Mit einem 2:1-Auswärtssieg für den FK Austria Wien endete das 304. Wiener Derby. Philipp Hosiner erzielte dabei beide Tore für die Violetten und vergrößerte... Barazite Punktsieger gegen Boskovic – die Rückkehrer im Fokus

Nacer BaraziteMit einem 2:1-Auswärtssieg für den FK Austria Wien endete das 304. Wiener Derby. Philipp Hosiner erzielte dabei beide Tore für die Violetten und vergrößerte damit den Vorsprung auf den Stadtrivalen auf 13 Punkte. Doch nicht nur der beste Torjäger der Liga stand im Fokus, denn auf beiden Seiten feierten altbekannte und verdiente Spieler ihr Comeback. Sowohl Rapids Branko Boskovic als auch Nacer Barazite aufseiten der Austria nahmen dabei spielentscheidende Rollen ein – obwohl sie nicht zur selben Zeit am Platz standen.

Obwohl die Austria am linken Flügel aufgrund der Sperre von Tomas Jun eine vakante Stelle hatte, musste Barazite zunächst auf der Bank Platz nehmen, denn Peter Stöger gab Marin Leovac den Vorzug. Beim SK Rapid wurde Boskovic jedoch von Beginn an mit einer, im wahrsten Sinne des Wortes, zentralen Aufgabe betraut.

Boskovic zunächst omnipräsent …

Wie erwartet begann der Montenegriner im zentralen Mittelfeld als Achter neben Harald Pichler. Während dieser eine absichernde Funktion einnahm, hatte Boskovic einen durchaus großen Einfluss auf das Spiel seiner Mannschaft. Die Hütteldorfer starteten mit einem aggressiven, hohen 4-1-3-2-Pressing, mit dem sie die Gäste gut unter Druck setzten. Boskovic besetzte dabei eine, verglichen mit seiner Startposition etwas vorgeschoben Rolle hinter Steffen Hofmann und Deni Alar. Dort war er praktisch immer ins Spiel eingebunden.

In der Defensivbewegung war er dafür zuständig, seinem Mitspieler die nötige Rückendeckung zu geben und den Ballführenden bei einem etwaigen Überwinden der ersten Pressingreihe unter Druck zu setzen. Diese Aufgabe erfüllte er im Großen und Ganzen sehr ordentlich, aufgrund der Ballsicherheit der Austria konnte Rapid daraus jedoch kein Profit schlagen. Im Vergleich zum mittlerweile abgewanderten Muhammed Ildiz agierte Boskovic auch  in Ballbesitz höher und konnte so vor allem Hofmann entlasten – ein wichtiger Grund, dass man ihn zurückholte.

… dann mit folgenschwerem Ausschluss

Allerdings wird das Comeback des 32-Jährigen negativ in Erinnerung bleiben, denn seine gelb-rote Karte nach einer knappen halben Stunde war genauso folgenschwer wie unnötig. In der 17. Minute ging Boskovic schon sehr hart in einen Zweikampf, traf Leovac mit den Stollen am Kopf – eine Aktion, in der manch ein Schiedsrichter schon direkt Rot zeigte. Vorbelastet mit dieser gelben Karte rutschte er keine Viertelstunde später in die Beine von Manuel Ortlechner. Peter Schöttel meinte nach dem Spiel zwar, dass Boskovic den Ball spielte und wenn man sich die Wiederholung genauer ansieht, erkennt man, dass er diesen auch marginal berührt.

Dennoch kann es keine zwei Meinungen hinsichtlich der Notwendigkeit dieses Tacklings geben. Der FAK-Kapitän befand sich nämlich ohnehin erst am eigenen Sechzehner und hatte dort schon zu einem langen Ball ausgeholt. Die Frage, ob ein Routinier und potenzieller Leistungsträger in dieser Szene so hingehen muss, ist rhetorischer Natur. Boskovic ließ sich jedoch von seinen Emotionen leiten und so haderte Rapid anschließend unter anderem mit einer Unterzahl auf der Zentralachse.

Barazite mit Assist und als Aktivposten

Die Austria konnte diese Zone zusehends überladen, wovon auch Barazite profitierte. Nachdem Christopher Trimmel eine große Chance aufs 2:1 vergab, gelang der Austria im direkten Gegenzug der Siegtreffer. Rapid fehlte ein Sechser als Absicherung, Hosiner ließ sich fallen und setzte Barazite am linken Flügel ein. Dort hatte der Holländer Platz um seine Maßflanke vorzubereiten und verbuchte nicht mal zehn Minuten nach seiner Einwechslung seinen ersten Scorerpunkt. Doch auch neben dieser Tatsache fügte sich Barazite nahtlos in das präzise abgestimmte Gefüge der Austria ein.

Vor besagter Torvorlage schloss er bereits in klassischer Robben-Manier ab, danach sorgte er alleine mit seiner Präsenz dafür, dass sich Rapids Rechtsverteidiger mit Vorstößen zurückhielt. Dass der Niederländer trotz einer Viertelstunde längerer Spielzeit nicht bedeutend mehr Ballkontakte als Boskovic hatte (28:22) lässt sich damit begründen, dass seine Mannschaft in Führung liegend dem Gegner das Spiel machen ließ und er als Außenbahnspieler naturgemäß weniger stark eingebunden ist als ein Akteur im Zentrum. Abgesehen davon war Barazite der einzige Flügelspieler, der keine negative Zweikampfbilanz hatte – je fünf gewonnen und verloren.

Positive und negative Prägungen

Die ersten Auftritte der beiden Rückkehrer verliefen sehr ähnlich. Beide fügten sich gut in ihre Mannschaft ein und hatten tragende Rollen inne, fungierten als Entlastungen für die primären Offensivkräfte (Hofmann und Hosiner). Beide haben grundsätzlich die Fähigkeiten das Spiel ihrer Mannschaft entscheidend zu prägen, allerdings ist es im ersten Aufeinandertreffen nur einem gelungen dies positiv zu tun.

Alexander Semeliker, abseits.at

Alexander Semeliker

@axlsem

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