Der FK Austria Wien gewann das 303. Wiener Derby gegen den SK Rapid dank eines Doppelpacks von Alexander Gorgon 2:0. Vor 12.500 Zuschauer in... Austria setzt Rapids Plan besser um – Doppelpack von Gorgon bringt Derbysieg

Der FK Austria Wien gewann das 303. Wiener Derby gegen den SK Rapid dank eines Doppelpacks von Alexander Gorgon 2:0. Vor 12.500 Zuschauer in der Generali-Arena waren die Veilchen das klar überlegene Team und halten dank dieses Erfolgs Schritt mit Tabellenführer Red Bull Salzburg. Während Rapid seinen Plan, die Überhand im Mittelfeld zu erlagen, nicht umsetzen konnte, kontrollierte die Austria das Spiel in der ersten Halbzeit mit und in der zweiten ohne Ball.

Als die beiden Rivalen zum letzten Mal aufeinander trafen waren die Voraussetzungen andere, die Euphorie in Hütteldorf war um einiges größer als in Favoriten. Mit dem damaligen 3:0-Sieg startete die Austria eine Siegesserie und etablierte sich in den Top-3. Parallelen zum dritten Spieltag waren aber dennoch unverkennbar. Die Austria ging dank eines individuellen Fehlers des Gegners in Führung, Rapid reagierte nach der Pause auf die taktischen Fehler in der ersten Halbzeit, kann diese aber nicht umsetzen, da die Violetten kurz nach dem Wiederanpfiff zum zweiten Mal trafen.

Stöger verändert nichts

FAK-Trainer Peter Stöger setzte auf das gleiche Personal, das vor der Länderspielpause bei Sturm Graz remisierte. Damit bekam Fabian Koch auf der rechten Abwehrseite den Vorzug gegenüber Emir Dilaver, bildete Florian Mader gemeinsam mit Tomas Simkovic wieder die spielerische Zentrale im Mittelfeld. Die beiden Achter zeigten erneut eine starke Leistung und, dass sie aufeinander gut abgestimmt sind. Tomas Jun und Matchwinner Gorgon flankierten als ungleiche Flügelzange Stürmer Philipp Hosiner, der sein Derbydebüt feierte. Der Ex-Admiraner hatte auch einige gute Torchancen, ließ aber die Konsequenz im Abschluss vermissen.

Rapid ohne Hofmann

Die Gäste mussten auf Kapitän Steffen Hofmann verzichten, dessen Abwesenheit einmal mehr zeigte, wie wichtig er für das Spiel der Grün-Weißen ist, denn im zweiten und dritten Spielfelddrittel fehlte eine ballsichere Anspielstation. Diese Last wollte Peter Schöttel auf mehrere Schultern verteilen und bot ein – auf dem Papier – technisch starkes Mittelfeld auf. Thomas Prager bildete mit Muhammed Ildiz die Doppelsechs bzw. Doppelacht. Auf den offensiven Außenbahnen setzte Schöttel zwei junge Spieler ein – Louis Schaub und Lukas Grozurek – während an vorderster Front mit Deni Alar ebenfalls der technisch bessere Spieler den Vorzug erhielt.

Zu große Abstände im Spielaufbau

In der Theorie war Schöttels Plan ein durchaus gut gewählter, allerdings scheiterte seine Mannschaft an der Umsetzung. Der Rekordmeister hatte große Probleme überhaupt erst in die Zonen zu kommen, in denen Hofmanns Stärken wirkend werden bzw. die Umstellungen greifen hätten sollen. Ildiz, Prager, Schaub und Grozurek (beide jeweils nur 45 Minuten im Spiel) kamen zusammen nur auf 138 Ballkontakte – ein Wert, den Erster in der Erfolgsphase beinahe selbst erreichte. In der letzten Saison konnte man die fehlende Bindung darauf zurückführen, dass man im defensiven Mittelfeld meist mit zwei spielschwachen Sechsern agierte. Diesen Nachteil wollte man mit zwei vertikalen Zentrumsspieler – Ildiz und Prager – aufwiegen. Durch die hochgezogenen Außenverteidiger wollte man den beiden Platz verschaffen. Allerdings postierten sich die beiden Innenverteidiger und die Sechser sehr tief und der Rest des Teams sehr hoch, wodurch ein konstruktives Kombinationsspiel kaum möglich war.

Austria stört früh und gut

Die Austria konnte aufgrund dieser Tatsache quasi die gesamte offensive Viererkette nach vorne schieben und im Verbund mit Hosiner ein risikoarmes Angriffspressing spielen. Rapid fehlte um den Mittelkreis herum eine Option, die den Spielfluss erhält, und musste daher auf lange Pässe ausweichen, die aber aufgrund des hohen Drucks zu unpräzise ausfielen. Die nebenstehende Grafik stellt den beschriebenen Sachverhalt schematisch dar. Ildiz wurde von einem der beiden Achter ständig angebohrt – ein Grund für die niedrige Anzahl an Ballkontakten –, die zahlenmäßige Überzahl im Angriffsdrittel konnte man aufgrund der großen Distanz nicht nützen. Die Passwege zu den Außenverteidigern wurden von Austrias Außenspieler zugestellt und das Zentrum war fest in violetter Hand.

Fluides FAK-Angriffsspiel

Ihre Angriffe trugen die Heimischen stets strukturiert vor. Besonders Trimmels rechte Seite wurde aufgrund der offensiven Ausrichtung und der defensiven Anfälligkeit des Burgenländers gerne attackiert. Jun nützte diese Freiheiten und lieferte ganze acht Torschuss-Vorlagen. Der Tscheche rückte ein ums andere Mal auch mal neben Hosiner vor, zog Trimmel so nach innen, wodurch der Raum für Suttner geöffnet wurde, der besonders bei Umschaltmomenten gerne mit nach vorne ging. Ansonsten schob der entsprechende Achter zur Seite raus und man bildete ein 4-1-3-2.

Rapids Mängel gegen den Ball

Begünstigt wurden die Austrianer auch vom fehlerhaften Defensivspiel des Erzrivalen, denn Rapid arbeitete nicht so energisch gegen den Ball wie man selbst. Oftmals standen die Hütteldorfer mit drei Spielern vor dem Ball, was vor allem im Zentrum viel Platz bot. Durch die weite Streckung in vertikaler Richtung standen die beiden Sechser gegen das Austria-Zentrum auf verlorenem Posten, da sie den vorhandenen Raum nicht alleine abdecken konnten. Außerdem konnte man aufgrund der geringen Kompaktheit keinen Druck auf die Veilchen aufbauen. Selbst auf den Seiten, wo es am einfachsten ist den Ball zu erobern, da der Gegner nur wenige Passoptionen hat, konnte man sie nicht festnageln. Außerdem agierte der Rekordmeister in der Rückwärtsbewegung zu stark ballfokusiert. Immer wieder konnten sich Gegenspieler im Rücken davonschleichen und für Gefahr im Strafraum sorgen – 14 von 20 Abschlüssen verzeichnete die Austria im Sechzehner.

Änderungen greifen nur kurz

In der Pause erkannte man offensichtlich diese Probleme und so agiert Rapid in der zweiten Halbzeit kompakter. Zudem versuchte Schöttel mit einem Doppeltausch (Drazan und Boyd für Schaub und Grozurek) mehr Ruhe ins Spiel zu bringen. In den Minuten vor dem zweiten Gegentreffer zeigte man auch durchaus gute Ansätze, allerdings konnte sich die Austria dank des frühen zweiten Tores zurückziehen und auf Konter spielen. Gegen diese Spielweise offenbarte Rapid dann andere Probleme. Das Aufbauspiel wirkte ideenlos, da in vielen Phasen die Bewegung fehlte und man die wenigen Räume, die die Austria anbot nicht nutzte. Vor allem im Zentrum bzw. zwischen den Linien fehlten die Anspielstationen, wodurch man von den gut stehenden Austrianern immer auf die Seiten abgedrängt wurde. Im Gegensatz zum eigenen Defensivspiel standen diese aber um einiges kompakter, was die logischen Ballverluste zur Folge hatte – also auch gegen den Ball ein klarer Erfolg für die Austria.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem