In regelmäßigen Abständen kommt in den letzten Runden der Meisterschaft die Diskussion auf, wie sehr sich Mannschaften, die bereits als Champion feststehen, noch verausgaben.... Bereits feststehende Meister: Wie viel Moral ist vorhanden?

In regelmäßigen Abständen kommt in den letzten Runden der Meisterschaft die Diskussion auf, wie sehr sich Mannschaften, die bereits als Champion feststehen, noch verausgaben. Wird das Engagement nach dem Erreichen des Titels deutlich zurückgefahren, kommt es nicht selten zur Verzerrung der letzten Spiele, was für manch einen Gegner fatale Auswirkungen haben kann. Abseits.at analysiert die meisterliche Moral seit der Jahrtausendwende.

Innsbrucker Existenzsorgen

Als erster Meister des neuen Jahrtausends konnte sich der FC Tirol Innsbruck feiern lassen. Am Ende stand man acht Punkte vor Rapid, zeigte in den bedeutungslosen Spielen nach der Fixierung des Titels allerdings keine Schwächen und schlug in den letzten drei Runden den LASK (der schlussendlich abstieg), Sturm Graz und die Wiener Austria.

Auch in der Saison darauf konnten sich die Innsbrucker die Meisterkrone aufsetzen, diesmal fiel die Bilanz nach Feststehen des Titels – mit zehn Punkten Vorsprung auf Sturm Graz – allerdings erheblich schlechter aus, als noch im Jahr zuvor. Von den letzten vier Saisonspielen konnte nur ein einziges gewonnen werden, während man drei Niederlagen einstecken musste. Womöglich waren viele Spieler zu dieser Zeit mit ihren Gedanken schon woanders, denn der Verein erhielt bekanntlich aufgrund massiver Überschuldung keine Lizenz für die folgende Saison.

Bregenz schafft das Wunder

In der Saison 2002/03 kam es vielleicht zur schwersten Wettbewerbsverzerrung der jüngeren heimischen Fußballgeschichte. Austria Wien stand bereits zahlreiche Runden vor Saisonende als Meister fest und hatte in der letzten Runde Bregenz zu Gast, das zu diesem Zeitpunkt auf dem letzten Tabellenplatz lag. Die Vorarlberger gewannen in Favoriten jedoch mit 2:0, während Ried zuhause gegen die Admira verlor, sodass die Oberösterreicher doch noch auf den Abstiegsplatz rutschten. Bereits in den Runden zuvor hatte sich die Austria alles andere als meisterlich präsentiert, denn nach der Fixierung des Titels gab es in fünf Runden keinen einzigen Sieg mehr.

2003/04 setzte sich der GAK in der vorletzten Runde zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die teure Meisterkrone auf. Zum Saisonabschluss gab es eine 1:2 Niederlage bei der Admira, die jedoch keine Auswirkungen auf die Endtabelle hatte.

Rapid feiert und verliert

Gut gefeiert hatte offenbar auch Rapid nach dem ersten Meistertitel seit neun Jahren, denn nach der Fixierung des Tellers ging rein gar nichts mehr. In den letzten drei Saisonspielen setzte es Niederlagen in Salzburg und beim GAK, zudem wurde auf eigener Anlage auch noch das Derby verloren.

In der darauf folgenden Saison führte das Duo Schinkels/Stöger die Wiener Austria zum vorerst letzten Mal zu Meisterehren. Fixiert wurde der Titel in der vorletzten Runde, zum Saisonausklang setzte es dann eine Niederlage in Pasching.

Im Spieljahr 2006/07 fixierte Salzburg den Meistertitel schon etliche Runden vor Schluss und hatte am Ende sogar 19 Punkte Vorsprung auf den Vizemeister aus Ried. Die Punkteausbeute hätte jedoch noch wesentlich fetter ausfallen können, denn von den letzten sechs Spielen wurden nur zwei gewonnen. Zum Saisonende riss man sich dann doch noch einmal zusammen und schlug im Spiel der Meisterschalenübergabe Rapid mit 3:1.

Salzburg wird vom Absteiger abgeschossen

Im Jahr der Europameisterschaft war Rapid die erfolgreichste österreichische Mannschaft und fixierte den Titel in der vorletzten Runde mit einem Sieg gegen Altach. Anders als vor wenigen Jahren riss man sich auch in der abschließenden Runde noch am Riemen und siegte in Ried durch ein Tor von Erwin Hoffer, der den Verein in der Sommerpause in Richtung Neapel verließ, mit 1:0.

Nur wenig Moral bewiesen Salzburgs Meisterspieler in der einzigen Saison unter Co Adriaanse, denn nach der Fixierung des Titels ging zunächst die Partie bei Sturm Graz verloren. Zur Überreichung des Meistertellers waren dann über 22.000 Zuschauer in das Salzburger Stadion gepilgert und mussten mit ansehen, wie ihre Mannschaft gegen den Absteiger aus Altach mit 1:4 unterging.

Und heuer?

In den vergangenen beiden Spielzeiten stellte sich die Frage nach der meisterlichen Moral nicht mehr, denn sowohl Salzburg als auch Sturm Graz konnten erst am letzten Spieltag ihren Triumph besiegeln. In der heurigen Saison steht noch eine Runde aus. Meister Salzburg trifft dabei auf die Admira, die mit einem Sieg definitiv im Europacup steht. Nicht nur von Seiten der Wiener Austria, die ebenfalls noch um den internationalen Bewerb kämpft, wird man ganz genau beobachten, wie sich die Bullen im finalen Meisterschaftsspiel schlagen.

OoK_PS, abseits.at

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