Die Austria spielte in Mödling und erhoffte sich bei bestem Willen einen knappen Sieg, doch es folgte ein unterhaltsamer Thriller sondergleichen mit unglaublichen zehn... Irres Spiel in der Südstadt: Austria gewinnt „individuelle Fehlerorgie“ mit 6:4!

Die Austria spielte in Mödling und erhoffte sich bei bestem Willen einen knappen Sieg, doch es folgte ein unterhaltsamer Thriller sondergleichen mit unglaublichen zehn Toren. Die umschaltstarken Admiraner zeigten wieder ihre zwei Gesichter in den unterschiedlichen Umschaltsituationen und müssen Konstanz in ihre Bewegung hineinbekommen.

Aufstellung der Veilchen

Die Austria begann einmal mehr in ihrem 4-3-3, in welchem Alexander Gorgon und Tomas Jun die Flügelstürmer bildeten. Während Jun als verkappter Stürmer agiert, ist Gorgon eher ein Flügelspieler, wobei in dieser Partie beide freiere Rolleninne hatten. Dazwischen begann Philipp Hosiner, welcher vom Spielerprofil her wohl als der ideale Stürmer für ein 4-3-3 angesehen werden kann. Körperlich passt er, er kann mitspielen und pressen, wodurch er sich bspw. von einem Spielertyp á la Roland Linz klar abhebt.

Dahinter begannen Florian Mader und Tomas Simkovic; letzterer diente als Raumfüller nach vorne und als vertikale Acht, während sich Mader eher spielgestaltend miteinschaltete. Für sie sicherte James Holland als alleiniger Sechser ab. Die Viererkette wurde von Fabian Koch und Markus Suttner auf den Außenverteidigerpositionen gebildet, zentral spielten Kaja Rogulj und Manuel Ortlechner.

Die Admiraner

Die Gastgeber starteten wie üblich mit ihrem 4-4-2, in welchem ein hängender und technisch beschlagener Stürmer hinter Issiaka Ouedraogo auflief. Diese Halbspitze war einmal mehr Marcel Sabitzer, während Thorsten Schick und Patrik Jezek als offensive Flügelstürmer aufliefen. Dazwischen gab es einmal mehr die offensiv ausgerichtete Doppelsechs mit Bernhard Schachner und Lukas Thürauer, die für die nötige Kreativität im schnellen Umschaltspiel nach vorne sorgen sollten.

Dahinter gab es mit Gernot Plassnegger auf rechts und Stephan Palla auf links zwei vertikale Außenverteidiger und Richard Windbichler mit Peter Pöllhuber als Innenverteidiger.

Wie prophezeit: der Admira fehlt die Balance

Bereits in einer vorherigen Analyse wurde darauf hingewiesen, dass die Admira durch diese Spielerbesetzung zwar enorm schnell in die Spitze spielen kann, es aber am defensiven Umschaltspiel mangelt. In dieser Partie wurde dies vollends bewiesen, denn die Admira war nicht nur beim Aufbauspiel fehleranfällig, sondern leistete sich in der Rückwärtsbewegung einige Löcher, welche die Austria ausnutzte.

Andererseits war die Austria nicht ganz auf dem hohen Niveau im defensiven Umschaltspiel, wie es die Admira in ihrem Vorwärtsgang war. Dies mündete in diesem zehn-Tore-Spiel, welches letztlich den Fokus auf ein offensives Umschaltspiel in gewisser Weise ad absurdum führt: anstatt aus einer sicheren Defensive Konter zu fahren und Nadelstiche zu setzen, leistete sich die Admira den Luxus, ihre teilweise tollen Angriffe weder abzusichern noch aus einer gut gestaffelten Abwehr heraus zu spielen.

Ein Blick auf das erste Tor zeigt aber auch einen weiteren großen Faktor in diesem Spiel: individuelle Fehler, insbesondere unter Bedrängnis.

Die Eröffnung des Torreigens

In diesem Bild erkennt man, dass Palla einen unsicheren weiten Ball auf Pöllhuber spielt. Diesem Pass fehlt die nötige Dynamik, der Zug, um nicht abgefangen werden zu können – damit ist aber nicht das direkte Abfangen gemeint, dafür ist der halbrechte Innenverteidiger frei und der Pass präzise genug. Das indirekte Abfangen sieht man aber bereits hier: die Spieler der Austria bewegen sich schon schnell Richtung Ball und antizipieren einen möglichen Fehler von Pöllhuber. Dies setzt ihn noch mehr unter Druck, die Fehlerwahrscheinlichkeit erhöht sich.

Im zweiten wichtigen Bild der Entstehung dieses Tores sieht man, dass Hosiner einen schlechten Pass antizipierte und sich sofort in die Spitze bewegte. Pöllhuber konnte wegen des Druckes der Hintermänner Hosiners keinen klaren Kopf bewahren, verlor die Ruhe und spielte zu hastig unsauber ab. Die Folge war der Treffer durch Hosiner, welcher einen Hattrick verbuchen sollte.

Allerdings gab es nicht nur bei der Admira Löcher, sondern auch bei der Austria, welche ähnliche Mängel an den Tag legte.

Löcher in der Kette und in den Nachrückräumen

Ein Problem waren die entstehenden Löcher in beiden Defensivverbunden, wenn verschoben wurde. Dies lag einerseits an zu großen Schnittstellen, welche dann bespielt wurden, andererseits aber auch den mangelnder Kommunikation und Übersicht. Die Admira konnte, wie man hier sieht, auch ein fast schon lächerlich anmutendes Tor herausspielen, weil zwei Spieler am Sechzehner mutterseelenallein frei gelassen wurden.

Der Austria-Spieler, der hier herausrückt, konnte den Pass nicht verhindern, weil er erst in diesem Moment beim Admiraner angekommen war. Auch hier war er zu weit entfernt gestanden, schaltete nicht schnell genug und machte einen individualtaktischen Fehler. So weit so gut, doch sechs weitere Austria-Spieler befinden sich im Strafraum und schaffen es nicht, dass sie mehr als einen von drei Gegnern decken – ein fataler Fehler, welcher sich nur deshalb nicht rächte, weil die Austria am Ende des Tages sechs Tor erzielen konnte.

Fazit

Ein Spiel voller individueller Fehler und großer Passivität in der Mitte, welche  beide Teams zu zahlreichen qualitativ wertvollen Chancen einlud. Das größte Problem war jedoch die kollektive Bewegung gegen den Ball, in der viele Löcher freigelassen wurden. Diese Schnittstellen wurden bespielt und sorgten für einfaches Spiel für die Offensivspieler, welche allerdings im Rückwärtsgang enttäuschten.

Hinzu kamen besondere taktikpsychologische Umstände, zahlreiche Tore fielen nach mangelhafter Anpassungen beider Seiten an eine veränderte Spielsituation, welche dem Gegner Vorteile gab. Diese Balance wechselte einige Male hin und her, mit dem glücklicheren Ende für die Veilchen, welche auswärts einen großen Erfolg für sich verbuchen konnten. Auch wenn sich die Fans über die Punkte und das unterhaltsame Spiel freuen konnten, aus taktischer wie auch aus spielerischer Sicht war dies kein Bewerbungsschreiben der beiden Teams.

Sie zeigten zahlreiche grobe Fehlpässe und mangelnde Spielintelligenz in der Defensive, welche letztlich für dieses fulminante Spiel sorgte.Bei 16:18 Torversuchen kamen 11 beziehungsweise 16 auch auf das Tor – Passivität und mangelnde Zuteilung und Ordnung hat einen Namen.

Rene Maric, abseits.at

Rene Maric