Die gestern bekannt gewordene Auslosung zur kommenden Meisterschaft 2011/12 der Österreichischen Bundesliga hat unter den Anhängern der hiesigen Vereine für einiges Aufsehen gesorgt –... Bundesliga-Auslosung: Gedreht, weil's geht!

Die gestern bekannt gewordene Auslosung zur kommenden Meisterschaft 2011/12 der Österreichischen Bundesliga hat unter den Anhängern der hiesigen Vereine für einiges Aufsehen gesorgt – dann aber auch irgendwie wieder nicht.

Was ist passiert? Wie hinlänglich bekannt, wurde im Finish der abgelaufenen Saison im grünweißen Hütteldorf ein Rasen gestürmt. Da es sich dabei aber nicht um irgendein Grün handelte, sondern um eine geheiligte Spielwiese, mussten Konsequenzen folgen. Die Bundesliga verhängte eine 50.000€-Geldstrafe und zwei Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der SK Rapid Wien, sich doch einer Teilschuld bewusst, aber der Meinung, alle möglichen, also auch nötigen Vorkehrungen getroffen zu haben, legte Einspruch gegen dieses Urteil ein. Im ersten Versuch scheiterte dieser Einspruch, nun dürfen sich Edlinger, Marek und Co. allerdings darüber freuen, auf anderem Wege einem Teil der Konsequenzen entgehen zu können. Der Auslosung sei Dank.

AUSLOSUNG UNTER ANFÜHRUNGSZEICHEN

Eine Saison in Österreich dauert 36 Runden, dabei treffen alle Teilnehmer genau viermal aufeinander. Es gibt somit zweimal zwei Durchgänge, jeweils einmal hin und dann wieder zurück. Betrachtet man nun die frischgebackene Auslosung, so wird man, bei ganz genauem Hinsehen, stutzig. Sind die Duelle des ewigjungen Klassikers Rapid-Austria im zweiten, dritten sowie vierten Meisterschafts-Viertel in der jeweils dritten Runde angesetzt, findet sich diese Paarung im ersten Saisonviertel an der fünften Stelle wieder. Was zu Zeiten reger Europacupauftritte und akuter Termin(plan)not nichts Außergewöhnliches darstellt, nämlich das kunterbunte Tauschen und Verschieben einzelner Termine, mutet aktuell mehr als nur seltsam an. Warum wurde hier offensichtlich der ausgeloste Terminplan manipuliert?

CHANCE FÜR DIE SV RIEd

Auf der Hand liegt, dass ein gut bis sehr gut besuchtes Happel-Stadion gegen den großen Stadtrivalen (35. bis 45.000 Fans) für die Hütteldorfer weitaus lukrativer wäre als ein gut besuchtes Hanappi-Stadion gegen die SV Ried (etwa 15.000 Fans). Da fallen auch die Mehrkosten der weitaus größeren und somit auch kostspieligeren Spielstätte im Prater nicht mehr so sehr ins Gewicht. Für Rapid ist der Dreh im Spielplan auf jeden Fall ein Vorteil. Genauso wie für die Austria, die darauf hoffen darf, sich, und somit auch ihre Sponsoren, noch besser ins Rampenlicht stellen zu können. Es profitieren also beide Wiener Vereine von diesem Dreh. Wie schaut es aber mit den Riedern aus? In Fankreisen im Innviertel nimmt man die Situation sowohl mit einem lachenden als auch mit einem weinenden Auge auf. Einerseits rechnet man sich bessere Chancen aus, im Westen Wiens endlich wieder einmal voll zu punkten, wenn man dort nur gegen elf Spieler und nicht auch gegen Tausende hochmotivierte Fans antreten muss, andererseits ist es für jeden Spieler der Gegnermannschaft eine interessante Erfahrung, im vollen Hanappi aufzulaufen und dann – womöglich auch noch zu bestehen.

LACHHAFTE BEGRÜNDUNG

Die mittlerweile (auf Anfrage der Kollegen von 90minuten.at) bekannt gewordene Begründung der Bundesliga darf man als kritischer Fan einfach nicht ernst nehmen:

„Aufgrund der größeren logistischen Anforderungen bei einem Spiel im Happel-Stadion wurde ein späterer Derby-Termin im ersten Durchgang angestrebt. Das betrifft die gesamte Spielvorbereitung – inklusive der Sicherheitsvorkehrungen“

WIN-WIN-WIN/LOSE

Es bleibt jedenfalls spannend, wie – beziehungsweise ob! – die Bundesliga den Dreh am Spielplan begründen wird. Auch das Happel-Oval fällt als Begründung (besser wäre wohl die Bezeichnung Ausrede) weg, denn dieses wäre auch in der dritten Runde, rund um den 30. August, verfügbar.
Im Grunde handelt es sich, auf einen ersten schnellen Blick, also um einen Dreh, der keinem Beteiligten wirklich weh tut. Sowohl Rapid als auch die Austria profitieren und auch die Rieder, betrachtet man nur die sportliche Seite, können mit dem Tausch wohl leben. Wären da nicht die Rieder Auswärtsfahrer, die somit um eine Reise nach Wien umfallen. Und wäre da nicht dieser gewisse schale Beigeschmack. Ein Beigeschmack, dass man, dass es die Rapidler sich wieder einmal hingedreht hätten. Und warum? Na, weil‘s eben geht.

Arnold Pühringer, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen