbereitet, haben uns dann allerdings dafür entschieden, einen spielstarken Mittelstürmer zu uns zu holen, weil wir in Zukunft – und das zeigte die letzte Saison – im technischen und fußballerischen Bereich eine Mannschaft sind, die gut kombinieren kann und will. Daher die Entscheidung für Robert, weil er von seiner Art her ein Stürmer ist, der in unser Spielsystem sehr gut hineinpasst.

Wir mussten eine Entscheidung treffen und haben uns für Beric entschieden, weil er a) die Liga bereits ein Jahr kannte und weil wir b) von seinen Qualitäten, die zu uns passen, total überzeugt sind. Zudem konnten wir Robert zu einem wirtschaftlich für unsere Verhältnisse machbaren Betrag aus Graz loseisen konnten. Wir hatten viele Kandidaten, haben uns aber nach mehreren intensiven Gesprächen mit dem Trainerstab und mir zusammen dazu entschieden, dass dieser Spieler 100% zu unserem Spiel passt.

Daniel Mandl: Gab es in der Entscheidungsphase auch Zweifel? Wurde viel darüber diskutiert, dass ein echter „Neuner“ fehlt, wenn man Beric verpflichtet?

Andreas Müller: Ich glaube, dass es ganz normal ist, dass man auch kontrovers diskutiert und, dass jeder offen und ehrlich seine Meinung sagt. Das fordere ich auch von meinen Mitarbeitern. Aber in dieser Entscheidung waren wir alle 100% davon überzeugt, dass es die richtige ist. Noch dazu, nachdem ich mich selbst in einem persönlichen Gespräch mit Robert davon überzeugen konnte, dass er durch seine Mentalität und seinen Charakter betreffend, absolut zu Rapid passt. Das ist für mich nicht nur heute, sondern auch in Zukunft ein entscheidendes Kriterium. Wenn ein Spieler sofort ein klares Bekenntnis zu Rapid abgibt, dann ist das wichtig für uns. Er war sofort Feuer und Flamme und meinte „wenn es möglich ist – unbedingt Rapid“. Es gab noch andere Möglichkeiten im Ausland für ihn. Mit Sturm hat in den Verhandlungen auch alles gepasst. Aber nochmal: Nach dem persönlichen Eindruck, aber auch aufgrund seiner Qualität und der Art, wie er Fußball spielt, war das für mich klar.

Der Beginn ist gemacht, er hatte sicher auch Umstellungsprobleme, auch vom Tempo her. Das hat er auch selbst gesagt, also dass zum Beispiel schon im Training ein ganz anderes Tempo herrscht. Aber so geht es nicht nur ihm, sondern allen neuen Spielern, die zu Rapid kommen. Nicht nur was das Training betrifft, sondern auch von dem, was von außen einwirkt. Da muss man dann auch ein bisschen Geduld mitbringen, aber er wurde nie unruhig, machte gegen Sturm sein erstes Tor und dann ist ihm nach und nach der Knoten geplatzt. Ich bin mit ihm hochzufrieden, auch außerhalb des Platzes. Zudem ist er einmal die Woche mit Grahovac beim Sprachunterricht und ist sehr fleißig und sehr bemüht.

barca11: „Ist für den Winter Budget vorhanden um eine Verstärkung und keine Kaderergänzung zu holen?“

Andreas Müller: Nein.

servasoida: „Schobesberger, Kuen und Kainz sind an sich körperlich nicht stark, dafür schnell und technisch beschlagen. Fehlt Ihnen da nicht so eine „Grätzn“ wie‘s ein Burgstaller war?“

Philipp Schobesberger - SK Rapid Wien

„Philipp Schobesberger kann ein wichtiger Faktor in unserer Mannschaft werden.“

Andreas Müller: Wir entwickeln Spieler. Schobesberger, bringt viele Dinge mit um wirklich ein ganz gefährlicher und wichtiger Faktor in unserer Mannschaft zu werden. Aber er kam aus Pasching, aus der dritten Liga. Jeder hat seinen individuellen Plan, nicht nur er. Es wird stark darauf geachtet, dass wir im Bereich der Physis weiter zulegen.

Natürlich haben wir physisch starke Spieler verloren. Das ist auch immer gut zu sehen, wenn man Spiele hat, die am Ende vielleicht doch nur mit der Brechstange zu gewinnen sind. Auf der anderen Seite haben wir eine klare Strategie und Philosophie und wollen mit unseren jungen Spielern, die sicher technisch versiert, schnell und hochbegabt sind, unser Spiel aufziehen, in dem ja auch jetzt schon erkennbar ist, wo wir hinwollen.

servasoida: „Das Ausscheiden gegen Helsinki war für mich als Fan der bitterste Moment seit der 0:1-Niederlage gegen Red Bull im Mai 2012, wo die Entscheidung der Meisterschaft zu unseren Ungunsten ausgefallen ist. Was ist Ihnen nach dem Ausgleich zu Beginn der Rapid-Vierstelstunde und dem Elferpfiff durch den Kopf gegangen?“

Andreas Müller: Es war nicht das erste Spiel, wo ich dachte: Das darf eigentlich nicht wahr sein. Wir waren in beiden Spielen die bessere Mannschaft und hatten viele Möglichkeiten die Partie zu entscheiden, so wie auch in vielen Spielen in der Bundesliga. Ich habe gestern mit allen Akademie- und Nachwuchstrainern gesprochen und da habe ich auch gehört, dass unsere Nachwuchsteams oft besser waren, aber die Spiele nicht gewonnen wurden. Das ist sicher ein Punkt, an dem ich seit Beginn meiner Tätigkeit arbeiten muss: Wir brauchen eine höhere Effizienz. Das ist ein entscheidendes Merkmal, um ein solches Spiel wie gegen Helsinki einfach sauberer und in aller Ruhe zu Ende zu spielen und zu gewinnen. Aber man merkte es nach einer Standardsituation, die zum 2:1 führte, dass die Mannschaft eben noch nicht so gefestigt ist und einige Zeit brauchte, um sich wieder zu finden.

Wir haben bombastisch angefangen, getragen von einem fantastischen Publikum, das war eine Megastimmung hier. Die Enttäuschung war im gesamten Klub riesengroß. Aber da muss man wieder herausfinden – und das hat die Mannschaft, wenn auch etwas wacklig, im anschließenden Spiel gegen Grödig geschafft. Wir haben eine Serie gestartet, drei Spiele in Folge gewonnen. Wenn man die letzten sechs Spiele nimmt, waren wir mit 13 Punkten die Besten in der Liga. Und das aus einer Enttäuschung heraus, denn jeder kann sich vorstellen, was da in der Kabine los war. Ein Spiel, das man eigentlich mit zwei, drei Toren Unterschied nach Hause bringt und drei Standards brechen uns das Genick. Das ist natürlich enorm bitter. Und wie gesagt, wir sind noch nicht so stabil, wie wir uns das wünschen, aber wir werden dorthin kommen.

Auf der nächsten Seite äußert sich Andreas Müller über Deutschland, das Trainerteam des SK Rapid und die Tatsache, dass er seine Aufgabe in Wien keineswegs unterschätzte.

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Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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