Der SV Grödig hat es geschafft. Der kleine Verein aus dem Flachgau steigt mit Sommer 2013 erstmals in die tipp3 Bundesliga auf und repräsentiert... Die Sensation ist perfekt: Grödig steigt in die tipp3 Bundesliga auf!

SV Grödig Wappen, LogoDer SV Grödig hat es geschafft. Der kleine Verein aus dem Flachgau steigt mit Sommer 2013 erstmals in die tipp3 Bundesliga auf und repräsentiert dort als aktuell zweiter Klub das Bundesland Salzburg. Ausschlaggebend für den fixen Aufstieg der Grödiger war der 2:1-Heimerfolg über den bis heute schärfsten Verfolger SC Austria Lustenau, der jetzt sogar Gefahr läuft in der Tabelle durchgereicht zu werden.

Die „Experten“ des heimischen Fernsehens gratulierten dem SC Austria Lustenau bereits vor dem ersten Adventsonntag 2012 zu Meistertitel und Aufstieg. Die Lustenauer führten nach 19 Spieltagen die Tabelle mit acht Punkten Vorsprung auf St.Pölten und neun auf Grödig überlegen an. Nun steht vier Runden vor Schluss der SV Grödig als Meister der Heute für Morgen Erste Liga fest. Der Verein ist gesund, verfügt personell über eine gute Mischung und beschloss sich nach dem Kauf der „Starspieler“ Herwig Drechsel und Matthias Hattenberger nicht mehr zu weit aus dem Fenster zu lehnen.

Fußballverrückter „Toni“ Haas als starker Mann

Der starke Mann in Grödig ist Unternehmer Anton „Toni“ Haas (formell übrigens nur noch Ehrenpräsident), der früher bereits als Vizepräsident im Vorstand des SV Austria Salzburg saß und sich 1998 mit der A. Haas Schrott & Metalle GmbH selbständig machte. Haas übernahm den Verein als er in der Salzburgerliga spielte – der vierthöchsten Spielklasse. Mit Heimo Pfeifenberger als Trainer gelang der Aufstieg in die zweite Spielklasse. Mit dem Vorarlberger Adi Hütter schaffte der Verein aus der 7.000-Seelen-Gemeinde den Aufstieg in die tipp3 Bundesliga. Der Sohn von Anton Haas, Christian, hat beim 1948 gegründeten SV Grödig die Rolle als Sportmanager inne und übt diese Tätigkeit durchaus erfolgreich aus.

Zwei Routiniers und die Stütze aus Las Palmas

Der  Stamm der Mannschaft setzt sich aus Routiniers und ambitionierten jungen Talenten zusammen. Der erfahrenste Spieler im Team ist der 36-jährige Stefan Lexa, der zuvor für die SV Ried in der Bundesliga spielte. Der zweite Routinier ist der 30-jährige Dominique Taboga, der einst in Kapfenberg und bei Tromsö IL in Norwegen seine Schuhe schnürte. Der zweite Innenverteidiger der Grödiger ist zugleich der Führungsspieler, Kapitän und wohl die Schlüsselfigur im Team: Der knallharte Spanier Ione Cabrera (27) kam vor zwei Jahren aus Altach, nachdem er zuvor für Jerez, Las Palmas und die B-Elf von Osasuna kickte.

Salamon bereitet vor, Witteveen trifft, Leitgeb räumt ab

Für Tore und Assists sorgten in der laufenden Saison vor allem zwei Spieler, die bereits als „fertig“ gelten, aber dennoch weiteres Entwicklungspotential aufweisen. Der linke Mittelfeldspieler Thomas Salamon (24) erzielte in der laufenden Saison neun Tore und steuerte elf Assists bei. Im Angriff spielt mit David Witteveen ein ehemaliger Schottland-Legionär, der bereits bei 14 Saisontreffern hält und seine Stärken speziell im Abschluss hat. Der etwas behäbige, aber physisch sehr starke 27-Jährige hat jedoch einen auslaufenden Vertrag und es ist nicht sicher, ob er die Grödiger in die tipp3 Bundesliga begleiten wird. Die große Stütze im Defensivbereich des Mittelfelds ist Mario Leitgeb (24), der kurioserweise im Herbst 2011 bei Austria Lustenau auf dem Abstellgleis landete und nun einer der Schlüsselcharaktere auf dem Weg zum Grödiger Titel war.

Cleverer Torhüter und weitere gute Junge

Auch die Nachwuchstalente des Klubs wussten in der laufenden Saison zu gefallen: Einserkeeper ist etwa der 23-jährige Kevin Fend, der nicht nur mit guten Reflexen bestach, sondern auch als Schlussmann gilt, der sehr gut mitspielt, bei Ballbesitz eine hohe Grundposition einnimmt und immer anspielbar ist. Im zentralen Mittelfeld spielte der 21-jährige Stefan Nutz bisher eine sehr unbekümmerte Saison, in der ihm bis dato sechs Tore und acht Assists gelangen. Fast schon ein Urgestein ist zudem der erst 23-jährige Lukas Schubert, der in den Leistungsklassen zwei und drei bereits 118 Ligaspiele für den SV Grödig absolvierte, seit fünf Saisonen Stammspieler ist.

Mühevoller 2:1-Erfolg über Austria Lustenau

Im meisterschaftsvorentscheidenden Spiel gegen den SC Austria Lustenau tat sich Grödig phasenweise schwer, gewann aber schließlich durch Treffer von David Witteveen und Tadey Trdina mit 2:1. Trdina, der im Winter vom Regionalliga-Mitte-Klub Kalsdorf kam, gelang nach einer schönen Einzelleistung ein würdiges, meisterschaftsentscheidendes Tor. Grödig tauchte allerdings zwischendurch durch Leerlaufphasen und war kurzzeitig gefährdet das 1:2 zu kassieren.

Fragezeichen Untersbergarena

Vor dem ersten Spiel der Grödiger in der tipp3 Bundesliga gibt es jedoch noch einige Fragezeichen. So fasst etwa das Heimstadion der Flachgauer, die Untersbergarena, aktuell nur 2.955 Zuschauer, nachdem es bereits vor 2 ½ Jahren ausgebaut wurde. Von diesen 2.955 sind jedoch nur 1.065 Sitzplätze – die Bundesliga-Statuten schreiben für die zehn österreichischen Top-Klubs jedoch mindestens 3.000 Sitzplätze vor. Zudem stehen auch hinter einigen Sicherheitsrichtlinien rund um die Untersbergarena ein paar Fragezeichen, die es zu bedenken gibt. Aufsteiger dürfen allerdings bei der Bundesliga Sondergenehmigungen anmelden, die ihnen beim Ausmerzen der baulichen und infrastrukturellen Schwächen mehr Zeit verschaffen. Die Untersbergarena muss also höchstwahrscheinlich nicht beim allerersten Bundesligaspiel 100%ig tauglich sein. Dennoch muss man sich schnell Gedanken über die offenen Stadionfragen machen, bevor zum Beispiel große Fan-Mobs von Rapid oder Austria Wien ins Salzburger Land kommen.

Fans anderer Vereine „not amused“

Allgemein stößt der Aufstieg der Grödiger bei Fans anderer Vereine auf Ablehnung. Das allgemeine Fan-Echo bedauert das Aufstreben von Provinzklubs, während große Traditionsvereine aus Gründen der Misswirtschaft, des fragwürdigen Regionalligasystems oder anderen Barrieren auf der Strecke bzw. bestenfalls in der Regionalliga bleiben. Die Vorstellung von Duellen kleinerer Klubs in Österreichs höchster Spielklasse – etwa Grödig gegen Wolfsberg – stößt langjährigen Fans der Bundesliga sauer auf. Derartige Klubs wären keine Aufwertung für die heimische Liga und machen die höchste Spielklasse des Landes aufgrund des niedrigen Fan- und Sympathisantenpotentials sowohl im Stadion als auch im Fernsehen uninteressanter.

Großer Zusammenhalt macht auch „oben“ vieles möglich

Dies ist die eine Seite der Medaille und aus Fan-Sicht sicher auch in gewisser Weise nachvollziehbar. Andererseits bewies etwa der Wolfsberger AC, dass man auch als kleiner Klub in der Lage sein kann, guten Fußball zu spielen und sich eventuell sogar für Europa zu qualifizieren. Angesichts dessen, dass mit dem SV Grödig ein äußerst gesunder, weil bescheiden geleiteter Verein aufsteigt, muss die Leistung der Grödiger Verantwortlichen honoriert werden. Schon in den ersten Minuten nach dem Abpfiff betonten die siegreichen Grödiger Spieler den großen, fast schon familiären Zusammenhalt in Team und Verein. Manager Christian Haas ließ es sich nicht nehmen sofort mit seiner Mannschaft zu feiern.

Solide und bescheiden

In Grödig scheint alles homogen, sowohl die sportliche, als auch die wirtschaftliche Entwicklung wurde Step by Step und mit klarer Philosophie (Zusammenhalt, Ausbildung junger Talente, derzeit nur drei Legionäre im Team!) vorangetrieben. Ob man Newcomer will oder nicht – bei diesem kleinen Klub wurde in den letzten Jahren besser gearbeitet als in den mit viel höherem Potential ausgestatteten Landeshauptstädten wie Linz, Klagenfurt, St.Pölten oder – typischerweise – in Teilen von Graz. Daher ist der Aufstieg des Underdogs absolut verdient. Die nächsten Fragen, die sich stellen: Wie kann Haas die Mannschaft fürs erste Bundesligajahr aufrüsten, ohne dabei das Leitbild des Klubs über den Haufen zu werfen? Und wie gut kommt der kleine SV Grödig im Kampf um den Klassenerhalt in der höchsten Spielklasse zurecht?

Daniel Mandl, abseits.at

Daniel Mandl Chefredakteur

Gründer von abseits.at und austriansoccerboard.at | Geboren 1984 in Wien | Liebt Fußball seit dem Kindesalter, lernte schon als "Gschropp" sämtliche Kicker und ihre Statistiken auswendig | Steht auf ausgefallene Reisen und lernt in seiner Freizeit neue Sprachen

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