Nach einer Seuchensaison ist Rapid auf der Suche nach Stabilität. Defensiv soll man 2011/12 besser stehen, vorne sollen die Stürmer mehr treffen und dazwischen... Bundesliga-Vorschau: Umbruch in Hütteldorf – wie stark ist Rapid?

Nach einer Seuchensaison ist Rapid auf der Suche nach Stabilität. Defensiv soll man 2011/12 besser stehen, vorne sollen die Stürmer mehr treffen und dazwischen muss wieder Leben in die grün-weiße Bude kommen. Peter Schöttel rührte kräftig um und lässt seine Mannen in der Vorbereitung kräftig schwitzen – doch wie stark ist das europacuplose Rapid in der neuen Saison wirklich?

TORHÜTER

Raphael Wolf, Thomas Gebauer, Ján Novota, diverse weitere Kandidaten aus dem Ausland. Noch ist nicht gewiss, wer in der neuen Saison das Rapid-Tor hüten wird. Sicher ist nur, dass Helge Payer keinen Freibrief für den Platz im Kasten bekommt. Der 31jährige Keeper zeigt seit mehreren Saisonen regelmäßige Unsicherheiten, „glänzt“ zudem mit Unfähigkeit zur Selbstkritik, wenn ein Spiel mal in die Hose ging. Payer driftet in die Mittelmäßigkeit ab bzw. ist schon jetzt im nationalen Vergleich ein durchschnittlicher bis unterdurchschnittlicher Schlussmann, dem seine Vereinsverbundenheit stets zu Gute kam. Mit Lukas Königshofer hat Payer zudem einen Konkurrenten, der leicht klein zu halten ist. Zwar posaunt der 22jährige Keeper von Zeit zu Zeit heraus, dass er dem Routinier den Kampf ansagen möchte, jedoch ist der 191cm große Königshofer (noch?) nicht bundesligatauglich, greift sowohl in Testspielen für die Kampfmannschaft, als auch bei den Amateuren regelmäßig vorbei. Noch ist Rapids Tormannproblem also noch nicht gelöst, ein neuer Mann zwischen den Pfosten ist jedoch schon seit langer Zeit überfällig. Kommen wird er sicher, die Fragen sind derzeit nur noch wer und wann.

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ABWEHR

Ein einladendes Loch zwischen Soma und Katzer, die mangelnde Schnelligkeit selbiger, lähmende Spiele Andreas Dobers, individuelle Schnitzer von Mario Sonnleitner… all das soll es 2011/12 in Hütteldorf nicht mehr geben. Zwar sind mit Ausnahme von Andreas Dober die Protagonisten von Rapids defensiver Katastrophenbilanz noch an Bord, doch Schöttel krempelte die Abwehr um, setzt in Zukunft auf Dynamik. Mit Christian Thonhofer kommt ein selbstbewusster Außenverteidiger für beide Seiten zurück ins Team, und dass Thomas Schrammel den merklich alternden Markus Katzer verdrängen wird, ist zu erwarten. Auch Teambaby Michael Schimpelsberger wird nach seiner Rückkehr von der U20-Weltmeisterschaft näher ans Team rücken. Die große Unbekannte ist vorerst noch Ex-Wacker-Innsbruck-Innenverteidiger Harald Pichler, der mit dem Norweger Ragnvald Soma die zentrale Abwehr bilden soll. Pichler gilt als kopfballstarker, schneller Spieler, der den arbeitenden Part in der Innenverteidigung übernehmen soll – Ragnvald Soma wird eine weitere Saison das Vertrauen geschenkt: Peter Schöttel ist von seinen fußballerischen Fähigkeiten überzeugt und will den routinierten, wenn auch langsamen Soma als spielerisches Zugpferd für seine Abwehr forcieren. Das größte Risiko in einer Abwehr, die sich auf dem Papier stark verbessert zeigt.

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MITTELFELD

Entlastung für Steffen Hofmann. Das einzige Thema in Wien-Hütteldorf, wenn es darum geht, Troubleshooting im Mittelfeld zu betreiben. Seit dem Abgang von Branko Boskovic tat man sich schwer das Mittelfeld zu ordnen, Steffen Hofmanns langwierige Verletzung machte die Sache nicht einfacher, belastete Spieler mit anspruchsvollen Aufgaben, die spielerisch gar nicht dafür geschaffen waren. Doch auch Rapids Mittelfeld wird vor der neuen Saison flexibler: Thomas Prager hat als „spielender Sechser“ Vorteile gegenüber seinem Vorgänger Yasin Pehlivan, Guido Burgstaller (der Rapid allerdings erst frühestens im Oktober zur Verfügung stehen wird) komplettiert eine laufstarke, dynamische Mittelfeldachse, zu der auch Drazan und Trimmel gehören. Zudem darf Schöttel dank Saurer und Prokopic offensiv auf Überraschungsmomente hoffen und kann defensiv neben Markus Heikkinen auch weiterhin auf Dauerbrenner Stefan Kulovits zurückgreifen. Nichts desto trotz gilt es für einige Spieler (speziell Drazan, Saurer und Prokopic) nun endlich aus den etwas klebrigen Startlöchern zu kommen. In Rapids Mittelfeld müssen einige Spieler einen weiteren Entwicklungsschritt hinter sich bringen.

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ANGRIFF

Nach dem Abgang des enttäuschenden Jan Vennegoor of Hesselink fährt Rapid mit schweren Geschützen auf: Hamdi Salihi bleibt zumindest vorerst beim Klub, ein Abgang im Spätsommer ist jedoch nicht unwahrscheinlich. Der Albaner ist kein großer Arbeiter, eher als Strafraumkobra zu bezeichnen und ist einer der Stürmer, den man oft 89 Minuten nicht sieht, dafür in Minute 90 jubelnd. In 1 ½ Jahren erzielte Salihi 44 Pflichtspieltore für Rapid – wer sollte den Abgang eines solchen Goalgetters kompensieren? Zum Beispiel andere Kanoniere aus den eigenen Reihen: Mit Deni Alar kommt Kapfenbergs Topscorer, der schon in der Vorbereitung zeigte, dass er mit dem Ball per Du ist. Atdhe Nuhiu wirkt oft schwammig und ungelenk, zeigte sich in den letzten Monaten jedoch sehr lernfähig und kann auch dank neuer Möglichkeiten auf den Flügeln bei Flanken eine Waffe sein. Zudem wartet man bei Rapid gespannt auf das Comeback von „Straßenkicker“ René Gartler. Nachdem der mittlerweile 25jährige zum x-ten Mal von Verletzungen zurückgeworfen wurde, will er nun endlich durchstarten und hat unter Schöttel große Chancen, das auch zu schaffen. Was man nicht vergessen darf: Der begnadete Fußballer Gartler machte schon vergangene Saison neun Pflichtspieltore und fünf Assists in nur knapp 1500 Minuten. Rapids Angriff verbesserte sich punktuell, könnte 2011/12 vor allem durch den Umstand glänzen, dass sich alle Teilnehmer perfekt ergänzen.

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TEAM

Neun Abgänge, sechs Zugänge – keine Mannschaft wächst von alleine zusammen, auch Rapid nicht. Nach dem fünften Platz mit darauffolgendem Umbruch muss Schöttel das Team „neu starten“, ist zudem selbst zur erweiterten Liste der Neuzugänge zu zählen. Geht man davon aus, dass Rapid noch einen Einserkeeper verpflichten wird, könnte man in Hütteldorf bald eine Startaufstellung sehen, die im Vergleich zur Vorsaison an fünf Positionen verändert wurde. Das neue, numerisch abgespeckte Team mit vielen neuen starken Österreichern zusammenwachsen zu lassen, ist die größte Aufgabe, die vor und mit der neuen Saison auf den Rekordmeister zukommt.

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TRAINER

In Wiener Neustadt bewies Peter Schöttel, dass er „bundesligatauglich“ ist und formte hoffnungsvolle Talente erfolgreich nach seinen Vorstellungen. Bei Rapid kommt eine druckvollere Aufgabe auf Schöttel zu, der jedoch den Verein und seine Abläufe nach 524 Pflichtspielen und weiteren Jahren als Sportmanager wie seine Westentasche kennt. Für die Mannschaft ist Schöttel eine willkommene Abwechslung zum gegen Ende festgefahrenen Pacult-Regiment und der unsicheren Interimslösung mit dem jetzigen Amateure-Coach Zoran Barisic. Zudem gilt der 44jährige Wiener im Gegensatz zu seinen langfristigen Vorgängern als Trainer, der auch modernen Methoden gegenüber aufgeschlossen ist. Übrigens ebenso wie sein Trainerteam: Speziell der ehemalige albanische Nationalspieler und heutige Konditionstrainer Dritan Baholli zeigt großes Engagement, hebt die Intensität des Rapid-Trainings auf ein neues Level.

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GESAMT

Noch gibt es zwei offene Fragen in Rapids Kaderplanung: Torhüter und Salihi-Verbleib – beides Stichworte, die Rapids Erfolg in der kommenden Saison stark beeinflussen werden. Doch der von den Fans erwartete Umbruch ist den Verantwortlichen gelungen, das Team wurde einer Frischzellenkur unterzogen, obwohl die Vertragsverlängerungen der zuletzt umstrittenen Routiniers Soma und Heikkinen zwischendurch für Aufregung sorgten. Der verkleinerte Kader mit nur vier Legionären sieht hungrig und vielversprechend aus, doch ob Rapid in der kommenden Saison wieder einen Höhenflug starten kann, wird davon abhängen, wie schnell sich dieser Kader zu einer Einheit zusammenraufen wird.

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Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen